Leser-Geburtsberichte

Vera erzählt

Nach einer gefühlt ewiglangen Einleitung bei der Geburt unserer Tochter vor 14 Monaten, habe ich dieses Mal auf einen natürlichen Beginn gehofft. Aber auch am ET hatte sich noch immer nichts getan, das Leben wurde doch sehr schwerfällig in den letzten Tagen. Zudem war die Tochter auch noch krank und auch ich hatte mich mittlerweile mit einer schönen Erkältung infiziert. Acht Tage nach ET saß ich freitags beim Frauenarzt und es tat sich noch immer nichts. Er war aber guter Dinge, dass es am Wochenende endlich losging. Falls nicht, sollte ich mich Montag um 9:00 Uhr im Kreißsaal melden, damit dann vor Ort entschieden wird, wie es weitergeht.

Natürlich passierte am Wochenende gar nichts, so dass wir bei ET+11 pünktlich um 9:00 Uhr auf der Matte standen. Wir wurden direkt von einer Hebamme aufgenommen und ich wurde erstmal ans CTG angeschlossen. Bei der anschließenden Untersuchung durch die Assistenzärztin wurde der kleine Mann nochmal vermessen. Ihre Schätzung ergab ein Gewicht von ca. 4300 g und einen Kopfumfang von 36 cm. Sie war sich unsicher, ob bei dem hohen Gewicht eine natürliche Geburt sinnvoll ist und hat sich mit dem Oberarzt beraten. Gott sei Dank sah dieser die Sache etwas entspannter, weil es ja nicht meine erste Geburt war. So durfte ich dann entscheiden, ob ich einen Kaiserschnitt am nächsten Tag oder die Einleitung einer natürlichen Geburt haben wollte. Ich habe mich natürlich für letzteres entschieden, obwohl ich durch die Erfahrung bei der ersten Geburt (nach Einleitung hat es trotz Wehen noch über zwei Tage gedauert) eigentlich keine Einleitung haben wollte. Doch diesmal hatte sich entgegen der ersten Geburt schon der Muttermund etwas geöffnet, so dass ich diesmal, es war kurz nach 11:00 Uhr, eine Tablette vor den Muttermund gelegt bekam (bei der ersten Geburt bekam ich alle vier Stunden eine Tablette in Wasser aufgelöst). Nach dem anschließendem CTG fragte mich die Hebamme, ob ich schon etwas merkte. Ich hatte zwar ein leichtes Ziehen im Unterleib, habe aber gedacht, dass es mehr ein Wunschdenken ist, das sich schon was tut. Also wurden wir erstmal aufs Zimmer geschickt und ich sollte spätestens um 18:00 Uhr wieder in den Kreißsaal kommen, bei Bedarf natürlich eher.

Gegen 14:00 Uhr bekam ich dann noch ein verspätetes Mittagessen und mein Mann verabschiedete sich erstmal nach Hause. Während ich aß, begannen die Wehen. Von jetzt auf gleich waren sie so heftig, dass ich weder weiteressen wollte noch alleine zum Kreißsaal gehen konnte. Ich habe dann schnell meinem Mann geschrieben, der noch auf dem Weg zum Auto war, dass er wiederkommen soll und zusammen mit ihm habe ich dann die paar Meter zum Kreißsaal geschafft. Leider war es zu der Zeit so voll, dass keiner der drei Kreißsäle frei war und so wurde ich erstmal im Wehenzimmer, in dem die CTGs geschrieben werden, untergebracht. Durch den heftigen Ansturm der Wehen und durch meine Erkältung war es mir kaum möglich, die Wehen zu veratmen und ich hatte das Gefühl, als wenn es mich zerreißt. Ich möchte gar nicht wissen, wie laut ich da rumgestöhnt habe. Da alle Hebammen in den Kreißsälen beschäftigt waren, wurde ich von der Assistenzärztin betreut, die die Eingangsuntersuchung gemacht hat. Sie wollte mir eine Spritze gegen die Schmerzen anbieten, hat dann aber doch eine PDA empfohlen, zu der ich gleich zugestimmt habe. Ich habe die Schmerzen kaum noch ausgehalten, mittlerweile gab es auch keine Pause mehr zwischen den Wehen.

Wie ich nachher von meinem Mann erfahren habe, konnten wir gegen 16:00 Uhr in einen Kreißsaal wechseln, in dem schon die Anästhesisten warteten. Nach einer gefühlten Ewigkeit (mein Mann hat mit einer enormen Ruhe den Fragebogen ausgefüllt…) wurde mir die PDA gelegt. Schon bei der ersten Geburt habe ich eine bekommen, die wunderbar gewirkt hat. Jetzt habe ich darauf gewartet, dass die Schmerzen nachlassen, aber nichts passierte. Die Wehen waren nach wie vor extrem stark. Als die Anästhesistin mich fragte, ob ich was merkte und ich es verneint habe, meinte sie mit einem Blick, den ich nie vergessen werde, dass sie dann auch nichts für mich tun könnte. Die Geburt sei einfach schon zu weit vorangeschritten. Mittlerweile war ich schweißgebadet und alles war nass, ich habe noch nie so geschwitzt und mein Mann war nur damit beschäftigt, mich irgendwie trocken zu kriegen. War gar nicht so einfach für ihn, auf Berührungen habe ich wohl immer abwechselnd schreckhaft oder aggressiv reagiert… Auch habe ich wie bei der ersten Geburt bedingt durch die Einleitung keinen Einlauf, kein Zäpfchen oder sonstiges und keinen Katheder bekommen und ich war nicht mehr Herrin über ausscheidenden Körperflüssigkeiten und auch festere Dinge. An dieser Stelle mal einen großen Respekt an die Hebammen! Eigentlich wäre mir ja sowas extrem peinlich, laut stöhnend, extrem stark schwitzend und in jeglicher Hinsicht inkontinent, aber in dieser Situation war es mir auf einmal völlig egal. Ich wollte nur noch, dass es vorbei geht.

Die Hebamme hat den Kreißsaal dann kurz verlassen, als ich plötzlich einen großen Drang zu pressen verspürte. Ich habe meinen Mann nur angeschrien, dass er die Hebamme zurückholen soll. Diese hatte das aber gehört und kam schon angerannt, im Schlepptau die Assistenzärztin und der Oberarzt. Gott sei Dank – nach 2 Presswehen war der kleine Mann um 18:39 Uhr auf der Welt und die Schmerzen vorher wie vergessen. Dem Sohnemann ging es bestens. Ein Knoten in der Nabelschnur hatte sich glücklicherweise nicht fest zugezogen. Nach einer langen Kennenlernzeit von fast einer Stunde, in der der Sohnemann auf meiner Brust lag (während ich versorgt wurde), wurde er vermessen und gewogen. 4700 g und einen Kopfumfang von 39 cm – gut, dass das vorher keiner wusste!

Leider sind wir dann ziemlich alleine im Kreißsaal gelassen worden, Schichtwechsel bei den Hebammen. Ich war irgendwie noch so fertig, dass ich nicht mal daran gedacht habe, dass der Sohnemann mal etwas trinken könnte. Als nach dem Schichtwechsel dann eine andere Hebamme kam, war sie ganz schockiert, dass der junge Mann noch nichts getrunken hat. Bei Geburtsgewicht von über 4500 g muss regelmäßig der Blutzuckerwert gemessen werden und siehe da, der Wert war nicht in Ordnung. Als sie dann sagte, dass der Sohnemann jetzt eigentlich auf die Kinderstation müsste, ist mir alles aus dem Gesicht gefallen, er wirkte doch sehr gesund und nicht gerade verhungernd. Die Hebamme hat dann allerdings vorgeschlagen, dass sie ihm ein Fläschchen macht und den Wert dann nochmal misst. Und Gott sei Dank war dann alles in Ordnung. So hatte der Sohnemann zwar noch bevor er das erste Mal an der Brust war, die erste Flasche, aber das war mir lieber, als auf die Kinderstation zu müssen.

Im Nachhinein habe ich noch viel über die Geburt nachgedacht, ging es doch alles relativ schnell und war sehr heftig. Und so egal, wie mir einiges unter der Geburt war, war es mir nachher dann doch nicht mehr. Auch habe ich viel mit der ersten Geburt verglichen, aber kaum Gemeinsamkeiten gefunden, war sie doch völlig anders. Aber mittlerweile kann ich sagen, dass ich – auch durch viele Gespräche mit meinem Mann – diese Geburt verarbeitet habe. Das Ergebnis ist auf jeden Fall immer wieder überwältigend.

Diesen spannenden Geburtsbericht hat Vera geschrieben 🙂

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