(Leser-)Geburtsberichte

Heiner erzählt

(…) Den Sonntag verbringt meine Frau mit Wehen, die seit einer Woche regelmäßig kommen und nach der Badewanne wieder gehen, auf der Couch. Der Onkel kommt aus Bonn und besucht seine Nichte, wir spielen auf dem Spielplatz. Gemeinsam mit meiner Frau machen wir abends einen Spaziergang zur Eisdiele und schießen das letzte Foto vor der Geburt. Denn heute Abend soll es soweit sein. Die Wehen (oder Wellen, wie es im Hypnobithing heißt) hören nicht mehr auf. Onkel Mike verabschiedet sich und K1 geht zu Bett. „Ich mache noch ’ne Runde Hypnobirthing“ sagt meine Frau und beginnt mit der Entspannung. Nach zwei Liedern ihrer Lieblingsmusik nimmt sie die Kopfhörer aus den Ohren und grinst mich an: „Öhm, könntest du mir mal ein Handtuch bringen. Ich glaube meine Fruchtblase ist gesprungen.“ Ui, wie schön, es geht also los.

Die Geburt und meine Rolle als Geburtsbegleiter

Bei der ersten Geburt war es noch ein schmerzhaftes Unterfangen. Zu den schmerzhaften Wehen kamen noch schmerzhaftere Schmerzen hinzu. Um so mehr freuten wir uns beide, dass meine Frau alles unter Kontrolle hatte und statt Schmerzen nur ein leichtes „plopp“ verspürte. Der Kopf von K2 saß schon fest im Becken, also alles safe. Die Handtücher waren schnell geholt und ein kurzes Briefing fand statt. Wir warteten noch ein paar Wellen ab und haben die Zeit gemessen. Alle 10 Minuten, alle 6 Minuten, alle 4 Minuten. Dabei fühlten sich die Wellen immer wieder anders an. Mal lange Wellen eher oben, mal kurze Wellen eher unten. Jetzt war meine Zeit gekommen, die Kommunikation zu übernehmen. Ein Anruf im Kreisaal: „Wir machen uns gleich auf den Weg“ und beim Opa, er sei in 10 Minuten da. Es war jetzt 22:30 Uhr und die Fruchtblase vor einer Stunde gesprungen.

Im Kreissaal nahm uns eine sympathische junge Hebamme in Empfang, die gerade ihren Dienst begonnen hat. Sie kannte unsere Wünsche und hat sich die Akte vorab durchgelesen. Ich verwies auf nur „medizinisch notwendige Dinge“ und dass die Kommunikation nur über mich laufen soll „wir machen Hypnobirthing“. Als ich das sagte, sah ich ein Strahlen in den Augen der Hebamme. Perfekt, wir fühlten uns wohl. Trotz Akutkrankenhaus. Nach einer halben Stunde haben wir den Kreissaal 1 mit der Geburtswanne zugewiesen bekommen (ein Wunsch von uns). Wir haben uns eingerichtet und wurden allein gelassen. Das meine ich positiv, denn wir haben es uns so gewünscht. Meine Frau blieb in der Selbsthypnose und ich bin zur Hebamme gegangen, wenn wir etwas brauchten. Gegen 1 Uhr haben wir die Geburtswanne mit Wasser gefüllt. Es wurde übrigens kein Dauer CTG geschrieben, so wie wir es uns gewünscht hatten. Stattdessen hat die Hebamme die seltenen Gelegenheiten genutzt und bei den kurzen Besuchen nach den Herztönen gehört.

Gleichzeitig ermutigte sie uns und sagte, dass meine Frau das richtig gut macht und die Wellen sehr gut im Griff hat. „Informiert mich bitte, wenn das Baby kommt, ich muss dabei sein! Keine Alleingeburt bitte!“ grinste sie uns an. Wir verstanden und sind so dankbar für ihren Einsatz. Sie hat das so toll gemacht. Nach 3 Stunden gegen 4 Uhr setzten die Presswehen ein. Die Hebamme kam hinzu und unterstützte uns in den nächsten 20 Minuten. Auf die Bitte nach Schmerzmitteln wich sie so elegant aus, dass allen klar war, dass es keine geben wird. Das hat sie so liebevoll, einfühlsam, wertschätzend und bestimmend gesagt, dass meine Frau neuen Mut gefunden hat. Denn bei K1 gab es eine PDA, die ihr das Gefühl für den eigene Körper genommen. Das wusste auch die Hebamme.

Wir wechselten kurz vor Niederkunft auf das Bett. Meine Frau konnte mehr Kraft im Vierfüßlerstand aufbringen, als halbliegend in der Wanne. Dort konnte ich auf ihrem Rücken mit einer Berührungsmassage für mehr Endorphine sorgen, die schmerzlindernd wirken. Nach kurzer Pressphase, in der die Hebamme meine Frau mit ihrem großen Erfahrungsschatz unterstützt hat, kam K2 zur Welt. Der kleine Mann sah so zufrieden und glücklich aus, dass nur ein kurzes Räuspern zu hören war. Nach dem Auspulsieren der Nabelschnur habe ich sie durchtrennt. Die hinzugeeilte Oberärztin aus dem Geburtsplanungsgespräch nahm noch Nabelschnurblut für die CMV-Untersuchung ab. Wir hatten sie gar nicht kommen hören, so leise und unaufdringlich war sie. Endlich konnten wir K2 auf Mutters Brust in Empfang nehmen. Tränen kullerten von unseren Wangen und pure Freude stand in unseren Gesichtern.

Hausgeburt im Krankenhaus

„Ja, ja, wir haben’s geschafft!“ rief meine Frau voller Freude immer und immer wieder. So eine Erleichterung, so ein Stolz, so ein Wir-Gefühl lag in der Luft, WIR HABEN ES GESCHAFFT. Das Geburtstrauma ist überwunden. Eine Geburt, so akribisch vorbereitet und quasi ab Beginn der Hypnobirthing-Übungen täglich einstudiert. „Keine Schmerzen, nur viel Kraft, heftige Wucht und Druck“ wird meine Frau über die letzte Phase der Geburt berichten. Keine Schmerzen. Wie schön das zu hören. Meine Sorge war, dass ich als Geburtsbegleiter versage. Dass ich es nicht schaffe, meine Frau von störenden Einflüssen abzuhalten. „Du warst der beste Geburtsbegleiter, den ich hätte haben können.“ Ich weine jetzt noch bei den schönen Worten und bin überglücklich, vollgepumpt mit Liebe und diesen wunderschönen Momenten. (…)

Diesen schönen Geburtsbericht hat Heiner vom Blog Vaterwelten geschrieben. Dazu gehört auch noch ein wenig Vor- und Nachgeschichte, die ihr hier lesen könnt – Heiner freut sich sicher über euren Besuch. ;)

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