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Geburtsbericht: Anna L. erzählt von ihrer zweiten Geburt

Als mein Mann und ich im Herbst 2020 heirateten, war uns beiden klar, dass wir sehr schnell auch ein Baby haben wollten. Mit Blick auf unser Hausbauprojekt dachten wir, ein Geburtstermin im Herbst 2021 wäre optimal, da ich nach meiner durchwachsenen ersten Geburt eine Hausgeburt anstrebte. Weil ich nicht damit rechnete, dass es gleich „einschlagen“ könnte, ließ ich sofort die Spirale ziehen. Woher hätte ich auch wissen sollen, dass ich schon im November einen positiven Test in Händen halten würde?  So tüftelten wir lange herum, schlossen uns mit Hebamme und Gynäkologen kurz und trafen dann unsere Entscheidung: Nachdem die gewünschte Hebamme zum Zeitpunkt des Geburtstermins eventuell schon im Urlaub sein würde und daher unsere Betreuung nur mit viel „Bauchweh“ übernehmen wollte, die Vertretung und ich aber so gar nicht warm wurden, sollte es eine Klinikgeburt mit eigener Hebamme werden. Die Hebamme, die ich auswählte, war, wie ich erst viel später feststellte, dieselbe die mich bei meiner ersten Geburt vor der Fahrt in die Uniklinik untersuchte hatte und mit der ich damals ganz und gar nicht konnte. Treppenwitz der Geschichte… Für diesmal hatte ich aber ein gutes Gefühl und so vereinbarten wir im Juni 2021 die ersten Termine zum CTG. Meine Hebamme meinte noch gut gelaunt, ebenso wie mein Gynäkologe, auch dieses Kind würde sicher etwas früher kommen, das sei oft so bei Geschwisterkindern. Haha Pustekuchen :D Ich hatte zwar immer wieder Senk- und Übungswehen, doch kein Geburtsbeginn in Sicht. Ich packte also fröhlich unsere Wohnung in Kartons und debattierte auf der Baustelle mit Arbeitern herum und wartete und wartete und wartete… von wegen auch dieses Kind will früher raus :D Egal was ich machte, Spaziergänge, Massage, Tees, Akkupunktur, … nichts zeigte Wirkung. Bei 39+5 fühlte ich mich wie eine aufgeschwemmte Qualle und beim heißen Juliwetter waren meine Beine zum Platzen voll mit Wasser. Unser älterer Sohn (mein Mann hat ihn als eigenen angenommen) wollte bei den Großeltern übernachten und mein Mann und ich bestellten abends Burger und schauten „Der Babynator“ im TV. Vor dem Schlafengehen wurde ich etwas unruhig und es zog immer wieder im Bauch, ich konnte aber nicht einordnen, ob das „was werden“ würde oder doch wieder nicht. Wir gingen ins Bett, doch schon um etwa 1 Uhr ging ich wieder ins Wohnzimmer und wechselte dort zwischen Couch und Gymnastikball hin und her. Als mein Mann um 4 Uhr aufstand, um in die Arbeit zu fahren, hatte ich meine ersten „richtigen“ Wehen und wusste schon: er würde nirgends mehr hinfahren. Die Wehen waren recht gut zu veratmen und ich fühlte mich sehr wohl. Mein Mann und ich hatten ein paar Regeln vereinbart („Stell mir bitte während der Wehen keine Fragen, ich muss/will mich konzentrieren und kann/will dir nicht antworten.“) und das klappte echt super. Um etwa halb 7 ging ich in der Wohnung auf und ab und stöhnte bei jeder Wehe vor mich hin, was mir selber allerdings noch nicht schlimm vorkam. Mein Mann allerdings war schwer verunsichert und rief die Hebamme an, weil er sich Unterstützung wünschte. Die meinte, er solle mich zum „Wehentest“ in die Badewanne verfrachten, sie würde sich nur schnell anziehen und sich dann auf den Weg zu uns machen. (Ca. 15 – 20 Minuten Fahrt) Als sie ankam – etwa 7 Uhr – war ich schon wieder aus der Badewanne draußen – die Wehen waren da drin richtig brutal und ich fand es nur unangenehm im Wasser – obwohl ich der festen Überzeugung gewesen war, dass ich diesmal eine Wassergeburt möchte. War wohl nix. Ich legte mich aufs Bett und meine Hebamme meinte Muttermund etwa 2 Finger durchlässig. Ich fühlte mich unangenehm an meine erste Geburt erinnert, versuchte aber, weiterhin positiv zu bleiben und mich auf DIESE Geburt zu konzentrieren. Meine Hebamme positionierte mich neu auf dem Bett, denn ihrer Meinung nach tat sich mein Baby schwer, sich richtig in Position zu drehen. Der kleine Wechsel von einer auf die andere Seite wirkte, als ob jemand die Intensität meiner Wehen hochgedreht hätte und ich musste bald richtig laut mittönen. Um ca. 8 Uhr fuhr die Hebamme voraus ins Krankenhaus und wollte alles vorbereiten und mich anmelden, damit ich nur noch zum Kreißsaal kommen musste und riet meinem Mann: „Schau, dass du sie bald zum Aufstehen und ins Auto kriegst.“ Mein Mann verzweifelte mit mir aber fast, denn meine Wehenpausen waren mir heilig und ich wollte absolut nicht mehr aufstehen. Er schlug sich tapfer und schaffte es mich um ca. 8:30 Uhr ins Auto zu verfrachten. Ich tönte und fluchte eine Wehe im Auto weg und als wir beim Krankenhaus ankamen – coronabedingt gibt es dort aktuell nur einen Eingang für alle – tönte ich mich an die Dachreling hängend (ich habe unseren Skoda Superb Kombi tatsächlich ordentlich durchgeschüttelt :D) durch eine weitere Wehe. Es wussten also einfach ALLE: Sie kriegt ein Kind. War mir aber in dem Moment egal. Mein Mann und meine Hebamme brachten mich mit einem Rollstuhl auf die Entbindungsstation. Im Kreißsaal ergab die Untersuchung 8 cm Muttermund und ich war happy. Das würde sich offenbar nicht so ziehen wie beim ersten Kind. Die Wehen wurden allerdings schnell richtig fies und ich maulte zwischen den Wehen nach einer PDA. Meine Hebamme motivierte mich dann aber so, dass ich tatsächlich ohne PDA auskam, öffnete auf meinen Wunsch die Fruchtblase und spritzte mir ein Schmerzmittel, damit ich nochmal Kraft sammeln konnte. Nach 10 Minuten „Pause“ starteten wir in die Pressphase. Ohne PDA spürte ich beim Pressen viel intensiver, wie mein Baby tiefer rutschte und konnte ihm besser helfen. Lustigerweise war ich in dieser Situation absolut sicher, nicht die Austreibung des Babys würde diesen Dehnungsschmerz verursachen, sondern meine Hebamme. Etwa 20 Minuten später war unser zweiter Sohn Gabriel da, mit stolzen 4345 g, 54 cm und 36,5 cm Kopfumfang. Die Geburt hatte im Ganzen nur 6 Stunden gedauert, davon 1,5 Stunden im KH und ich war extrem stolz auf mich. Wir durften sofort kuscheln und – nachdem wir 6 weitere Stunden gewartet hatten – sofort nach Hause gehen. (Ich bin auch bei dieser Geburt wieder unverletzt geblieben, also sah ich für mich keinen Grund im Krankenhaus zu bleiben.) So mussten wir keine coronabedingten Trennungen in Kauf nehmen und unser älterer Sohn konnte noch am selben Tag seinen kleinen Bruder in Empfang nehmen.

Fun Fact am Rande: Unser jüngerer Sohn wurde auf den Tag genau 7,5 Jahre nach unserem ersten Sohn geboren. Außerdem genau am Geburtstag des verstorbenen Urgroßvaters, der eine wichtige Bezugsperson meines Mannes war und dessen Namen wir ihm nicht „zumuten“ wollten.

Diesen spannenden Geburtsbericht hat Anna L. geschrieben :)

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