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Das Schlaf-Dilemma

Nach drei Jahren an der Mutti-Front kann ich eines mit Bestimmtheit sagen: Der Job als Mami ist einer der tollsten, aber eben auch wirklich einer der härtesten, die man sich so ans Bein binden kann. Und das einzige, was tatsächlich hilft – mir zumindest – mit den ganzen Verrücktheiten, Krien und Stresssituationen, die zum ganz normalen Alltag mit Kind gehören, fertig zu werden, ist … herzhaftes (zuweilen eventuell auch leicht hysterisches ;) ) LACHEN.
Komplett bis zum Hals eingeschissene Babys, endloses und schier allumfassendes durchs Krabbelkind verursachtes Chaos, unvorstellbare Matsch-Exzesse des Nachwuchses mit ursprünglich liebevoll zubereitetem Essen, wahrhaft unterirdische Schimpfworte hervorgebracht aus kleinen Zuckerschnuten, Trotzanfälle von 2- bis 3-jährigen auf offener Straße – natürlich unter den abwertend blickenden Augen unzähliger Passanten … ja, sogar tagelange Kotzerei ausgelöst durch den gefühlt 1.000sten Magen-Darm-Infekt während der Kita-Zeit lässt die meisten gestandenen Müttern (irgendwann) haltlos kichern und gackern. Erstens, weil es einfach anders gar nicht gehen würde. Und zweitens, weil wir Mamis im Laufe der Zeit echt beinharte Kämpfernaturen werden – und da durchaus stolz drauf sein können!!! Nur ein Thema scheint davon ausgenommen. Es ist das unangefochtene HEIßE EISEN in der Mutti-Dimension: Schlafen.

Eigentlich ist das auch gar nicht so erstaunlich. Schlafentzug gilt schließlich nicht umsonst als eine der übelsten und effektivsten Foltermethoden, um selbst die fiesesten Schurken zu brechen. Das soll natürlich nicht heißen, dass Babys und Kinder ihre Eltern aus böser Absicht quälen … aber es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass man – trotz aller Liebe zu den kleinen Würmchen – irgendwann im Laufe der unzähligen, durchwachten und -weinten Nächte mal ganz kurz darüber nachdenkt, ob es sich bei dem brüllenden 60-90 cm großen Hosenscheißer nicht vielleicht DOCH um einen feindlich gesinnten Agenten handelt, der 00Mutti höchst effektiv um den Verstand bringen will. Das ist ganz normal. Denke ich. HOFFE ICH! ;)

Grundsätzlich sei gesagt: Ich persönlich finde jede Familienschlafsituation, die funktioniert, absolut super … für die jeweilige Familie! Das Problem ist nur, dass es so wahnsinnig viel schwieriger ist, die für die eigene Familie tatsächlich passende Lösung zu finden, als ich ursprünglich dachte – soweit man denn nicht das Glück hatte, eines von diesen sagenumwobenen Durchschlaf-Babys geliefert bekommen zu haben.

Klar, sobald man irgendwo auch nur vorsichtig durchblicken lässt, dass Zwergnase eventuell NICHT schläft „wie ein Baby“ (wer hat nur diese Beschreibung für GUTEN Schlaf erfunden???), sondern auch noch nach den ersten acht Lebenswochen die Nacht zum Tag macht, stundenlang rumkräht, einfach wach bleibt und schon gar nicht ALLEINE einschlafen mag, finden sich im Handumdrehen Himalaya-hohe Berge an Müttern, Schwiegermüttern, Pädagogen, selbsternannte Schlafexperten und – wie immer mein Favorit – eigentlich völlig unwissenden, kinderlosen Nervsäcken, die meinen, dass sie die Weisheit in Sachen Baby- und Kinder-Schlaf mit Suppenlöffeln gefressen haben und deshalb müden Eltern mit ihren zum Teil grotesken Ratschlägen, Buchempfehlungen aus dem letzten Jahrtausend und „wissenschaftlich bewiesenen“ Tipps auch noch den allerletzten Nerv rauben dürfen. Hilft aber leider (fast) niemandem. Mir jedenfalls nicht. Im Gegenteil. Ich habe mich nach solchen Tipp-Tsunamis immer noch mieser gefühlt … als Versager-Mami nämlich, die ihr Kind einfach nicht zum „normal“ (ein-)schlafen bringen kann. Dabei hatte ich mir das alles so einfach vorgestellt – oder zumindest nicht GANZ so grässlich und vor allem nicht GANZ so langwierig!

Meine Vorstellung (vor der Geburt der kleinen Madam):

Natürlich bin ich nicht völlig naiv an das Thema Schlafen heran gegangen. Mir war durchaus auch schon vor der Geburt der Mausemaus bewusst, dass die „erste“ Zeit unangenehm für mich Murmeltier werden könnte. Mir war (und ist) Schlaf schon immer heilig. Und unausgeschlafen war (bin) ich leider – ebenfalls schon immer – nicht direkt ein Hochgenuss für mein soziales Umfeld. So war auch genau DAS meine größte Sorge in Sachen Mutterschaft: Würde ich genug Schlaf bekommen? Und wenn nicht: Würde meine Ehe das überleben??? ;)
Doch obwohl ich wusste, dass hier eventuell ein mini-kleines Problemchen auf mich zukommen könnte, schmiedete ich diese ganz klassischen Pläne für die Nacht-Situation mit Kind (logisch eigentlich … muss man als werdende Mutter auch … übertriebene Panik hilft schließlich auch nicht oder sorgt für besseren Babyschlaf). Da ich stillen würde (so alle 3-4 Stunden maximal, dachte ich :D ), sollte die Mausemaus zumindest die erste Zeit bei uns im Zimmer schlafen, damit ich nicht aufstehen müsste, um sie zu füttern. Allerdings sah mein Plan vor, dass das Baby in ihrem eigenen Babybay schlafen würde (dafür hat man so etwas schließlich), damit ich meine Bewegungsfreiheit im Bett behalten dürfte. Nach dem Abstillen – also spätestens mit 12 Monaten – würde es für die kleine Madam heißen: Ausziehen ins eigene Zimmer und damit Willkommen zurück Eltern-Schlafzimmer. So der Plan (ach, ich liebe Pläne ja sehr ;) ).

Die Realität:

Schon im Krankenhaus … so ungefähr 2 Stunden nach der Geburt … erklärte mir die Mausemaus, dass sie diese Babybay-Bettchen albern fände und lieber auf oder wenigstens an der Mama schliefe. Ok, dachte ich, dass kriegen wir noch in den Griff. Haben wir auch. NACH SIEBEN MONATEN!!!! Vorher gab es keine Chance, dass das Kind ohne direkten Körperkontakt schlief. NULL! Zudem fand sie es über viele Wochen hinweg völlig ok, alle 30 Minuten aufzuwachen, um gestillt zu werden. Nur nachts, versteht sich. Tagsüber schlief sie durchaus mal etwas länger. Vorausgesetzt, ich trug sie im Tragetuch oder schob sie 10 Kilometer im Kinderwagen durch die Pampa. Ablegen? UNMÖGLICH! Den Kinderwagen mal parken, damit Mutti etwas verschnaufen kann? AUF GAR KEINEN FALL! Das Gute an diesem Prinzip: Ich verlor meine ganzen 28 Schwangerschaftskilos in nur 5 Monaten (positiv denken … boah, das liegt mir ;) ).
Mit sieben Monaten änderte die kleine Madam ihr Schlafverhalten aber. Sie schlief plötzlich in ihrem eigenen Bett – das aber natürlich neben meinem stehen musste – und wurde nur noch zweimal wach. Der Clou jedoch: Sie blieb dann wach. Bis zu DREI STUNDEN!!! Und diese Art des zauberhaften Schlafens behielt sie bei, bis sie so ungefähr zweieinhalb JAHRE alt war. Ob mich das wahnsinnig gemacht hat? Oh ja! Ob ich oftmals heulend mein Kind angefleht habe, mich doch bitte nicht mehr so zu drangsalieren? Aber klar doch! Ob ich jeden noch so erdenklichen Tipp ausprobiert habe, den ich irgendwo gelesen oder unter die Nase gerieben bekommen habe? Joa, fast alle. Einige, die meines Erachtens in unserer heutigen Zeit wirklich nichts mehr zu suchen haben, die Gesundheit oder Psyche meines Kindes gefährdeten ODER mich noch mehr gestresst hätten, als der Ist-Zustand, ignorierte ich allerdings. Stattdessen klammerte ich mich an das, was meine Hebamme mir sagte: „Baby-Schlaf ist eine Katastrophe. Versuch das zu akzeptieren. Und übe dich in Geduld.“ Ich versuchte also irgendwann loszulassen … nicht mehr auf andere zu hören … und nichts mehr an meinem Kind auszuprobieren. Ich wartete einfach stoisch darauf, dass es besser wurde. Und um auch die kleinsten, in die richtige Richtung deutenden Veränderungen wahrzunehmen, führte ich ein Schlaf-Tagebuch. Mittlerweile verfüge ich somit über ca. 30 Monate Baby-Schlaf-Aufzeichnungen. Halleluja! Schenk ich dem Kind dann zur Geburt IHRES ersten Kindes :D .

Heute:

Ganz ehrlich? Ich scheiße auf alle Empfehlungen, Tipps und bestens erprobte Schlaf-Lösungen. Das einzige, was mich heute noch interessiert, ist (und das gilt für meine Mausemaus genauso wie für das bisher ungeborene Krümelchen): Hauptsache, alle können bei uns schlafen. WIE ist mir wurscht. WO ist mir noch wurschter. Würde eines meiner Kinder am allerbesten in der Badewanne pennen … dann würde ich es jeden Abend liebevoll dort zur Ruhe betten. Ohne mit der Wimper zu zucken oder mich mies zu fühlen.
Auch der Umstand, dass die kleine Madam IMMERNOCH NICHT alleine einschlafen kann – mit fast 3 Jahren! – juckt mich erstaunlich wenig. Genauso wenig stört es mich ernsthaft, dass sie bisher nur den Mittagsschlaf in ihrem „großen“ Bett im Kinderzimmer macht, nachts aber lieber noch neben der Mama liegen mag. Vielleicht ändert sich das ganz automatisch, wenn das Krümelchen auf der Welt ist und sich als ebenso bescheidener Schläfer wie die Schwester entpuppt. Möglicherweise entscheidet die Mausemaus dann, dass sie das ständige geweckt werden und Gebrüll nervt und zieht ganz von sich aus um in ihr eigenes Reich … so wie sie ganz von sich aus damit begonnen hat, dort ihr tägliches Power-Napping nach der Kita einzulegen. Ich bin es leid, sie zu etwas zu zwingen, was sie nicht will oder kann – und was auch gar nicht unbedingt notwendig ist. Es geht ja auch so! Es gibt sogar Vorteile! Ich muss nachts nicht x-mal ins Kinderzimmer tapern, um sie zu beruhigen, zu streicheln oder wieder zuzudecken. Und sie fühlt sich sicher und geborgen, weil sie Mamas und Papas Atem hört. Bei uns funktioniert aktuell DAS am besten. Warum sollte ich das also jetzt ändern? Nur weil mir (tatsächlich immernoch) ständig Leute sagen: „Sie ist jetzt schon so groß. Sie muss langsam lernen, alleine einzuschlafen. Du musst sie ausquartieren!“ Nö, MUSS sie nicht. Und ich MUSS auch nicht. Einziges MUSS ist, einen Weg zu finden, wie wir alle – Papa, Mama, Kind 1 und bald Kind 2 – zu ausreichend Schlaf kommen, um uns nicht gegenseitig an die Gurgel zu gehen. Welcher Weg das ist, hängt ausschließlich von uns vieren ab.
So ist das eben mit den individuellen Lösungen für individuelle (Schlaf-)Situationen … sie sind individuell ;) . Ganz besonders, wenn es ums Thema Schlafen geht.

Und jetzt hoffe ich einfach inständig, dass mir diese Erkenntnis nicht unter der Geburt von Kind Nummer 2 flöten geht … und flehe gleichzeitig das Baby in meinem Bauch an, ein anderes, ein besseres Schlafverhalten als die Schwester an den Tag zu legen. BITTE!!! Sonst … ja, sonst … packe ich eben mein Mantra wieder aus: Baby-Schlaf ist eine Katastrophe. Ich akzeptiere das ;) .

Dieser Text ist ebenfalls erschienen auf eltern.de.

14 thoughts on “Das Schlaf-Dilemma

  1. Hallo!
    Meine Tochter war auch ein furchtbarer Schläfer. Ich habe auch mal ein Schlafprotokoll geführt, als sie 5 Monate alt war – heute frage ich mich, wie ich das nur überleben konnte! Irgendwann konnte ich im Sitzen schlafen, mit nuckelndem Baby an der Brust… Nach dem Abstillen (mit 18 Monaten) wurde es besser. Sie schlief bis zu diesem Sommer bei mir im Bett. Mein Mann schlief im Gästebett.
    Mein Sohn dagegen: ein Traum!!! Von Anfang an im eigenen Bett. Erst im Beistellbett, dann im Kleinkindbett. Und der pennt! Als klitzekleines Baby schlief er schon 3-4h am Stück! Wenn er krank ist, kommt er zu Mama – sobald es ihm ein wenig besser geht, will er in sein Bett. Komplett anders als meine große Motte.

    Sie sind beide im Sommer ins Kinderzimmer ausgezogen. Jeder in seinem Bett. Sie sind jetzt vier und zwei. Die ersten zwei Nächte war meine Maus unruhig, mittlerweile schlafen beide sehr gut.

    Ganz ehrlich? Die ersten beiden Nächte hat mir das Kuscheln mit der Maus sehr gefehlt.
    Aber dafür durfte mein Mann wieder einziehen. Das war erst mal eine Umstellung (Hilfe, er schnarcht immer wieder!), aber auch wunderschön.

    Was ich sagen will: es wird. Was wurden wir schief angeschaut, was wurde kommentiert. Egal. Wir haben alle sehr gut geschlafen. Und tun es auch jetzt.

    Ich wünsche dir von Herzen, dass Nr 2 ein ebenso guter Schläfer wird wie mein Sohn. Man reibt sich echt die Augen und denkt “So kann das auch gehen?!?”

  2. Unsere Kleine Maus schläft auch von Anfang an bei uns, weil sie ihr eigenes Bett irgendwie zu groß fand. Trotz vielen Versuchen es ihr dort gemütlich zu machen, war es ihr nicht genehm. Sie schläft schon seit dem Krankenhaus lieber bei mir. Meine Maus lässt uns durch schlafen, aber nur wenn sie bei Mama ist. Das nehme ich aber gerne in Kauf. Inzwischen schläft sie ein und dann schnappe ich mir das Babyphone und kann dann noch ein bisschen Zeit auf der Couch verbringen. Viele haben mir gesagt du wirst sie nie dazu bringen irgendwann das Zimmer zu wechseln, aber sollen die mal machen wie sie wollen. Nur der Papa wird ausquartiert wenn er schnarcht oder ich wandere aus ins Gästebett.

  3. Also, ich habe mir auch Gedanken gemacht, wie es mit dem Schlafen wird, wenn Nr. 2 da ist. Denn meine Kleine (26 Monate) schläft zwar den ersten Teil der Nacht in ihrem Bett, kommt aber im Laufe der Nacht zu uns ins Bett.
    Seit knapp drei Wochen ist nun das Baby da. Es schläft teilweise im Beistellbett, teilweise auf mir.
    Die erste Nacht zu Hause war Horror, weil mein Mann da versucht hat, mit der kleinen Großen im Nebenraum zu pennen. Sie wollte aber zu Mamaaaaa und auch nicht im Gästebett liegen. In dieser Nacht hat keiner von uns wirklich geschlafen…
    Seitdem kommt sie nachts wieder zu uns in die “Besucherritze”. Und sie lässt sich – anders als befürchtet – auch kaum stören von nächtlichem Babygemotze, Stillen, Windelwechseln… Hauptsache, sie liegt bei uns im Bett und die Mama ist greifbar (wortwörtlich!)
    Das nur als kleiner Erfahrungsbericht von einer frischgebackenen Zweifachmama.

  4. Ja, ich wurde von meiner besten Freundin jedesmal ganz schief angeguckt. Bei “Erstmal schläft das Baby in unserem Zimmer.” (“DAS würd ich mir ja sehr gut überlegen”, war die Response). Bis zu “Zurzeit schläft das Kind zwischen uns”, da kriegte ich nur noch Schweigen und einen Blick.
    What the heck! Wir schlafen ALLE gut. Und mal gucken, wie es wird, wenn unsere No 2 in ein paar Wochen dazukommt.
    Eine Bekannte (Sozialpädag.) sagte über ihre beiden schulpflichtigen Zwerge, dass das immer wieder passieren wird. Ich lass mir auch nix mehr vorschreiben/mich belehren.
    Für uns muss es funktionieren, basta!

  5. Ach was hab ich grade vor mich hin gegluckst… Musste aufpassen das ich den kleinen Mann (8 Monate) nicht wecke, da er selbst seine Nickerchen nur an bzw. auf Mutti macht.
    Ich kenne diese Ratschläge nur zu gut… Inzwischen spreche ich einfach gar nicht mehr über das Thema Schlaf. Wenn mich jemand frägt, bekommt er nur ein kurzes “klappt super” zu hören.

  6. Sehr lustig…Ich habe gerade Tränen gelacht…(ob vor Freude oder Weinen weiß ich noch nicht) Unser Mini-Menschen-Kind ist inzwischen 7 Monate alt und eine ähnlich schlechte Schläferin wie deine Mausemaus… :) Du machst mir viel Hoffnung,dass es besser wird ;)
    Aber auch wir haben inzwischen recht viel ausprobiert…Ich teste nix mehr…Und wenn der Schnarchsack mal wieder rumheult,dass ER!!!zu wenig Schlaf bekommt,dann darf er liebend gern auf die Couch ausziehen…
    Mein Mandra ist übrigens:”Das wird schon…Irgendwann wird sie schlafen… :)”

      1. Und Rache ist süß…. ;) Ich kann inzwischen alle Mamas verstehen,die vor den Zimmern der Kinder staubsaugen… So früh um 7 Uhr…Am besten nach der ersten durchzechten Partynacht…. Hihi…Was wird das schön…

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