17 FRAGEN ZU BRUST-OPS AN DEN PLASTISCHEN CHIRURGEN DR. CLAUDIUS KÄSSMANN
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Interview: 17 Fragen zu Brust-OPs an den plastischen Chirurgen Dr. Claudius Kässmann

Werbung | Früher, bevor ich Mutter war, hatte ich eine sehr klare Meinung zum Thema „Schönheits-Chirurgie“. Nämlich: Brauche ich nicht. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, jemals irgendetwas an meinem Körper MACHEN zu lassen. Schon gar nicht an meinen Brüsten. Warum auch … so klein wie die waren, würde die Schwerkraft sicher wenig an ihnen ausrichten können. Und wie sich Schwangerschaften und Langzeitstillen auf mein leider eh recht schwaches Bindegewebe auswirken würden, ahnte ich damals natürlich nicht im Traum. Nein, ich nahm mir vor, in Würde zu altern und dieser Plan schloss für mich einen Besuch bei einem plastischen Chirurgen kategorisch aus.

Tja, heute sehe ich das etwas anders. Denn – oh Überraschung – die ganzen Hormon-Berg-und-Talfahrten während der beiden Schwangerschaften haben in der Kombination mit einer Stillzeit von insgesamt über drei Jahren doch recht sicht- und spürbare Spuren an meinen Brüsten hinterlassen. Und obwohl ich es total super finde, dass es heutzutage regelrecht „angesagt“ ist, sich als Mutter einfach so anzunehmen, wie man eben ist, weil man doch schließlich ein oder mehrere Wunder hervorgebracht hat und die Überbleibsel davon wie Auszeichnungen zu betrachten sind, verstehe ich es auch, dass manche Frauen es eben nicht so empfinden. Dass sie weinen, wenn sie sich nackt im Spiegel betrachten, weil die Brüste wie leere Milchtüten bis zum Bauchnabel hängen. Dass sie Sex nur noch mit BH ertragen, weil sie sich selbst so wahnsinnig unattraktiv finden. Dass sie sich wie im falschen Körper gefangen fühlen, weil sie immer ein kleines Körbchen hatten, nun aber – trotz Abstillen – eine E-Version vor sich hertragen. Viele Frauen leiden sogar trotz liebender Worte ihrer Partner so sehr unter solchen oder ähnlichen Veränderungen so sehr, dass das Interesse an einer chirurgischen Lösung leise in ihnen wächst – selbst wenn ihr früheres Ich eine ähnliche Einstellung wie das meine hatte. Und das ist völlig ok!

17 FRAGEN ZU BRUST-OPS AN DEN PLASTISCHEN CHIRURGEN DR. CLAUDIUS KÄSSMANNWir leben in einem Land und einer Zeit, in der plastische Chirurgie längst nicht mehr nur für Dolly Busters gedacht ist. Es geht schon lange nicht mehr darum, sich „umzumodeln“, zur Barbie zu werden oder einem Ideal hinterherzuhecheln, dass uns von den Medien mit Photoshop vorgegaukelt wird. Es geht vielmehr darum, sich im eigenen Körper wohlzufühlen … und dafür möglicherweise eine OP in Betracht zu ziehen, wenn nichts anderes hilft. Denn: Wir können vieles mit Diäten und Sport und gut sitzenden Klamotten richten. Aber eben nicht alles. Und da kommt dann ein Chirurg wie Claudius … eigentlich natürlich Dr. Claudius Kässmann, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurg mit eigener Praxis „Lege Artis“ in Köln … ins Spiel. :)

Ich habe Claudius auf einem Kindergeburtstag kennengelernt – wie das als Mama eben so ist. ;) Wir haben ein bisschen gequatscht und schnell festgestellt, dass wir unbedingt mal etwas zusammen machen sollten. Ein Interview am besten, in dem all die wichtigen Fragen geklärt werden, die Frauen zum Thema Brust-OPs, den verschieden Richtungen und unterschiedlichen Methoden eben so haben. Dass Claudius dafür genau der richtige Arzt ist, wusste ich sofort, da er absolut nichts mit einem dieser „schnibbel-freudigen“ Chirurgen gemein hat, die mir bisher so begegnet sind. „Wenn ich den Wunsch der Patientin für unrealistisch oder unpassend für ihren Körper halte, schicke ich sie wieder nach Hause. Für mich hat es immer oberste Priorität, ein natürliches Ergebnis zu erzielen, denn nur das macht dauerhaft glücklich.“ Beste Einstellung, würde ich sagen, und nagelte ihn fest.

Wie auf LÄCHELN UND WINKEN üblich, habe ich mir die Fragen für das Interview auch diesmal nicht alleine ausgedacht, sondern euch, meine Leser, um die euren gebeten. Und ihr habt wirklich fantastische, clevere, sehr interessante und vor allem viele gestellt! <3 Ich habe sie für Claudius ein bisschen zusammengefasst und sortiert … und ihm dann „serviert“. Er hat sich richtig Zeit genommen und sie alle in Ruhe für uns beantworte:

Grundsätzliche Fragen

Lieber Claudius, mich haben wirklich sehr viele Fragen zum Thema Brust-OPs erreicht, deshalb versuche ich jetzt mal, sie dir ein bisschen „vorsortiert“ zu stellen. Beginnen wir mit den ganz allgemeinen.

#Frage 1

Eine Sorge, die viele potenzielle Patientinnen teilen: Aus Unwissenheit an den falschen Arzt zu geraten. Wie findet man also den richtigen Chirurgen, einen guten, den das Gesamt-Ergebnis kümmert und nicht nur die Brust an sich? Hast du da Tipps?

Gute Frage und gar nicht so einfach zu beantworten. Macht euch einen Eindruck von der Homepage, lest den Werdegang des Arztes, wo war er , was hat er gemacht. Die Patientin sollte aus meiner Sicht bei zwei oder drei Ärzten einen Beratungstermin machen. Man merkt sehr schnell, wie das abläuft, ob der Arzt sich Zeit nimmt, ob er Bilder seiner Ergebnisse zeigen kann, wie er die Fragen beantwortet und ob ganz einfach die Sympathie und das Vertrauen stimmt. Da kann man gerne auf seinen Bauch hören :) . Zudem gibt es natürlich auch Arztbewertungsportale wie Jameda, Estheticon o.ä. sowie Foren, in denen über die Ärzte in der Regel authentisch berichtet wird. Aber nichts kann den persönlichen Eindruck oder eine persönliche Empfehlung ersetzen!

#Frage 2

Natürlich auch so ziemlich bei allen Interessentinnen eine wichtige Frage: Mit welchen Kosten ist zu rechnen? Vielleicht kannst du Beispiel-Preise nennen … also ab wann es so losgeht?

Eine Brustvergrößerung kostet mit Implantat ca. 6.200.-, Bruststraffungen ca. 7.000 – 8.000.-, Brustvergrößerung mit Eigenfett ca. 6.000.-, Bruststraffungen mit Radiofrequenz 4.500.-, Bauchdeckenstraffungen ca. 7.500.-, Fettabsaugen beginnt so ab 3.000.- je nach Region. Alle Preise sind inkl. Übernachtung, Miederwaren, Umsatzsteuer, Vor- und Nachsorge, usw., lediglich die Narkosekosten kommen noch dazu.

#Frage 3 

Und warum variieren die Preise von Arzt zu Arzt manchmal so … es gibt ja zum Teil richtige Dumping-Angebote. Wie kommt das?

Ich glaube, ein seriöser Arzt mit einer langjährigen und fundierten Facharztausbildung, teilweise ja mehrere Facharztbezeichnungen, wird niemals seine Leistung verschleudern, weil er weiß, was er kann und dass es das wirklich auch wert ist. Es gibt eine Preisspanne bei jedem Eingriff, es gibt normale Preise und teurere Ärzte. Es kommt sicher auch auf das Renommee des Arztes an. Dumpingpreise sind oft bei größeren Agenturen möglich. Man weiß dort aber nie, wer einen wirklich operiert, oft sind das Berufseinsteiger mit wenig Erfahrung, bei jedem Besuch ein anderer Arzt, z.B. der deutsche Ärzteservice. Ganz oft fehlt die Übernachtung nach der OP, die fachkundige Überwachung und Nachsorge, die Produkte und Implantate sind nicht so hochwertig usw.. Das geht dann zu Lasten der Sicherheit der Patientinnen. Das würde ich nicht riskieren.

#Frage 4 

Sicher weißt du als Profi, unter welchen Umständen sich die Krankenkasse beteiligt. Einige Mütter schrieben mir, dass sie trotz Gutachten von Ärzten und Psychologen abgeschmettert wurden, obwohl sie bereits nachweislich psychisch, aber auch körperlich unter sehr großen, schweren Brüsten leiden. Sie solle erst einmal abnehmen, wurde einer Mutter von der Kasse geraten – einer Frau, die schon lange gegen ihr von einer Schilddrüsenerkrankung ausgelöstes Übergewicht kämpft. Ist das normal? Gibt es etwas, dass solche Patienten tun können, damit ihnen geholfen wird?

Das ist alles sehr traurig, aber leider inzwischen Realität – auch in Deutschland. Als ich noch in meiner Ausbildung in Frankfurt/Main war, hatten wir jede Woche mehrere Kassenpatientinnen zur Brustverkleinerung. Das war toll, ich konnte viel operieren und habe es gut gelernt – aber das ist leider vorbei. Es ist sehr oft eine Einzelfallentscheidung der Kassen. Ich schreibe oft ein Attest, um den Antrag auf Kostenübernahme zu unterstützen, wenn er begründet ist. Ich rate immer, mehrere Atteste bei der Kasse vorzulegen. Also auch z.B. vom Gynäkologen, dem Orthopäden, dem Dermatologen, Hausarzt usw. Es ist immer gut, wenn man nicht nur vom Plastischen Chirurgen, der ja von der OP „profitiert“, ein Attest vorlegen kann, sondern durch die Meinung mehrerer unterschiedlicher Fachärzte den Antrag stärkt. Aus meiner Erfahrung macht es überhaupt keinen Sinn mehr über die psychologische Schiene zu kommen, sondern die rein körperlichen Beschwerden sollten im Vordergrund stehen. Dabei ist es gut, wenn die Patientinnen die Kasse schon viel gekostet haben, z.B. durch viel Physiotherapie, Orthopäden-Besuche, ggf. dennoch Psychotherapie, Salbenbehandlungen beim Dermatologen, usw. Dann merkt auch die Kasse, dass da was dahintersteckt. Es gibt so eine Faustregel, es sollte ein Resektionsgewicht von ca. 500g /Seite oder mehr sein, sonst wird es oft als „kleine Straffung“ abgetan. Ich kann nur allen raten, sich nicht entmutigen zu lassen, aber auf einen steinigen und ggf. frustrierenden Weg muss man sich einstellen.

#Frage 5

„Wie lange bin ich nach einer Brust-OP nicht dazu in der Lage, mich um meine Familie zu kümmern, den Alltag zu stemmen oder schlicht mein Kind zu tragen?“ haben wirklich sehr viele Mamis gefragt, was nachvollziehbar ist, denn: Nur die wenigsten Mütter dürfen zuhause ernsthaft ausfallen – meist haben sie nicht mal Zeit für eine kleine Erkältung. Ich weiß natürlich, dass das sehr individuell ist UND von der jeweiligen Behandlung abhängt. Aber kannst du dennoch aus deiner Erfahrung eine durchschnittliche Zeitspanne nennen?  

Eine Brust-OP sollte sicher erst stattfinden, wenn das Stillen einige Monate beendet ist und die Brust einen Zustand erreicht hat, der sich nicht mehr groß verändert. Dann haben die meisten Muttis schon einen kleinen Nachwuchs, der auch mal krabbelt oder schon ein bisschen laufen kann. Nach einer Brust-OP mit Silikonimplantat würde ich dazu raten, ca. 1-2 Wochen vorsichtig zu sein mit dem Tragen von Kindern, um das Implantat nicht zu verschieben. Bei einer Straffung oder Verkleinerung würde ich auch ca. eine Woche raten, etwas vorsichtiger zu sein. Aber eine Brust geht nicht „kaputt“, wenn da mal ein Kind dran liegt oder draufdrückt J. Die Patientinnen sollen ja einen stabilen BH tragen 24/7, den Sie von uns bekommen. Darin ist die Brust gut gestützt und geschützt. Rumlaufen geht nach einer Brust-OP schon sofort nach der OP. Von den Schmerzen sind Verkleinerungen und Straffungen deutlich weniger schmerzhaft als Vergrößerungen. Oft hören die Damen schon nach wenigen Tagen auf Schmerzmedikamente zu nehmen.

#Frage 6

Wie schaut es mit einer operierten Brust und dem Stillen aus? Ist es grundsätzlich möglich oder ist das Risiko groß, dass während der OP etwas „kaputt“ geht?

Bei Brustvergrößerungen mit dem Schnitt in der Unterbrustfalte und der Straffung mit Innerem BH ist das Stillen nach der OP sicher noch möglich. Bei Verkleinerungen MUSS man ja in die Brust reinschneiden weil man sonst nichts entfernt hätte. Dabei verletzt man natürlich auch Milchgänge und das Stillen kann danach ggf. eingeschränkt sein.

#Frage 7

Auch das würden viele sehr gerne wissen: Wann ist ein guter Zeitpunkt für eine OP bzw. wie lang sollten Schwangerschaft und Stillzeit bereits hinter einem liegen? Und lohnt es sich überhaupt, dass Thema anzugehen, wenn man möglicherweise noch ein weiteres Kind möchte?

Ehrlicherweise macht es natürlich Sinn, die Kinderplanung abgeschlossen zu haben, wenn man beginnt den Körper zu restaurieren J. Die Brust sollte nach einer Schwangerschaft „zur Ruhe“ gekommen sein, also natürlich keine Milch mehr produzieren und damit nicht mehr größer sein, als sie dann letztlich bleibt. Man möchte die Brust ja anpassen an einen dauerhaften Zustand. So gesehen würde ich sagen: vor 6 Monaten nach Beenden des Stillens wäre aus meiner Sicht nicht sinnvoll.

#Frage 8

Ist eine Brust-OP auch dann möglich, wenn das Gewebe dazu neigt, Knoten zu bilden? Oder würdest du da dann eher abraten?

Da sollte man unterscheiden zwischen Brustvergrößerung mit Implantat und Bruststraffungen oder Brustverkleinerungen. Wenn man ein Implantat einsetzt, ist die Brust immer noch ganz und gar gut zu untersuchen. Man kann die Brust natürlich immer noch abtasten; Ultraschall, Mammografie und MRT (Kernspintomografie) sind möglich. Es entsteht also keine Sicherheitslücke durch das Implantat, welches in der Mehrzahl ja sogar noch unter dem Brustmuskel liegt. Selbst eine Punktion bei unklaren Knoten würde mit Ultraschallkontrolle beim Punktieren möglich sein. Das ist ein Standard.

Etwas anders wäre eine Brustvergrößerung mit Eigenfett bzw. Bruststraffungen und –verkleinerungen. Hier kommt es natürlich zu Vernarbungen in der Brust. Ein erfahrener Arzt sollte das aber von Knoten unterscheiden können.

Brust-Straffung

#Frage 9 

Welche Möglichkeiten zur Brust-Straffung gibt es? Du hattest mir schon damals zwischen Kaffee und Kuchen gesagt, dass es da ganz verschiedene Methoden gibt, wie zum Beispiel den Inneren BH oder sogar eine Straffung OHNE OP. Welche Behandlung ist besonders schonend? Und welche erzielt das natürlichste Ergebnis (falls man das überhaupt so verallgemeinern kann)?

Es gibt verschiedenste Methoden der Bruststraffung, die normalerweise mit Narben einhergehen, weil die Brustwarze angehoben und oft auch das Brustgewebe neu modelliert werden muss. Nach der Narbenform unterscheidet man die Straffung nur um die Brustwarze (O-Straffung oder periareoläre Straffung), die I-Straffung, also mit einem Schnitt um die Brustwarze und dann senkrecht bis zur Unterbrustfalte. Oder aber eine T-Straffung bei der die Narben wie ein auf dem Kopf stehendes T aussieht. Dabei sind die Narben in der Unterbrustfalte in der Regel so nicht sichtbar weil die Brust ja mit ihrer natürlichen Kurve diese wieder versteckt. Dazu zählt auch die Methode mit dem Inneren BH, eine sehr tolle Methode, die ich oft und gerne anwende. Hierbei kann man die Brust wirklich nur straffen und alles Brustgewebe erhalten, ohne Volumen zu verlieren.

Ohne Narben wäre bei sehr gering erschlafften Brüsten, mit an sich guter Form, die Radiofrequenzstraffung mit Body Tite. Hierbei wird eine dünne Sonde, die einer Kugelschreibermine ähnelt, über kleinste Hautschnitte unter die Haut gebracht, betäubende Flüssigkeit zum Kühlen eingebracht, und dann über Radiofrequenzenergie vorsichtig erhitzt und gestrafft. Natürlich werden die Ergebnisse in der Regel immer, d.h. es sieht eben nicht aus wie eine Silikonbrust. Die haben natürlich im Dekolleté einfach mehr Volumen.

#Frage 10

Die Methode „Innerer BH“ ist bei meinen Followerinnen auf besonderes Interesse gestoßen, daher natürlich die Frage: Gibt es schon viele Chirurgen in Deutschland, die diese Variante anbieten? Oder kommt man am besten gleich zu dir?

Gerne zu mir :D. Aber im Ernst: Es ist keine sehr weit verbreitete Methode, da sie aufwändig und nicht ganz einfach zu erlernen ist. Diese Methode lernt man eben nicht im Krankenhaus während seiner Assistenzarztzeit. Aus meiner Sicht lohnt sich aber der Aufwand, weil man das gesamte Brustvolumen erhalten kann. Dieses wird unter der Haut nach oben Richtung Dekolleté verlagert, und verwächst dann auch weiter oben neu mit der Haut. Das bedeutet, dass die Brust NIE WIEDER so heruntersacken kann wie vorher. Das ist wirklich einmalig! J

Brust-Vergrößerung

#Frage 11

Auch hierbei gibt es ja unterschiedliche Möglichkeiten, ein tolles Ergebnis zu erzielen. Die bekannteste ist wohl die mit den Silikon-Kissen. Die Fragen der Mütter drehen sich dabei vor allem um die Sicherheit dieser Implantate (gibt es welche, die du besonders empfehlen kannst?), die Haltbarkeit und auch darum, ob eine Brustkrebs-Diagnose damit möglicherweise schwieriger werden kann. Kannst du uns da aufklären?

Es gibt kaum medizinische Fremdkörper, die so lange implantiert und erforscht worden sind wie Silikonkissen. Inzwischen blicken wir auf rund 50 Jahre Silikonimplantate zurück. Diese haben diverse Verbesserungen durchlaufen, vom medizinischen Gel, von den Oberflächen, inzwischen auch vom Gewicht. Es gibt immer wieder aktuelle Diskussionen und Thematiken rund um Implantate. Als Plastischer Chirurg muss man da immer auf dem neusten Stand sein. Wir verändern möglicherweise Vorgehensweisen und Produkte nach den aktuellsten Richtlinien. Es gibt immer die Möglichkeit eines ausführlichen Gesprächs mit dem PC als Grundlage für eine gemeinsame Entscheidung für oder gegen das ein oder andere Implantat. Ich würde niemals Implantate verwenden, von deren Sicherheit ich nicht überzeugt bin. Die Patientinnen sollten immer die aktuellsten Informationen haben. Eingesetzte Silikonkissen, egal welche, können nicht ein Leben lang im Körper bleiben. Das ist ein Mythos. Aber 10 – 15 Jahre sollten sicher möglich sein. Sehr oft auch deutlich länger, also 20 – 25 Jahre unter Umständen. Entscheidend, ob man es tauschen sollte, ist der ästhetische Aspekt und natürlich vorrangig der Sicherheitsaspekt. Anders gesagt: Wenn die Patientin mit dem Ergebnis zufrieden ist und keine Probleme hat (Verhärtung, Rötung, Schwellung, Beschwerden, o.ä.) und nichts auf einen Implantat-Defekt hindeutet, dann kann das Implantat im Körper bleiben. Aber aus meiner Sicht MUSS man einer zwanzigjährigen eben sagen dass ihr Implantat SEHR wahrscheinlich IRGENDWANN getauscht werden muss, auch wenn alles gut läuft, weil sie hoffentlich 70 Jahre wird und Implantate eben sehr unwahrscheinlich 50 Jahre verbleiben können.

Die Diagnostik der Brust – auch bezüglich Brustkrebs – wird durch Implantate nicht beeinträchtigt. Zumal die Implantate oft unter den Muskel eingesetzt werden. Aber alles was an Diagnostik der Brust gemacht werden kann, wie abtasten, Ultraschall, Mammografie oder eine Kernspintomografie, kann selbstverständlich durchgeführt werden. Es besteht KEINE Sicherheitslücke bezgl. Brustkrebs für Implantat-Trägerinnen.

#Frage 12

Alternativ gibt es auch noch die Methode, die Brüste mit Eigenfett zu vergrößern, richtig? Wie genau läuft das ab? Wie viel „dicken Popo“ muss man dafür mitbringen? (Eine durchaus berechtigte Fragen, die sogar mehrere Mamis gestellt haben. :D ) Und gibt es einen Haken daran … zum Beispiel ein wachsendes Brustkrebs-Risiko?

Die Brustvergrößerung mit Eigenfett ist eine sehr gute Alternative zu Implantaten. Es geht allerdings nicht für jede Frau. Prinzipiell sollte die zu vergrößernde Brust eine gute Form haben. Am besten eine Brust, der nur Volumen fehlt. Dann sollte natürlich auch Fett zur Transplantation vorhanden sein, aber in der Regel lässt sich das auch bei relativ schlanken Frauen an Knie, Oberschenkelinnenseiten, Bauch und Hüften finden. Als Faustregel sagt man, sind ca. 300 ml pro Brust pro Operation möglich. Das wären ca. 1 – 1,5 Körbchen. Davon wachsen in der Regel zwischen 50 – 80% an. Nach der OP sollte auf keinen Fall geraucht oder auf dem Bauch geschlafen werden. Was dann nach ca. 6 Wochen erhalten ist, bleibt auch dauerhaft. Man kann ggf. solch eine Operation auch wiederholen, obwohl das nicht üblich ist. Der Eingriff ist erfreulich wenig belastend, man hat kaum Ausfallzeit nach solch einer OP.

Im Moment besteht aber eine Diskussion über die rechtliche Umsetzbarkeit bezüglich des Transplantationsgesetzes für uns Ärzte. Das sind aber rechtliche Fragestellungen. Die medizinische Unbedenklichkeit steht im Moment nicht in Frage.

#Frage 13 

Da zur Brustvergrößerung bzw. dem Wiederaufbau der Brust mit Eigenfett die meisten Fragen gestellt wurden, können wir hier vielleicht mal etwas ins Detail gehen: Wie groß sind die Chancen bei dieser Behandlung, dass das implantierte Fett gut angenommen wird und die Brust anschließend fast wieder wie früher aussieht? Was sind die gängigsten Komplikationen? Und mit welchem Preis muss man da ungefähr rechnen?

Einen Teil habe ich ja schon bei Frage 13 beantwortet, hier dennoch nochmals in Stichpunkten. 50 – 80 % des Fettes heilen normalerweise ein, das ist in MRT-Untersuchungen nachgewiesen und quantifiziert worden. Wenn die Brust gute Voraussetzungen hat, ist die Chance sehr gut, dass sie fast wie früher aussieht nach solch einer OP. Kleinere blaue Flecken nach der OP, theoretisch Infektionen (die aber extrem selten sind) und die ich persönlich noch nie beobachtet habe. Die Brustvergrößerung mit Eigenfett kostet bei uns 6.000.- zzgl. ca. 600 – 700.- Narkosekosten. 

#Frage 14

Bitte nicht lachen, Claudius, aber es wurde auf Facebook heiß (aber mit Humor) diskutiert, ob es wohl möglich wäre, Fett zu spenden ;) . Also, dass die eine Freundin ihr „zu viel“ absaugen lassen und die andere damit ihr „zu wenig“ ausgleichen kann? Wäre ja eine perfekte Win-win-Situation! :D

Das wäre schön, geht aber leider nicht ;) – da muss ich euch leider enttäuschen! Man kann körperfremdes Gewebe einem anderen Menschen nur unter ganz speziellen Voraussetzungen transplantieren. Zum Beispiel wird bei einer Organtransplantation sehr aufwändig die genetischen und immunologischen Übereinstimmungen überprüft. Diesen Aufwand würde man bei einer Fetttransplantation nicht betreiben.

Brust-Verkleinerung

#Frage 15

Ab welcher Körbchen-Größe empfiehlst du als Profi eine Brust-Verkleinerung? Klar, es ist sicher sehr individuell. Aber einige Mütter klagten über starke Rückenschmerzen, weil die Brust durch die Hormone schnell gewachsen und NICHT wieder zurück gegangen ist, wissen aber nicht so recht, ab wann so eine OP ratsam ist …

Das kann man nicht so recht am Körbchen festmachen, denn aus meiner Erfahrung ist das sehr individuell, ab welcher Größe eine Brust für die Patientin als „Last“ empfunden wird. Aber ich würde sagen, dass man ein B oder C-Cup in der Regel eher nur straffen würde als zu verkleinern. Ab D, DD, E, usw. ist wohl sicher auch eine Reduktion meist sinnvoll und erwünscht. Aber wie gesagt: Das sieht jede Dame etwas anders J. Ab wann so eine OP ratsam ist: Wenn der Leidensdruck groß genug geworden ist – ganz einfach! Es wäre natürlich sinnvoll, wenn nicht noch weitere Schwangerschaften geplant sind, nachdem die Brust verkleinert oder gestrafft wurde.

#Frage 16

Wie sieht es mit den Brustwarzen bei einer Verkleinerung aus? Müssen die immer neu angenäht werden oder gibt es Alternativen (eine Mutter sorgte sich, dass man sie möglicherweise dadurch verlieren könnte)?

Um Gottes Willen! Also ja, es besteht das Risiko, dass die Durchblutung nach einer solchen OP vorübergehend so schlecht wird, dass es tatsächlich dazu kommen kann, das Teile der Brust wie Haut, Drüse, Fett oder auch die Brustwarze absterben kann – war ja auch groß in den Medien bei der Tochter von Roberto Blanco. Tatsächlich ist das allerdings sehr selten und ich persönlich habe noch nie eine Brustwarze durch solch eine Brust-OP verloren. Ich hoffe, dass bleibt auch so, bis ich das Skalpell bei Seite lege im Rentenalter J. Zuletzt habe ich eine Reduktion durchgeführt mit 1,5 kg Reduktion PRO SEITE! Auch das ging erfreulich gut, die Brustwarzen haben das gut weggesteckt und sind auch noch sensibel nach dem Eingriff. Das sollte die Regel sein!!!

#Frage 17

Zum Schluss noch eine Frage direkt von mir. ;) Da ich ein eher sehr ungeduldiger Mensch bin, interessiert mich noch, wie lange man auf einen Termin bei dir warten muss? Also fürs Erstgespräch und dann auch für die OP, sofern man sich denn nach deiner Beratung dafür entschieden hat?

Einen Beratungstermin sollte man in ca. 2 – 4 Wochen bekommen. Die Wartezeit beläuft sich bei längeren Eingriffen von ca. 3 – 4 Stunden in etwa auf 4 – 6 Wochen, bei kleineren Eingriffen geht das auch mal schneller. Je früher man das weiß, desto besser lässt sich das planen und man bekommt seinen Wunschtermin :)!

Lieber Claudius, vielen Dank für all deine Antworten – ich habe unheimlich viel gelernt! Und das ist echt mega, denn nur mithilfe so detaillierten und verständlich formulierten Informationen können Frauen entscheiden, ob eine Brust-OP vielleicht echt etwas für sie wäre … damit sie sich im eigenen Körper wieder wohler fühlt.

PS: Niemand muss sich dafür schämen, etwas an sich NICHT zu mögen. Das sagt rein gar nicht darüber aus, was für ein Mensch man ist, wie stark oder wie uneitel man ist. Es sagt nur, dass man keinen Bock hat, ab Mitte 30 die Möpse in die Socken stecken zu können oder den Rest seines Lebens mit Rückenschmerzen zu leben. Mehr nicht! :-*

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5 Kommentare für “Interview: 17 Fragen zu Brust-OPs an den plastischen Chirurgen Dr. Claudius Kässmann

  1. Tolles Interview, super interessant! Besonders dein Spruch “Möpse in die Socken stecken” ist mega – hab so lachen müssen. Ich spiele schon immer mit dem Gedanken, irgendwann eine Reduktion vornehmen zu lassen. Mal sehen, vielleicht traue ich mich ja wirklich irgendwann. Dein Interview hilft dabei ungemein. Vielen Dank und liebe Grüße!

  2. Ich bin gerade etwas perplex. Ich habe Implantate und niemand hat mir gesagt, dass ich diese wechseln muss. Ich weiß ohnehin nicht wann und wohin ich mich wenden muss.. Ohje. Und ich habe es im Krankenhaus machen lassen.

    1. Oh nein, dass ist natürlich Mist! Schreib doch einfach mal die Praxis von Claudius an … zum Beispiel via Facebook oder Instagram und bezieh dich auf das Interview hier. :-*