(Leser-)Geburtsberichte

Kathrin M. erzählt

Es ist der 2.März 2017. Um 9:00 Uhr sitze ich bei meiner Frauenärztin zum nächsten Ultraschall- und CTG-Termin. Endlich wieder Bilder, endlich wieder die schönsten Herztöne der Welt hören. Ich genieße meine Schwangerschaft (heute gerade 32+1) ohne jegliche Probleme in vollen Zügen und freue mich wahnsinnig auf unser erstes gemeinsames Kind!

Als erstes werde ich am CTG angeschlossen. Nach 20 Minuten bekomme ich die Info, das das CTG zu schwach schreibt, vielleicht schläft der kleine Mann zu tief. Ich werde die Treppen hoch und runter und um den Block geschickt. Nochmal CTG. Wieder zu schwach. Erstmal Ultraschall. Hier scheint alles in Ordnung. Zwergi gähnt, ich zerfließe vor Glück und Liebe! Wieder CTG – die Ärztin ist nicht begeistert, irgendetwas stimmt nicht. Ich bekomme eine Überweisung für unsere Wunschgeburtsklinik in die Hand, soll das dort doch bitte nochmal prüfen lassen. Jetzt. Verwirrt setze ich mich ins Auto und fahre rüber.

Dort angekommen wieder Ultraschall, wieder CTG, nochmal Ultraschall – dieses Mal Doppler. Das Baby scheint nicht mehr optimal versorgt zu werden, ich bekomme eine Lungenreifespritze und die Empfehlung, in einer anderen Klinik zu entbinden. Einer mit Kinderintensivstation. Jetzt brechen alle Dämme. Ich habe Angst! Es war doch immer alles gut?

Mit dem Krankenwagen werde ich ins nächste Krankenhaus gefahren (selber fahren war einfach nicht mehr möglich, ich habe gezittert wie noch nie und konnte vor Tränen kaum was sehen!). Gleichzeitig mit meinem Freund kommen wir in der Notaufnahme an (das wollte und konnte ich alleine nicht mehr durchstehen). Es ist mittlerweile Nachmittag gegen 14:00 Uhr. Man bringt uns sofort in einen Kreißsaal und schließt mich ans CTG an. Zwischendurch wieder Ultraschall, weitere Untersuchungen, wieder CTG. Irgendwann die Information, dass der Kleine noch ca. 3 Wochen in seiner Bauchwohnung bleibt und dann wohl raus sollte. Er würde nicht mehr optimal versorgt, Begriffe wie Plazentainsuffizienz fallen. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Zwischendurch bekommen wir immer wieder Unterlagen zum Unterschreiben. Ich kann keinen klaren Gedanken fassen. Nach weiteren CTG-Stunden neue Informationen: Man gibt uns noch eine Woche. Weiter CTG schreiben…nochmal Doppler. Später wird nochmals korrigiert: In 24 Stunden müsse er geholt werden. Bis dahin ist jede Minute, die er noch im Bauch bleiben und versorgt werden kann, wichtig. Dann ist es ca. 19.30 Uhr und eine Hebamme kommt auf uns zu. Ich möge mir doch bitte ein Nachthemd anziehen und den Schmuck abnehmen… sie möchte mich jetzt den Narkoseärzten vorstellen. Es sollte sofort losgehen. Damit es kein Notkaiserschnitt werden muss und der Kleine in Ruhe geholt werden könne. Und schon bin ich auf dem Weg in den OP.

Ich habe mir vorher keine Gedanken über einen Kaiserschnitt gemacht. Gar nicht! Was machen die ganzen Menschen hier? Braucht es so viele Leute um ein Baby auf die Welt zu holen? Als die Spinalanästhesie gelegt wird, zittere ich noch immer so sehr, dass das Setzen unterbrochen werden muss. Ich leide Höllenqualen und habe unglaubliche Angst vor der ganzen Situation und der Gewissheit, dass es meinem Baby nicht gutgeht. Ich habe das Gefühl, dem Ganzen nicht gewachsen zu sein. Ich bin einfach noch nicht soweit. Total unvorbereitet. Ich habe doch noch 8 Wochen Schwangerschaft vor mir und meinen Mutterschutz noch gar nicht angetreten. So, Rücken wieder krümmen, Kopf nach unten, tiiieeef durchatmen. Die Spinalanästhesie sitzt. Jetzt geht es schnell. Plötzlich liege ich in der Horizontalen und kann vom Po bis zu den Fußspitzen nichts mehr spüren. Während des Kaiserschnitts muss ich mich übergeben – drückt doch bitte mein Zwerchfell nicht so! Ich bekomme kaum mit, was um mich herum geschieht. Mein Freund sitzt an meiner einen Seite und hält meine Hand, auf der anderen Seite eine Schwester. Hinter dem Tuch ebenfalls eine Schwester, die uns durchgängig mit allen Informationen versorgt. Dann höre ich den Arzt „Es kann sein, dass Ihr Kind nicht schreien wird, weil die Lungenreife-Spritze noch nicht wirken konnte!“ Ich weine, weine, weine. Nie im Leben hatte ich solche Angst. Es ist 21:03 Uhr. Plötzlich kommt Bewegung auf, eine Tür schlägt zu. Sie tragen mein winziges Kind weg und ich konnte ihn nicht mal sehen. Er muss sofort versorgt werden.

Aber dann: Ich höre ihn schreien! Durch die geschlossene Tür! Mein kleiner Kämpfer! Nach wenigen Stunden durfte ich endlich, endlich, endlich zu ihm. Er ist winzig klein. Mit 41 Zentimetern und einem Gewicht von 1720g liegt er angeschlossen an viel zu vielen Kabeln und Schläuchen. Und trotzdem sieht er einfach perfekt aus! Das waren die 12 schlimmsten Stunden meines Lebens. Aber sie haben mir das größte Glück der Welt gebracht! Vier Wochen musste er noch in der Klinik bleiben, bis wir ihn nach Hause holen durften. Wir haben mit ihm viele Frühchen-Probleme bekämpft und sind oft fast verrückt geworden vor Sorge. Heute ist er 16 Monate alt, hat alles aufgeholt und keine Probleme zurückbehalten. Ein Kämpfer ist er immer noch und auffällig ehrgeizig in allem. Ich könnte täglich platzen vor Stolz.

Diesen spannenden Geburtsbericht über die Frühgeburt ihres Sohnes schrieb Kathrin :)

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