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Wie man zwei Kinder gleichzeitig ins Bett bringt

Wenn das Krümelchen abends schön satt von meiner Brust fällt, sich in meinen rechten Arm kuschelt und beim Einschlafen nochmal wohlig schmatzt, während seine große Schwester neben mir liegt, meine linke Hand hält und ebenfalls langsam in den Schlaf übergleitet, könnte ich wirklich platzen vor Liebe zu den beiden! 10 Minuten vorher sieht das allerdings an so ziemlich jedem Abend noch ganz anders aus. Denn: Zwei Kinder gleichzeitig ins Bett zu bringen, wenn man nur zwei Hände zur Verfügung hat, grenzt an gemeiner Mutti-Folter!!!

In 50 Schritten in den Wahnsinn … äh, ins Bett:

  1. Zubettgeh-Ritual liebevoll einläuten: „So, Schnupsis, die Mutti hat keinen Bock mehr – jetzt geht’s Richtung Bett!“
  2. 10 Minuten diskutieren, warum die „Große“ (3,5 Jahre) ins Bett muss, so lange es draußen hell ist (der Frühling hat doch Nachteile!).
  3. Sich aus der Diskussion „freikaufen“ mit einer Folge Irgendwas auf dem iPad für das große Kind, damit man erstens Ruhe und zweitens Zeit hat, schon mal das Baby fertig zu machen.
  4. Das Baby brüllt auf dem Wickeltisch wie am Spieß, weil es JETZT SOFORT gestillt werden will und auf keinen Fall noch die 10 Minuten abwarten kann, bis das gemütliche Einschlafstillen im Bett auf dem Programm stünde.
  5. Zweiter Versuch, das Baby auf dem Wickeltisch zu platzieren, es zu wickeln, umzuziehen und in den Schlafsack zu verfrachten. Diesmal klappts! Check!
  6. Das Baby in der Wippe parken, um dem großen Kind das iPad wieder abzunehmen:
    „Der Krümel ist fertig, Süße, du bist dran!“
    „Aber meine Folge ist noch nicht vorbei!“
    „Ok, lass mal sehen. Aha, 2 Minuten noch. Das geht natürlich. Dann leg es aber bitte selbst weg, wenn die Folge vorbei ist!“
    „Mach ich, Mama!“
  7. 2 Minuten später:
    „Mama, die Folge ist zu Ende! Aber ich hab schnell eine neue angemacht! HAHAHAHA!“
  8. Cool bleiben:
    „Nein, nix HAHA. Leg bitte das iPad weg, wie es abgemacht war.“
    „NAAAAAHHHHEEEEIIIN!“
  9. Konzentriert in den Bauch atmen und bis 10 zählen. Dann neuen Versuch starten:
    „Leg es jetzt weg, sonst muss ich es tun.“
  10. „NAAAAAHHHHEEEEIIIN!“
  11. Ein bisschen, aber natürlich pädagogisch ungemein wertvoll ausrasten, dem Kind das VERKACKTE IPAD aus den klebrigen Fingern reißen und es ganz oben im Schrank verstauen.
  12. Das folgende Geschrei ausblenden, um wieder konzentriert in den Bauch zu atmen und bis 20 zu zählen.
  13. Das Baby kompensiert Langeweile und Müdigkeit mit ohrenbetäubendem Gebrüll.
  14. Das große Kind betrachtet das als Anlass, dass eigene Gebrüll einzustellen – zugunsten eines ebenso laut gesungenen Ständchens für sein Geschwisterchen.
  15. Das Baby lacht kurz auf, verschluckt sich, hustet bis es fast platzt und brüllt wieder.
  16. Das große Kind ist enttäuscht, dass das Baby nicht mehr lacht und fängt an zu weinen.
  17. Schnell das große Kind trösten und versichern, dass es nur an der Müdigkeit des Babys liegt. „Doch, natürlich hat dich dein Bruder lieb … er ist nur schrecklich müde, Süße!“
  18. Währenddessen erneut tief durchatmen und daran denken, dass es bald geschafft ist.
  19. Das haltlos schreiende Baby in die Trage setzen, um die abendliche Geräuschkulisse UNTER Baustellen-Presslufthammer-Niveau zu bekommen.
  20. Das große Kind AUFS Klo stellen und ihm dort die Zähne putzen, damit man sich wenigstens mit dem schweren Baby nicht auch noch ständig bücken muss.
  21. Waschlappen nass machen und das Kind grob abwaschen…für mehr hat Mutti gerade keine Nerven.
  22. Das Baby und das große Kind gemeinsam im Kinderzimmer auf den Boden legen, damit die Große gewickelt und umgezogen werden kann, ohne dass das Baby durchdreht.
  23. Klappt nicht. Baby dreht durch.
  24. Den Turbo einlegen und das große Kind zur Eile antreiben.
  25. „Ich muss aber noch die Oma anrufen, Mama! Wo ist mein Telefon, Mama? WOOOOO IST ES???
  26. „Schatz, ruf die Oma aus dem Bett an, ja. Jetzt ziehen wir dich erst um!“
  27. „Wo ist mein Telefon, Mama? WOOOOO IST ES???
  28. „Schatz, ganz ehrlich: Die Mama flippt gleich aus! Lass dich bitte erst umziehen, dann suche ich dein Telefon.“
  29. Während das Kind überlegt, ob das ein guter Plan ist, schnell den Schlafanzug drüber schmeißen!!! Fertig!
  30. Das Baby hat mittlerweile rote Flecken vom Brüllen, hört aber augenblicklich auf, als es wieder auf Mamas Arm ist.
  31. Großes Kind ins Schlafzimmer schieben.
  32. Verkacktes-Scheiß-Spielzeugtelefon suchen und dem schon im Bett liegenden Kind in die Hand drücken.
  33. Wasser vergessen, also nochmal in die Küche. Mit Baby auf dem Arm.
  34. Selber plötzlich pinkeln müssen, also nochmal ins Bad. Mit Baby auf dem Arm.
  35. Baby neben die Schwester legen, um sich selbst in Schlafklamotten zu werfen (manchmal weiß man eben schon um 19 Uhr, dass man nicht nochmal aufstehen wird).
  36. Das Baby brüllt, als wäre jemand gestorben. Tränen fließen. Die roten Flecken leuchten wieder auf.
  37. Dem Baby zurufen, dass man sich mega beeilt.
  38. Sich in der Schlafanzughose verheddern vor Stress und auf dem Arsch landen.
  39. Pädagogisch null wertvoll rumfluchen.
  40. Ein: „Mama, darf ich das morgen in der Kita auch sagen!“ vehement verneinen!
  41. Ins Bett springen.
  42. Das Baby anlegen.
  43. Das Lieblings-Buch des großen Kindes zücken und zum 23.000 x das Dschungelbuch vorlesen.
  44. Das große Kind dazu überreden, sich hinzulegen und die Augen zu schließen.
  45. Milchkotze des Babys von der eigenen Decke tupfen.
  46. Das große Kind ERNEUT dazu überreden, sich hinzulegen und die Augen zu schließen
  47. Dem nun fröhlich jaulenden Baby den Schnuller reindrücken.
  48. Dem großen Kind die freie Hand zum Kuscheln reichen.
  49. Zuschauen, wie beide „Quälgeister“ langsam einschlafen.
  50. Selbst ohnmächtig werden.

Und TATA … schon ist es geschafft! Echt voll easy, zwei Kinder gleichzeitig ins Bett zu bringen! Manchmal weiß ich auch nicht, warum ich danach so im Arsch bin 😉 .

21 thoughts on “Wie man zwei Kinder gleichzeitig ins Bett bringt

  1. Volltreffer!!! So ähnlich läuft es bei uns auch immer ab. Mein Großer (4) und seine Schwester (2) finden immer wieder neue Ausreden, um nicht ins Bett zu müssen. Zum Glück ist Dezember und Adventskalenderzeit. Ich habe einen Minibuch-Kalender gekauft und dachte damit beide Kids bestechen zu können. (Wer als erster im Bett liegt, darf das Türchen aufmachen 😉 ) Natürlich weit gefehlt! Da die kleine noch etwas Hilfe beim Anziehen benötigt und der Große merkt, dass sie dadurch viel schneller angezogen ist, muss auch ich ihn anziehen. Und zwar als erstes! Natürlich nicht zum Gefallen der Kleinen. Dann geht der Kampf der beiden erst richtig los! Am Ende liegen wir alle im Elternbett und auch ich habe keine Kraft mehr zum Aufstehen. Dann wird der Kalender geöffnet, natürlich erst das eine Kind und anschließend das Buch nochmal reingelegt und Tür zugemacht, damit auch das zweite Kind die Tür öffnen kann 😀

    P.S. Der Papa ist bei uns immer am Abend daheim, darf aber keines der Kinder anziehen. Da gibt es ein deutliches Gebrüll: “Naaaaahhhheeeein! Nur die Mama darf uns aus- und anziehen! Nicht DU! Geh weg!!!”

  2. Klasse! Das klingt stellenweise genauso wie unser “Zu-Bett-geh-Ritual”. Nur ist mein großer zwei und ich ersetze ich die Folge Irgendwas mit YouTube-Videos von Dampfloks (ja, es gibt Menschen, die haben so viel Freizeit, dass sie sowas filmen). Es ist der Wahnsinn und immer währenddessen denke ich mir “Das muss doch auch anders gehen!”. Aber nach fast fünf Monaten mit Baby und Kleinkind (und auch dem Exemplar Mann, das bis 20.30 arbeitet) glaube ich, das gehört irgendwie so und die Familien bei denen es abends ruhig ist, haben nur eine besser schallgedämmte Wohnung.
    Dein Artikel und die Kommentare hier unterstützen meine Annahme 😉

  3. Sehr geil ???
    Schön das es mal jemand aufschreibt, glaubt mir ja sonst keiner wie es ist. Ich hab hier übrigens vier die ich Abends jeden Tag alleine ins Bett bringe. 6 Jahre /3jahre /2 Jahre / 3 Monate .
    Mein Mann kommt komischer Weise immer erst dann nach Hause wenn alles vorbei ist, er scheint es zu riechen bei der Arbeit ?

  4. Ein Glück weiß ich jetzt, dass wir nicht “abnormal” sind… Fast genauso läuft es hier und ich bin nach dem Zeitraum “Abendessen und ins Bett” alleine mit 2,5 und 6 Monate Minis fix und fertig!
    Sehr beruhigend, dass du scheinbar ebensoviel fluchst wie ich…. Hinterher denke ich “Mist” ?, in dem jeweiligen Moment aber Mega entspannend ??? viele Grüße (bereits aus dem Bett)

  5. Vielen Dank das du mich gerade zum lachen gebracht hast und ja Respekt für 2 Kinder.

    Unser Sohn ist 4 Monate und 7 Tage und er ist so anstrengend wie 3 Kinder. Aber was erzähl ich der Krümel klebt ja auch ständig an dir, also ist mein Sohn nicht so unnormal. Ich wünsche mir ein block über das anstrengende leben einer jungsmama. Ich habe mir sagen lassen es wird besser. Nur wann????

    1. Wenn sie 18 sind ? Nein, Quatsch, es wird immer besser bzw. anders. Und vor allem wirst DU routinierter! ?
      Was das Geschlecht angeht: Ich finde sie beide gleich anstrengend…ausschlaggebender ist wahrscheinlich der Charakter ?

  6. Aber sag mal, wo ist denn dein semiprofessionell radfahrender Ehemann während des Zubettgeh-Rituals? So eine Papa-Unterstützung könnte doch hilfreich sein? 🙂

  7. …und dann immer noch mehr Respekt vor Zwillingseltern!
    Meine Mutter ist so ein bemitleidenswertes Geschöpf. Zwillinge plus noch ein Kind, zwei schon auf dem Arm, der dritte mega angepisst. Also aus Rache Kühlschrank auf, Ei raus, Kühlschrank zu, Ei gegen die Kühlschranktür pfeffern.
    Und während sie zweien von uns den Schlafanzug angezogen hat, hat sich der dritte seinen garantiert wieder ausgezogen. Und sowas tagein tagaus.
    Wieso schreib ich das hier? Weiß auch nicht. Muttern sagt immer: im Himmel ist das Paradies für alle Mütter, und sie werden den ganzen Tag von Männern bedient…

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