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Leserin-Geschichte: Der lange Weg zum 2. Mutterglück trotz Gerinnungsstörung

Hier erzählt Manuela ihre Geschichte: „Ich bin 2012 nach nur 3-monatiger „Übungsphase“ problemlos schwanger geworden. Außer einer immensen Schwangerschaftsübelkeit hatte ich in dieser Zeit keine Probleme. Der Kleine hat sich ganz normal entwickelt und kam als Spontangeburt im Juli 2013 zur Welt. Damals war ich 33 Jahre alt.

So wie jeder Mensch einen Plan hat, was die Familienplanung betrifft, war es auch unser Plan, dass wir ein zweites Kind wollen und am besten im Abstand von 3 Jahren. Also sind wir erneut in die Familienplanung gegangen. Und da es beim ersten Mal so problemlos geklappt hat, haben wir auch keinen Gedanken daran verschwendet, dass es dieses Mal Probleme geben könnte. Aber ich wurde einfach nicht schwanger. Meine Frauenärztin hat mich eingehend untersucht, Eisprung war auch da, körperlich also erst mal kein Problem. Sie hat mir dann auch Tabletten verschrieben, die die Eireifung beschleunigen sollten, da sie ihrer Meinung nach beim Eisprung etwas zu klein waren.

Schließlich wurde ich doch noch schwanger. Der Große war damals zweieinhalb Jahre alt. Alles noch im Plan also. Ich habe aber gleich so ein komisches Gefühl bekommen, weil diese schlimme Übelkeit ausgeblieben ist. Bei der ersten Untersuchung hat man noch gar nichts gesehen. Also musste ich noch warten. Bei den weiteren Ultraschalls war dann klar, dass die Fruchtblase zu klein ist und man keinen Herzschlag sieht. Am Ende war es dann ein sogenanntes Windei, scheinbar leer, aber vielleicht auch mit einem Zellhaufen darin, den man einfach nicht sehen konnte. Ich wollte es dann so schnell wie nur möglich aus mir raushaben, bin umgehend ins Krankenhaus und am nächsten Tag wurde es schon per Ausschabung weg gemacht. Und ehrlich gesagt, war ich zwar enttäuscht und frustriert, weil es ja so viele Versuche gab und es nicht geklappt hatte, aber dadurch, dass nichts in der Fruchtblase war, empfand ich es nicht so, als hätte ich ein Kind verloren. Es war einfach Pech, die Natur hat da einen Fehler gemacht. Damals wurde mir erst bewusst, wieviel Glück dazu gehört, schwanger zu werden und es auch noch zu halten. Es ist heute noch ein leiser Groll in mir, wenn ich höre, dass es Frauen gibt, die ungewollt schwanger werden und ich so schlimme Erfahrungen gemacht habe, obwohl ich unbedingt ein Kind wollte.

Nachdem immer mehr Zeit vergangen ist und ich inzwischen auch mit Ovulationstests gearbeitet habe, kaufte ich mir einen Computer, um mir morgens die Temperatur zu messen. Dabei ist mir aufgefallen, dass die zweite Zyklushälfte einfach immer zu kurz ist, das Ei also einfach keine Chance haben kann, sich einzunisten. Ich habe es dann auch mit meiner Frauenärztin besprochen und weiter die Tabletten zur Eireifung genommen. Wenn ich meinen Körper nicht so gut gekannt hätte, durch das ständige Temperatur messen und Tests machen, hätte ich den nächsten Abgang gar nicht bemerkt. Der Test war positiv, aber am nächsten Tag hat schon die Blutung eingesetzt.  Beim nächsten Mal genau das Gleiche. Jetzt war ich richtig frustriert und hatte beschlossen, dass ich kein weiteres Kind mehr möchte. Mein Körper wollte anscheinend nicht schwanger bleiben.

Das ist natürlich einfach gesagt. Allerdings wurden dann alle Frauen um mich herum schwanger. Die Großen kamen alle 2013 zur Welt und sollten jetzt also ein Geschwisterchen bekommen. Und ich war zum einen nicht in der Lage schwanger zu werden und wenn doch, wollte mein Körper es einfach nicht behalten. Ich musste dann immer an Meredith Grey aus Grey`s Anatomy denken, die immer gesagt hat, sie hat eine feindliche Gebärmutter.

Ich habe dann für mich den Entschluss gefasst, ins Kinderwunschzentrum zu gehen. Dort wurde die Gebärmutter gespiegelt, die Spermien wurden untersucht, der Eisprung beobachtet. Alles war normal. Das ist dann mit das Schlimmste, wenn dann nicht mal was gefunden wird, woran man arbeiten kann. Ich habe dann mittlerweile andere Hormontabletten genommen, hatte auch immer wunderschöne Eisprünge, wurde aber trotzdem nicht schwanger. Es waren 3 Ärztinnen, 2 waren sehr nett, aber die eine wollte mich dann schon wieder loswerden und mich an meine Frauenärztin verweisen. Ich sagte dann nur: „Moment, da komme ich doch her, die kann nichts machen. Deshalb bin ich zu Ihnen gekommen und ich bin ja immer noch nicht schwanger!“.

Also wurde bei mir die Gerinnung untersucht und eine minimale Abweichung gefunden. Eigentlich zu wenig, um die Fehlgeburten hervorzurufen. So nahm ich also noch Aspirin und ein anderes Medikament, damit das Ei die Möglichkeit hat, sich einzunisten. Ich wurde erneut schwanger. Anfangs schien alles super zu laufen. Die Ärztin war froh mich los zu sein und hat mich sofort an meine Frauenärztin verwiesen. Die war froh, mich wiederzusehen und auch noch schwanger. Ich bekam die Schwangerschaftsübelkeit und dachte, yeah, jetzt ist es geschafft. Der HCG Wert stieg schön an, allerdings war das Ei etwas klein. Aber man konnte dieses Mal sogar ein Herz schlagen sehen. Bei der nächsten Untersuchung sollte ich dann den Mutterpass bekommen. Dazu kam es leider nicht. Bei der nächsten Untersuchung war der Herzschlag dann weg. Und dann war ich richtig fertig. Die Arzthelferinnen waren alle sehr traurig, da sie ja meinen ganzen Leidensweg mitverfolgt hatten. Mir war immer noch schrecklich übel und ich wollte es aufgrund der anhaltenden Schwangerschaftsbeschwerden dann auch so schnell wie möglich aus mir raushaben. Also bekam ich am nächsten Tag eine Absaugung. Ich habe dann auch eine Weile mit dem Thema abgeschlossen, musste aber täglich die wachsenden Bäuche der anderen Frauen sehen und dass es bei allen klappte, außer bei mir.

Ich habe viel recherchiert, gegoogelt, Bücher gelesen, konnte mittlerweile meinen Eisprung erfühlen und sogar die Seite, wo das Ei springt. Hat mir aber alles nichts gebracht. Also habe ich erneut die Kinderwunschklinik kontaktiert und nach einem anderen Hormon gefragt, das ich mir spritzen musste. Mittlerweile hatte ich seit 5 Wochen eine schlimme Erkältung und eigentlich keine Lust darauf, ein Kind zu machen. Wir haben es aber trotzdem weiter probiert und bei der nächsten Periode sollte ich dann mit den Hormonspritzen beginnen. Die Blutung kam und ich spritze die Hormone. Hatte aber gleich ein komisches Gefühl, da die Blutung erstens später kam und viel weniger stark als sonst. Also habe ich einen Schwangerschaftstest gemacht und der wurde so schnell positiv, dass ich gar nicht so schnell gucken konnte. Ich war völlig fertig und verwirrt und habe gleich beim Kinderwunschzentrum angerufen. Ich hatte ja wieder Blutungen und nahm immer noch weiter Aspirin und ein anderes Medikament für die Blutgerinnung. Die waren total blöd und haben mich nur an meine Frauenärztin verwiesen, die aber mit deren Behandlungsplan gar nichts zu tun hatte und sich mit der Blutgerinnung auch nicht auskannte.

Meine Frauenärztin hat die Schwangerschaft dann bestätigt und mich so schnell als möglich an eine Gerinnungsklinik verwiesen. Dort habe ich also einen Termin gemacht. Blutungen hatte ich immer noch. Die wurden dann so stark, dass ich schon wieder mit allem abgeschlossen habe und aufgeben wollte. Die Übelkeit hatte ich übrigens auch wieder. Meine Mutter hat mich dann ins Krankenhaus geschleppt, um zu schauen, ob das Kind noch da war. Und es war noch da, ich habe den Herzschlag noch vor dem ziemlich alten Arzt gesehen, der den Ultraschall gemacht hatte. Dann kam endlich der Termin in der Gerinnungsklinik. Die haben als erstes gesagt, ich solle das Aspirin absetzen, da ich blute und es durch die Tabletten verstärkt wird. Und siehe da, die Blutung ging weg. Hätten die das in der Kinderwunschklinik denn nicht eigentlich auch wissen müssen?! Die wollten mich nur ganz schnell loswerden. So wie die ganzen Monate zuvor auch schon.

Mein Happy End ist, dass dieses Baby tatsächlich bei mir bleiben wollte. Es war allerdings alles andere als eine schöne Schwangerschaft. Ich musste täglich Thrombosemittel spritzen, Schilddrüsentabletten schlucken, die ersten 4 Wochen konnte ich nur liegen, weil mir so schlecht war. Mein Sohn wurde von meinen Eltern und dem Papa betreut. Wir haben ihm erst später gesagt, warum es mir so schlecht geht, falls ich das Baby doch noch verloren hätte. Er war ja gerade mal 3,5 Jahre alt. Ich habe die ganze Schwangerschaft täglich Tabletten gegen die Übelkeit genommen. Bei dem Großen allerdings auch schon. Körperlich ging es mir sehr schlecht und psychisch auch, da mir immer die Angst im Nacken saß. Meine Frauenärztin war immer positiv, in all der Zeit. Bei jeder Schwangerschaft. Nur diese blöde Ärztin im Kinderwunschzentrum werde ich nicht vergessen. Im Krankenhaus waren auch alle sehr nett und verständnisvoll. Meine Familie hat sich um mich und meinen Sohn gekümmert, auch wenn ich gefühlt dauernd zu meiner Mutter kam und sagt: „Test war positiv, aber ich blute…“

Ich glaube immer noch daran, dass mein Körper keine weitere Schwangerschaft wollte und die Babys deshalb immer abgestoßen hat. Zu dem Zeitpunkt als ich schwanger wurde, war ich so schlimm erkältet, dass überhaupt kein Immunsystem mehr vorhanden war und da hat sich meine kleine Tochter eingeschlichen 😊 Sie ist übrigens heute mit fast 4 Jahren noch immer das gleiche Energiebündel, das sie schon in meinem Bauch war. Ich hatte am Ende doch Glück, habe allerdings auch alles probiert, damit ich mir am Ende nicht vorwerfen kann, ich hätte es nicht getan. Und nicht jeder Plan geht auf. Nun sind es 4 Jahre und 3 Monate, die unsere Kinder trennen. Und es ist perfekt so wie es ist.

Ich hoffe, ich kann ein paar Frauen damit helfen. Wir müssen uns nicht verstecken und wir dürfen auch darüber reden. Und in meinem Umfeld waren und sind es oft die Männer, die fragen: „Na, wollt ihr noch ein Kind haben?!“ Egal ob du schon eins hast, keins oder drei. Dieser Spruch kommt immer. Dann muss auch mal gesagt werden: „Doch und ich war auch schon 6 Mal schwanger, aber wie du siehst, habe ich „nur“ 2 Kinder an der Hand!!! Dann wissen sie nichts mehr zu sagen und fragen dich auch nie wieder danach.“

Diese sehr spannenden und emotionalen Text hat Manuela geschrieben.

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