Geburtsbericht
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Geburtsbericht: Kathi erzählt

Wie sehr haben wir uns unser zweites Kind, unser erstes gemeinsames Kind, gewünscht. So sehr, dass wir auch den Umweg über eine Kinderwunschklinik in Kauf genommen haben. Immer wieder Frust, Trauer, Enttäuschung… Ja und auch auf meiner Seite Neid auf all die schwangeren Mädels…. Aber der Tag war endlich da. Eher, um meiner Freundin zu beweisen, dass ich eben NICHT schwanger bin, habe ich den Test gemacht, auf dem mir gefühlt beim Pipi machen bereits die lang ersehnten zwei Striche entgegen prangten.
In unfassbar glücklicher aber gleichzeitig immer wieder latenter pessimistischer Stimmung, dass ganz bestimmt noch was schief geht, vergingen die Wochen der Schwangerschaft.
Mein erstes Kind, ein Sohn war ein Frühchen. Ich hatte bereits muttermundsverändernde Wehen ab der 24. Schwangerschaftswoche und zum krönenden Abschluss der ohnehin durch fehlenden Beistand des leiblichen Vaters schwierigen Schwangerschaft, in der 35. Schwangerschaftswoche holte mich das HELLP Syndrom ein mit akut drohenden Leberversagen.
Entsprechend unentspannt waren dann auch die letzten Wochen der zweiten Schwangerschaft. Leichte Wehen auf dem CTG auch wieder recht früh in der 27. SSW. Auf Anraten der Gynäkologin habe ich viel gelegen,  Magnesium zugeführt….
Dies habe ich wohl recht erfolgreich gemacht, denn Bauchprinzessin fand es dann wohl sehr gemütlich in Mamas Bauch. Es kam der Tag der Tage. Der 24.08.2018. Stichtag. ET. UND ER VERGING. Nichts, keine Wehe, nichts. Ich, hormongeplagtes Wrack, wollte doch einfach nur noch diese riesige Kugel loswerden. Die Zehen aus den Rippen haben. Und außerdem schwang wie ein drohendes Schwert der 29.08. über mir. Der Geburtstag meines Sohnes. Er soll doch bitte nicht um seinen Tag beraubt werden!
Nun musste ich täglich zur Gynäkologin. Das CTG war vergleichsweise ruhig. Muttermund unverändert bei etwa 2 cm. Diese Eröffnung war allerdings bereits vor etwa 2 Wochen eingetreten. Warten.
28.08.2018. Wieder Termin bei der Gynäkologin. Ich hatte sowas von die Faxen dicke, Nerven lagen blank. Ziellinie ET war doch erreicht, warum habe ich mein Baby immer noch nicht auf dem Arm? Beim CTG leichte Wehen, aber auch gleichzeitige Absenkung der Herztöne meiner Tochter. Das gefiel der Gynäkologin nicht mehr und so bekam ich die Einweisung ins Krankenhaus zum Einleiten.
So beschwert und voller Sorgen überhaupt Schwanger werden und Schwanger bleiben bei uns war, so entspannt bin ich in die Geburt gegangen. Mein Mann war eher der entspannte Part in der Schwangerschaft gewesen, aber nun war er der Flatterhans. Er versuchte, seine Unsicherheit so gut es ging zu verbergen, aber er bat mich, dass meine Mutter zur Geburt dazu kommen soll,  als Rückhand, wenn es ihm zuviel wird. Man muss dazu sagen, dass von Tag 1 ich immer kommuniziert habe, dass ich ambulant entbinden möchte. Meine erste Schwangerschaft war zwar bereits 7 Jahre her, aber ich fühlte mich immer noch sicher in der Verpflegung solch eines Würmchens und außerdem habe ich in der ersten Schwangerschaft genug im Krankenhaus gelegen, um dagegen eine kräftige Abneigung zu entwickeln.
Nun fuhren wir also ins nahe gelegene Krankenhaus. Aber nicht ohne Einkehr in die kulinarischen Hochgenüsse eines Fastfood Restaurants. Meine Sorge, wieder in einem Kreißsaal von der Essensverpflegung abgeschnitten zu sein, war zu groß. Gegen 13 Uhr kamen wir also im Krankenhaus an. Ich war die einzige im Kreißsaal. Die Hebamme schrieb eine halbe Stunde CTG und nahm anschließend bereits eine Eipollösung vor. Das CTG war zu Beginn völlig in Ordnung. Sie meinte daher, dass wir am nächsten Tag in aller Ruhe einleiten werden. Da stiegen mir bereits die Tränen in die Augen. Mit aller Macht genau auf dem Geburtstag von dem Großen? Was bin ich nur für eine Mutter? Ihm seinen Tag nehmen? Und dann bin ich noch nicht mal an seinem 7. Geburtstag zuhause und auch sein Herzpapa nicht?  Diese psychische Talfahrt muss wohl die kleine Schwester im Bauch gespürt haben. Plötzlich sanken die Herztöne wieder zu jeder, jetzt etwas kräftiger werdende Wehe. Der Belegfrauenarzt wurde kontaktiert,  dieser kam etwa eine Viertelstunde später. Er bat mich auf den Geburtsstuhl zur Untersuchung,  warf meinem Mann ein Blinzeln zu und meinte dann zu mir, dass ich pünktlich zum Geburtstag meines Sohnes zuhause sein werde. Er sprengte die Fruchtblase und schloss am Schädel meiner Tochter eine Nadel zur Überwachung an. Mit Sprengung der Fruchtblase spürte ich direkt eine Veränderung der Wehen. Ich muss sagen, dass mein Bewusstsein unter der Geburt eingetrübt und eher wie in einer anderen Welt unter Schmerzen ist. Ich habe einen wunderbaren Satz in einem Buch gelesen, den ich in beiden Geburten umsetzen konnte: Begrüße jede Wehe, mit jeder Wehe kommst du deinem Kind näher. Und so war es wieder. Ich habe nicht gegen die Wehe angekämpft sondern bin mit ihr gegangen. Habe sie angenommen. Und diese Wehen in dieser Geburt waren gut anzunehmen. Beim ersten Kind waren sie brutal. Ich habe dort heftige Wehentropfen und Cytotec erhalten. Ein Wehensturm auf den anderen prasselte auf mich ein. Einmal atmen, nächste wehe. Dieses Mal war es anders. Ich konnte mich auch mal kurz unterhalten. Sie waren nicht ermüdend. Sogar ein tolles Rezept für ein Zwetschgenkuchen habe ich von der Hebamme während der Geburt erhalten. Die Wehen an sich waren auch ein völliger Unterschied zu den in der ersten Geburt erlebten. Bei der ersten Geburt habe ich die Wehen sehr schmerzhaft erlebt und habe nur noch weinen können. Ich konnte die Wehen damals zwar auch dank des Leitsatzes annehmen, hatte aber immer wieder das Gefühl, die Geburt nicht überleben zu können.
Die Wehen bei meiner zweiten Geburt waren ehrlich gesagt kaum als “weh” zu bezeichnen gewesen. Ich hatte lediglich das Gefühl, dass in meiner Scheide ein Luftballon aufgepustet wird. Das wars. Die Geburt schreitete auch so gut voran, dass meine von meinem Mann verständigte Mutter nur die letzten Minuten der Geburt miterlebt hat. Die ersten Sekunden auf der Welt hat unsere Diva allerdings für einen Schreck bei meinem Mann, meiner Mutter und mir gesorgt. Sie schrie nicht direkt, sondern benötigte dafür einen Moment. Aber vielleicht war das einfach nur da schon ihr Charakter, sie ist bis heute eine maximal entspannte Persönlichkeit und trägt bei uns den Spitznamen Dornröschen.
Nach nur 1 Stunde und 50 Minuten nach Ankunft im Kreißsaal hatten wir unsere Pauline im Arm. Ich hatte dieses wunderschöne Wesen auf meiner Brust. Ich habe ihren Duft eingezogen und habe ihr immer wieder gesagt, dass ich sie liebe und sie bei uns angekommen ist. Wahnsinn, nach all der Zeit des Kinderwunsches diesen kleinen warmen, hilflosen Menschen auf dem Arm zu haben. Wir sind dann zu viert aufs Zimmer gegangen und ich habe mich frisch gemacht. Wir haben Pauline ihre Sachen angezogen und sind dann, strahlend wie die Honigkuchenpferde mit dem Auto nach Hause gefahren. Selbst meinen Zugang haben wir alle vergessen, noch ziehen zu lassen. Und so waren wir 20.30 Uhr zuhause. Und mein Sohn hatte immer noch seinen eigenen Tag und am nächsten Morgen sein, wie er bis heute sagt,  schönstes Geburtstagsgeschenk aller Zeiten: seine kleine Schwester.
Diesen spannenden Geburtsbericht hat Kathi geschrieben :)
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