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Geschwister-/Krümel-Chroniken Neu

Geschwister-Chroniken: Teil 18

Ich möchte ehrlich sein: Die letzten Wochen waren hart. Es waren einfach viel zu viele Baustellen … für uns alle, für mich, aber ganz klar auch für die Kinder, die ja noch viel weniger Möglichkeiten haben, mit all dem gut klar zu kommen. Ich bin dankbar dafür, dass die Mausemaus ein sehr extrovertiertes Kind ist und ich deshalb immer weiß, wie es ihr geht und darauf reagieren kann. Und das der Krümel – es ist unglaublich – immer noch zufrieden ist in dieser Pandemie-gesteuerten Situation. Beide sind unglaublich tapfer. Beide sind beeindruckend in ihrer Fähigkeit, mit kindlichen Augen selbst nach 12 Monaten Corona-Kacke noch positive Aspekte zu sehen. Ich bin sehr dankbar dafür.

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SÖHNCHEN-STATUS:

4 JAHRE, 6 Monate
Der gar nicht mehr kleine Krümel trägt jetzt Kleidergröße 110/116, ist sauschwer (hab ihn nicht gewogen, aber sauschwer passt :D) und redet ohne Unterlass. Offenbar nimmt er sich jeden Morgen fest vor, wirklich jedes der Worte in seinem kompletten und enorm gewachsenen Vokabular zu nutzen … mindestens 100 mal pro Tag. Gespickt mit so vielen „Mamas“ wie möglich. Immer öfter ertappe ich mich dabei, wie ich abends im Bett irgendwann sage: „Und jetzt redest du nicht mehr. BITTE!“ weil ich einfach nicht mehr kann. Es ist wirklich unglaublich, was für ein Sabbelwasser dieser Junge hat.
Davon abgesehen spielt er immer noch am allerliebsten, dass er ein Paket ist, das einer von uns auspacken muss. Enthalten ist meist ein Roboter, den man zusammenbauen soll oder auch ein tolles Tier … ein Tausendfüßler oder ein Schnabeltier zum Beispiel. Dieses Spiel spielen wir jeden Tag unzählige Male. Es ist … puhhh … naja … sagen wir: Es ist ok für mich, wenn diese Phase irgendwann vorbei ist. :D

In die Kita geht der Floh aufgrund der stetig steigenden Zahlen und der Größe unserer Einrichtung immer noch nicht, aber wir gehen fast jeden Tag auf den Spielplatz, damit er nachmittags mit anderen Kindern draußen spielen kann. Klar, er hat auch seine Schwester und spielt sehr gerne alleine, dennoch braucht er natürlich den Input durch andere kleine Menschen und genauso die Bewegung. Trotzdem habe ich weiterhin das Gefühl, er verpackt die Situation von uns allen am besten und entwickelt sich auch ohne Kita rasant weiter – vor allem verbal, aber genauso auf allen anderen Ebenen. Das zu sehen macht mich unheimlich glücklich und erleichtert mich sehr. Er ist ein ganz arg tapferer und besonderer kleiner Floh! <3

TOCHTER-STATUS:

7 JAHRE, 5 Monate
Die Mausemaus hat es gerade nicht leicht. Damit meine ich nicht mal nur die wirklich fiese Zahn-OP, die sie einige Milchzähne gekostet und enorm angestrengt hat, sondern auch das ganze andere Zeug, dass uns und sie gerade belastet. Wobei … die OP und die Wirkung auf sie ist echt nicht zu verachten. Wir wissen jetzt, dass sie aus einer Narkose sehr wütend aufgewacht – etwas, womit ich absolut nicht gerechnet habe, obwohl sie jedes recht auf Wut hatte. Man, war das eine Scheiße … und ist es noch, bis die neuen Backenzähne durchkommen. DAS wird tatsächlich sogar schon bald passieren, sagte die Zahnärztin, weil sie körperlich wirklich weit ist für ihre 7 Jahre. Nicht so überraschend, wenn man bedenkt, dass sie ca. 137 groß ist und Schuhgröße 35 trägt. Dennoch ist es aktuell echt kacke und Essen macht null Freude. Armer Schatz.
Dazu kommt, dass sie langsam eben – trotz wenig Schule im Präsenzunterricht – den unschönen Seiten von Kinder-Gruppen begegnet. Die Viertklässler ihrer Klasse ärgern die kleinen Mädchen oder machen sich über bestimmte Mützen lustig. Und die Mausemaus reagiert darauf nun mal, wie ein Kind von 7 (und älter) darauf reagiert: Mit Tränen und herber Verunsicherung. Tatsächlich war sie vor der Pandemie eher eine beinharte Mausemaus, um die ich mir in solchen Situationen null Sorgen machen musste. Durch das Fehlen der sozialen Kontakte über lange Zeit ist sie – vermute ich – wie so viele andere auch, einfach unsicherer geworden. Vielleicht ist es aber auch eine ganz normale Entwicklung, die mit dem Alter zusammenhängt. Ich habe keine Ahnung. Fakt ist, dass es mir super leid tut, wenn ich sie sowas erzählen höre und ich echt an mich halten muss, nicht direkt eine Löwenmama-Welle zu schlagen. Stattdessen versuche ich mein Kind zu stärken, ihr aber auch zur Seite zu stehen. Oh man, da denkt man, mit Baby oder Kleinkind wäre es schwer … und dann werden sie älter. ;)
 

MAMA-STATUS:

So alles in Allem: Ich muss gestehen, ich hatte wirklich ein krasses Tief. Ich habe ständig geheult, war komplett fertig und wusste ganz ehrlich nicht mehr, wo ich noch neue Kraft hernehmen sollte für all das, was gerade unseren, aber ganz viel auch einfach meinen Alltag bestimmt. Neben dem normalen Wahnsinn von Job und Homeschooling, Kinder-Bespaßung und Haushalt, gab es über Wochen rollige Katzen plus Pipi-Lachen überall, dann OPs – nicht nur für die beiden Fellkinder – und ständig Ärgernisse mit der Schule. Ich fühlte mich wirklich sehr lange nicht mehr so leergepumpt und kraftlos und plumpste am Tag vor meinem 44. Geburtstag hart auf dem Grund auf. Ich hatte so keinen Bock mehr, weinte an einem Stück und hatte eine Zündschnur so kurz wie ein Pantoffeltierchen lang ist. ICH WOLLTE EINE PAUSE! VON ALLEM! Und dann stand ich wieder auf. Ich bin jedes Mal mega beeindruckt, wie das funktioniert. Aber man steht ja tatsächlich einfach wieder auf … also, wenn man Glück hat und die Heulerei reinigend wirkt und Platz schafft für neue Energie. Nicht viel, da bin ich sicher. Wir laufen schließlich nach einem Jahr Pandemie und wenig Licht am Ende des Tunnels alle am Limit, ABER ein bisschen Akku ist wieder da. Ich habe sogar meinen Geburtstag genossen, obwohl ich den selbst unter normalen Umständen nicht besonders mag und hart damit gerechnet habe, den ganzen Tag stinksauer auf alles zu sein … oder todtraurig darüber, dass ich nun zum zweiten Mal ohne meine Familie und meine Freunde ein Jahr älter wurde. Aber irgendwie hats geklappt. Der Mann und die Kinder haben sich so viel Mühe gegeben, dass es trotz allem schön war. <3

Ich bin immer noch nicht wieder auf der Höhe – aber wer ist das gerade schon. Hauptsache, es geht mir ein bisschen besser. Man wird genügsam in diesen Tagen ;)

Man weiß es natürlich, man sagt es ja immer, aber manchmal sieht man es so deutlich bei den eigenen, dass einem der Mund offenstehen bleibt: jedes Kind ist anders. Wir hatten hier wirklich eine echt heftige Woche, in der erst die Kätzchen kastriert wurden und dann die Mausemaus ihre erste Vollnarkose erleben „durfte“ … und wie unterschiedlich die beiden Kinder mit Leid an sich und auch dem bei anderen umgegangen sind, war – objektiv betrachtet ;) – echt verblüffend. Als die frisch operierten und schwankenden Katzen heimkamen, saß die Mausemaus stundenlang bei ihnen auf dem Boden, redete liebevoll auf sie ein und gab ihnen immer wieder einen geschützten Platz, um nochmal zu schlafen … und blieb solange mit ihnen sitzen, wie es eben dauerte. Es war bezaubernd zu sehen, wie wahnsinnig groß ihre Empathie ist und wie aufopferungsvoll sie sich kümmert. Und das war eigentlich schon immer so, auch, als sie noch viel kleiner war. Zum Beispiel, wenn in der Kita ein wirklich kleines Kind eingewöhnt wurde. SIE war sofort zur Stelle und tat alles, um es dem Kleinkind leichter zu machen. Klar, auch die Mausemaus ist egoistisch, wie Kinder nun mal sind und auch sein dürfen. Aber wenn‘s um die Wurst geht, kümmert sie sich mit ganz viel Herz.
Der Krümel ist natürlich auch ein liebevoller Floh, ABER ehrlich gesagt null empathisch :D Als die Kätzchen kamen, streichelte er nur kurz und fand dann die Transportboxen sehr viel spannender. ;) Als er mit Papa mich und die Mausemaus beim Zahnarzt abholte und auf seine sehr benommene Schwester traf, gab er ihr zwar erst einen Kuss, rannte dann aber sofort zum Schaukelpferd. Und während sie abends weinte, dass sie nichts essen könnte, rief er laut: „ICH HABE DEN GANZEN TAG SUPER VIEL GEGESSEN!“ Tja, Empathie geht anders ;) Das ist natürlich völlig ok, auch wenn ich durchaus darauf hinweise, dass etwas oder jemand anders vielleicht gerade etwas mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung braucht, muss auch der kleine Floh seinen Weg finden. Einen Kuss gibt’s immer und eine Umarmung auch. Darüber hinaus … ist er eben erst vier und seine Schwester schlicht ein extremer Herzensmensch. So sind nicht alle und so müssen auch nicht alle sein. Ich fand es in dieser einen Woche nur wieder so irre auffällig, wie unterschiedlich diese beiden Kinder gestrickt sind. Und das ist TOLL! Sie ergänzen sich ganz wunderbar und werden sicher lebenslang von den Andersartigkeiten der Schwester oder des Bruders profitieren und lernen können. Was sie auf jeden Fall eint, ist: Sie sind mein Nabel der Welt. Beide. <3

Ich freue mich, wenn ihr diesen Beitrag teilt :-*

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2 Kommentare für “Geschwister-Chroniken: Teil 18

  1. Danke für diesen deinen Text!!
    Hier sieht es bei meiner 7Jährigen genauso aus. Also nicht auf die Zähne bezogen, sondern auf das Gefühlsleben…

    Als Mama nur noch zu funktionieren und alles irgendwie zu beachten, fällt auch mir immer schwerer.

    Halt durch!
    Liebe Grüße
    RonjaMama (Uschi_vom_Dorf)