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OMG, dein (Klein-)Kind darf iPad gucken?! ;)

Ich will ehrlich sein: Bis die Mausemaus ca. anderthalb Jahre alt war, durfte sie weder fernsehen, noch mein Handy zum Spielen haben. Vom iPad ganz zu Schweigen! Ich wollte ihr kleines Gehirn so lange wie möglich vor potenzieller Strahlung, den oftmals viel zu schnellen Bildfolgen und dem sowieso meist völlig unsinnigen Inhalt – der selbst in offiziellen Kinderserien präsentiert wird – schützen. Zum Teil konnte ich es mir sogar nur schwer verkneifen, missbilligend die Nase zu rümpfen, wenn ich bei Freundinnen zu Besuch war und dort zur Kleinkind-Bespaßung mal kurz die Glotze angemacht wurde. Ich war der Meinung, dass es auch anders gehen müsste, sich als Mutter kleine Freiräume zu schaffen. ODER das man sich zugunsten der Kinder eben einfach in Verzicht üben sollte, anstatt ihnen ein Tablet in die Hand zu drücken, um ohne Geschrei duschen oder aufs Klo zu gehen.

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Tja, irgendwie klang ich früher in diesem Punkt ein bisschen nach „Mutti-mit-Stock-im-Arsch“ :D . ABER es war völlig in Ordnung so, denn schließlich darf jeder seine eigene Meinung zum Thema Medienkonsum bei Kindern haben und muss den INDIVIDUELL richtigen Weg, der zu den eigenen Ansprüchen, Einstellungen und Lebensgegebenheiten passt, erst einmal finden. So auch mein altes Ich. Und wer sagt, dass man seine Meinung nicht auch irgendwann ändern darf?! Eben! Keiner! ;)

Es ging mir niemals darum, auch damals nicht, mein Kind (bzw. meine Kinder) gänzlich fern zu halten von Fernseher, Computer, Handy und all dem Kram, der damit verbunden ist. Denn NATÜRLICH war mir auch früher schon bewusst, dass unsere Kinder nun mal in einer sehr medialen Welt aufwachsen werden und wir sie als Eltern keinesfalls komplett davon abschotten können und dürfen! Denn ob es uns gefällt oder nicht: All die technischen Errungenschaften unserer Zeit – mit ihren vielen Vor-, aber auch Nachteilen – gehören zu der Zukunft unserer Kinder DAZU. Sie WERDEN damit und darin leben. Es ist einfach so. Deshalb habe ich es durchaus schon immer als meine Aufgabe betrachtet, meinen Kindern den richtigen Umgang mit den sich ihnen bietenden Medien beizubringen und natürlich auch, wie man sich davor schützt, von ihnen „aufgefressen“ zu werden. Vor allem letzteres halte ich allerdings für eine echt harte Nuss, denn machen wir uns nichts vor: Selbst uns Erwachsenen fällt es oftmals schwer, die Reißleine zu ziehen, alles AUS zu machen und zumindest vorübergehend die Finger vom Handy oder dem Rechner zu lassen. Wie sollen das dann unsere Kinder schaffen?!

Gute Ideen und Vorsätze … in der Theorie ;)

Ohne jetzt vorher stapelweise Fachmaterial zum Thema Medienerziehung von Kindern gelesen zu haben, würde ich sagen, klare Prioritäten VORLEBEN könnte eine gute Basis für einen einigermaßen gesunden Umgang mit TV, Internet & Co. sein. Denn wie in allen anderen Lebensbereichen auch, lernt unser Nachwuchs in erster Linie durch Nachahmung dessen, was wir ihm vormachen. Hängen wir also den ganzen Tag vor irgendeinem Bildschirm, wird Zwergnase genau dieses Verhalten als erstrebenswert und normal empfinden. Beschränken wir uns (zumindest im Beisein der Kleinen ;) ) jedoch darauf, nur ab und zu mal eine Mail zu checken, eine Einkaufsliste am Handy zu schreiben oder dem Partner eine Nachricht zu schicken, während wir uns ansonsten zu 100 % auf das gemeinsame Hier und Jetzt konzentrieren, leben wir den RICHTIGEN Weg vor. Schließlich ist es doch so: Der ganze technische Schnickschnack ist echt praktisch und spaßig, gehört für viele Erwachsene zum Joballtag dazu UND bietet unzählige Möglichkeiten, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, die gerade nicht vor Ort sind. ABER jene, die vor uns stehen, sind immer wichtiger … für sie legen wir unsere Handys weg, knipsen der Fernseher aus und klappen den Laptop zu. SO sollte es jedenfalls sein. SO sollten es unsere Kinder lernen. Von uns … ihren Vorbildern! <3

Unsere Realität:

Beschämend, aber wahr: Der Mann und ich sind süchtig nach unseren doofen Mobiltelefonen. Wir verargumentieren das beide schrecklich gerne damit, dass es für uns zum Job dazu gehört … dennoch haben wir es auch in unserer Freizeit schlicht zu oft vor der Nase. Wie die meisten Menschen heutzutage. Obwohl wir Regeln haben, die besagen, dass die Handys am Tisch ausbleiben, dass nie beide Elternteile gleichzeitig auf irgendein Gerät starren, dass wir SAGEN, was wir gerade machen wollen, damit wir darüber nachdenken, ob es tatsächlich jetzt sofort sein muss … versagen wir manchmal. Wir bitten die Tochter zum Beispiel um eine Minute Geduld und schreiben noch schnell unsere Nachricht zu Ende, anstatt sofort auf die von ihre gestellte Frage zu reagieren. Ätzend! Beim Frühstück liest der Mann Mails auf seinem Telefon, obwohl es eigentlich bei uns verboten ist. Und ich spreche meiner Freundin zwischendurch schon mal eben schnell die erste WhatsApp-Nachricht des Tages drauf oder frage schriftlich nach, auf welchem Spielplatz wir uns heute treffen. Auch mega doof! Klar, wir bemerken unser Fehlverhalten meist, fühlen uns deshalb mies und entschuldigen uns sofort bei den Kindern … aber wir tun es dennoch wieder. Da gibt es also noch Verbesserungspotenzial ;) .

Was wir den Kindern in Sachen Medienkonsum erlauben:

Die Nummer mit dem „Vorleben“ ist ja nur eine Seite der Medaille – die andere ist mindestens genauso wichtig: Nämlich die Frage danach, wie viel Medienkonsum für Kinder ok und wie viel schon ZU viel ist. Auch hier möchte ich ganz ehrlich sein und betonen, dass ich mich dazu noch nie mit einem Kinderarzt oder Psychologen besprochen habe, sondern schnöde meinem eigenen Bauchgefühl und unserem BEDARF vertraue. Soll heißen: Mit ihren viereinhalb Jahren hat die Mausemaus regelmäßig Zugang zu unserem Familien-Tablet, weil wir alle irgendwie etwas davon haben und ich schäme mich fast gar nicht dafür :D . Es fing so vor zwei Jahren an, dass ich in der Schwangerschaft mit dem Krümelchen das iPad entgegen meiner vorherigen Einstellung dazu benutzte, mir kleinere Auszeiten zu organisieren. Die Mausemaus ging noch nicht in eine Betreuung, ich wurde immer schwerfälliger und müder … und so wurden meine Regeln weicher und schwammiger, bis ich mich dazu hinreißen ließ, das Kind täglich locker 30 Minuten von mir ausgewählten Content „inhalieren“ zu lassen. Auch Autofahrten gestalteten wir von nun an entspannter, indem wir das Serien-Spielzeug anschmissen – genauso wie langwierige Krankheitsphasen. Mittlerweile haben wir uns wie folgt eingependelt: Die Mausemaus darf …

  • (fast) jeden Abend 10-20 Minuten iPad schauen, damit ich das Brüderchen in RUHE bettfertig machen kann.
  • samstags & sonntags jeweils einen Film ansehen, damit Mama und Papa auch mal in ganzen Sätzen miteinander sprechen und/oder ich wie gewohnt ein bisschen arbeiten kann, während der Krümel an mir in der Trage schläft.
  • im Krankheitsfall nach Bedarf und Nervenverschleiß von Mutti „kinder-netflixen“, weil bei zwei und mehr Kindern die eins zu eins Betreuung leider einfach stark leidet.

Der Fernseher bleibt bei uns in Gegenwart der Kinder bis auf wenige Ausnahmen allerdings immer schwarz, weil sich das Söhnchen mit seinen anderthalb Jahren zwar null für das Tablet interessiert, die Glotze aber förmlich ableckt, sobald man sie anwirft. Da mir DAS als zu viel Medienkonsum für sein Alter erscheint, habe ich da eben noch den Daumen drauf ;) . Was er jedoch bereits darf ist, an meinem Handy eine Tiergeräusche App bedienen, weil ich der Meinung bin, dass es keinen Unterschied macht, ob er in einem Buch auf einen Knopf für Hundebellen drückt oder auf einem Touchscreen. Kann man sich aber wahrscheinlich drüber streiten :D .

Das ist doch schon viel zu viel „Medienkonsum“ für ein Kinder-Gehirn, oder!?

Hm, es ist natürlich absolut vorstellbar, das Pädagogen und Hirnforscher (oder wer sich sonst noch mit dem Thema beschäftigt) mir für meine recht lockere „Medien-Dosierung“ bei der Großen gerne einen Schlag in den Nacken geben würden. Womöglich habe ich deshalb das starke Bedürfnis, spontan krank zu werden oder einfach platt zu lügen, wenn in der Kita ein Termin ansteht, bei dem auch das Medienkonsum-Verhalten der Kinder bzw. der Familien besprochen werden soll :D . Das Kind WENIGER Paw Patrol gucken zu lassen, wäre sicher besser. Und ich finde es immer echt super toll, wenn mir Mütter berichten, dass ihre Kids ausschließlich am Wochenende mal für ein Stündchen „konsumieren“ dürfen. Nur … WIR handhaben es trotzdem anders. Weil ich das Gefühl habe, dass die Mausemaus alt genug dafür ist. Weil ich sehe, dass sie das Tablet von alleine weglegt, um stattdessen mit ihrem Bruder Fußball zu spielen. Weil die Nutzung aktuell mal wieder automatisch weniger wird, da wir den ganzen Tag draußen abhängen und am Ende keine Zeit für diesen Quatsch bleibt. Und weil es für sie immernoch spannender und wichtiger ist, in meinem Arm zum 1.000 mal ihre Lieblingsbuch zu lesen. Deshalb lehne ich mich mal ganz weit aus dem Fenster und sage: Ach, passt schon, so wie wir es machen! ;)

Und … wie mies muss ich mich als Elternteil denn jetzt fühlen, wenn ich zwischendurch das Handy zücke oder mein Kind mal vor dem iPad „parke“?

Ich persönlich habe mich echt lange sehr mies gefühlt damit. Besonders schlimm war es in der Anfangszeit mit ZWEI Kindern, als ich die Tochter öfter vor irgendeine Serie gesetzt habe, weil ich mich überfordert davon fühlte, ein akut heftig schreiendes Baby zu versorgen und gleichzeitig mit der Großen zu kommunizieren oder sogar zu spielen. Und ich hatte auch jedes Mal ein schlechtes Gewissen, wenn ich beim Stillen des Babys hinter seinem Rücken bei Facebook surfte oder etwas für LÄCHELN UND WINKEN schrieb. Schließlich können wir Mütter überall nachlesen, wie anti-pädagogisch und kacke es ist, sich NICHT ständig komplett auf die Bedürfnisse der Kinder zu konzentrieren, NICHT dauerhaft die wunderhübschen Gesichtchen zu bewundern, die gerade an unserer Brust trinken und NICHT sofort zu springen, wenn ein kleiner Jemand nach dem 3 Glas Saftschorle (oh Gott, auch so ein Thema ;) ) in Folge schreit. Ich hatte das Gefühl, mich schlecht fühlen zu MÜSSEN … weil ich ja offenbar gerade auf ganzer Linie versagte. FRÜHER haben die Eltern es schließlich auch ohne diesen Technik-Kram geschafft, ihre Kinder großzuziehen. FRÜHER war es deshalb besser.
Doch glücklicherweise fiel mir irgendwann wieder ein, dass mein Vater FRÜHER bei jedem Frühstück hinter einer PKW-großen Tageszeitung verschwand und in dieser Zeit für uns Kinder förmlich unerreichbar war. Und ich erinnerte mich, wie gern meine Mutter auch FRÜHER schon gelesen hat … im Ledersessel zu Hause oder draußen auf einer Bank, während wir kleinen Kinder „alleine“ spielten. Und – es klingt fast unglaublich – wir durften fernsehen!!! Nicht an einem Stück, aber jeden Abend ein kleines bisschen. Wenn wir krank waren, manchmal sogar den ganzen Tag, denn schon FRÜHER hatten Mütter nur zwei Hände und trotzdem oft mehr als ein Kind sowie meterlange to do Listen. Soll heißen: FRÜHER konsumierten Kinder auch schon Medien. Und Eltern beschäftigten sich sogar am Tisch und auf dem Spielplatz ab und zu mit etwas anderem als dem Nachwuchs. Deshalb … mach ich mich mittlerweile nicht mehr fertig deswegen. Ich vertraue auf meine Intuition, beobachte meine Kinder und passe UNSEREN Medienkonsum immer wieder neu an UNSERE Bedürfnisse an, wenn ich merke, es ist nötig. Für UNS ist das der richtige Weg, dieses Thema in unser Leben zu integrieren, ohne Stress aufkommen zu lassen. Für andere sieht er vielleicht anders aus … und das ist dann genauso ok! :)

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7 Kommentare für “OMG, dein (Klein-)Kind darf iPad gucken?! ;)

  1. Auch wenn wenig pädagogisch wertvoll aber ich hing als Kind ständig vor Nintendo und TV. Trotzdem habe ich Bücher gelesen und tue es auch heute noch. Meine 4jährige schaut abends 2 Stunden Handy Kindervideos aber vorher waren wir 4 Stunden auf dem Spielplatz. Mir ist es mittlerweile pupsegal was andere darüber denken. Ich hab auch ein Recht auf Feierabend und muss morgen wieder arbeiten. Von daher lach

  2. Jaja, bei Kind 1 waren wir da auch echt konsequent, bis wir irgendwann feststellten, dass Zähneputzen auch ohne das totale Geschrei geht, wenn wir unsere eigenen Videos auf dem Handy laufen ließen. Bei Kind 2 mußten wir mit einem Jahr inhalieren und das einzige (wir haben echt so einiges probiert) was half war Balu und sein Gemütlichkeitssong rauf und runter. Das Kind schrie nicht mehr, die Inhalation klappte.
    Ansonsten halten wir den Konsum auch gering. Aber ehrlich, nach dem letzten Urlaub haben wir DVD-Player im Auto echt in Erwägung gezogen, obwohl wir die Dinger echt verachtet haben…

  3. Klasse Post. Ich war auch davon überzeugt, dass unsere Maus in den ersten Jahren kein Fernsehen schauen muss/soll und dass wir Tablett und Handy möglichst einschränken. Tja, mit dem Fernseher konnte ich mich weitestgehend durchsetzen, der wird normalerweise erst angeschaltet, wenn sie im Bett ist, aber es gibt ja im Netz auch so schöne Videos für Kleinkinder mit Musik und das lenkt ja z.B. beim Inhalieren so schön ab oder hellt die Stimmung an ganz miesen Tagen ein bisschen auf.
    Aber gerade mit dem Früher hast Du auch Recht: die Tageszeitung gab es bei uns auch am Frühstückstisch und meine Eltern haben auch immer viel gelesen und fernsehen dürfte ich abends und sonntags nachmittags.
    Es ist wohl wie mit allem, das Bauchgefühl entscheidet.
    LG Stephi

  4. Unser Großer hatte mit seinen knapp 3 Jahren beschlossen, dass Mittagsschlaf total überflüssig ist und war um nichts in der Welt mehr ins Bett zu bewegen. Allerdings war der ganze lange Tag mit KiTa am Vormittag dann doch noch etwas zu anstrengend für den „Großen“, und die Mami wollte die endlich errungene ZEITGLEICHE Mittagsruhe mit dem Knirps auch nur ungerne aufgeben 😉

    Unsere Lösung ist nun, dass der „Große“ eine halbe Stunde in seinem Bett im abgedunkelten Zimmer Tab schauen darf (Bagger-Videos 😊), während der kleine Knirps im Bett daneben schon mal gemütlich wegschlummert.
    Nach der halben Stunde gehe ich hoch, er macht absolut bereitwillig (!) das Tab aus (wenn er nicht schon über den Videos eingeschlafen ist…) und ich kuschele ihn in den Schlaf.

    Seit wir diese Regelung haben, freut sich der „Große“ regelrecht auf das Ausruhen und geht freiwillig in sein Zimmer, selbst wenn Besuch im Haus ist!

    UND: in der restlichen Zeit sind Tab und Fernseher überhaupt kein Thema mehr, denn mit seiner täglichen halben Stunde ist er absolut zufrieden!

    Das mögen einige vielleicht absolut verwerflich finden, aber für UNS ist es so der beste Weg für alle 😊