Geburtsbericht
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Geburtsbericht: Leserin Manuela erzählt

An einem Freitag im Jahr 2005 hatte ich um 14.00 Uhr Termin beim Frauenarzt zum CTG (nennt man das so? Der Termin, bei dem die Herztöne des Babys gemessen werden). Ich war schon 10 Tage darüber und musste alle zwei Tage zur Kontrolle.
Ich lag auf der Liege, war an das Gerät angeschlossen und kurz drauf kam der Arzt, war wie immer ganz entspannt und spritze mir etwas. Ich weiß gar nicht mehr was es war, im Nachhinein war`s irgendwas zur Beruhigung. Er teilte mir mit, das ich ins Krankenhaus müsste und daraufhin versuchte ich meinen Mann zu erreichen. Dann ging alles ganz schnell. Der Krankenwagen kam und wir fuhren mit Blaulicht in die Klinik. Hinterher erzählt mir mein Mann, das er dem Krankenwagen hinterherfuhr, aber der ihn irgendwann auf der Autobahn abhängte. Ich bekam davon gar nichts mit. Ich fühlte mich wie in Watte gepackt und machte mir null Sorgen. Zum Glück machte ich mir keine Sorgen.
Im Krankenhaus wurde dann ein Notkaiserschnitt eingeleitet. Jedes mal wenn ich Wehen hatte, wurden die Herztöne von dem Kind langsamer. Und ich hatte nicht mal richtige Wehen. Es fühlte sich eher wie ganz leichte Bauchkrämpfe an. Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn ich richtig starke Wehen bekommen hätte. Es war nämlich höchste Zeit, das das Kind kam, denn das Fruchtwasser war schon gekippt, sie lag in ihren eigenen Fäkalien und die Nabelschnur war auch um den Hals gewickelt.
Ich bekam eine Vollnarkose und das Kind wurde geboren. Als ich wach wurde wusste ich im ersten Moment gar nicht was los war und als man mir das Kind später gab, ich war auf dem  Stationszimmer, dachte ich mir nur, okay, wer sagt mir jetzt das das mein Kind ist? Woher soll ich das wissen?
Natürlich war es mein Kind. Es gab an diesem Tag, zu dieser Stunde nur eine Geburt und mein Mann hat unsere Tochter gleich in den Arm gelegt bekommen als ihre Untersuchung fertig war.
Ich wusste es nicht. Ich kam mit Kind im Bauch in das Krankenhaus und erwachte ohne Kind in meinem Bauch. Das dazwischen fehlt mir. Egal ob jetzt eine natürliche Geburt oder mit Teilnarkose, man ist ja irgendwie mit dabei und bekommt es mit wie das Kind kommt bzw. geholt wird.
Ich bekam gar nichts mit und das war auch mein Problem. Ich hatte keine Gefühle für meine Tochter. Ich weiß nicht ob in der selben Nacht oder eine Nacht später, da hat meine Tochter einige Stunden am Stück geschlafen und ich war das erste Mal Stolz auf sie und hatte endlich ein Gefühl für sie.
Im Nachhinein denke ich, das die Beziehung zwischen mir und meiner Tochter immer noch dadurch einen „Knacks“ hat. Ich liebe sie sehr, ich würde mein Leben für sie geben und wir haben auch ein sehr gutes Verhältnis, allerdings konnte ich mich gefühlsmäßig nie komplett auf sie einlassen. In mir ist immer noch ein kleiner Rest an Distanz. Das Verhältnis zwischen meinem Mann und ihr ist so, wie ich es mir immer gewünscht hatte, distanzlos.
Das schlimme ist, ich habe das hier noch nie jemandem erzählt, nicht einmal meinem Mann, wobei ich mir sicher bin, er weiß es. Ich schäme mich auch dafür und hatte, gerade als sie Baby und Kindergartenkind war sehr darunter gelitten.
Wir hatten auch ganz viel Glück, was diese CTG Untersuchungen (mir fällt der richtige Name dafür nicht mehr ein, heißt es Wehenschreiber?) anging. Wären ich einen Tag vorher gewesen und dann erst wieder am übernächsten Tag hätte meine Tochter es nicht überlebt, da bin ich überzeugt von. Da waren mein Mann und ich uns auch einig, wenn wir das vorher gewusst hätten, wäre ich jeden Tag den ich über dem Geburtstermin war, zur Untersuchung gegangen und hätte die Kosten, die die Krankenkasse nicht zahlt, selbst übernommen und nicht jeden Zweiten.

Diesen schönen Geburtsbericht hat Manuela geschrieben :)

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