Rabenmutter 2.0

Warum sich auch kurze Wege mit Kleinkindern gar nicht kurz anfühlen ;)

„Kommt, wir gehen noch mal eben schnell was einkaufen!“ höre ich mich manchmal sagen und würde mir dann am liebsten sofort selbst einen Hirn-belebenden Klatscher auf den Hinterkopf verpassen. Denn: Mal eben schnell gibt es doch mit kleinen Kindern gar nicht – genauso wenig wie Ist doch nicht weit oder Kein Problem, wir sind in 5 Minuten da! ;) Stattdessen dauert alles nicht nur gefühlt eeeewig … sondern IN ECHT, da gerade Kleinkinder so ihre ganz eigene Vorstellung von „Der Weg ist das Ziel“ haben und diese garantiert umsetzen. Und zwar völlig unabhängig davon, wie verabredet die Mama ist oder wie dringend die Einkäufe in die Tiefkühltruhe wollen. Da machste nix – is einfach so! :D

Nur mal eben schnell mit Kindern … so läuft’s:

  1. Die fragwürdige Entscheidung treffen, sich (zum Beispiel) noch mal kurz mit einer Freundin und deren Kindern auf dem Spielplatz zu treffen, der „nur“ 10 Minuten Fußweg entfernt ist, weil es doch noch gar nicht sooo spät ist.
  2. Den Kindern die famose Idee mitteilen inklusive dem Hinweis, dass es aber nur klappt, wenn jetzt alle FLOTT sind.
  3. Das große Kind nochmal auf die Toilette schicken und parallel kurz am Windel-Popo des kleinen Kindes schnuppern.
  4. Beschließen, dass das so noch geht.
  5. Beiden Kindern beim Schuhe anziehen helfen, damit es a) kein Gebrüll wegen irgendwas gibt und es b) HEUTE NOCH passiert.
  6. Getränke in den Kinderwagen packen und freudig lächelnd nach dem Hausschlüssel greifen.
  7. Geht doch!!!
  8. Mit der Türklinke in der Hand den leicht verklärten Gesichtsausdruck des kleinen Kindes bemerken.
  9. Mama: „Schatz, machst du etwa gerade Kacka?“
    Kleinkind: „Jaaaaaa!“
    Großes Kind: „Boah, Mama, dass stinkt ja schlimmer als der Mülleimer!“
  10. Tür wieder schließen und seufzend die Stinkbombe in Angriff nehmen.
  11. *Würgen*
  12. Sich fragen, was der Junge mal wieder gegessen hat, um derlei Ergebnisse zu erzielen.
  13. Den zweiten Versuch starten, das Haus zu verlassen.
  14. Großes Kind: „Oh, warte Mama, ich muss meinen Pinguin mitnehmen!!!“
    Mama: „Echt jetzt? Wo ist der denn? Den hab ich locker ein halbes Jahr nicht gesehen. Muss es wirklich DER sein?“
    Großes Kind: „Ja! Ich such ihn schnell!“
  15. Tür wieder schließen, tief einatmen und NICHT auf die Uhr gucken, um das aufkeimende Gefühl von Zeitdruck aufgrund der wartenden Freundin nicht noch zu befeuern.
  16. Das große Kind weinen hören: „Mama, ich finde ihn nicht! Aber der MUSS mit!!!“
  17. Einem Geistesblitz folgend die Spiel-Schultasche der Tochter aus dem Bücherregal fischen (warum liegt die da???), öffnen und aufgrund des sich darin befindenden Pinguins zur Heldin des Tages aufsteigen.
  18. Zum dritten Mal nach der Türklinke greifen und es diesmal TATSÄCHLICH raus schaffen.
  19. Die Frage des Kleinkindes: „Mama, Lau-Rad mitnehme?“ ignorieren.
  20. Die gebrüllte Frage des Kleinkindes: „MAMA, LAU-RAD MITNEHME?!“ leider nicht ignorieren können.
  21. Das vermaledeite Laufrad plus Helm schnappen, um einen Tobsuchtsanfall zu vermeiden.
  22. Endlich!!! Losgehen!!!
  23. Nach zwei Metern:
    Großes Kind: „Mama, kann ich was trinken?“
    Kleinkind: „Isch auch!!!“
  24. Sich den Hinweis verkneifen, dass man doch gerade erst das Haus verlassen hat, in dem volle Gläser auf dem Tisch standen.
  25. Ersten Trink-Stopp einlegen. Und möglicherweise kurz mit den Augen rollen.
  26. Bis zur Straßenecke RENNEN, weil das Kleinkind direkt nach dem Aufsitzen den Laufrad-Turbo gestartet hat.
  27. Das Kleinkind loben, weil es an der Straße gebremst hat, nachdem man NUR 5 Mal „STOPP!!!“ gebrüllt hat.
  28. Das Kleinkind nochmal loben, weil es verkündet: „Isch hab au niemand umgefahrt!“
  29. Mit dem großen Kind an der Hand weiter dem Kleinkind hinterherrennen und sich dabei freuen, dass es wenigstens vorwärts geht.
  30. Sich ärgern, dass man das gedacht hat, weil:
  31. Kleinkind: „In den Kiki!“
    Mama: „Wie, in den Kiki (Kinderwagen)? Du bist gerade mal 20 Meter gefahren! Und jetzt hast du keine Lust mehr?!“
    Kleinkind: „Kiki!“
  32. *Grummeln*
  33. Das Kleinkind in den Kinderwagen verfrachten, dass Laufrad … verdammt, das hält einfach nirgendwo … in die Hand nehmen.
  34. Leise fluchend weitergehen.
  35. Das große Kind: „Mama, kann ich was essen? Ich hab Hunger.“
    Mama: „Boah, können wir nicht mal 5 Meter gehen, ohne Pause!?“
    Das große Kind: „Kann ich so ne Reiswaffel haben?“
    Das Kleinkind: „Isch au!!! Waffel!“
  36. Aufgeben. Waffeln „servieren“. Es zur Belohnung bis zu nächsten Ampel schaffen.
  37. Das Kleinkind: „Mama, isch will rennen!“
  38. Erste Anzeichen von nervösem Augenzucken bemerken.
  39. Schweigend das Kleinkind wieder aus dem Kinderwagen holen.
  40. Das Kleinkind rennt lachend los.
  41. Das Kleinkind bleibt stehen. Direkt vor dem Kinderwagen. Und brüllt: „Absperrung!“
  42. Stehen bleiben, LÄCHELN und warten, bis die Absperrung kichernd wieder aufgehoben wird.
  43. Das Spiel DRÖLFTAUSENDMAL wiederholen.
  44. *Atmen*
  45. *heimlich Augenrollen*
  46. *NICHT auf die Uhr gucken*
  47. Den lachenden, überdrehten Absperrungs-Kindern erneut Getränke anreichen, weil sie sonst UMGEHEND auf der Straße verdursten würden.
  48. Es begrüßen, dass das Kleinkind doch wieder in den Kinderwagen will.
  49. Sich am Laufrad in der Hand den 15. blauen Fleck zufügen und eventuell etwas zu laut darüber fluchen.
  50. Kurz überlegen, ob das Scheiß-Teil in so einen öffentlichen Mülleimer passt.
  51. Leider nein.
  52. Mit dem großen Kind das gewünschte Wettrennen veranstalten … trotz Kinderwagen und Laufrad.
  53. Blaue Flecken 16-20 begrüßen.
  54. Erneut Getränke anreichen. Und Snacks. Schließlich ist man ja schon 25 Minuten unterwegs.
  55. Die Bitte der Kinder, doch jetzt mal so einen kleinen Hüpf-Contest zu veranstalten, ablehnen.
  56. Akzeptieren, dass der Preis für die beste und lockerste Mutter des Jahres wohl an jemand anderen gehen wird, denn ICH HAB JETZT KEINEN BOCK MEHR … KÖNNEN WIR EINFACH MAL WEITERGEHEN? OHNE RENNEN, PAUSEN ODER GESCHREI? DANKE!
  57. 10 Minuten an einer Baumwurzel stehen, weil die aussieht wie ein Krokodil und JEDES MAL, wenn man an ihr vorbeigeht, ausgiebig bewundert und bespielt werden muss.
  58. Dem kleinen Kind die Nase putzen.
  59. Dem großen Kind die Nase putzen.
  60. Sich selber die Nase putzen. Weil man gerade dabei ist.
  61. Das blöde Laufrad in den Buggy packen und das Kleinkind davon überzeugen, dass es durchaus dazu in der Lage ist, die letzten Meter zum Spielplatz zu laufen.
  62. Das Geschrei stoppen, indem man das Kleinkind auf den Arm nimmt.
  63. Überlegen, ob es wohl eine blöde Idee war, so „spät“ nochmal loszugehen … mit mindestens einem bereits müden Kind.
  64. Den Spielplatz erreichen. Schwitzend. Mit lahmen Arm. Und völlig lädierten Schienbeinen.
  65. Freundin: „Da seid ihr ja endlich! Hat ein bisschen gedauert, was? Hahaha, ja, kennt man ja. Leider müssen wir aber jetzt gleich wieder heim. Ist ja schon spät. Und du weißt, ich mach immer pünktlich Abendessen.“
  66. Dem bisher nur leichten Augenzucken nachgeben, einen Gesichtsausdruck wie den von Karl Dall zulassen und „nochmal kurz“ aus dem eigenen Wortschatz streichen, bis DIE KINDER AUSGEZOGEN SIND!!!

Warum viele Mütter nicht mehr so spontan sind, wie vor der Elternschaft? Ach, wer weiß das schon … so was kann ja viele Gründe haben. ;)

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Ein Kommentar für “Warum sich auch kurze Wege mit Kleinkindern gar nicht kurz anfühlen ;)

  1. Es ist so schön, dass das mal jemand ehrlich schreibt. Ich dachte schon immer, dass ich die einzige bin, die völlig erledigt am Treffpunkt mit den beiden ankommt.
    Und auch schön: Es muss unbedingt die eine bestimmte Lego Duplo-Frau mit. Und wenn man sich erdreistet zu fragen, welche Frau denn gemeint ist, kriegt man ein entgeistertes “Na, DIE Frau!”. Und es ist auf jeden Fall die, die sich aus unerklärlichen Gründen nicht mal in der Nähe der Duplo-Kiste befindet.