Geburtsbericht
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Geburtsbericht: Leserin Sarah S. erzählt

Mittlerweile bin ich Mama von vier wunderbaren Kindern.
Bei meiner Ältesten gab es nach der Entbindung Probleme mit dem Bilirubinspiegel und mir wurde gesagt, “das sei schon in Ordnung”.
Ich fühlte mich unwohl und hatte ein komisches Gefühl, aber gesagt habe ich nichts.
‘Die wissen schon, was die tun.’
Und ja, meistens, allermeistens wird es so sein.
Aber nicht in unserem Fall und so landete mein Baby damals mit sehr schlechten Werten auf der Neo-ITS. Kein Vertrauen in mein Bauchgefühl, ich hab mir so lange Vorwürfe gemacht!
Im Laufe der Zeit und mit den anderen beiden Kindern an meiner Seite wurde dieses Thema immer mehr zu einem echten Problem für mich. Als eine Person, die alles zerdenkt und sich über jede Kleinigkeit Sorgen macht, fällt es mir sehr schwer, mir selbst und meinen Gefühlen zu vertrauen. In langer Therapiezeit wurde das besser, aber die leise Stimme in meinem Hinterkopf war noch da: “Lass die das mal entscheiden. Die wissen das besser. Du solltest da nichts zu sagen. Nein, auch nicht, wenn deine Idee gut ist. Ach, komm schon, erst denken, dann fühlen!”

Einen Tag vor der Geburt unseres Nesthäkchens war ich bei meiner Ärztin und alles war im grünen Bereich. Der Kleine lag in Schädellage, also so wie gewünscht. Ich hatte Pläne für die Geburt, wollte es endlich selbstbestimmt und so entspannt wie möglich laufen lassen und unserem Sohn und mir ein schönes Geburtserlebnis ermöglichen.
Bis plötzlich am Samstagabend die Wehen einsetzten. In etwas weniger als zwei Stunden entschieden wir uns dann ins Krankenhaus zu fahren. Angekommen und schon unter Pressdrang ab in den Kreißsaal.
Schon zu Hause kam mir von irgendwoher der Gedanke ‘Kaiserschnitt, etwas stimmt nicht.’
Meine ersten Worte an die Hebamme waren: “Ich brauche eine Vollnarkose und einen Kaiserschnitt. Holt mir einen Anästhesisten, sofort.”
Assistenzärztin und Hebamme waren gleichermaßen verwundert und wollten erstmal in Ruhe gucken.
Und da war er wieder, dieser Gedanke: “Die wissen schon, was sie tun. Die finden dich sicher hysterisch und überängstlich.”

Gleichzeitig und noch viel lauter kam aber mein Bauchgefühl, oder Intuition oder wie auch immer durch und sagte laut und bestimmt: “Ja, Untersuchung ist ok, aber sofort und Sie holen jetzt bitte die Anästhesie und bringen mich in den OP.”

Ich habe gespürt, dass die Anwesenden dachten, ich übertreibe oder sei besonders wehleidig, aber das war mir egal. Ich wiederholte meine Forderung immer wieder.
“Ja, ok. Sie bekommen was Sie wollen.”
So die Ärztin.
Dann endlich die Untersuchung. Ich hatte Presswehen und unglaubliche Schmerzen, aber auch das Gefühl, das Pressen keine Option ist. Ich bekam Panik. Angst um mein Baby. Angst um mich.
“Das ist kein Kopf, fühl du mal!”
Die Ärztin fühlte und sagte:” Nein, das ist kein Kopf. Wehenhemmer, sofort.”

Dann ab in den OP. Not-Sectio. Keine Zeit für gar nichts.
Unser Baby atmete nicht und bekam eine CPAP-Beatmung. Er erlitt einen Pneumothorax und irgendwann setzte dann eine schwerfällige Spontanatmung ein.
Mittlerweile geht es ihm gut und bin so froh und dankbar dafür.

Unsere Komplikation betrifft 0.3 % aller Spontangeburten. Schräg-/Querlage mit Armvorfall. Für viele Frauen und Babies auf dieser Welt bedeutet eine solche Komplikation immer noch den Tod.

Wir hatten Glück, denn es zählt wirklich jede Minute.

Und NEIN! Ich mache niemandem einen Vorwurf. Es ist eine höchstseltene Sache.

Verschiedene Kreißsaalmitarbeiter waren im Anschluss bei mir, um darüber zu sprechen, was und wie ich das gespürt habe und meinten, sie hätten daraus ihre Lehre gezogen. Das finde ich toll!

Warum ich das alles schreibe? Wahrscheinlich zum Teil ein wenig Selbsttherapie.
Jahrelange Verhaltenstherapie hat mir beigebracht, mehr auf mich zu hören und zu sagen, was ich denke und empfinde. Denn leider haben einige Faktoren in meiner Kindheit dazu geführt, dass ich möglichst still und duckmäuserisch durchs Leben gehen wollte.

Zu einem größeren Teil aber, um vielleicht ein oder zwei Menschen da draußen zu erreichen, denen es so ähnlich geht, wie mir. Mamas, Papas…ganz gleich.
Bauchgefühl ist wichtig und man verlernt so schnell, darauf zu hören.
Vertraut euch und euren Empfindungen. Setzt euch durch, wenn es sein muss.
Es ist euer Körper, eure Seele. Ihr kennt euch am Besten und falls nicht, nehmt euch Zeit für euch selbst.

Liebsten Dank an alle, die bis hierhin gelesen haben.
Teilt den Beitrag gerne, ich würde mich freuen.

Diesen sehr spannenden Geburtsbericht hat Sarah geschrieben :)

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