Geburtsberichte
Leser-/Geburtsberichte

Leser-Geburtsbericht: Nadine P. erzählt

Zu unserer Vorgeschichte: Eilige primäre Sectio nach akutem Hellp. Das Ergebnis: Ein unfassbar liebes entspanntes Sonnenscheinchen, wir sind beide gesund, der Kaiserschnitt war nicht extrem traumatisch, aber gefehlt hat immer was, dieses Erlebnis ein Kind aus eigener Kraft zu gebären.

Nach einer Fehlgeburt machte sich sehr schnell unser Junge auf den Weg, der Wunsch: Eine Spontangeburt! Die Schwangerschaft verlief gestosefrei und ohne Komplikationen, leider tat sich auch nach ET überhaupt nichts: Keine Senkwehen, keine Schmerzen, einfach nichts. Wandern, scharfes Essen, alle Hausmittel wurden ausprobiert, aber nichts schlug an.

An ET+7 dann der Schock: Plötzliche Wassereinlagerungen, der Blutdruck ging nach oben, das Hellp-Labor war zwar noch unauffällig, aber plötzlich war die Panik wieder da. Mein Frauenarzt riet zur Einleitung, mein Mann und ich haben dann noch lange mit unserer Hebamme gesprochen und dann entschieden: Das machen wir, um im Falle des Falles dem Kind und mir ein paar Wehen mitzugeben.

An ET+8 (Cervix verstrichen, Muttermund Fingerkuppe einlegbar) erhielt ich zwei Mal Gel, wir gingen viel spazieren, aber nichts passierte. Abends schickte ich meinen Mann nach Hause, die nächste Gabe Gel war für den nächsten Morgen geplant und er sollte sich ausschlafen, unsere Tochter war bei der Oma. Morgens um drei Uhr setzten dann die Wehen ein, von null auf hundert alle 4 Minuten. Ich hatte immer Angst, es gar nicht zu merken, wie es losgeht, aber das war unbegründet. Ich kam mit Veratmen und Tönen gut klar, die Nachtschwester brachte mir einen Pezziball und setzte sich ein bisschen zu mir. Um acht rief ich meinen Mann an, wir gingen in den Kreißsaal (ich musste mich schon bei jeder Wehe an ihm festhalten), wir spazierten, ich saß auf dem Pezziball, hielt mich am Seil fest und hatte ein mobiles CTG, das ich überall mit hin nehmen durfte. Ich wollte erstmal nicht vaginal untersucht werden, aus Angst, dass sich doch nichts tut. Am Nachmittag wollte ich dann in die Badewanne, hier waren die Wehen am besten auszuhalten. Aber nachdem ich um 14.30 aus der Wanne stieg, änderten sich die Wehen schlagartig: Sie wurden doppelt so stark und kamen alle 1-2 Minuten, ich schrie den Kreißsaal zusammen, krallte mich an meinem Mann fest und wusste erstmal nicht wohin mit diesen Schmerzen. Eine neue, junge Hebamme und eine Hebammenschülerin kamen und die Hebamme bat darum, mich untersuchen zu dürfen: Muttermund Fingerkuppe einlegbar. Ich heulte erstmal los. 12 Stunden Wehen für NICHTS. Der Oberarzt kam dazu, und ich schrie ihn an, dass ich jetzt noch genau zwei Stunden warte und dann könne er über den Flur gehen, sein Skalpell auspacken und das Kind aus mir rausholen.

Die Hebammenschülerin blieb nun die ganze Zeit bei uns, mein Mann und sie lasen mir meine Affirmationskarten vor (dafür wurden sie von mir wild beschimpft: “Du kannst alles für eine Minute” – “Ich wusste doch nicht, dass eine Minute so scheiße lang ist!”), aber es war wirklich schön, nicht allein zu sein. Insgeheim hatte ich ständig den Blick auf der Uhr: Um 17 Uhr habe ich den Kaiserschnitt, dann ist es vorbei.

Schlag 17 Uhr kam der Oberarzt rein, untersuchte mich: 3cm!!! Ich war ein bisschen verdattert, er grinste und meinte: “Ist schon möglich, dass ich in dieser Schicht noch einen Kaiserschnitt mache, aber Sie bekommen ganz sicher keinen, Sie schaffen das auch ganz alleine!” Und draußen war er wieder. Das gab mir aber unendlich viel Auftrieb und Kraft für die nächsten Stunden, in denen ich schrie, fluchte, mich bewegte, mich mehrmals übergeben musste und mich an meinem Mann festhielt, aber es ging vorwärts! Die Hebammenschülerin war ständig bei uns. Zum Schichtwechsel um 22 Uhr waren wir schon bei 7cm. Aber nach 19 Stunden war ich nun wirklich am Ende meiner Kräfte. Die neue Hebamme schlug mir eine PDA vor, damit ich ein bisschen zur Ruhe komme und noch nie habe ich einen Vorschlag dankbarer angenommen! Noch nie habe ich so gut geschlafen, währenddessen wurde ein Dauer-CTG geschrieben.

Um 2 Uhr weckte mich die Hebamme, sie wollte mich nochmal untersuchen. Zuvor ging ich mit Hilfe meines Mannes zur Toilette, dabei platzte dann auch endlich die Fruchtblase. Und dann die Nachricht des Tages: Muttermund vollständig eröffnet! Mein Körper kann es doch! Langsam verspürte ich trotz PDA auch einen extremen Druck nach unten. Die Hebamme entfernte die Pumpe für die PDA, diese schlich langsam aus und gleichzeitig wurde der Druck nach unten stärker und die Wehen kamen wieder in kürzeren Abständen (unter der PDA alle 7 Minuten, ohne alle 2-3 Minuten). Das war für mich die am schlimmsten auszuhaltende Phase, nicht die Schmerzen, aber dieser unfassbare Druck.

Um 4.30 hielt ich es nicht mehr aus, ich sagte der Hebamme, dass ich JETZT pressen muss, sonst gehe ich nach Hause. Sie schaute mich prüfend an, tastete noch einmal, Köpfchen am Beckenausgang, wir gehen in den Kreißsaal! Ab da weiß ich nicht mehr ganz so viel, außer dass ich mich wunderte, wie laut ich schreien kann und wie scheißegal mir das ist, wenn mich einer hört, oder wie scheißegal mir das ist, wenn ich jetzt hier irgendwas ausscheide. Mein Mann wischte mir das Gesicht mit einem nassen Waschlappen ab, ich schwitzte unheimlich. Die Hebamme rief: “Der hat ja unheimlich viele Haare!” und führte meine Hand zum Tasten hin. Ich spürte das Köpfchen und wusste: Ich bekomme jetzt hier mein Kind! Der Oberarzt kam hinzu und fragte mich, ob er einen Dammschnitt machen dürfe, der Kopf sähe recht groß aus. Ich stimmte zu. Eine Presswehe später war er da, ich legte ihn mir selbst auf die Brust.

Es war eine unfassbare Erfahrung, zwischendrin habe ich mir sehnlichst einem Kaiserschnitt gewünscht und bin unendlich froh, dem nicht nachgegeben zu haben. Der kleine Dammschnitt war unproblematisch, leider hatte ich auch einen hohen Scheidenriss von 8cm, das Nähen dauerte sehr lange (war aber dann mit Kind im Arm auch egal). Ich bin sofort unter die Dusche, war topfit und voller Tatendrang und 2 Tage später sind wir schon nach Hause.

Diesen spannenden Geburtsbericht hat Nadine P. geschrieben :)

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