Geburtsbericht
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Geburtsbericht: Leserin Lydia erzählt

Im Dezember 2016 bekam ich eine wundervolle Tochter, doch weder die Geburt selbst noch das Verhältnis zum Vater waren auch nur im Ansatz so wie ich es mir erträumt hatte. Ich war von Anfang an alleinerziehend, wünschte mir aber so sehr ein zweites Kind, dass ich nach ausführlicher Überlegung und Beratung im Dezember 2019 in eine Kinderwunschklinik fuhr, um per Insemination mit Spendersamen schwanger zu werden. Wieder erwarten hat es gleich beim ersten Versuch geklappt. Meinen Sohn wollte ich gerne in einem hebammengeleiteten Kreissaal möglichst ohne medizinische Intervention entbinden und belegte den dafür empfohlenen Geburtsvorbereitungskurs. Beinahe wäre jedoch nichts daraus geworden. Bei der Kontrolle 9 Tage nach ET konnte nur noch sehr wenig Fruchtwasser festgestellt werden. Man empfahl mir dringend am nächsten Morgen zur Einleitung zu kommen, gab mir aber noch den Tipp ein Sitzbad zu nehmen, um das Gewebe aufzuweichen und dann direkt im Anschluss spazieren zu gehen. Ich holte also meine Tochter um 14.00 Uhr aus dem Kindergarten und wir stiegen beide in die Badewanne, badeten mit ganz viel pinkem Prinzessinnenbadeschaum und gingen danach im Wald spazieren. Gegen 16:30 Uhr hatte ich bereits so deutlich spürbare Wehen, dass wir wieder nach Hause gehen mussten und ich meine Mutter anrief. Als sie etwa zwei Stunden später bei uns war, musste ich die Wehen bereits veratmen. Wir aßen zu Abend und spielten mit meiner Tochter, bis um kurz nach 20 Uhr die Wehen regelmäßig alle 5 Minuten kamen. Ich rief im Kreissaal an und meine Mutter und Tochter brachten mich hin. Im Krankenhaus angekommen waren der Empfangsdame die Wehen schon unheimlich, so dass sie mich ohne Coronatest in den Kreissaal schickte. Dort wurde ich von einer ganz lieben Hebamme in Empfang genommen. Bei der Untersuchung stellte sie eine sehr gute Wehentätigkeit und 2 cm Öffnung fest, worauf wir feierlich die Einleitungsunterlagen aus meiner Akte zerrissen. Da es keinen Grund dafür gab, verzichteten wir darauf einen Zugang zu legen. Nachdem das Aufnahme-CTG, welches dankeswerterweise im Stehen geschrieben werden konnte, fertig war, ging es in die Entspannungbadewanne. Die Wehenveratmung klappte großartig, die Gespräche mit der Hebamme waren sehr lustig und auch ein Coronatest ist in der Badewanne nur halb so schlimm. Leider machte irgendwann mein Kreislauf nicht mehr mit, so dass ich die Wanne verlassen musste. Zurück im Kreissaal bekam ich Salzstangen und Apfelsaft gereicht, was dem Kreislauf gut tat dem Magen aber leider nicht gefiel. Ich wehte am Seil stehend meditierend vor mich hin, meine Hebamme war kurz austreten, da musste ich mich plötzlich übergeben und bei der Anstrengung pischte ich mir auch noch in die Hose, dachte ich zumindest. Meine Hebamme entschuldigte sich bei ihrer Rückkehr wenige Minuten später, dass sie mich allein gelassen hatte, und ich entschuldigte mich für das Chaos. Wollte ihr aufwischen helfen, aber sie meinte, ich solle mich lieber ausziehen und aufs Bett begeben, wir würden jetzt mal das Kind auf die Welt bringen. Ich blickte zur Uhr, es war Mitternacht, und fing dann eine Diskussion an, dass das doch gar nicht sein kann, ich wäre doch noch gar nicht lange hier. Sie lächelte nur und meinte, ich hätte gerade einen Blasensprung gehabt und so wie ich die letzten Wehen veratmet habe, wäre ich in der Übergangsphase. Ich glaubte ihr nicht und mehr, um ihr einen Gefallen zu tun, lies ich sie nachgucken und siehe da, 9 cm. Leider blieb es dann aber trotz Presswehen dabei. Der hinzugezogene Assistenzarzt war überfordert damit, dass ich keinen Zugang hatte und er mir kein Östrogen geben konnte. Darum kam eine Ärztin hinzu, die mit mir verschiedene Positionswechsel versuchte, damit der letzte cm verstreicht. Leider klappte dies nicht, mein Sohn steckte fest, wodurch es zwischen den Wehen mehr weh tat als die Wehen selbst. Kurz bereute ich die Entscheidung ohne Medikamente entbinden zu wollen, doch dann schlug die Hebamme vor den letzten Muttermundsaum mit der Hand zur Seite zu schieben. Das wäre kurz extrem schmerzhaft, aber zwei Wehen später wäre das Kind dann da. Ich willigte ein und sie behielt recht. Nach der ersten Presswehe war der Kopf geboren und ich durfte ihn schonmal streicheln und eine Wehe später am 18.09.2020 um 0:58 Uhr war er da. Ich saß mit angewinkelten Beinen und geschlossenen Augen auf dem Bett, konzentrierte mich aufs Pressen, als die Hebamme liebevoll sagte, mach deine Augen auf. In dem Moment als ich die Augen öffnete, sah ich, wie Johannes Arthur aus mir heraus flutschte und direkt in meine Richtung sah. Ein unbeschreiblich schöner Moment.

Diesen spannenden Geburtsbericht hat Lydia geschrieben :)

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