drittes Kind
Neu Rabenmutter 2.0

(K)ein drittes Kind

Warum wir (wahrscheinlich) kein drittes Kind bekommen.

Ich erinnere mich noch super gut und unheimlich gerne daran, wie ich als kleines Mädchen immer davon sprach, dass ich eines Tages, wenn ich groß wäre, 10 Kinder adoptieren würde. Adoptieren deshalb, weil die Ärzte meinen Eltern damals sagten, dass ich aufgrund der Behandlung meines Hüftschadens möglicherweise keine eigenen Kinder bekommen könnte. Als ich klein war, stellte das absolut kein Problem für mich dar. Später dann wünschte ich mir doch von Herzen, dass Wunder einer Schwangerschaft und einer Geburt „am eigenen Leib“ erleben zu dürfen. Tatsächlich träumte ich sogar davon, ganz früh Mama zu werden. Am liebsten direkt mit 18 Jahren oder vielleicht 20. Doch es kam anders, denn den Mann, der sich dasselbe mit mir wünschte, traf ich erst viel später. Und so wurde ich keine ganz so junge Mama, wie ich es mal vorhatte, sondern bekam direkt bei der ersten Schwangerschaft den Stempel „Risikoschwangere“ aufgrund meines HOHEN Alters von beinahe 37 Jahren. ;) Und da haben wir eigentlich auch schon den Grund, warum wir (wahrscheinlich) kein drittes Kind bekommen werden.

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Anders als gedacht, aber perfekt.

Im Gegensatz zu meiner eigenen Annahme als Jugendliche, empfinde ich meine späte Mutterschaft heute als den perfekten Zeitpunkt … für mich. In mein Leben passte es so am besten, wobei ich ja auch nicht direkt eine Wahl hatte. ABER ich bin eben auch glücklich damit. Einzig der Umstand, dass ich EIGENTLICH ganz viele Kinder haben wollte, und sich das nun eher nicht mehr realisieren lässt – aufgrund verschiedener Faktoren – macht mich manchmal ein kleines bisschen traurig. Nicht so richtig doll und schmerzhaft traurig, aber eben doch traurig. Manchmal brodelt er noch in mir, der Kinderwunsch. Und dann blutet mein Herz ein wenig, dass ich niemals wieder kleine Tritte in die Rippen bekommen werde, von jemandem, der noch nie einen Atemzug genommen hat und den ich erst Monate später mit meinen Händen und Blicken berühren werde. Ich habe es geliebt, schwanger zu sein, ein neues Leben in mir heranwachsen zu spüren und dann nach einer gefühlt unendlichen Wartezeit einen ganz neuen, kleinen Menschen kennenlernen zu dürfen. Dass alles ist so ein fantastisches Wunder, dass es mich melancholisch stimmt, es nie wieder erleben zu können. ABER … es gibt eben einiges, dass für mich bzw. für uns gegen ein drittes Abendteuer an der Hand spricht.

Kein drittes Kind, denn ich könnte vor Angst nicht atmen.

Jedes Mal, wenn ich auf einem Social Media-Kanal einen Post von einer werdenden Mutter lese, die gerade eine Fehlgeburt erlitten hat und ihre Geschichte teilt, weine ich. Ich weine aus tiefster Seele mit ihr. Weil es mir so unendlich leid für sie tut. Und weil die Erinnerungen an meine eigenen Fehlgeburten sofort über mir zusammenschwappen wie Tsunamie-Wellen. Ich erinnere mich wieder an den Schock, der mich zu Eis gefrieren ließ, als mir die Ärztin sagte, dass die Schwangerschaft, über die wir uns so sehr gefreut hatten, ein vorzeitiges Ende genommen hatte; ich spüre diesen brennenden Schmerz noch einmal, den der Verlust (m)eines Kindes ins Herz schießt. Ich muss mich konzentrieren, um diesem Flashback nicht zuviel Raum zu geben. Ja, ich habe ein Regenbogen-Baby bekommen. Ja, ich hatte das unglaubliche Glück, dass mein Körper mir nach zwei (frühen) Fehlgeburten noch eine komplette Schwangerschaft mit Happy End geschenkt hat. Ich kann und will mich gar nicht beschweren; ich bin wirklich unsagbar dankbar dafür! Und auch wenn sie mich zu Tränen rühren, bin ich genauso dankbar für jeden dieser Posts von Müttern, die gerade einen ihrer dunkelsten Momente mit anderen Menschen teilen. Klar, eine Fehlgeburt ist eine sehr schmerzliche und persönliche Sache, die viele NICHT in den sozialen Medien ausgebreitet sehen wollen, aber ich finde, genau dort gehören sie hin. Sie gehören in jede Form des Lebens, auch in das, welches wir online führen. Damit sie kein Tabu mehr sind. Auch ich habe meine zweite Fehlgeburt damals in Worte gefasst und geteilt. Denn jedes Mal, wenn jemand postet, dass ein Baby zu einem Sternchen wurde, finden sich hunderte von Frauen darin wieder, erfahren, dass sie nicht alleine sind mit ihren Erfahrungen, dass sie darüber sprechen dürfen und vor allem: Dass sie trauern dürfen – so intensiv und so lange wie ihr Herz braucht, um wieder zu heilen.

Für mich sind meine Fehlgeburten mehr als eine schmerzhafte Erinnerung. Sie sind zu einem großen Teil mit dafür verantwortlich, dass wir kein drittes Kind bekommen. Noch nie in meinem Leben hatte ich so viel Angst wie in der Schwangerschaft mit dem Krümel. Ich glaube nicht, dass ich das noch einmal aushalten könnte, dass meine Seele einen weiteren Verlust verkraften würde, aber ich bewundere jede Frau, die es dennoch schafft.

Mein Gefühl sagt mir, ich bin zu alt.

Ich habe zwei gesunde Kinder, die ein wunderbares Team abgeben, die miteinander spielen und lachen, die miteinander lernen und wachsen. Es erfüllt mich jeden Tag mit Staunen, welch großes Glück ich habe, welch großes Glück sich da vor meiner Nase abspielt.  Ja, am liebsten hätte ich mehr Kindern. Sogar ein paar mehr! :D Und definitiv habe ich mir nichts jemals mehr gewünscht, als Mama zu werden und zu sein. DAS war und ist tatsächlich mein absoluter Lebenstraum … auch wenn ich das an besonders anstrengenden Tag vielleicht nicht zu 100% auf dem Schirm habe ;) . Aber: Ich bin jetzt 44 Jahre alt. Mein Körper hat so seine Macken entwickelt bzw. in Dimensionen ausgebaut, die ernsthaft störend wirken können. Schon jetzt kann ich nicht mehr alles mit den Kindern mitmachen, was ich gerne machen würde. Viel zu oft machen mir Schmerzen einen Strick durch die Rechnung; viel zu oft brüllt mein Körper mir sein Alter ins Gesicht. Klar, heutzutage sagt man: „40 ist das neue 30.“ Oder: „Man ist so alt wie man sich fühlt.“ Und das klingt dann immer voll gut … allerdings … bin ich trotzdem über 40 und ehrlicherweise FÜHLE ich mich manchmal sogar schon älter! :D Fakt ist: Mit 40 ist man keine 20 mehr und man fühlt sich auch nicht mehr so. Die meisten Aspekte, die das höhere Alter mit sich bringt, mag ich sogar und sträube mich gar nicht dagegen. Nur das mit dem Aua find ich kacke. Und dass ich meinem Körper und meinen Nerven wohl echt kein drittes Baby zutraue.

Ein Nervenkostüm wie ein Negligee.

Mein Nervenkostüm, auch so eine Sache. ;) Gerade in Zeiten von Corona und all den damit verbundenen Zusatzbelastungen hat es ETWAS gelitten. Ich will mir da nichts vormachen. Immer öfter liege ich abends neben meinen Kindern im Bett, beobachte ihre Gesichter im Schlaf, wie sich die Mündchen entspannt öffnen oder mir ein Traum-Lächeln schenken … und spüre dann, wie sich die Tränen ihren Weg bahnen. Weil ich so oft das Gefühl habe, diesen beiden kleinen Wundern nicht gerecht zu werden. Ich habe zu viel von allem um die Ohren, ich habe zu wenig Kraft, alles zu schaffen. Ich versuche schon, meine eigenen Ansprüche herunterzuschrauben … und gleichzeitig wird mir in diesen Momenten bewusst, dass ein drittes Kind mich höchstwahrscheinlich ÜBERfordern würde. Andere schaffen das, ich weiß. Ich aber wahrscheinlich nicht. Vielleicht auch doch?! Vielleicht bin ich bloß ein Schisser und ein Pessimist?! Liebe hätte ich auf jeden Fall genug. Nur Kraft eben vielleicht nicht. Und Mut. Nein, ein drittes Kind wird es wahrscheinlich wirklich nicht geben.

Aber warum nur WAHRSCHEINLICH?

Ich bin ganz ehrlich: Mein Herz würde ein drittes Kind durchaus wollen und am liebsten alle vorbehalte vom Tisch fegen. Scheiß auf Ängste, scheiß aufs Alter, scheiß auf Erschöpfung … ich schaffe all das nochmal, WIR schaffen all das. Aber: Mein Verstand sagt nein. Mein Körper sagt nein. Mein Herz hingegen ist einfach immer noch unentschlossen. Egal, welche Argumente ich anführe, um zu unterstreichen, dass die Entscheidung GEGEN ein drittes Kind die richtige ist … mein Herz zuckt die Schultern und sagt: „Ist mir doch egal! Ich nehme noch eins.“ ;)

Spätestens dann klopft die Angst wieder an und ich denke, sie ist es, die den letzten Ausschlag gibt. Jede Geschichte, die ich zum Thema Fehlgeburt selbst geschrieben, von anderen gelesen oder persönlich erzählt bekommen habe, bestärkt mich leider in der Entscheidung, es nicht noch einmal zu wagen. Ich habe zweimal ein Geschenk erhalten, für das mir Ärzte in meiner frühen Kindheit kaum Anlass zur Hoffnung gaben. Ich habe zwei Wunder erlebt. Zwei Wunder, die mein Herz mit Liebe füllen. Ich denke, ich sollte einfach dankbar dafür sein. Jeden Tag. Zu jeder Stunde. AUßER diese Wunder gehen mir gerade ganz hart auf die Nerven, dann gönne ich mir auch mal eine Pause vom Dankbar-sein. ;) Aber grundsätzlich … ist es dieses Gefühl, was überwiegt und was dafür sorgen wird, dass ich irgendwann aufhöre, darüber nachzudenken, ob ein Kind mehr mich glücklicher gemacht hätte. Denn glücklich … bin ich. <3

PS: Wie immer freue ich mich, wenn ihr den Artikel teilt <3

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6 Kommentare für “(K)ein drittes Kind

  1. Hallo ihr Lieben,
    jetzt muss auch ich mich einmal anschließen. Als die Geschichte auf Facebook bei mir auftauchte, habe ich sie gerne gelesen und mich über die Übereinstimmungen gewundert.
    Gleiches Alter, gleicher Wohnort, ähnliche Geschichte, gleiche Gedanken:)…
    Danke dafür und liebe Grüße
    Eva

  2. Danke für diesen wunderbaren Text. Alles daran spricht mir aus der Seele. Wir hatten das große Glück 2 ‘späte Wunder’ geschenkt bekommen zu haben. Kind 1 mit 37, Kind 2 mit 39. Ich habe es geliebt, schwanger zu sein und das neue Leben in mir wachsen zu spüren. Die Vorfreude, die Liebe, alles. Die Angst, dass etwas passiert, war zwar immer mein Begleiter und hat mir oft die Kehle zu geschnürt. Aber Gott sei Dank ist alles gut gegangen. Nun bin ich 42 und ich weiß nicht was ich meinem Körper noch zutrauen kann. Mein Herz würde sich noch ein Kind wünschen, aber würde nochmal alles gut gehen? Hätte ich die Kraft, wenn ich ein Kind mit besonderen Bedürfnissen bekäme? Ist es nicht furchtbar egoistisch gegenüber meinen beiden Wundern? Würde ich das Schicksal herausfordern?

  3. Ich habe mich oft gefragt was passiert wäre, wenn ich kein drittes Kind bekommen hätte. Wir haben 1,5 Jahre überlegt. Mein Mann wollte zuerst nicht. Mich hat der Gedanke aber nicht losgelassen. Und ihn auch nicht. Schließlich haben wir uns dafür entschieden. Ich hatte gerade am Anfang der Schwangerschaft große Angst vor einer Fehlgeburt. Ich musste das nie erleben, zum Glück. Als das Baby kam waren meine Großen 6 und 8 Jahre alt, ich selber 34. Es war alles gut und fühlte sich gut an. Aber als mein Jüngster drei war hat sich mein Mann getrennt. Er begann fremd zu fehen als der Kleine kein Jahr alt war. Es war als wollte er fliehen aus dieser Familie, die alles für mich war. Ich war völlig verzweifelt und habe mich gefragt ob es dieses Kind war, dass unsere Ehe zu sehr belastet hat, so dass sie nicht Stand halten konnte. Ich weiß, dass es nicht daran lag. Ich bereue mein drittes Kind nicht, ich liebe ihn auf eine verrückte Weise fast mehr als die anderen. Weil ich ihn so sehr wollte.
    Wenn ich jetzt noch einmal vor der Entscheidung stehen würde mit dem Wissen von heute hätte ich vielleicht anders entschieden. Ich weiß es nicht. Das Leben ist so seltsam manchmal. Jede Entscheidung ist nie nur gut oder schlecht, richtig oder falsch. Es öffnet sich immer ein neuer Weg ein anderer schließt sich.
    Ich wünsche dir, dass du einen Weg findest der sich für dich und deine Familie stimmig anfühlt.

  4. Dieser Text ist wie von mir geschrieben. Genauso geht es mir auch. Sogar das Alter und der Werdegang ist identisch. Vielleicht sind die Mütter die für ihre Kinder schon so hart kämpfen mussten einfach noch dankbarer für das Leben was sie erschaffen haben und wünschen sich einfach noch das bisschen MEHR. Bei uns ist noch ein Platz frei aber aufgrund der oben genannten Gründe werden wir wohl vom Wunsch Abstand nehmen … müssen. Es ist schön zu lesen dass es noch mehr Frauen so geht.