(Leser-)Geburtsberichte

Julia B. erzählt

Vorweg, am Ende ist alles gut gegangen, meine Tochter ist heute knapp 10 Monate alt und ist ein tolles, fröhliches kleines Mädchen.
Meine Schwangerschaft war ziemlich normal, ich hab sie nur als sehr störenden Zustand empfunden. Ich hasse es, auf Hilfe angewiesen zu sein und wollte nicht gebremst werden. Außerdem war es mir irgendwie unangenehm so einen privaten und spannenden Teil meines Lebens für alle sichtbar zu präsentieren. Den kleinen Menschen, den ich da mit mir rumgetragen habe, wollte ich einfach schnellstmöglich kennen lernen.
Soweit alles wahrscheinlich ziemlich normal. In der ersten Woche meines lang ersehnten Mutterschutzes hatte ich dann noch ein Treffen mit meiner Hebamme, die mich halb im Scherz ermahnt hat, dann doch mal langsam die Kliniktasche fertig zu haben (ich hielt mich für total cool, die in der 35. Woche noch nicht gepackt zu haben, nahm es mir dann aber vor)
Am nächsten Tag waren wir auf einer Familienfeier, als ich komische Bauchschmerzen bekam. Anders als sonst waren sie durchgehend zu spüren und wurden auch immer unangenehmer. Ich konnte nicht mehr gut sitzen und mein Bauch war ziemlich hart. Ich hab es auf den anstrengenden Tag geschoben und habe mich früh verabschiedet und ins Bett gelegt. Nach ein paar unruhigenden Stunden, merkte ich, wie sich plötzlich etwas löste und Flüssigkeit zwischen meinen Beinen runterlief. ‘Das wird dann wohl der Blasensprung sein, von dem alle reden’, dachte ich und bin auf die Toilette. Aber es war Blut. Richtig richtig viel Blut.
Hier fing der schlimmste Tag meines Lebens an.
Ich habe zu meinem Mann gerufen, er solle im Krankenhaus anrufen und fragen was wir machen sollen. Die haben ihn  beinahe angeschrien, dass wir sofort einen Notarzt rufen müssen und ich mich mit überkreutzen Beinen hinlegen soll. Da habe ich dann erst realisiert, dass gerade etwas wirklich nicht in Ordnung ist. Ich konnte nur noch heulen und ‘ich will das so alles nicht’ stammeln. Die Rettungssanitäter waren leider auch ein bisschen überfordert mit der Situation, haben mich dann aber ins Krankenhaus mitgenommen. Dort stand das OP Team schon bereit, als ich erstmal ans CTG kam. Zum Glück habe ich erst später verstanden , dass sie erst schauen wollten, ob mein Kind noch lebt. Tat es. Die Herztöne waren stabil, die Hektik und die erste Angst waren weg.
Dann wurde der Grund der Blutung gesucht und nicht gefunden. Ich wurde da behalten, meinen Mann habe ich nach Hause geschickt.
Am nächsten Morgen kam ich aufgrund von Wehen wieder in den Kreißsaal, ich hatte die Nacht über auch weiter geblutet. Immer noch wurde nach dem Grund gesucht. Irgendwann wurde dann endlich der Chefarzt dazu gerufen. Er brauchte genau 2 Sekunden mit dem Ultraschall um die Plazentaablösung zu erkennen.
Dann ging alles wahnsinnig schnell. Innerhalb von wenigen Minuten war ich nackt, rasiert, ein Zugang wurde gelegt und ich wurde in den OP gebracht. Und mein Mann war zuhaus.
Das erste was mir nach der Vollnarkose gesagt wurde war dann zum Glück: Ihre Tochter bondet gerade mit ihrem Mann.
Dann kamen die Schmerzen. Mir musste nach dem Aufwachen zweimal das geronnene Blut aus dem Körper gedrückt werden.
In der Zwischenzeit wurde meine Tochter auf die Frühchenintensiv verlegt, da sie nicht von alleine geatmet hat. Mir wurde ein Foto von ihr gezeigt. Für mich war es in diesem Moment einfach ein Bild von irgendeinem Baby. Es war einfach grauenvoll. Keiner wusste wodurch das alles passiert ist.
Ich konnte nach der Operation 10 Stunden nicht aufstehen, da ich zu viel Blut verloren hatte. Konnte also auch mein Baby nicht besuchen.
Mein Mann war die meiste Zeit bei ihr und ich war allein mit meinen Gedanken. Was hatte ich falsch gemacht? Werde ich stillen können? Wie lange muss sie hier bleiben? Wird sie bleibende Schäden haben? Kann ich eine Bindung aufbauen? Und dann habe ich angefangen zu googlen, was so eine Plazentaablösung eigentlich ist.
Ich glaube da habe ich erst richtig begriffen, dass das ganze eine wirklich knappe Nummer für meine Tochter und mich gewesen ist.
Am Abend konnte ich endlich aufstehen und durfte zu ihr. Ab diesem Moment ging alles besser. Nach 3 Tagen wurde sie zu mir verlegt, ohne Beatmung.
Nach insgesamt 14 Tagen waren wir zuhause. Gesund, unheimlich glücklich und dankbar, dass am Ende alles doch gut ausgegangen ist.
Wie sehr habe ich mir das alles anders gewünscht. Aber es kommt wohl eh immer anders, als man es sich vorstellt.

Diesen sehr aufregenden Geburtsbericht hat Julia geschrieben :)

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