Rabenmutter 2.0

Wer ist hier Baby-fixiert?!

Als Mutter wird man ja von der „Gesellschaft“ schneller in eine Schublade gesteckt, als man WINDELEIMER-NACHFÜLLKASSETTE sagen kann. Plötzlich heißt es überall – auch unter (dann ehemaligen) Freunden – man würde sich seit der Geburt des Kindes nur noch für dessen Körperausscheidungen, Essverhalten und Schlafeskapaden interessieren bzw. sich darüber auslassen. Und ohne jetzt eingeschnappt und dünnhäutig klingen zu wollen, muss ich doch sagen: DAS IST VOLL GEMEIN UND STIMMT AUCH GAR NICHT! Also zumindest nicht so kategorisch…

Klar, die Prioritäten und Themenschwerpunkte verschieben sich „etwas“, wenn man ein Baby hat – aber wie sollte das auch anders sein, wenn man 24 Std an 7 Tagen die Woche nichts anderes macht, als einen Säugling zu versorgen? Da bekommt man manchmal eben nicht mit, was sonst noch so in der Welt abgeht. Und man ist, ehrlich gesagt, auch gerade am Anfang einfach zu müde, um sich „nebenbei“ über das politische Geschehen oder – wer’s mag – wichtige Sportergebnisse zu informieren. Das grenzt die Gesprächsthemen zugegebenermaßen erst einmal ein bisschen ein. Aber trotzdem bedeutet es nicht, dass wir Muttis uns nur noch für die Belange unseres Kindes interessieren und uns über nichts anderes als zu dünnen Stuhlgang mehr echauffieren könnten.

Eines meiner aktuellen Lieblingsthemen, die so gar nichts mit Kleinkindern und Sandkästen zu tun haben, ist z.B. das deutsche Handwerk und seine doch sehr spezielle Art mit zahlenden Kunden umIMG_3998.JPGzugehen. Denn während andere Dienstleister mit direktem Kontakt zu ihren Geldeseln doch zumindest meistens bemüht sind, wenigstens die Basis-Regeln der Höflichkeit zu berücksichtigen, scheren sich Handwerker oftmals einen Dreck um ihre Umgangsformen, Termine oder sonstige gängige Service-Leistungen. Das vermitteln mit jedenfalls meine jüngsten Erfahrungen, die sich seit Anfang des Jahres leider stark gehäuft haben. Laut meiner Mutter bin ich das allerdings selbst schuld, weil ich Silvester nasse Wäsche aufgehängt habe und das böse Unglück bringt. Tja, könnte stimmen. Anders kann ich mir nicht erklären, warum so ziemlich alles – was in unserem Haushalt teurer als ein Badehandtuch ist – kaputt geht und dann beim Reparieren auch noch neue Probleme aufwirft.

Unsere Gastherme hat mir ganz besonders große Freude bereitet, wobei es zu Anfang eigentlich gar nicht soooo übel aussah: Als die Therme nicht mehr ansprang, rief ich beim vom Hauseigentümer empfohlenen Handwerksunternehmen an und die schickten mir doch tatsächlich noch am selben Tag einen Fachmann vorbei – voll krass, ey! Und meine Begeisterung hielt erst einmal an, da der gute Mann den Fehler schnell fand und behob. Dann jedoch wollte er noch eine Kleinigkeit nachschauen und das endete dann mit einem „Hoppla! Ach, scheiße!“ – er hatte die Gastherme AUS VERSEHEN mal eben total kaputt repariert. Aber: Ich lächelte höflich, verkniff mir jegliche Anschuldigung und „freute“ mich einfach auf die kommenden Tage mit kaltem Wasser, bis die neue Therme geliefert würde.

Als mir ein WINZIGES Zeitfenster von nur drei Stunden für den nächsten Termin genannte wurde, schätzte ich mich brav glücklich. Und auch den Umstand, dass der sogenannte Fachmann mehr als doppelt so lange für das Anbringen der neuen Therme brauchte, als vorab angekündigt, akzeptierte ich dankbar, könnte ich doch dafür bald wieder heiß duschen. Als er jedoch den ganzen Kladeradatsch mit viel Elan in meine Küchen-Arbeitsplatte krachen ließ, ahnte ich böses – und behielt damit auch recht.

Das entstandene Loch in der Arbeitsplatte wurde zum Versicherungsfall erklärt und sollte durch eine Schreinerei – vom Heizungsfachunternehmen bestimmt – schnellstmöglich behoben werden. (Da ich nicht mehr 10 bin, wusste ich natürlich, dass schnellstmöglich in Handwerkerkreisen soviel bedeutet wie: „Wenn’s geht noch dieses Jahr – aber hey, Stress muss auch nicht sein!“) Ein Herr der Schreinerei rückte jedenfalls schon knapp eine Woche später an, vermaß die Küche, zeigte mir Platten-Dekors, die dann während des ewig währenden Bestellvorgangs von mehr als 2 Wochen aus dem Programm genommen wurden, kam wieder, zeigte mir neue Dekors und versprach mir zügig ein Angebot für den Teil der Platten zu schicken, den wir zu unserer großen Begeisterung leider selber blechen müssten. Als ich dann nach weiteren 10 Tagen!!! ohne auch nur einen Piep von denen, dort anrief und mich nach dem Stand meines Angebotes erkundigte, erklärte mir ein freundlicher Mitarbeiter des professionellen Bastel-Unternehmens: „Hören Sie mal, ich bin hier nicht in Sachen Weltfrieden unterwegs – ich arbeite in einer Schreinerei! Und ihr Auftrag steht bei uns nicht an erster Stelle – andere sind wichtiger. Das müssen sie akzeptieren!“

Ähhhhh … WIE BITTE!? Logischer Weise hätte ich gerne etwas passendes erwidert, wie: „Entschuldigen Sie mal, Sie Vollposten, HAT IHNEN HEUTE MORGEN JEMAND INS MÜSLI GESCHISSEN?“ Hab ich aber nicht. Weil: Macht man nicht! Und zwar aus (mindestens) zwei Gründen:
Erstens, weil sich Handwerker in Deutschland so verhalten DÜRFEN und das von allen als völlig normal und unabänderlich hingenommen wird. (Wobei mir wirklich absolut unklar ist, WARUM! In anderen Ländern gibt’s das so nicht. Und bei uns wird das auch keiner anderen Branche erlaubt – ausschließlich dem Handwerk. Das wird mir ewig ein Rätsel bleiben.)
Und zweitens, weil’s sonst wieder geheißen hätte: „Schaut euch mal die Mutti an! Rastet aus wegen nix! Ist bestimmt mit ihrem Balg überfordert … oder frustriert … kennt man ja!“ On Top wird dann gerne noch ein kleines: „Der Mann von der tut mir echt leid!“ hinterher geschoben.

Letzteres ist total übertrieben? Nö, passiert so jeden Tag. Ist nämlich eine ganz normal Reaktion auf Mütter, die sich über etwas aufregen, dass ausnahmsweise mal nichts mit Baby-Kram zu tun hat oder die wenig pädagogisch wertvoll antworten, wenn ihnen jemand höflich ans Bein pisst. Es wird zwar nicht immer AUSGESPROCHEN, aber dafür kassiert man dann Blicke, die von einem selbst zum – ausgerechnet in dem Moment total mit Rotze verschmiertem – Kind gleiten und zurück. Ich kenne diese Blicke sehr, sehr gut, weil mein Mundwerk oftmals schneller ist, als mein Gehirn (tut mir dann aber auch leid … also manchmal ;))

Auslöser für dieses – ich nenne es mal „Pissbacken-Feedback“ – kann eine fremde Oma sein, mit der ich mitten auf der Straße in Streit gerate, weil ich es STRIKT VERBIETE, dass jeder dahergelaufene Senior meiner Tochter ins Gesichtchen patschen darf. Ja, sie ist ganz zauberhaft. Aber das gibt niemandem das Recht, sie unaufgefordert anzufassen. Da diskutier ich auch nicht drüber! Ganz egal, was die Omma mir daraufhin in der Öffentlichkeit alles an den Kopf schmeißt. Da steh ich gaaaaanz locker drüber!

Und auch an eigentlich stimmungsvollen und friedlichen Orten wie der Rewe-Wurst-Theke bekomm ich diese Blicke gratis zum Aufschnitt dazu. Was erdreiste ich mich aber auch, Fragen zur unterschiedlichen Haltbarkeit der Waren ans Fachpersonal zu stellen, wenn doch von vorneherein klar ist, dass ich eine gehirnamputierte Vollidiotin mit Kinderwagen bin, die auch mit Frischwurst noch mindestens 1.000 Runden um den Block schiebt, bevor sie sich einem Kühlschrank nähert. Machen doch alle Mamis so. WEIß MAN DOCH!

Also echt jetzt, als Mama erlebt man im zwischenmenschlichen Bereich – gerade mit Fremden – so dermaßen ausgewachsenen Schwachsinn, dass ich es manchmal eigentlich überhaupt nicht fassen kann! An mir liegts aber nicht. Wirklich nicht! Ehrlich! Ich bin schließlich immer (meistens) sehr zuvorkommend und reizend. Oder bin ich die Einzige, der sowas passiert? Ne, oder? Los, sagt schon! NE, ODER?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

2 Kommentare für “Wer ist hier Baby-fixiert?!

  1. ?
    Du bist auf gar keinen Fall alleine…

    Ich setze mich auf eine Bank vor einem Supermarkt. Meine Tochter sitzt im Kinderwagen.
    Neben mir auf der Bank sitzt eine ältere Frau und schaut in den Kinderwagen…soweit ist noch alles gut…Ich liebe Einback und seitdem meine Tochter nun auch Brei bekommt,teile ich mein Einback mit ihr,wenn sie mag…großer Fehler,laut der Frau,die neben mir sitzt!
    Ob ich denn nicht stillen würde,,wo ich denn die Milch hätte….die Kleine ist doch noch zu jung für sowas…sie hätte ihre Kinder jeweils 4 Jahre(!!!) gestillt…
    Ich hab nur freundlich genickt und mich wieder meiner Tochter gewidmet. Keine 3Minuten später höre ich die Frau im Babyton zu mir sagen:Mama,jetzt hab ich nach dem Brötchen Durst,gib mir was zu trinken…
    Natürlich hab ich für meine Tochter was zu trinken mit,aber was ist das denn für eine Frechheit…ich war sprachlos und konnte nur irritiert gucken und bin dann weiter gezogen…