(Leser-)Geburtsberichte

Nadine W. erzählt

Meine Schwangerschaft ist bis zur 30. Woche unauffällig verlaufen. Mit 31 bin ich das erste Mal schwanger geworden und alles verlief nach Plan. Aber bei einem Frauenarzttermin in der 30. Woche wies er mich darauf hin, dass wir ab jetzt die Kindslage beobachten müssen. Er trug QL für Querlage in den Mutterpass ein. Noch war ich entspannt und hatte Hoffnung, dass sich mein Baby in die Richtige Position drehen würde. Beim nächsten Termin trug der Arzt BEL ein und schickte mich zu einem Geburtsplanungsgespräch in das örtliche Krankenhaus. Dort wurde ich über einen geplanten Kaiserschnitt aufgeklärt, falls der kleine Mann sich nicht in die richtige Position drehen würde. Langsam, die 36. Woche war erreicht, wurde ich nervös und besprach mit meiner Hebamme die Möglichkeiten, eine Wendung zu stimulieren. Nachdem Leuchten mit der Taschenlampe und Spieluhr keinen Erfolg brachte, entschieden wir uns für das Moxen, dabei wurde eine glühende Beifuß-Zigarre an den äußeren Rand des kleinen Zehs gehalten. Immer so lange, wie ich es ausgehielt. Die ganze Prozedur war schmerzhaft, aber tatsächlich erfolgreich. Als ich am nächsten Tag bei meiner Hebamme einem weiteren Mox-Termin erschien, lag das Baby in SL, also Schädellage. Ich war sehr froh, denn die 37. Woche hatte fast begonnen. Einen weiteren Tag später bin ich wieder beim Frauenarzt gewesen und der stellte per Ultraschall QL fest. Ich konnte es nicht glauben. Er meinte, dass die Hebamme falsch getastet hätte und verwies mich wieder an das Krankenhaus, da in QL auf keinen Fall spontan entbunden werden könnte. Für weitere Termine zum Moxen war es zu spät.

In Absprache mit meiner Hebamme und der Ärztin im Krankenhaus entschieden wir uns für eine äußere Wendung, denn das Baby lag dafür günstig im Becken: queer, aber mit Tendenz nach unten. Wir haben uns auch für die Wendung entschieden, da das Baby relativ klein geschätzt wurde und noch viel Fruchtwasser hatte. Zur Sicherheit wurde aber auch ein Termin für einen geplanten Kaiserschnitt am 29.12. vereinbart.

Am 22.12. mussten wir uns um 7 Uhr im Kreissaal melden, ich war in der 38. Woche. Dort wurde ich wie für einen Kaiserschnitt vorbereitet, bekam einen Zugang gelegt, musste OP-Kleidung anziehen und bekam dann einen Wehenhemmer. Die Gefahren sind u.a. das Platzen der Fruchtblase, Blutungen oder vorzeitige Wehen. Danach legten zwei Ärztinnen ihre Hände auf meinen Bauch und drehten und schoben das Baby in mir in die Schädellage. Es war unangenehm und fühlte sich komisch an, als würden sie auch meine Innereien drehen und verschieben. Aber es war erfolgreich. Ich musste noch einen Tag zur Beobachtung bleiben und hatte Glück, dass mein Baby sich in der neuen Position auch wohlfühlte. Noch einige Tage nach diesem Eingriff hatte ich starken Muskelkater im gesamten Bauch und blaue Flecken von den Fingern und Händen der Ärztinnen.

Weihnachten und Silvester verbrachten wir mit Warten auf unseren Sohn. Er lies sich viel Zeit. ET wäre am 29.12. gewesen. Bei jedem Termin zum CTG-Schreiben wurde jetzt immer auch ein Ultraschall gemacht, um die Kindslage zu kontrollieren. Den Termin zum Kaiserschnitt konnten wir wieder absagen.

10 Tage nach ET entschieden wir uns mit der Einleitung zu Beginnen. Am 08.01. meldeten wir und im Kreissaal und wenig später bekam ich die erste Tablette (ca. 12 Uhr). Bis abends um 21 Uhr hatte ich noch zwei weitere genommen, war viel spazieren gegangen und Treppen gestiegen, aber das CTG zeigte noch keine Veränderung. Mein Mann fuhr nach Hause und ich legte mich Schlafen. Beim letzten Gang zur Toilette bemerkte ich etwas Blut auf dem Papier, aber es war nichts zu spüren. Gegen halb zwei wurde ich wach, da ich ein unregelmäßiges Stechen und Ziehen spürte. Die nächste Stunde wurde es immer stärker und ich ging zum Kreissaal. Auf dem CTG war nichts zu sehen, ich bekam ein Zäpfchen gegen die Schmerzen und sollte mich wieder Schlafen legen. Da war es ca. 3 Uhr. Ich ging auf mein Zimmer, aber an Schlaf war nicht zu denken. Die Wehen wurden stärker und schmerzhafter. Um mich abzulenken hörte ich Hörspiele von den drei Fragezeichen. Liegen war schon jetzt unangenehm. Ich hielt es aus bis ca. 5 Uhr. Dann stand ich wieder vor dem Kreissaal. Eine Hebamme untersuchte mich und stellte 1cm fest. Das Liegen beim CTG war schmerzhaft und ich musste anfangen sie Wehen zu veratmen. Die Wehen waren endlich auch auf dem CTG sichtbar, ca. alle 10 min eine Wehe. Ich wurde wieder auf mein Zimmer geschickt und sollte gegen 10 Uhr wiederkommen. Außerdem gab mir die Hebamme ein paar homöopathische Tabletten, die ich auf der Zunge zergehen lassen sollte.

Also ging ich in meinem Zimmer auf und ab, nahm die Tabletten und installierte mir eine App zum Messen der Wehen. Erst als ich begann die Dauer der Wehen zu stoppen, war mir klar, dass sie schon relativ regelmäßig kamen. Meine Aufzeichnungen begannen mit ca. sieben Minuten und gegen 7:15 Uhr rief ich meinen Mann an, dass er jetzt kommen könnte. Bis er dann um 8 Uhr endlich da war, kamen die Wehen schon alle 5 Minuten. Es war sehr schmerzhaft, denn die Wehen kamen in Wellen von unten über meine Oberschenkel, den Bauch und den Rücken. Ich konnte sie nicht im Liegen ertragen und gleichzeitig konnte ich kaum stehen vor Schmerzen. Mein Mann war etwas verstimmt, dass ich ihn erst so spät angerufen hatte. Gemeinsam verbrachten wir noch ca. eine Stunde auf meinem Zimmer und er stützte mich bei jeder Wehe. Gegen 9 Uhr entschieden wir jetzt doch schon zum Kreissaal zu gehen, auch wenn ich erst um 10 Uhr kommen sollte. Die Wehen kamen alle zwei Minuten. Im Kreissaal traf ich auf die gleiche Hebamme, wie schon um 5 Uhr. Ich bat sie um Schmerzmittel, da ich zwischenzeitlich Krämpfe in den Oberschenkeln bekam. Sie brachte mich in ein Nebenzimmer und untersuchte mich wieder, schien aber nicht viel zu erwarten. Um so überraschter waren wir alle, als sie sagte es wären 6 cm und ich müsste nicht mehr auf mein Zimmer, sondern könnte in einen Kreissaal. Dort bekam ich endlich einen Tropf mit Schmerzmitteln, allerdings musste ich mich dafür wieder hinlegen. Ich fragte auch nach einer PDA, aber die Hebamme meinte, es wäre dafür schon zu spät. Sie sollte Recht behalten. Wir hatten Glück, dass zu dieser Zeit nicht viele andere Geburten stattfanden, sodass die Hebamme die ganze Zeit bei uns war.

Ich will nichts beschönigen, die Wehen waren sehr schmerzhaft und ich habe mich während jeder Wehe gefragt, warum ich mir das angetan habe. Es war ein Gefühl von Machtlosigkeit, denn mein Körper hatte die Kontrolle übernommen. Um 11:17 Uhr war der kleine Mann nach drei Presswehen auf der Welt. Gesund und trotz 11 Tagen über dem ET mit nur 50 cm. Er hat die zusätzlichen Tage im Bauch wohl benötigt. Rückblickend bin ich froh, dass wir uns für die äußere Wendung entschieden haben und es zumindest versucht.

Dieser schöne Geburtsbericht wurde geschrieben von Nadine W :)

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