Rabenmutter 2.0

Mini-Rambo mit Zöpfen

Ich habe mir vieles in Sachen Kindererziehung deutlich einfacher vorgestellt, als es dann tatsächlich war bzw. ist. (Durch-)Schlafen zum Beispiel oder das Baby ans richtige Essen gewöhnen oder coole Mutti-Freundinnen finden oder den ganzen Tag Kinderlieder hören müssen, ohne durchzudrehen oder einen Familien-Urlaub überleben … äh, genießen usw.. Alles doch deutlich schwieriger, als ich mir vorher ausgemalt habe. Wobei sich natürlich für so ziemlich jedes „Problem“ verhältnismäßig zügig eine praktikable Lösung finden lässt – wenn sie mir dann auch nicht immer gleich super gut gefällt, weil doch mächtig oft GEDULD (auf Elternseite) eine große Rolle in der Erziehung spielt. Trotzdem: Es gibt sie, die Lösungen für all die überraschenden und weniger überraschenden Mami-/Papi-Probleme (Kinder haben ja meist gar keins mit ihrem Verhalten :D ). Nur bei einem Thema stoße ich gleich in mehrfacher Hinsicht immer wieder an meine Grenzen und ich habe ernstMini-Rambohafte Schwierigkeiten, den RICHTIGEN Weg für mich zu finden – nicht nur im Zusammenspiel mit Ella, sondern ganz besonders auch mit anderen Kindern und Eltern: GEWALT … und zwar die, die von den Kindern selbst ausgeht. Als Bestandteil einer Phase oder aber auch aus anderen Gründen.

Grundsätzlich sei gesagt: Gewalt GEGEN Kinder ist zu jeder Zeit und an jedem Ort absolut indiskutabel. Daran ist nicht zu rütteln, es gibt keine „Grauzonen“ und auch kein „das Kind brauchte die Ohrfeige als Grenze!“ Alles Quatsch. Alles Scheiße. Das sollte für jeden Erwachsenen gesetzt sein. SOLLTE. Ist es aber nicht. Und das ist unfassbar schrecklich und traurig.

Es ist noch gar nicht so lange her, da dachte ich, es reicht, wenn wir als Eltern das richtige, soll heißen: gewaltfreies Verhalten vorleben (das Werfen von Pupu-Windeln nach Paket-Boten, die in der Mittagsschlafzeit sturmklingeln, ist natürlich eine Ausnahme ;) ). Dem ist aber offenbar nicht so. Denn spätestens seit die kleine Madam in der Trotzphase ist, legt sie mindestens einmal am Tag ihre zauberhafte Niedlichkeit ab, um mir so richtig ordentlich eine zu zimmern. Oder mich aus Wut an den Haaren zu ziehen. Oder aus Jux und Dollerei mit einer Puppe zu vertrimmen. Oder mir mal kurz und knackig in die Schulter zu beißen. On top kommen die ganzen Fußtritte, die sie mir aus Ungeduld beim Wickeln erteilt. Sehr, sehr unangenehm für mich, aber – soweit ich weiß und damit zumindest ein bisschen beruhigend – völlig normal in dem Alter. Ich finde es trotzdem anstrengend. Und nervig. Und auch einfach doof, weil ich eben nicht immer weiß, wie ich auf dieses unschöne Verhalten des Töchterchens pädagogisch wertvoll reagieren soll. Ich will sie nicht anbrüllen müssen, mache ich aber manchmal … wenn ich nicht mehr weiter weiß, weil all meine cleveren Erklärungen, warum das jetzt nicht so nett ist, die Mama zu hauen, an meiner 2-jährigen oftmals abprallen wie ein Tennisball am Schläger. Ich gebe zwar nicht auf, aber es schlaucht eben. Da finde ich es fast „entspannend“, wenn ich auf dem Spielplatz oder in Familien-Cafés zusehen darf, wie andere Mamis und Papis versagen und mit ihren Erziehungsversuchen in Sachen „Make love, not war“ an ihren Kleinkindern scheitern und ebenso hilflos dreinblicken wie ich, wenn das blondgelockte Prinzesschen einem Spielkameraden mal eben eins mit der Schüppe überzieht. Es ist eben eine Phase. Alle Kinder (und ihre Eltern) müssen da durch. Die einen ein bisschen mehr und die anderen, besonders Glücklichen, ein bisschen weniger. Das Wichtigste ist wahrscheinlich, dass wir als Eltern überhaupt reagieren und erzieherisch tätig werde, Grenzen setzen bzw. kommunizieren und den kleinen Fight-Club-Anwärtern zudem beibringen, dass man sich entschuldigen muss, wenn man seine fiesen, spitzen Haifisch-Zähnchen im Affekt frech in die Mutti gegraben hat – oder in ein anderes Kind.

Ich nutze diese Situationen meist auch gleich, um nach der meines Erachtens notwendigen Entschuldigung beim „Opfer“, das Gespräch mit dessen anwesendem Elternteil zu suchen. Es besteht schließlich immer die Chance, dass jemand anderes schon weiter ist bei der Lösungssuche und vielleicht tatsächlich mal einen Tipp parat hat, der mir persönlich weiterhelfen würde im Umgang mit den unliebsamen Kleinkind-Wutausbrüchen. Mache ich durchaus oft – außer es handelt sich um eine dieser SPEZIELLEN Mütter. Die, die nicht nur kein Problem damit haben, wenn ihre knapp 3-jährigen regelrecht über den Spielplatz „marodieren“, Kinder vorsätzlich schlagen, schupsen oder beißen und dann auch noch darüber lachen, wenn diese in Tränen ausbrechen, sondern das ganze Drama auch noch amüsant finden. Da weiß ich ehrlich gesagt meistens so gar nicht mehr, was ich machen soll. Ich will schließlich selbst auch keine aufs Maul bekommen (von der Mutter, nicht dem Kind – von irgendwem hat der Krawall-Zwerg es ja schließlich). Es komplett unkommentiert lassen, ist aber (für mich) auch keine Option. Also bekomme ich wahrscheinlich doch irgendwann mal eins auf die Mappe ;) .

Seit ungefähr einem Jahr treffe ich zum Beispiel – glücklicherweise unregelmäßig, aber dennoch zu oft – auf eine dieser Mütter mit so einem „Prügelkind“. Beim ersten mal war ich so erschrocken über das Verhalten des eigentlich extrem putzig aussehenden Mädchens, dass mir tatsächlich die Spucke wegblieb und kein einziges Wort über die Lippen kam. Die Kleine ging schnurstracks auf mein damals echt noch winziges Töchterchen zu, das sich gerade mehr schlecht als recht auf einem Rutschauto im Familien-Café um aktives vorwärtsfahren bemühte, blickte sie kurz an und ballerte ihr dann total unvermittelt mit der flachen Hand über den Hinterkopf. Ella brüllte (zu recht) sofort wie am Spieß, ich eilte zu meinem Kind und das Mädel blieb einfach neben uns stehen und lächelte. Ich bat sie, sich zu entschuldigen (was völlig ignoriert wurde) und ließ den Blick schon nach der Mutter suchend durch den Raum schweifen. Es signalisiert jedoch niemand Zugehörigkeit, also hoffte ich einfach, es bliebe bei einer „Box-Runde“ und schickte Ella wieder spielen. Maximal zehn Minuten später passierte allerdings das Selbe noch einmal. Jetzt wurde ich stinkig und schimpfte mit dem Gör. DAS rief dann endlich die Mutter auf den Plan, die ihre Kind KOMMENTARLOS UND LÄCHELND an der Hand nahm und wegzog. Ich war echt sauer. Nicht bloß, weil meine Tochter wiederholt gehauen wurde, sondern auch, weil mein Kind natürlich nicht nur von mir lernt, sondern auch von anderen. Und an diesem Tag war das: Hauen kann Spaß machen und wird nicht unbedingt bestraft. Finde ich total kacke!

Ähnliche Szenarien spielen sich immer ab, wenn besagte Mutter – nennen wir sie mal höflich die „dumme Pute“ – mit ihrem Mini-Rambo auf der Bildfläche erscheint. Um wenigstens mein Kind vor den unweigerlich ausgeteilten Schlägen zu schützen und parallel mich davor zu bewahren, mit der dummen Pute aneinanderzugeraten, versuche ich, soviel Sand und Klettergerüste wie möglich zwischen uns zu bringen. Funktioniert mal besser und mal schlechter. Vor nicht allzu langer Zeit eher schlechter:

Die wenig reizende Tochter der dummen Pute bewies auf dem Spielplatz mal wieder ihre Affinität zu … tja, ist halt so … aggressivem Verhalten und schupse glücklich lachend und voller Elan andere Kinder in den Dreck, von der Schaukel und der Rutsche. Sie nahm sich, was immer sie wollte und hinterließ dabei eine Spur weinender Mäuschen. Irgendwann überschritt sie – meiner Meinung nach – die Grenze so richtig und ich MUSSTE mich an die Mutter, die etwas abseits saß, wenden:

Ich: „Entschuldigen Sie, aber sehen Sie das nicht? Ihre Tochter wirft VOLLE FLASCHEN nach anderen Kindern!“

Die dumme Pute (lachend): „Ach, naja, so sind Kinder nun mal!“

Ich (kein bisschen lachend): „Ähhhhh, NEIN! Unterbinden Sie das gefälligst sofort! Sonst tue ich das!“

Sehr, sehr langsam bequemte sich die dumme Pute zu ihrem Nachwuchs und erklärte diesem (immernoch lachend), dass sie mit der Flaschen-Werferei aufhören müsse, weil „die Mütter hier keinen Spaß verstehen, Schätzchen!“.

WTF!!! Mein Puls ging augenblicklich ab wie eine Rakete. Klar, ich möchte ein GUTES (naja, also überwiegend zumindest) Vorbild für mein Kind sein und will mich grundsätzlich sowieso nicht auf das Amöben-Niveau einer solchen dummen Pute herablassen, aber … die Flasche in MEINER Hand zitterte bereits und hätte liebend gern einen Freiflug Richtung hirnlose Assi-Mutter unternommen!!! Mal ganz im Ernst: Was haben solche Mütter für ein Problem? Was haben sie für ein Weltbild, in dem es „normal“ ist, wenn sich kleine Mädchen (für Jungs gilt das natürlich ebenfalls) ERNSTHAFT prügeln WOLLEN, andere Kinder herzhaft lachend verletzten und (harte) Gegenstände nach krabbelnden Babys werfen? Welche Zukunft wünschen sich diese Mütter für ihren Nachwuchs? Echt jetzt? Ich kapier es nicht! Und ich weiß auch wirklich nicht, wie ich da am besten und effektivsten drauf reagieren soll? Ich will meinem Kind zwar unbedingt beibringen, dass sowas absolut nicht ok ist und man den Mund aufmachen muss, wenn Grenzen dermaßen überschritten werden, aber … ich mag halt auch nur sehr ungern deswegen selbst eins auf die Fresse bekommen von so einer Trulla-Mutti. Knifflige Sache, wie ich finde. Tipps sind daher herzlich Willkommen … und werden möglicherweise sogar tatsächlich genutzt :D !

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4 Kommentare für “Mini-Rambo mit Zöpfen

  1. Erstmal: danke! Ich finde, Erziehung ist der echt härteste Job der Welt, wenn man nicht gerade eine dumme Pute ist. Hab’s mir auch leichter vorgestellt, vor allem weil ich so ein Kind hab, dass meistens alles alleine hinkriegt (ok, find ich gut, dass Du durchschläfst…ach, keine Brust mehr, ist in Ordnung…, wie, Brei kommt raus, aber Kartoffelstücke bleiben drin, Anpassung ans Familienessen = Check). Nur halt: Nein. Nein! Nein!!! klappt eben oft noch nicht, geschweige denn “Ei machen”, Windeln, Zähneputzen, Anziehen (meist mit Geschrei verbunden). Und manchmal ist man einfach nur noch genervt (und ich war Klassenleiterin einer “Problemklasse”; man, wäre ich jetzt eine gechillte Lehrerin…).
    Ich wohne in einem “Viertel…” und habe so etwas auf unserem Spielplatz noch nicht erlebt, fürchte mich aber immer vor dem 1. Mal. Abgesehen von einem Selbstverteidigungskurs, vielleicht beim nächsten Mal der dummen Pute genau das sagen, was Sie hier geschrieben haben “Ihr Kind prügelt/Wie weit wird es damit im Leben wohl kommen/Meinen Sie, in der Kita/Schule wird das akzeptiert?/Prügeln Sie eigentlich Ihr Kind?/Gehört Gewalt in Ihren Alltag???”

    1. Also NEIN stößt bei der kleinen Madam auch auf stocktaube Ohren. Das sie mich überhaupt hört, beweist immer nur ihr freches Grinsen ;)

      Die Idee mit dem Selbstverteidigungskurs finde ich eigentlich gar nicht mal so schlecht. Wobei das natürlich schon irgendwie ein bisschen traurig ist, dass man sich als Mami auf dem Spielplatz ggf. selbst mit Gewalt vor anderen Mamis schützen muss. Bekloppt, oder? Wo leben wir denn??? Lieber würde ich meinem Kind beibringen, dass man sich mit Reden helfen kann. Allerdings traue ich besagter dummen Pute tatsächlich eher zu, dass sie mir gegen das Schienbein tritt oder ins Gesicht schlägt, als dass sie sich “öffenet” und mit mir redet. Aber sie fragen, wo das ihrer Meinung nach hinführt, mache ich vielleicht trotzdem beim nächsten Mal. Falls das ein blaues Auge zur Folge hat, poste ich das bei Facebook :D

      1. Um eine Lanze zu brechen: Selbstverteididung für Frauen ist wichtig! Und bei einem guten Training lernt man kleine Handgriffe, die mit Gewaltausübung/Prügeln wenig zu tun haben, wir sind ja keine Van Dammes o.ä. und niemand will sich prügeln (also, die meisten nicht und im Zweifelsfall zieht man eh den Kürzeren). Wenn man die kleinen Tricks kennt, dann hat man eine andere Körperhaltung, weil man sich im Notfall zu verteidigen weiß etc etc (klingt jetzt echt nach Oberlehrer, kann`s halt nicht verleugnen ;-) )