Sternenkind und Frühchen
Fehlgeburt

Sternenkind & Frühchen – eine Mutter erzählt

Triggerwarnung: Sternenkind & Frühchen – hier erzählt und schreibt Mama Molly:

“Wir bekamen wundervolle Kinder geschenkt, in komplikationsfreien Schwangerschaften und kraftvollen selbstbestimmten Geburten…
Schwangerschaft und Geburt waren immer etwas natürliches für mich.. Ich informierte mich immer genau und wählte Hebammen betreute Schwangerschaften mit wenigen Ultraschall Untersuchungen.
Ich konnte mich stehts auf mein Bauchgefühl verlassen…. So auch im Sommer 2019,als der Schwangerschaftstest positiv wurde.. wollte ich erst keinem davon erzählen.. da war dieses komische nicht greifbare Gefühl..
Doch die Zeit verging, und die Schwangerschaft schien intakt zu sein.
Doch dieses komische Gefühl blieb…
Ich machte einen Ultraschalltermin für die 20.ssw aus, und erwartete den Termin sehr nervös und angespannt….
In der 19.ssw wachte ich eines Nachts um halb 2 auf…
Ich wusste irgendwie das “jetzt” etwas gerade geschehen ist… Ich fühlte Frieden aber auch eine Traurigkeit für die ich zunächst keinen Grund fand…
Tränen kullerten über mein Gesicht.. und die Traurigkeit lähmte mich…
Zugleich fühlte ich Frieden und Erleichterung.. Wie wenn etwas was ganz schweres auf einem gelegen hätte- jetzt nicht mehr auf einem liegt.. Wie wenn ein Druck weg wäre…
Ich fand dafür keine Erklärung.. und dachte zunächst ich habe nur schlecht geträumt.
Ich brachte es auch zunächst nicht in Verbindung mit der Schwangerschaft.
Am folgenden Abend hatte ich abends diese intervallartigen starken Rückenschmerzen und ging früher ins Bett…
In der Nacht wieder um halb 2 wachte ich auf und ging auf WC, dort entdeckte ich ganz viel blutigen Ausfluss.. Ich zog mich schnell an und beschloss meinen Mann zu wecken- das wir in die Klinik fahren können.. auf dem Weg ins Schlafzimmer bekam ich plötzlich starke “Rückenschmerzen” und klammerte mich am Türrahmen fest.. Ich spürte etwas herunter gleiten…
Wenige Minuten später hielt ich unseren perfekten kleinen Sohn in seiner intakten Fruchtblase in der Hand… Ich sah den leblosen Körper darinnen schwimmen.
Ich verlor leider sehr viel Blut da die Plazenta sich nicht lösen wollte.. Mein Körper ( mütterliche Seite = Plazenta ) hielt weiter fest an der Schwangerschaft und wollte ihn nicht gehen lassen…
Doch er hatte sich losgelöst und war gegangen…
Im OP um kurz nach 4 Uhr  wurde die Plazenta manuell gelöst.
Im Anschluss öffnete ich im Kreißsaal gemeinsam mit der Hebamme die Fruchtblase..Wir schauten ihn genau an.. Er wurde gemessen und gewogen und in eine kleine einschlagdecke gewickelt.
Ich durfte nicht heimgehen,  sollte warten.. und so lag ich stundenlang im Kreißsaal, langsam begreifend… hielt meinen kleinen Sternensohn in der Hand der lamgsam steif und kalt wurde…
und hörte wie zwei Frauen wilde Wehen stürme erlebten und hörte wie sie ihre lebenden, warmen, brüllenden sich bewegenden Kinder Gebaren.. Wie sie kräftig schrien und die Hebammen jubeln…

Unser Sohn hatte eine sehr sehr grosse Nackenfalte, für alle Beteiligten war sofort klar das er mindestens eine Trisomie gehabt haben muss, die sich nicht mit dem Leben vereinbaren ließ..
Welche spielte für uns keine Rolle und so nahm ich unseren Sohn mit Nachhause, wo wir ihn im Garten begruben und einen Birnenbaum auf ihm pflanzten..
Wir verabschiedeten ihn gemeinsam.. Wir sangen sein Lied.. Wir erzählten seine Geschichte.. Wir weinten für ihn…
Er ist immer bei uns.. und seine Geschwister spielen um ihn herum. Ubd ab und zu bleibt eines stehen und lächelt den Baum an, und spricht zu ihm…

Wir beschlossen das dies kein Abschluss sein soll.. Das wir es nochmal versuchen wollen…
Ich wurde sehr schnell im Frühjahr 2020 erneut schwanger… an seinem eigentlichen ET hielt ich einen Positiven Schwangerschaftstest in der Hand und dachte das dies das positive Zeichen ist worauf ich so sehr gehofft hatte.
Jedoch hörte das kleine Herz in der 9.ssw auf zu schlagen, und dank meines sehr gut informierten frauenarztes – der mich dazu bestärkte- gebar ich auch dieses kleine Sternchen zuhause in der 15. Ssw .. Solange musste ich leider warten.
Doch der Frauenarzt sprach mir gut zu, und betreute mich die ganze Zeit über sehr gut.
Auch dieses Sternchen bekam seinen Platz beim Birnenbaum..

Einen letzten Versuch wollten wir noch wagen… einen aller letzten Versuch…
Als ich diesmal den positiven Test in den Händen hielt – war entgegen meiner Annahme das Gefühl da das diesmal das Baby lebend geboren werden würde!
Die Schwangerschaft begann seltsam.. Mein Blutdruck sprang gleich zu Anfang sehr hoch, und im Ultraschall wurde sehr früh festgestellt das die Plazentagefässe sehr eng sind, und die Plazenta den inneren Muttermund bedeckte.
Wegen ständiger Blutungen und der tiefliegenden Plazenta bekam ich Bettruhe verordnet…
Und so lag ich.. tage.. Wochen… und Monate…
Bis in der 28.ssw sehr starke Blutungen begangen… mit Blaulicht ins Krankenhaus,  die Blutungen hörten auf.. Aber der Blutdruck stieg so hoch, das ich medikamentatös eingestellt wurde.
Nach 1,5 Wochen durfte ich wieder heim.. doch wenige Tage zuhause fingen wieder Blutungen an.. erneut kam ich ins Krankenhaus.. wo erneut der Blutdruck entgleiste.. Die Blutungen stoppten,.. Aber der Blutdruck machte grosse Sorgen.
Wir hangelten von Tag zu Tag.. und von Woche zu Woche im Krankenhaus..
Langsam kannte mich jede Schwester,  jede Hebamme und jeder Arzt beim Namen – ohne auf die Akte schauen zu müssen.
So wurde auch der Umgang miteinander emphatischer, persönlicher und auch mal scherzhafter…
So witzelte ich noch abends zu der Hebamme im Kreißsaal ( wo ich zum CTG schreiben mehrmals täglich hin musste ) das ich “Mitleidswehen” bekomme – weil ich einer Frau bei ihrer wunderbaren kraftvollen wehenarbeit und Geburtsreise zuhören… traurig wissend das ich durch die tiefe über dem Muttermund liegende Plazenta kein solches Geburtserlebnis mehr haben werde….  –
Wir lachten noch über meinen lockeren Spruch.. und sie wünschte mir eine Gute Nacht.
So ging ich auf Station..  in “mein” Bett..

Mitten in der Nacht erwachte ich.. und dachte ich habe Blähungen.
Doch die “Blähungen” kamen alle 2-3 Minuten und der Schmerz blieb 1 Minute lang.. da ich erst 33+3 war – glaubte ich fest daran das es Blähungen sein müssen! Doch sie hörten nicht auf.. und ich beschloss Hilfe zu suchen..
Im Kreißsaal wurde gekämpft…man versuchte die Wehen zu stoppen, den durch die Wehen begannen die Blutungen immer massiver zu werden… Es wollte gar nicht mehr aufhören.
Die Ärztin rief den Oberarzt,der Oberarzt die leitende Oberärztin, es wurde sehr hektisch.. Mir gegenüber versuchte man ruhig zu bleiben,aber ich spürte die Anspannung, sah die nervösen Blicke.. und wurde sehr sehr schnell in den OP gebracht. Auch die OP Vorbereitungen liefen sehr hektisch und eilig ab, zumeist schweigend.. angespannt..
Ich fühlte mich als würde das alles gerade jemand anderem passieren..
Ich sah das viele Blut… sah wie es auf den Boden lief… in einer Bahn.. Doch es war nicht mein Blut in dem Moment.. der Arzt hielt immer wieder den Ultraschallkopf auf meinen Bauch und die pochernden Herztöne erfüllten den stillen Raum…
Dann war es soweit.. der Kaiserschnitt begann.. obwohl ich noch was spürte.. der Schmerz wurde immer stärker.. fast unerträglich…Mir rannen wieder Tränen.. Aber ich musste durchhalten den sie musste JETZT geboren werden.
Die OP Schwester redete mir gut zu.. Sie bestärkte mich das kurz auszuhalten – es war so wichtig das sie JETZT geboren wird.
Die Anspannung im OP war körperlich spürbar.. Die Stille dröhnend laut..
Dieser Moment unglaublich lange.. nachträglich gesehen bin ich sicher das alle den Atem anhielten..
Und dann geschah vieles gleichzeitig.. dir Anspannung platzte mit einem dünnen aber auch starken schrei.. SIE schrie ihren Unmut aus vollem Halse heraus…und der OP lachte und feierte das Leben. Mit einem Mal war alles wieder “gut” man merkte die Erleichterung..
So wurde bei 33+3 um 4.15 Uhr unsere Tochter geboren.
Und zwar genau an dem Datum.. an dem ein Jahr zuvor der Sternenbruder seinen eigentlichen ET hatte ..
Er sollte im April 2020 geboren werden..
Sie wurde im April 2021 geboren, an dem Tag.. an dem sein Termin gewesen wäre…

Trotz apgarwerten von 10/10/10 durfte ich sie nur ganz ganz kurz eingewickelt in einem Handtuch sehen…und weg war sie….
Gefühlt war mit ihr mein Herz weg..
Es war so unglaublich schwer nicht zu ihr zu dürfen…
Aber mein corona test war zu alt ( 6 Tage alt ) Deswegen durfte ich zuerst nicht auf die neointensiv… Bis mein Ergebnis da war wusste ich nicht mal wie es ihr geht! Nichts!
Die Wartezeit verbrachte ich damit schnell aufstehen zu können, das auf WC gehen zu üben das der Katheter gezogen werden kann und ich so schnell wie möglich zu ihr kann, sobald mein testergebniss da wäre…
Während andere wie selbstverständlich ihre Babys auf dem Zimmer hatten.. Es selbst wickeln und stillen konnten..
Lag mein Baby weit weit weg von mir.. wurde von anderen gefüttert, gewickelt…versorgt…
Andere Menschen die besser als ich wussten wie es ihr geht.. und was sie gerade braucht.
Mir kam es so vor als wäre es nicht mein Baby .. sondern das Eigentum der Klinik.

Sie hatte nur eine Magensonde, sonst brauchte sie nichts ausser Wärme.
Und so war ich für sie da.. lief jeden Tag mehrmals zu ihr..  und endlich wurde an tag 3 nachdem Kaiserschnitt auf der Gyn entlassen und durfte auf der Begleitstation ein zimmer beziehen.
Jedoch entgleiste mein Blutdruck erneut nach Geburt, das ich noch einen Zwischenstopp auf der kardiologischen Station einlegen musste. -> erneut getrennt von dem kleinen Wesen das mich doch brauchte… Das Wesen mit dem ich wenige Tage davor einen Körper teilte..  mit dem ich eins war…
Bei 35+0 wurde sie offoziell entlassen und kam zu mir auf die kardiologische Station als Begleitperson…
Die Sitaution machte mir zuerst grosse Angst… konnte ich so für sie sorgen wie das die Schwestern und Ärzte auf der Frühchenstation konnten?
Was wenn…? Was wenn dies? Was wenn jenes?  Die Psyche spielte komplett verrückt… anstatt froh zu sein das alles so gut läuft, machte ich mir ständig grosse Sorgen und Gedanken um Sie.
Bei 35+4 – nach insgesamt 8 Wochen Krankenhaus Aufenthalt ( vor und nach Geburt zusammengerechnet) sind wir endlich zusammen nachhause gegangen.

Sie entwickelt sich sehr sehr sehr gut, selbst stillen nach Bedarf ( wo wir anfangs Meilensteine von entfernt waren ) klappt wunderbar.
Sie ist keine Kämpferin, sie ist eine Siegerin die einfach ihren Weg geht.

Es war anfangs nicht leicht die Ängste zu beherrschen, und nicht von ihnen überrollt und beherrscht zu werden..
und doch kann ich endlich auch das grosse Glück sehen und glauben das wir in jeder Hinsicht hatten!
Auch wenn es mir gesundheitlich lange noch nicht gut geht… Ich mit starken Medikamenten Tag täglich umgehen muss, sie war es wert!

Ich habe gelernt das Leben im hier und jetzt zu genießen.. und Gesundheit nicht als etwas selbstverständliches zu betrachten.. und dankbar zu sein – dankbar das wir sie haben und das Leben mit ihr erleben dürfen, ihr die Hand geben zu können und sie aufwachsen sehen zu dürfen ist das allergrößte Geschenk dessen wir sehr bewusst sind und es genießen.

Und eines Tages werden wir gemeinsam unter dem Birnenbaum sitzen, und ich werde ihr erzählen wie winzig sie war.. Wie schwer es war für sie Klamotten zu besorgen,  das sie sooooo grosse Füsse hatte..und ihre Beine soooo lang waren das keine Hose in 44 passte,aber sie in allem anderem von der Breite her ertrunken ist…
Ich werde ihr erzählen das ihre Nase genauso aussieht wie die von ihrem sternenbruder… und wir werden uns ansehen und uns freuen das sie da ist!
Ja… Das werden wir… eines Tages!”

 

Liebe Molly, vielen Dank für deine sehr emotionale Geschichte und den Mut, sie so öffentlich zu teilen.  

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Ein Kommentar für “Sternenkind & Frühchen – eine Mutter erzählt

  1. Was für eine wunderbare und starke Geschichte und was für eine starke Frau sie sein muss und was für eine starke Familie. Ich selbst hatte “nur” eine frühe Fehlgeburt und bewundere diesen Umgang sehr. Mein ältester Sohn ist behindert und für uns war es eine große Entscheidung weiter Kinder zu bekommen, aber auch nach Fehleburten/Frühgeburten stelle ich mir diese Entscheidung nicht einfach vor.