(Leser-)Geburtsberichte

Silke* erzählt

Ich habe eine wundervolle Tochter geboren und ich bin froh, dass wir beide es geschafft haben. Leider war der Weg sehr steinig.

Ich hatte überhaupt keine Angst vor der Geburt.
Ich war bereits 3 Tage über den Stichtag und hab meinen Arzt Termin wahrgenommen. Beim CTG war nichts zu sehen. Da mein Arzt die darauf folgende Woche in den Urlaub gehen sollte, haben wir bereits dann über den weiteren Vorgang gesprochen, falls bis Ende der Woche nichts passiert. Mir war aber ganz klar, dass ich nicht an den Wehentropf wollte. Mein Mann und ich sind viel spazieren gegangen, um alles in Gang zu setzen. So auch diesen Abend. Um 18 Uhr bekam ich dann leichte wehen, so wie immer, wenn wir spazieren gegangen sind. Normalerweise sind sie nach einer halben Stunde bis Stunde immer wieder verschwunden. Dieses mal aber nicht. Ich dachte aber, dass Geburtswehen mehr wehtun müssen und wartete ab. Nachts um 3 sind wir dann ins Krankenhaus gefahren, obwohl ich immer noch auf Schmerzen wartete, aber die Abstände würden kürzer. Da wir 40 km ins Krankenhaus fuhren, war es gut, dass mein Mann sich durchgesetzt hat, denn als wir im Krankenhaus ankamen war mein Muttermund bereits 6 cm offen. Eine halbe Stunde später waren es 8 cm. Die Hebamme sagte, dass alles super läuft und ich es vermutlich bald schon geschafft hätte, aber so kam es nicht.
Zuerst fielen die Herztöne meiner Tochter etwas ab, so dass ich auf der rechten Seite liegen musste, weil sie nur dort stabil waren. Ab da kann ich mich an vieles selbst nicht mehr erinnern. Ich hatte früher oft Dissoziationen nach einem Übergriff und vermute, dass ich deshalb nichts mehr weiß, denn nun nach der Geburt leid ich wieder darunter. Mein Mann sagte mir, dass ich nach einiger Zeit wieder aufstehen durfte, was ich auch gerne wollte, dass aber meine Beine einfach weg gesackt wären. Also musste ich weiter liegen, aber meine Beine fingen nach einigen Stunden an zu krampfen, weswegen mir eine PDA gelegt wurde. Meine Angst davor war berechtigt, denn die PDA hat mich abwärts komplett taub gemacht, weil versehentlich der Nerv getroffen wurde. Ich hab deshalb keine einzige wehe mehr gespürt. Auch die dann beginnenden Presswehen nicht. Die Hebamme versuchte mir zu sagen, wann ich Pressen muss, aber ich habe das Pressen nicht hinbekommen, auf Grund dessen, dass mir das Gefühl für die Muskeln fehlte. Ich sollte dann die wehen wegatmen. Irgendwann habe ich auch einen Wehentropf bekommen. Wann genau weiß ich nicht mehr.
Das Gefühl kam nach einiger Zeit wieder. Durch den Wehentropf hatte ich sehr dolle wehen und ich durfte nun nochmal pressen. Die Hebamme sagte, dass sie den Kopf schon so sehen kann. Auch mein Mann durfte schauen. Als die Hebamme nach verlassen des Kreissaals wieder kam sagte sie, dass ich aufhören muss zu pressen, da sie plötzlich keine Haare mehr sehen kann. Meine Tochter hatte den Kopf falsch gedreht und das bedeutete, dass Gefahr besteht, wenn sie weiter durch den Geburtskanal rutscht. Ich sollte wieder die wehen veratmen. Presswehen veratmen ist wirklich sehr unschön. Ich war total verunsichert. Die Hebamme musste aber noch zwei weitere Frauen betreuen und konnte nicht bei uns bleiben. Ich bekam langsam Panik und hab immer wieder die Klingel gedrückt. Ich dachte wirklich, dass mein Kind sterben wird. Nach 15 Minuten wurde entschieden, dass ich in den OP muss, damit ein Kaiserschnitt gemacht werden kann und es sollte schnell gehen. Mein Mann sollte sich bereit machen. Leider wurde dann entschieden, dass ich auf Grund der falschen Lage der PDA eine Vollnarkose bekommen muss. Mein Mann durfte also nicht mit kommen.
Ich wurde also in den OP geschoben. Ich hatte mittlerweile unglaubliche Schmerzen, mehr als die vorher beim pressen. Ich hoffte, dass das alles ein Traum ist. Leider war es das nicht. Ich lag also auf dem Tisch und dachte wir beide werden sterben. Das veratmen der wehen klappte mit der Atmenmaske nicht so gut. Ich hatte das Gefühl ich würde ersticken. Die 10 Minuten (oder wie viele es auch waren), die für die Vorbereitung benötigt wurden kamen mir vor wie Stunden. Ich konnte nicht mehr – nach 20 Std wehen und 40 Std ohne Schlaf.

Ich bin im Aufwachraum wieder aufgewacht. Ich hatte totale Panik. Ich wollte wissen, ob alles gut ist und einfach nur zu meiner Tochter und meinem Mann. Es fühlten sich wieder an wie Stunden, bis ich in einem Nebenzimmer des Kreissaals war. Endlich durfte ich sehen, dass alles gut ist. Ich hatte mich so darauf gefreut das Gesicht meines Mannes zu sehen, wenn er sie das erste mal sieht. Das hab ich verpasst, sowie die erste lebensstunde meiner Tochter. Ich war so deprimiert deswegen.
Ich konnte sie nicht auf den arm nehmen. Es fühlte sich alles so falsch an. Ich hatte das Gefühl, dass das nicht mein Kind wäre. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich bereit war meine Tochter in den arm zu nehmen, das erste mal anzulegen. Natürlich hab ich es getan. Aber mein Gefühl war einfach nicht dabei. Ich hatte unglaubliche schuldgefühle.
Am nächsten Tag sollte ich das erste mal aufstehen. Das hab ich getan. Wir sind so viel gelaufen mit meinem Kind in dem kleinen Bettchen. Aber das treten im Bauch war weg und es fehlte mir. Ich hatte das Gefühl, dass mein Kind einfach weg ist und ich nun ein neues, ein anderes Kind habe. Ich dachte, dass es zuhause dann anders wird. Das wurde es schlussendlich auch, aber erst nach einiger Zeit.
Ich denke, dass es mit unter auch so lange gedauert hat, weil ich immer wieder für mehrere Tage ins Krankenhaus musste, wegen einer Gebärmutterentzündung, die einfach nicht verschwinden wollte. Die ersten 5 Wochen habe ich mehr Zeit im Krankenhaus verbracht als zu Hause. Mir ging es so schlecht mit über 40 ° Fieber und kaum noch Kraft für irgendwas. Dann ist mir auch noch die Milch ausgegangen und ich fühlte mich wie eine komplette Versagerin. Es hat wirklich lange gedauert, bis ich das akzeptieren konnte. Ich wollte alles für mein Baby tun, auch ohne Muttergefühle.

Das erste Lächeln hat alles verändert und jedes weitere lässt mein Herz höher schlagen. Ich bin so froh, dass sie da ist. Sie hat sich mich berührt und ich habe mich endlich wie ihre Mutter gefühlt. Ich liebe sie über alles. Sie ist mein Kind. Mein perfektes Mädchen! ❤

Ich kann nur sagen, dass ich froh bin, dass es die Möglichkeit eines Kaiserschnitts gibt, auch wenn es so schwer für mich war anzukommen.

Diesen sehr spannenden Geburtsbericht hat Silke* geschrieben :)


*Name auf Wunsch der Autorin geändert

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Ein Kommentar für “Silke* erzählt

  1. Ich kann *Silke’s Gefühle mit dem Kaiserschnitt und der verpassten Chance den ersten Atemzug, Schrei und Papa’s Reaktion sehr gut nach empfinden. Ich für meinen Teil habe etwas länger gebraucht um das zu verarbeiten aber bin mir sicher das auch *Silke es geschafft hat. Als Mama macht man so einiges mit- von Anfang an. Aber es ist es wert. Alles Liebe *Silke!