Geburtsbericht
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Geburtsbericht: Leserin Bea erzählt (1)

Die Geburt meines 4. Wunderkindes: Die Schwangerschaft über habe ich die meisten Vorsorgen von Simone, meiner Hebamme, machen lassen. Die Frauenärztin hat mich nur dann gesehen, wenn die 3 großen Ultraschalls anstanden, oder ich von ihr eine neue Verordnung für die Haushaltshilfe brauchte, oder Simone ärzliche Abklärung bestimmter Befunde brauchte. Auf Grund des übergriffigen und bevormundenden Verhaltens meiner Frauenärztin, welches letzmalig in einer erzwungenen Vorsorge und schmerzhaften vaginalen Untersuchung gipfelte, mochte ich meine Frauenärztin nicht besonders und habe mir geschworen die Praxis nicht mehr zu betreten. So hatte ich gegen Ende der Schwangerschaft keine Frauenärztin mehr und musste für jegliche ärztliche Abklärung fortan ins Krankenhaus fahren.
Am 22. 02., einen Tag vor ET, hatte ich bei meiner Hebamme Simone einen Vorsorgetermin in ihren Räumlichkeiten. So lag ich an diesem Donnerstagmorgen angeschlossen an das mobile CTG Gerät von Simone da und quatschte gemütlich mit ihr. Nach der normalen Vorsorge machte sie nun zum Ende der Schwangerschaft immer öfter CTGs. Sie war vom CTG Befund her jedoch sehr schnell äußerst beunruhigt, da die Herztöne von meiner Kleinen schlecht waren (110). Auch mehrere Positionswechsel brachten keine Veränderung und so sollte ich in die Klinik zur Abklärung fahren. Ich war in großer Sorge und sehr verzweifelt, brachte meine Kinder schnell bei Freunden unter und fuhr nach Höxter ins Krankenhaus. Dort wurde jedoch Entwarnung gegeben; alles bestens bei deren CTG. Also ging es wieder nach Hause die Kinder abholen und mich vom Schrecken des Tages erholen, der mir immer noch in den Knochen steckte.
Am 24. 02., einen Tag nach ET, hatte ich morgens die nächste Vorsorge bei Simone. Ab und zu spürte ich an diesem Morgen bereits ein Ziehen, welches sich auch schon auf dem CTG verzeichnen ließ. Simone bemerkte, dass sie nicht glaube, dass wir uns Montag zur nächsten angesetzten Vorsorge wiedersehen werden und dass es sich abzeichnen würde, dass es dieses Wochenende wahrscheinlich noch was wird mit der Geburt. Das Ziehen blieb den ganzen Tag über und wurde auch mehr. Nachmittags brachte ich meinen Sohn noch zum Geburtstag seines Freundes. Ich redete meinem Baby im Bauch zu, dass es noch warten müsse, wenigstens, bis ihr Bruder vom Kindergeburtstag abgeholt war. Ich wollte ihn noch selbst abholen, mir war die Tatsache zu kompliziert, dass diese Aufgabe einer meiner Freunde übernehmen müsste. Ab und zu musste ich zum veratmen stehen bleiben. Als mein Sohn wieder da war und ich alle Kinder in unserer Abebdroutine fertig gemacht und ins Bett gebracht hatte, konzentrierte ich mich auf die Wehen und ihre Abstände. Meine Unsicherheit wuchs und ich zweifelte daran, ob es jetzt wirklich „reicht“ an Wehen, um die Kinder wegzubringen und ins Krankenhaus zu fahren, oder ob ich erstmal schlafen und abwarten sollte. Ich schrieb mit meinen beiden Freundinnen, die während der Geburt meine Kinder betreuen sollten. Die eine versuchte mich dazu zu überreden meinen Ältesten rüberzuschicken und auch die anderen Kinder wegzubringen. Mein Ältester ging somit spätabends noch rüber zu unserer Nachbarin. Meine beiden anderen Kinder schliefen fest und ich haderte lange mit mir, ob ich sie wecken sollte und rüberfahren sollte zu meiner anderen Freundin. Da meine Freundin aber noch wach war, kündigte ich gegen 23. 30 Uhr die Ankunft meiner beiden Kinder an, weckte meine beiden behutsam und fuhr sie mitsamt gepackter Taschen und einem Paket Windeln für meine Jüngste rüber ins Nachbardorf  zu meiner Freundin. Ihr Blick als sie mich aus dem Auto steigen sah vergesse ich nicht. Sie fragte mich, wie ich denn jetzt ins Krankenhaus kommen würde. Ich versuchte mir so gut es ging die Wehen zu verkneifen und sagte ganz locker, dass ich selbst fahren werde, ich hatte ja auch die beiden Kinder gerade zu ihr gefahren. Sie sichtlich sprachlos und überfordert schwankte zwischen Taxi rufen, RTW rufen oder dass sie mich fährt und begleitet. „Du kannst doch jetzt nicht alleine…?!“ „Doch, kann ich!“ Und ich fuhr dann auch. Meine Freundin erzählte mir nachher, meine Kinder seien direkt sofort wieder eingeschlafen Arm in Arm ohne Probleme oben im Gästebett.
Die Fahrt ins Krankenhaus war abenteuerlich. Ich drehte mir die Musik auf, als wenn ich versuchen wollte damit die Wehen in Schach zu halten. Wie blöd, dass das nicht klappte und ich trotzdem irgendwie veratmen musste. Kurz vor dem Ortseingangsschild, also kurz vorm Ziel, fiel mir ein, was ich vergessen hatte- die Babyschale! Ohne konnte ich unmöglich im Krankenhaus auflaufen, die würden mich so ambulant nicht gehen lassen und wie sollte ich auch das Baby transportieren? Also fuhr ich den Weg nochmal zurück, holte die Babyschale aus der Wohnung und war um 0. 30 Uhr ungefähr am Krankenhaus. Die Untersuchung vor Ort war ernüchternd; 3- 4 cm. Ich wurde somit auf Station geschickt und ärgerte mich über mich selber. Da hätte ich auch zu Hause bleiben können und überhaupt wollte ich doch gar nicht auf Station. Ich hasse Krankenhäuser, fluchte ich innerlich. Ich kam in ein 2 Bett Zimmer. Meine Bettnachbarin war noch schwanger und begrüßte nich schlaftrunken. Die Arme wurde durch mich geweckt. Ich versuchte mich möglichst leise zu verhalten und jammerte die Nacht still in meinem Bett. Egal auf welche Seite ich mich legte- es tat weh und die Wehen wurden nicht weniger. Als ich es nicht mehr aushielt schlich ich mich aus dem Zimmer, um meine Bettnachbarin nicht zu stören. Ich lief den Gang hoch und runter. Keine Menschenseele war zu sehen. Keiner hat nach mir gesehen die Nacht über. Den roten Knopf zu drücken habe ich mich auch nicht getraut. Im Zimmer schon nicht und jetzt nochmal zurückgehen ins Zimmer und ihn drücken? Never! Ich lief also weiter meine Runden im Klinikflur auf und ab und fühlte mich so alleingelassen und verloren. Ich hoffte, dass jemand vorbeikommen würde von den Schwestern, vom Klinikpersonal, die mir irgendwie helfen würden. Ich vermisste meine Kinder.
Um 7 Uhr morgens machte ich mich kleinlaut in Richtung Kreisssaal auf. Jetzt ist eine Uhrzeit wo ich vielleicht nicht so sehr störe, dachte ich. Die Hebamme dort, als ich ihr erzählte, dass ich die ganze Nacht Wehen hatte und den Gang auf und ab gelaufen bin: “ Sie hätten auch ruhig heute Nacht jederzeit zu uns kommen können“. Im Kreisssaal erstmal liegend CTG. Die Wehen sind regelmäßig, aber nicht lang genug. Ich: “ ich brauche eine PDA“ Der Befund nach der Untersuchung: 6cm. Ich ging noch mein Handy vom Zimmer holen. Der Weg dauerte ewig. Immer anhalten und diese blöden scheiß Wehen veratmen. Ich hatte keinen Bock mehr. Ich schrieb Simone noch: Bin jetzt bei 6 cm. Sie wünschte mir eine schöne Geburt. Ich hatte Simone um 1 Tag verpasst. Sie hatte am Tag zuvor Spätdienst hier im Krankenhaus. Ich war sehr traurig, dass sie nicht da war. Zurück im Kreisssaal wurde mir der Wunsch von der PDA erfüllt- zumindest schien es so. Der Anästesist wurde gerufen kam kurze Zeit später und sprach nur gebrochen deutsch. Ich verstand ihn nicht so richtig. Beim PDA setzen verkrampfte ich mich sehr. Ich hatte Angst- Angst vor der Nadel- Angst vor den Wehen- Angst vor den Schmerzen. Es war alles nur noch zu viel. Den Buckel, den ich für die PDA machen sollte, kriegte ich zwar hin, aber ich zuckte jedes Mal, wenn die Nadel einstach. Ich fing an hemmungslos zu weinen und zu schreien. Die Hebamme stand vor mir und versuchte mir Halt zu geben, mich liebevoll festzuhalten und zu trösten. Die PDA saß nicht, es musste nochmal gestochen werden. Sie saß immer noch nicht richtig, aber der Anästesist hatte angeblich fertig… Ich sollte mich dann hinlegen und entspannen- leicht gesagt. Ich blickte an die Decke des Kreisssaals, wo jemand sich künstlerisch an einem künstlichen Sternenhimmel verausgabt hatte. Die vielen kleinen LEDs sollten sich wohl beruhigend anfühlen, ich fühlte mich von ihnen eher wie aufgespießt. Mir wurde ein Wehentropf angehangen, damit die Wehen länger werden. Ich überlegte das CTG runter zu reißen. Der Raum leerte sich- ich war allein. Ich sollte mich ja entspannen. Wie nur, fragte ich mich.  Die Hebamme kam rein und wollte die Fruchtblase sprengen, das erledigte sich in der nächsten Wehe zum Glück von selbst. Die erste Fruchtblase die selbst geplatzt ist. Bei meinen 3 Kindern zuvor wurde sie immer manuell geöffnet. Direkt nach dem Blasensprung fühlte ich sehr viel Druck nach unten. 2 weitere Personen kamen in den Kreisssaal. Ich schrie nur, die sollen die PDA jetzt endlich richtig setzen, sofort! Ich halte das nicht mehr aus und dieser scheiß Anästesist, warum kann der verdammt nochmal nicht richtig arbeiten. Die Hebamme versuchte mich zu beruhigen, ich war jedoch so außer mir, dass ich sie anschrie sie solle ruhig sein, es sei alles nur noch scheiße hier, noch nicht mal eine richtige PDA kriegt man hier. Warum hört man mir nicht zu, ich spüre alles, keinen interessiert es und stattdessen liege ich hier wie aufgespießt und alle um mich rum machen irgendwas an mir, während ich hier wie ein Käfer auf dem Rücken im Kreisbett liege. Die Hebamme nahm mein Bein hoch und winkelte es an. Meinen Fuß tat sie an ihren Oberschenkel. Sie sagten ich hätte es gleich geschafft und ich trat in meinem Schmerz gegen ihren Oberschenkel. “ Holt dieses Kind aus mir raus“ schrie ich, als der Kopf spannte. Das Gefühl kannte ich von den Geburten zuvor nicht. In der nächsten Wehe war sie geboren, meine Kleine Johanna. Sie weinte direkt und ich bekam sie auf den Bauch gelegt- Was für ein schönes Gefühl.
Der Arzt kam mit einer Spritze zu meinem Zugang. “ Das ist jetzt das Oxitozin für die Plazenta?“ fragte ich ihn. „Oh, da kennt sich jemand aus“, sagte er. Als die Plazenta weggetragen wurde, wurde mein Dammriss 1 Grades genäht. Ich spürte jeden Stich. Als sie mich mit Binde und Netzhose ausgestattet hatten stand die U1 an. Anders als bei den anderen Kindern, spürte ich meine Beine und konnte aufstehen- was für ein Vorteil! Und noch ein Zeichen für mich, dass die PDA nicht richtig gesessen haben konnte Ich stand bei der U1 meiner Tochter daneben und die Hebamme war einigermaßen perplex darüber. Sie nannte meine Kleine liebevoll Bienchen und nahm nach der Untersuchung noch einen Fußabdruck von ihr. Für mich war es ein absolutes Highlight daneben zu stehen.  Das bereitgestellte Bett was schon vor dem Kreisssaal auf mich wartete, lehnte ich ab. Ich betonte nochmal, dass ich gehen wolle und nur die ambulante Geburt wollte. Natürlich versuchen sie einen dazu zu bringen noch zu bleiben. Immer mit dem Argument wegen der PDA mindestens 6 Stunden. Ambulant wird eh nicht so gerne gesehen. Ich wollte trotzdem nur noch weg nach Hause zu meinen Kindern. Ich half der Praktikantin noch das Bett zurück zur Station zu fahren.
Als Simone im Kreisssaal anrief im Laufe des Tages wurde ihr direkt erzählt von der Frau, die ihr Bett selbst wieder weg geschoben hat, weil sie direkt nach Hause wollte und die nach der Geburt aufgesprungen ist und umherlief als wäre nichts gewesen. Sie so : „Das ist typisch Bea“ Sie erzählte mir das ganz amüsiert am nächsten Tag bei der Nachsorge und wir mussten lachen. Die Autofahrt zurück fuhr ich extra vorsichtig mit der wertvollen Fracht an Bord. Am Bahnübergang fuhr ich extra langsam, dass es bloß nicht zu sehr ruckelte. Bei meiner einen Freundin angekommen trank ich erstmal einen Kakao und alle bewunderten das Baby. Danach holte ich meinen Ältesten und wir kuschelten zu Hause erstmal ausgiebig alle zusammen.
Diesen spannenden Geburtsbericht hat Bea geschrieben :)
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