Krümel-Chroniken

Krümel-Chroniken: 29. (Lebens-)Monat

Fast 2,5 Jahre ist der kleine Floh nun schon alt und in vielerlei Hinsicht bereits sehr selbstständig. Gleichzeitig jedoch klebt er gefühlt sogar noch mehr, als früher seine große Schwester, an mir … will immer noch ständig auf den Arm, ganz nah bei mir schlafen und in fremder Umgebung lieber keinen Schritt ohne mich unternehmen. Zumindestens erstmal. Bis er richtig angekommen ist. Dann ist er weg! :D  

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KLEINKIND-STATUS:

Körperchen: Nachdem wir nun endlich wieder einen kompletten Zollstock haben (die Kinder hatten unseren zerlegt und irgendwie waren wir monatelang nicht mehr in einem Baumarkt, wo man ja mal eben so ein Ding mitnehmen kann), konnte ich auch mal nachmessen, ob das Krümelchen denn wohl gewachsen ist. Ist er. Aber nicht so viel, wie ich gedacht hätte. Aktuell bringt er es auf knappe 92,5 cm … also ist in den letzten Monaten nur ein Zentimeterchen dazu gekommen. Finde ich nicht sooo schlimm, weil er eh schon recht lang ist für sein Alter UND ich jetzt nur noch ungern eine weitere Rutsche Winterkleidung kaufen würde. Danach sieht es aber ja gerade echt nicht aus. Also: Alles prima. ;)
Können/Verhalten: Der Floh steckt bis zum Hals in der Trotzphase. Und zwar so ganz klassisch. Letztens habe ich es gewagt, ihm Apfelschorle in einen blauen Becher zu gießen, OBWOHL ER EINEN GRÜNEN WOLLTE!!! Das Kind ist förmlich zusammengebrochen vor Leid und Schmerz ob meiner absoluten Unfähigkeit und DUMMHEIT. Der arme Junge. Auch noch vor Publikum. Es gab kein Halten mehr und es hat locker 20 Minuten gedauert, bis er mir mein grässliches Unvermögen verzeihen und aus dem blauen Becher trinken konnte. Es war ein Fest für alle Beteiligten. ;)
Derlei Spaß haben wir natürlich mehrmals täglich, ganz wie es sich für dieses Alter gehört, und finden es – so glaube ich – beide etwas anstrengend. ABER wir kommen gerade nicht raus aus der Nummer. Er möchte so viel können und haben und verstehen und mitteilen … und das ihm immer noch Grenzen gesetzt sind, kotzt den Krümel regelrecht an. Ich bemühe mich sehr, dass zu verstehen und nicht selber sauer zu werden, wenn er irgendetwas wirft, weil es nicht so funktioniert, wie er möchte oder schlicht brüllt wie ein Berserker, weil der Schnuller runtergefallen ist. Vor seine Füße. In sehr erreichbare Nähe.
Bisher schaffe ich das noch ganz gut, weil die Große mich wirklich sehr umfassend ausgebildet hat in Sachen Trotzkind, aber dennoch spüre ich mittlerweile ab und zu dieses Kribbeln im Nacken, das meine eigenen Grenzen signalisiert. Und dann hilft nur … tief durchatmen, bis 10 zählen, in die Küche gehen, die Schublade mit der Schokolade öffnen, richtig zulangen und nochmal tief durchatmen. Schon geht’s wieder. ;)
Schlaf-Elend: Wir hatten hier alle die Grippe, was ein wahrhaft fantastische Familien-Event war und dazu geführt hat, dass das Krümelchen lieber wieder gaaaanz nah bei der Mama schläft. Neben mir in seinem Beistellbett liegen reicht aktuell leider nicht, nein, es muss auf meiner Matratze sein mit mindestens einer Hand in meinem Gesicht, damit ich BLOß nicht heimlich abhauen oder gar mal aufs Klo gehen kann! Es ist zauberhaft! Nicht! ;)
Natürlich ist es süß, dass er meine Nähe sucht und ich kuschle auch schrecklich gerne mit ihm, aber ganz ehrlich: So langsam hätte ich einfach auch mal wieder Spaß an mehr als 10 cm Platz in meinem Bett. Ich weiß, ich bin komisch … ich stelle verrückte Ansprüche. :D
 

MAMA-STATUS:

Körper: Ich habe ganz toll abgenommen – ein herzliches Dankeschön an die Grippe! Es ging wie von selbst und hält sich im Moment noch fast von allein. Es ist nämlich so: Im Gegensatz zum Mann kann ich nicht essen, wenn ich krank bin. Ich muss mir echt alles reinzwängen und habe keine Freude an nix. Nicht mal an Chips und das ist für meinen Organismus ja förmlich der Super-Gau. Ich will mich aber nicht beschweren. Ich wollte ja eh gerne noch die Weihnachtskilos loswerden, bevor ich abstille und damit wieder alles ändere. Da bin ich auch echt mal gespannt, wie mein Körper reagiert, wenn ich ihm die Mehr-Arbeit und die daran gekoppelten Hormone entziehe und ihn nach all der Zeit in den „Normal-Zustand“ zurückfinden lasse. Die Frage ist: Was ist jetzt normal für meinen ziemlich Still- und Schlafentzug-strapazierten Körper?!
Angehen werde ich das Thema im Frühjahr … wahrscheinlich im April. Es wird Zeit, dass Stillen wirklich zu beenden. Hach …
Und sonst so: Meine Energiereserven sind – wenig überraschend nach dieser Kack-Erkrankung, die ich locker 3 Wochen rumgeschleppt habe und null „auskurieren“ konnte – etwas leergepustet. Sie MÜSSTEN mal aufgetankt werden, nur weiß ich nicht genau, wie ich das machen soll. Aktuell haben wir nicht die Möglichkeit, mich mal 2 Tage richtig aus dem Spiel zu nehmen, mir also eine echte Auszeit zu ermöglichen. Ich konzentriere mich daher darauf, mir kleine Pausen zu leisten, die ich jeden Tag einrichten kann. Also nicht IMMER zu arbeiten, wenn die Kinder schlafen, sondern zumindest hin und wieder nur stumpf Netflix zu gucken; sogar während des Mittagsschlaf des Krümelchens gönne ich mir das im Moment manchmal. Das ist nicht viel, aber besser als nichts. :D

Vor kurzem hatte ich eine alte Freundin mit ihrem kleinen Baby zu Besuch und mein Uterus schlug NICHT Alarm. Ungewöhnlich für mich. ;) Im Prinzip lösen Babys seit ich denken kann in mir den Wunsch aus, selbst (wieder) schwanger zu werden. Sogar das Baby-KÄTZCHEN einer anderen Freundin ließ mich völlig kalt; wirklich keine einzige Seite in mir klang mit dem Bedürfnis an, etwas neues „Kleines“ in unsere Leben zu holen. Verrückt!!! Also entweder ich bin echt fertig mit der Familienplanung oder so müde, dass ich mich unmöglich vorstellen kann, noch weniger zu schlafen. :D Beides ist möglich.
Was zusätzlich eine Begründung sein könnte ist der Umstand, dass ich das Söhnchen in so vielen Aspekten immer noch als „sehr klein“ empfinde, was garantiert daran liegt, dass die Große so wahnsinnig gewachsen ist und den kleinen Bruder entwicklungstechnisch logischerweise arg in den Schatten stellt. Noch mehr als beim ersten Kind verstehe ich nun, warum Mütter ihre Kinder ein Leben lang als ihre BABYS betrachten … und hin und wieder auch so behandeln. Sogar, wenn sie fast 42 Jahre alt und selbst Mama sind.
Ich finde es spektakulär, wie man als Mutter endlich versteht, warum die eigene Mutter war, wie sie eben war. Ich mache so viele Dinge ähnlich wie meine Mama, obwohl ich mich noch genau daran erinnere, dass ICH das als Kind voll Scheiße fand. Richtig war es dennoch, nur dass ich DAS eben erst jetzt kapiere. Ich hoffe, meinen beiden geht’s irgendwann auch so. <3

Von solch tiefschürfenden Erkenntnis-Momenten mal abgesehen, befasse ich mich gerade hauptsächlich mit zwei eher profanen Themen. Die Trotzerei und die neue Morgenmuffeligkeit des Krümelchens. Was die „Autonomie-Phase“ angeht, bewegen wir uns nun ganz langsam auf ein Level zu, dass sogar mich anstrengt, obwohl ich mir doch sehr vorgenommen hatte, diesmal total hart im Nehmen zu sein. Nur … wenn der kleine Floh mal wieder seinen Roller wirft, weil dieser die Kurve nicht VON ALLEINE genommen hat und dabei fast eine Frau zu Fall bringt, spannt meine Hutschnur doch ein wenig. ;) Auch merke ich, dass ich noch nicht so ganz rausgefunden habe, wie genau ich denn nun diesmal – also beim zweiten Kind – mit den öffentlichen Ausrastern umgehen möchte. Bei der Mausemaus war das einfach, da lief ich nämlich voll auf Autopilot und versuchte nur, die Situation irgendwie zu überstehen. Den Stress, den das Gewüte meines Kindes in mir auslöste, spürte ich beinahe körperlich und was meinen Puls anging, konnte ich verlässlich auf ein rasantes Tempo zählen, sobald die kleine Madam richtig loslegte. Beim Krümel ist das anders. Tatsächlich bleibe ich wirklich lange ruhig – also solange keine größeren Gegenstände fliegen. ;) Und das sogar vor Publikum. Überraschenderweise verunsichert mich jetzt aber genau DAS, weil ich mich dann frage, ob es für die „Gaffer“, die sich ja schnell einfinden, sobald ein Kind laut wird, wohl so aussieht, ob mir das Gezeter meines Stöpsels egal ist?! Bescheuert eigentlich, weil das bedeutet, dass ich zwar gelernt habe, besser mit Trotzanfällen umzugehen, jedoch nicht, dass es mir wirklich schnurz-egal sein sollte, wie ich in derlei Situationen auf ANDERE wirke. Relevant ist doch wirklich nur, wie WIR – das Kind und ich – damit klar kommen, dass Giftzwerg-Attacken eben nicht nur zuhause stattfinden, sondern auch sehr, sehr oft unter den Augen fremder Menschen. Interessieren sollten mich die doofen Blicke längst nicht mehr. Möglicherweise sollte ich mir das mal auf ein T-Shirt drucken. Und dem Krümel gleich dazu! ;)

Das Thema Morgenmuffeligkeit lässt sich wohl leider nicht mit einem Shirt erledigen, allerdings hoffe ich auch hier auf eine Phase. Seit ein paar Wochen ist der Sohnemann jedes Mal, wenn er aufwacht, mega-mies gelaunt. Unabhängig davon, ob es sich um das Erwachen aus dem Nacht- oder Mittagsschlaf handelt: Es wird gebrüllt. Er will stillen und auf den Arm, sich keinesfalls anziehen lassen und noch sehr viel weniger rausgehen. Gerade nachmittags ist letzteres echt schlecht, denn ich muss und möchte schließlich irgendwann die Tochter aus der Kita abholen. Aktuell starte ich diesen Tagesordnungspunkt IMMER mit einem heftig weinenden Söhnchen am Bein, was echt ein bisschen an meinen Nerven zehrt. Ich möchte mein Kind ungern zu etwas zwingen, dass es so gar nicht möchte und gerade während er noch kränkelte, verstand ich seinen Wunsch, einfach zuhause zu bleiben, so gut, dass ich am liebsten mitgeweint hätte. ABER ich habe zwei Kinder und ich möchte abends gerne beide bei mir haben und nicht eines allein in der Kita übernachten lassen ;) . Tja, manchmal tun sie ein bisschen weh, diese Kompromisse, um beiden Lieblingen gerecht zu werden. Doch es gehört zur Elternschaft dazu … wie unser ewig währendes Mantra: Es ist nur eine Phase, ALLES ist nur eine Phase! :D

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4 Kommentare für “Krümel-Chroniken: 29. (Lebens-)Monat

  1. Zum getrotze aus zwei Perspektiven:

    Wenn meine Tochter in der Öffentlichkeit trotzt, dann bin ich von mir selbst überrascht wie ruhig und klar ich bleibe und im Moment lasse ich sie auch erst mal um mich selbst (8. Monat Schwanger) zu schonen. Wenn’s gar nicht anders geht nehme ich sie und gehe. Trotzdem fühle ich mich echt oft total doof dabei und als würde ich mich auch total doof anstellen.

    Als Außenstehende bin ich immer tief beeindruckt, wenn ich sehe mit welcher Ruhe und Gelassenheit manche Mütter mit ihren Kindern in diesen Situationen umgehen. Ich bin tatsächlich so beeindruckt und gebannt von der Situation, dass ich sicher unabsichtlich gaffe und wenn’s mir auffällt komme ich mir wieder komisch vor.

    Also komme ich mittlerweile zu dem Schluss, dass viele Gaffer gar nichts negatives denken.
    Nur die Omis, die das brüllende Kind (das sich fast beruhigt hatte) ansprechen stören mich, denn die verlängern dadurch diese Situation extrem….

    1. Oh, dass kann ich auch: Andere Mamis bewundernd beobachten und dabei wirken wie ein Gaffer :D Aber du hast recht … wenn wir das positiv machen, dann andere vielleicht auch :D

  2. Hach, wie schön, dass es anderen Menschen ganz genauso geht^^
    Wir haben einen kleinen Trick, was die Aufwacherei angeht. Ich flüstere ihm ins Ohr, was er essen will. Dann ist er meistens begeistert, weil ER aussuchen darf und ich komme um eine halbe Stunde Geschrei herum.