Geburtsberichte
(Leser-)Geburtsberichte

Katha K. erzählt

Es ist der 25.Mai 2018 und ich bin genau 41 Wochen schwanger. In den letzten Tagen musste ich engmaschig untersucht werden und nun schon täglich zur Kontrolle zum Frauenarzt. Gestern hat Frau B. dann entschieden, dass ich heute ins Krankenhaus gehen soll, damit geklärt werden kann ob die Geburt eingeleitet werden soll. In der Nacht auf den 25.05 hatte ich vermutlich schon einige Wehen,  dass wusste ich aber erst nachdem du auf der Welt warst und ich sicher wusste wie sich Wehen anfühlen.

Also sind wir morgens gegen 8.30 Uhr in der Bergshäuser Str. gestartet Richtung Klinikum Kassel. Meine Laune war nicht so gut, da ich bis zum Schluss gehofft habe, dass du dich von alleine auf den Weg machst … Nun denn, es ist ca 9.00 Uhr als wir in der Klinik ankommen, ich fühle mich unwohl…was wahrscheinlich Wehen waren deutete ich die ganze Zeit als Darm Krämpfe…

Ein CTG wurde geschrieben, Herztöne in Ordnung und keine Wehen auf dem Gerät zu sehen. Als nächstes wurde ich dann von einer Ärztin untersucht. Sie schätzte dein Gewicht auf ca. 4000g. Das Fruchtwasser war deutlich zurück gegangen / bzw. hast du wohl alles aufgebraucht und deswegen sollte die Geburt mittels einem Gel, welches am den Muttermund aufgetragen wird, eingeleitet werden.

Mir gefiel das ganz und gar nicht, da ich schon einige Schauer Geschichten über dieses Gel gehört habe, welche besagen, dass die Wehen sehr schnell sehr heftig werden. Aber eine Alternative wurde mir auch nachdem ich nachgefragt habe leider nicht angeboten, man mache das hier im Klinikum so. Also gut. Eine Assistenzärztin jagte mir dann schon mal eine Nadel in die Hand, das tat mir so weh, und ich war so durch den Wind, dass ich als ich den Untersuchungsraum verlassen habe, erst mal eine ordentliche Runde heulen musste. Das war einfach alles so aufregend und auch so beängstigend zugleich. Ich war nun schon so dick, und wollte auch, dass du endlich meinen Körper verlässt. Aber ich wollte eben nicht dieses Gel.

Philipp hat mich getröstet, die Assistenzärztin sich entschuldigt, dass sie mir weh getan hat, hat mir auch noch angeboten mir eine neue Nadel zu legen, wenn es weiterhin so unangenehm für mich ist.

Das war sehr lieb, aber ich denke der „Schmerz“ war einfach ein guter Aufhänger gewesen, um zu meckern und unzufrieden zu sein.

Dann durften wir auch schon bald in den nächsten Raum, es war mittlerweile ca. 12.30, eine rabiate, kleine Hebamme rammte mir ihren Finger in meine Vagina um den Muttermund und den Gebärmutterhals zu tasten, ich schrie kurz auf, noch schmerzhafter hätte man das echt nicht machen können. Dann teilte sie uns mit, dass ihre Finger zu kurz – mein Gebärmutterhals zu lang sei und sie den Muttermund nicht tasten kann.

Aber sie wüsste ja wo er ist, und konnte dann das Gel, welches in einer langen, sterilen Spritze war, einführen.

Dann wurde im Anschluss noch eine halbe Stunde CTG geschrieben, danach durfte ich auf die Station „F91“, um meine Sachen dort abzustellen und mich einzurichten.

Angekommen auf der Station konnte ich erst mal durch atmen, und ein wenig runter kommen.

Du wirst dich also nun sehr wahrscheinlich bald auf den Weg machen. Das war nun klar, und das war auch wirklich Grund zur Freude. So lange haben wir auf dich gewartet. Da ich im zimmer erst mal noch nichts von irgendwelchen Wehentätigkeiten gemerkt habe, schickte ich Philipp nach Hause. Für ihn war es auch stressig, er wollte noch mal duschen, was essen und meine Tasche sollte er dann mitbringen wenn er wieder kommt.

Die Hebammen haben gesagt, dass manche Frauen das Geld auch an mehreren Tagen bekommen, oder mehrere Gaben an einem Tag. Wir waren für 15.00 Uhr zum nächsten CTG im Kreißsaal verabredet, um zu schauen was sich getan hat.

Kaum hat Philipp das Zimmer verlassen, spürte ich auch schon ein schmerzhaftes Ziehen im Unterleib.

Na super, dachte ich… dieses Gel scheint zu wirken.

Ein großer Wunsch war es, meinen Darm noch zeitig zu entleeren, und ihn hoffentlich so leer wie möglich zu bekommen. Zum Glück musste ich auch ohne einen Einlauf direkt ziemlich oft auf die Toilette, worüber ich sehr froh war.

Um 13.30 Uhr hatte ich dann schon alle 3-5 Minuten Wehen, teilte Philipp per Whatsapp jedoch mit, er könne sich in Ruhe fertig machen, ich liege im Bett und atme.

Da habe ich noch nicht geahnt, dass du in 5 Stunden schon in meinen Armen liegen würdest.

Ich habe eine weitere Stunde auf dem Zimmer verbracht ( eine Zimmernachbarin hatte ich auch, die leider auch Besuch im Zimmer hatte ). Ich konnte die Wehen schon ziemlich bald nicht mehr leise veratmen und fing an zu tönen, anders ging es nicht mehr. Mir war es etwas unangenehm vor dem Besuch. Aber wo sollte ich hin ? Es war mittlerweile 14.20 Uhr und ich hab jetzt gedrängelt und gefragt wann Philipp endlich wieder da ist. Es war einfach schon so stark, dass ich auf jeden Fall wieder runter in den Kreißsaal wollte.

Philipp war kurze Zeit später da und um 14.45 Uhr waren wir unten um das nächste CTG schreiben zu lassen. Als wir runter gingen ahnte ich schon, dass wir heute nicht mehr ohne Kind auf die Station oben kommen würden.

Auf dem CTG sah man die Wehen nun deutlich und der Muttermund war bereits 3cm geöffnet. Na das ist doch super…dachte ich. Nach einer halben Stunde CTG schickte man uns dann spazieren.

Spazieren?????? Ernsthaft??? Ehrlich gesagt war mir absolut nicht nach spazieren in der Öffentlichkeit zumute. Gerne wäre ich zu dem Zeitpunkt schon im Kreißsaal geblieben, in irgend einem Raum…dort hätte ich auch hin und her laufen können.

Aber gesagt, getan. Wir verließen die Station, um ca. nach 2 Metern im Flur links ins Treppenhaus ab zu biegen. Treppen steigen soll ja eh super sein, damit der Wurm richtig ins Becken rein rutscht.

Im Treppenhaus wurden die Wehen dann wirklich so heftig, dass ich zwar noch nicht geschrien habe, aber sehr, sehr laut getönt und gestöhnt. Auch da sind uns ein paar Menschen über den Weg gelaufen, aber mittlerweile war mir das alles schon piep egal. Ich bekomme jetzt mein Kind, und das geht nicht leise,…und es tut verdammt nochmal jetzt schon sooooooooo weh !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Ca. ½ – ¾ Stunde hielten wir uns hier auf, zwei Etagen runter und zwei Etagen wieder hoch. Dann war aber wirklich Feierabend. Ich wollte zurück, ich musste schreien, ich brauchte einen Raum für uns. Es war 16:45 als wir wieder im Kreißsaal ankamen. Der Weg bis zum Standpunkt der Hebammen war für eine gebärende echt weit, also blieben wir minütlich stehen, Wehe, Wehe, Wehe, Wehe…. ich suchte nochmal erfolgreich die Toilette auf. Das war die letzte Aktion, die ich noch halbwegs normal abgeleistet habe. Auf der Toilette versuchte ich mich noch mal zu sammeln, aber es war kaum noch möglich. Die Schmerzen waren einfach so stark. Wir bekamen ein Zimmer, es war echt das letzte Loch. Nur eine schmale Liege und ein Wehenschreiber. Und ich glaub eine Toilette war noch mit dabei, aber ansonsten sehr trist und kühl der Raum. Das nahm ich zwar noch wahr, aber was in den folgenden Stunden passierte ist in meiner Erinnerung nur noch ein großes Durcheinander.

Wir sind in dem Raum gegangen, die Tür ging zu, und ab dann musste ich sofort, so unglaublich laut schreien vor Schmerzen. Ich stellte mich ans offene Fenster und schrie, gefühlt um mein Leben. Es ging nichts anderes mehr. Es fühlte sich an als würden die Wehen durchgehend kommen. Die Hebamme kam, meinte noch so was wie „jetzt geht es aber gut los bei Ihnen“, tastete meinen Muttermund – 4cm. OH MEIN GOTT, wir haben echt nur einen weiteren cm geschafft im Treppenhaus? Welch eine Enttäuschung, zu dem Zeitpunkt dachte ich, es würd mit Sicherheit noch einige Stunden dauern bis der MM vollständig geöffnet war.

Es wurde ein CTG geschrieben, und die Schmerzen waren nicht mehr zum aushalten.

Ich windete mich auf dieser Liege, es war furchtbar unbequem, und es tat einfach alles weh im Liegen. Ich musste mich dann mal auf die linke, und mal auf die rechte Seite drehen. Es war einfach HORROR. Ich konnte nicht mehr Sprechen, nur noch schreien, konnte nicht wirklich in den Bauch , geschweige denn für mein Baby atmen.

Alle haben die ganze Zeit gesagt, dass ich für mein Baby atmen muss.

Ich glaube wir wurden dann noch mal allein gelassen, es muss ca. 17.00/17.30 Uhr gewesen sein. Ich glaube zu dem Zeitpunkt wurden Schmerzmittel vorbereitet und auch eine Badewanne sollte für mich vorbereitet werden. Ich war mit allem einverstanden, Hauptsache irgendwas von diesen Plänen könnte eventuell Linderung verschaffen. Ich hätte in diesen Minuten alles an Schmerzmitteln genommen was es gibt. Hätte mir ohne mit der Wimper zu zucken eine PDA geben lassen.

Mein Körper bebte vor diesem schrecklichen Schmerz. Ich hämmerte meinen Arm, wie eine Geisteskranke immer und immer wieder auf das CTG Gerät, und schrie und schrie und schrie. Es gab einfach keine Pause zum durchatmen. Ich windete mich hin und her, ich war gefangen in dem Wehensturm und in diesem Meer voller Schmerzen. Auch wenn man weiß, dass man dieses Ereignis wahrscheinlich überleben wird, sind es einfach Todesschmerzen gewesen.

Also, ich, inmitten dieser Geburt und des Kampfes… hatte plötzlich ein Gefühl, dass ich pressen muss,…ich konnte es nicht zurück halten und musste pressen, dabei ist mir glaube ich die Fruchtblase geplatzt, ich hämmerte auf die Klingel, und Philipp eilte auf den Flur um jemanden zu holen.

Jetzt war das Finale eingeleitet. Ich glaube da hat niemand mit gerechnet, die Hebamme, eine Hebammen Schülerin und ein Arzt eilten ins Zimmer und tasteten meinen Muttermund.

10 cm !!!!!!! Vollständig geöffnet !! Der Arzt kontrollierte lieber selber nochmal, und stellte genau das selbe fest. In vielleicht 30 Minuten von 4 auf 10cm. Das erklärt natürlich diese Schmerzen.

Jetzt wurde alles sehr sehr hektisch, ich bekam Paracetamol,  Buscupan und auch einen Wehenhemmer. Leider spürte ich nicht ein kleines bisschen Linderung. Es ging einfach so weiter…

Man versuchte mich zu beruhigen, sagte mir mehrmals, dass ich für mein Kind atmen muss, da die Herztöne schon schlechter werden.

So ein Stress für Mutter und Kind, einfach Wahnsinn.

Plötzlich hieß es dann, dass wir in den Kreißsaal fahren, mir wurde ein Tuch über die Beine geworfen, die Bremsen der Liege wurden gelöst und dann sind alle Mann mit mir darüber gehastet.

Ich weiß nicht mehr wie lange wir dann dort waren, ich weiß nicht mehr wie ich in das andere Bett gekommen bin. Auf jeden Fall dachte ich, als ich, dass ich die Endstation erreicht habe, und mein Baby bald in meinen Armen halten würde.

Im Kreißsaal hatte ich noch ein paar normale Wehen, und dann kamen recht zügig die Presswehen.
ICH MUSS PRESSEN, schrie ich,…. glaube ich…

Ich hielt mich an dem Knoten des Tuches fest, welches über dem Bett hing und es ging los. Das war jetzt ein anderer Schmerz als die letzten Stunden.

Jetzt will der kleine Menschenkörper aus mir raus, es ist wie ein brennen …. auch das tat höllisch weh.

Ich wusste irgendwie nicht genau, was ich jetzt machen muss. Es kam eine Presswehe und ich schrie einfach weiter, weil es so weh tat.

Die Hebammen haben dann gesagt, dass ich die Luft anhalten muss und drücken muss als würde ich mal „Groß“ müssen.

Das war mein Stichwort – das kann ich, dachte ich :D

Also los, die nächste Presswehe, und ich drückte einfach was das zeug hält.

Du kamst nicht raus, noch eine Presswehe….und deine Herztöne wurden glaub wieder schlechter.

Der Arzt griff zu einem sterilen Besteck, und ich wusste, dass er gleich irgendwo was schneiden wird. Aber ich hatte keine Angst, im Gegenteil.

Die nächste Presswehe kam, der Doc hat während dessen einen Schnitt gemacht, ich habe einen Urschrei raus gelassen, und glaube mir ist alles aus dem Gesicht gefallen, das war einfach so ein heftiges Gefühl. Einfach der helle Wahnsinn. EIN KIND IST GERADE AUS MIR RAUS GEKOMMEN !!!!!!!!!

HANNAH MATTEA WAR GEBOREN.

„Was haben wir denn?“ hörte ich die Leute reden, „Ein Mädchen“

Und schon lag meine kleine Prinzessin, mit so vielen schwarzen Haaren auf dem Kopf, auf meinem Bauch. Ich konnte dich gar nicht direkt begutachten. Ich musste erst mal Luft holen. Was für eine Tortour. Was für eine Geburt. Was für ein Kampf. WIE HEFTIG WAR DAS DENN ?

Aber nun warst du endlich bei mir.

Meine Hannah.

Mein Leben.

3770 Gramm

52 cm KL

35,5 cm KU

Diesen schönen Geburtsbericht hat Katha geschrieben :)

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