Geburtsbericht
Geburtsberichte

Leserin-Geburtsbericht: Vanessa R. erzählt

Es ist der 21. Mai 2020 – Vatertag. Ein heißer und sonniger Tag. Das Wasser steht mir in den Beinen, mein Bauchumfang beträgt 125 cm (nicht schwanger um die 75 cm) und ich bin wirklich fertig. Die letzten zwei Wochen hatte ich über 2-3 Stunden am Tag regelmäßige Wehen und dann nichts mehr. Auch heute, ab nachmittags ca 16:00 Uhr, geht es wieder los. Alle 8 Minuten Wehen – bis hierher nicht außergewöhnlich, sondern so wie in den letzten zwei Wochen auch. Wir haben meinen Schwager und seine Freundin da und es wird gegrillt. Die Wehen sind auszuhalten aber regelmäßig. Bis dato dachte ich noch „die Wehen gehen gleich eh wieder weg“, aber irgendwie war doch etwas anders. Ich hatte noch 4 Tage bis zum ET. Zwei Stunden später laufe ich im Garten bereits auf und ab, bleibe am Zaun stehen, veratme die Wehen und laufe weiter – alle 5 Minuten Wehen. Okay, vielleicht geht es heute doch los, dachte ich mir. Als die Wehen dann bei 3 Minuten ankamen, machten wir uns auf den Weg in das Krankenhaus, in dem ich zur Geburt angemeldet bin. Es ist kurz vor Mitternacht.

Eine Geburt mitten in der Corona-Pandemie – ich habe Angst! Wir wissen bis dato nicht, ob mein Mann mit zur Geburt darf oder nicht.

Mein Mann muss draußen warten, da ich untersucht und aufgenommen werden muss. Es muss geschaut werden, ob es überhaupt los geht oder ob es Fehlalarm ist. Er darf nicht mal in die Foyer des Krankenhauses, obwohl dieses leer war. Meine Kliniktasche blieb bis dato bei meinem Mann, da ich erst zur Untersuchung musste. Alle zwei Minuten habe ich Wehen. Ich Klingel im Kreissaal und werde reingebeten. Dort werde ich an das ctg angeschlossen, dann untersucht – der Muttermund ist bei 2 cm. Ich könnte nochmal nach Hause oder ich könnte hier bleiben, aber erst einmal möchte der Arzt sich nochmal meinen Befund anschauen. Also mitten in der Nacht zur Untersuchung und der Arzt entscheidet, dass ich dableiben muss. Es ist mittlerweile kurz nach 2 Uhr nachts. Mein Mann steht immer noch draußen vor dem Krankenhaus und wartet auf irgendeine Information über den aktuellen Stand. Zwei Stunden wartete er ohne eine Nachricht von mir, der arme Kerl. Ich durfte noch einmal runter vor die Tür zu ihm und ihm Bescheid geben, dass ich da bleiben muss. Wir verabschiedeten uns und mir liefen die Tränen. Was, wenn ich ohne ihn entbinden muss? Unsicherheiten sind sicherlich vor der Geburt normal, aber in solch einer Pandemie etwas besonderes. Er fuhr nach Hause, meine Kliniktasche (sie wog knappe 11 Kilo) musste ich selbst zur Station tragen und ich kam auf das Zimmer, in dem eine ganz liebe Bettnachbarin lag, die wenige stunde zuvor entbunden hatte. Der kleine lag in seinem Bettchen und bei seinem Anblick freute ich mich noch mehr auf unsere Tochter. Ich lag im Bett und veratmete eine Wehe nach der anderen. Es waren kaum noch Pausen dazwischen und um 5 Uhr morgens holte meine Zimmernachbarin die Hebammen, da keine Minute mehr zwischen den Wehen lag. Sie nahmen mich wieder mit in den Kreißsaal und untersuchten mich. Der Muttermund war nun auf 3 cm. Sehr unbefriedigend für mich, da ich dachte, dass der Muttermund schon weiter offen sein muss. Sie brachten mich aufs Zimmer und sagten mir, dass ich meinen Mann anrufen darf und er sich auf den Weg machen soll. Sie ließen das Badewasser ein, da ich mir eine Wassergeburt wünschte. Ich war erleichtert, dass mein Mann dabei sein darf. Er machte sich auf dem Weg und ab 7 Uhr war ich dann im Kreissaal. Die Badewanne war fertig und ich legte mich hinein – die Wehen wurden weniger und irgendwann spürte ich keine Wehen mehr.

Die Kreißsäle waren voll und man sagte mir, dass ich aus der Badewanne nun raus soll, da die Wehen weniger werden und man die Geburt beschleunigen wollen würde. Gesagt, getan – also raus aus der Wanne. Die Wehen wurden wieder stärker und so stark, dass sie kaum aushaltbar waren. Es kam eine nach der anderen, ich hatte kaum noch Zeit durchzuatmen. Der Chefarzt kam gegen 11 Uhr in den Kreißsaal und beschloss die Fruchtblase zu öffnen. Man sagte mir, dass es dann schneller gehen würde, da die Wehen aktuell keine Auswirkungen aufs Kind haben – ich hatte zu viel Fruchtwasser. Also wurde die Fruchtblase geöffnet. Über 2 Liter Fruchtwasser hatte ich, was beinah krankhaft ist – dies wurde mir jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht gesagt, dafür wurden später mehr Untersuchungen unternommen, um herauszufinden, was der Grund für das viele Fruchtwasser war. Ab da wurde es unaushaltbar. Jetzt hatte ich Wehenstürme. Keine Zeit mehr durchzuatmen, eine Wehe nach der anderen. Wenn viel Zeit zwischen den Wehen lag, dann waren das höchstens 30 Sekunden bis zur nächsten. Ich bettelte nach einer PDA oder einem Kaiserschnitt, vielleicht war ich schwach, aber das war mir in dem Moment egal – ich war am Ende meiner Kräfte. Die Anästhesisten wurden gerufen und mir wurde die erste PDA gelegt, es trat aber keine Besserung ein. Das Legen der PDA gestaltete sich schwierig. Mehrmals musste die Nadel eingeführt werden. Da jedoch keine Pausen mehr zwischen den Wehen lagen, hatten die Anästhesisten Schwierigkeiten den Zugang schnell zu legen. Mein schiefer Rücken brachte ebenfalls Schwierigkeiten. Nach max. 15 Minuten sollte die PDA wirken – tat sie aber nicht.

Nach einer Stunde rief ich wieder die Hebamme, da weiterhin die Wehenstürme wüteten. Die PDA wirkte nicht. Die Anästhesisten wurden wieder gerufen, die PDA wurde zum zweiten Mal gelegt. Auch diese half nicht! Erst beim dritten Mal und nach zig Stichen lag die PDA so wie sie sollte – zumindest einigermaßen. Sie half nur einseitig, aber das half mir ungemein.

Dann ging alles ganz schnell. Eine neue Hebamme stellte sich mir vor (die 4. bereits), die mir sagte dass unsere Tochter in den nächsten 2 Stunden geboren wird! Wow, sie ist aber optimistisch, dachte ich mir. Mein Muttermund war zu dem Zeitpunkt bei nur 5 cm. Er öffnete sich nur sehr langsam und ich dachte mir, wo nimmt sie diese Überzeugung her, dass unsere Tochter in den nächsten zwei Stunden auf der Welt ist?! Ich kann an diesem Punkt spoilern – sie war bereits eine Stunde später da! Ich bekam von ihr Mittel, um die Wehen zu fördern und Schmerzmittel. Dann sollte ich jeweils drei Wehen auf einer Seite gelegen aushalten (ein Bein immer anwinkeln und mich auf die Seite legen). Die Presswehen setzten jetzt ein und ich durfte endlich pressen. Sie sagte zu mir „wir sind soweit! Wir möchten jetzt eure Tochter begrüßen“ das war ein Moment – unbeschreiblich! Ich hatte keine Schmerzen, ich presste wie eine Weltmeisterin – ich hatte auch hier keine Pausen zwischen den Presswehen, deswegen kann ich schlecht sagen wieviele presswehen es schließlich waren bis unsere Tochter da war. Eine Stunde nachdem die PDA endlich wirkte, war sie nun endlich da – das schönste, hübscheste, süßeste Wesen auf der ganzen Welt – unsere Tochter! Unsere große Liebe! Unser ein und unser alles! Mein Mann und ich weinten, lachten und schlossen uns fest in die Arme – wir haben es geschafft – gemeinsam, auch wenn er nur neben mir stehen und meine Hand halten konnte, aber wir haben es gemeinsam geschafft! Er stand mir die ganze Zeit zur Seite, stand parat wenn ich ihn brauchte, ließ mich aber genauso in Ruhe, wenn ich es brauchte! Wir sind nun Eltern und diesen Stolz und diese unendliche Liebe, die uns dort erwartete – nach stundenlangen Wehen und diesen unerträglichen Schmerzen – ist bis heute ein unbeschreibliches Gefühl und so ein Glücksmoment in dieser so tristen und komischen Coronazeit!

Diesen spannenden Geburtsbericht hat Vanessa geschrieben :)

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