das erste Jahr
Rabenmutter 2.0

Das erste Jahr … das erste Jahr als Eltern.

Manchmal begegne ich ihnen. Also ich begegne ihnen natürlich oft, aber ich meine bewusst. Ich laufe nicht an ihnen vorbei, sondern ich sehe sie so richtig. Die jungen, eigentlich immer noch „frischgebackenen“ Eltern, deren Kinder noch ganz mini, weit unter einem Jahr alt sind. Ich sehe sie zum Beispiel, während wir alle einer Ampel stehen; sie mit einem Kinderwagen vor sich oder dem Baby in der Trage, ich auf dem Lastenrad sitzend, in dem meine beiden gerade lauthals singen … oder streiten. ;) Wenn ich dann so meinen Blick schweifen lasse, weil ich genau weiß, diese Ampel braucht länger, bleibe ich an ihnen hängen und beobachte sie ein wenig – verstohlen und lächelnd. Und ich erinnere mich, an das erste Jahr als Eltern.

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Gar nicht so leicht, das erste Jahr als Eltern

Man sieht eigentlich noch, wie sie waren, bevor sie Kinder hatten. Wie nah sie sich waren als Paar. Und das sieht man, obwohl sie jetzt gerade mit einem halben Meter Abstand zueinander an der Ampel stehen, mit tiefen Ringen unter den Augen, mit hängenden Schultern und oft auch mit hängenden Mundwinkeln. Man sieht so deutlich, wie wahnsinnig müde sie sind. Und dass sie sich wahrscheinlich eben schon wieder wegen irgendeiner Kleinigkeit gestritten haben und deshalb jetzt nicht wissen, wie sie miteinander sprechen sollen.
Außerdem schläft das Baby endlich im Kinderwagen. Endlich!!! Und sie wollen es auf keinen Fall damit wecken, dass sie sich auch noch hier draußen ankeifen.

Man sieht, dass sie es sich anders vorgestellt haben, diese Sache mit der Elternschaft, mit diesem „Baby-Glück“. Wie wir alle – wir Eltern – träumten sie früher einfach davon, plötzlich zu dritt wahnsinnig glücklich zu sein. Und das natürlich rund um die Uhr. Denn das Baby, das hatten sie sich so sehr gewünscht. Aus ganzem Herzen. Es sollte die Krönung ihrer Liebe sein. Es sollte sie erfüllen. SO hatten sie es sich vorgestellt. Oder aber auch anders?! Dass dieses Kind sich irgendwie einfach einfügen würde in ihr wunderbares Leben als Paar, es nur noch ein bisschen besser oder aufregender oder kompletter machen würde. Vielleicht hatten sie es sich auch SO vorgestellt. Aber jetzt? Jetzt schreit diese Krönung der Liebe seit Wochen und Monaten die ganze Nacht und hält sie beide oder zumindest immer einen von ihnen wach, raubt ihnen den letzten Nerv, sorgt dafür, dass sie sich als Paar ständig wegen Kleinigkeiten in die Haare bekommen, hauptsächlich weil sie so wahnsinnig erschöpft sind. Erschöpft und überrascht davon, dass dieser winzig-kleine Wurm, den sie mehr lieben als sie es je für möglich gehalten hätten, alles auf den Kopf gestellt hat. Aber wirklich ALLES! Nicht nur den (all-)täglichen Ablauf, die Prioritäten, die Einstellung zur Elternschaft und pädagogischer Maßstäbe, die vorher doch eigentlich schon feststand, sondern – viel krasser – auch sie selbst. So ganz tief im Inneren. So vieles ist plötzlich nicht mehr wichtig, anderes aber ganz arg. Vieles sieht aus dieser neuen Perspektive so gänzlich anders aus, als gedacht … und fühlt sich auch anders an. Damit muss man erst mal klarkommen. Mit diesem neuen Ich, den neuen Bedürfnissen und persönlichen Sichtweisen. Und auch mit denen des Partners, dem neuen Mama- oder Papa-Ich, dass möglicherweise schlicht NICHTS mehr mit dem zu tun hat, womit man vorher rechnete. Als hätten diese neuen Eltern sowas wie Kostüme derer an, die sie früher einmal waren. Wie in Man in Black … das Edgar-Kostüm. ;)

Diese kleinen Menschen sind fertiger, als man denkt … und machen ganz schön fertig ;)

Und dann ist da ja noch das Baby, dieser kleine Mensch, den man auch erst einmal kennen lernen muss. Von wegen, Kinder kommen als leere Vase auf die Welt, die von den Eltern gefüllt werden möchte. Wer hat sich denn das ausgedacht? STIMMT JA GAR NICHT! Selbst die Winzlinge haben schon starke Charaktere und Bedürfnisse und Eigenarten, die man verdammt noch mal in keinem der „Babys erstes Jahr-Reiseführer“ vorab mitgeteilt bekommen hat! Gefühlt steht man die meiste Zeit wie „ein Ochs vorm Berg“ und fragt sich, was es denn nun schon wieder hat, dieses so niedlich aussehende Geschöpf, das aber leider ständig brüllt als würde man es lebendig häuten? Oder warum denn nichts, von dem was man vorher gelesen, gehört oder als „beste Lösung aller Zeiten“ geschworen bekommen hat, nun im „Ernstfall“ funktioniert? Warum schläft das Baby denn nicht, obwohl man doch jeden Tipp beherzigt? Warum tut stillen so verkackt weh, obwohl Mutter Natur die Brüste doch ANGEBLICH genau dafür gemacht hat? Warum kann der Partner nicht mal IRGENDWAS alleine oder richtig oder wenigstens SO machen, wie man es ihm gesagt hat? WARUM ZUM TEUFEL IST DIESE GANZE NUMMER DENN SO ANSTRENGEND, obwohl sie doch die Krönung der Liebe sein sollte???

Ohhhh, ich erinnere mich so gut an dieses Gefühl der Frustration, wenn ich in die Gesichter der jungen, so müden Eltern blicke, wie sie da an der Ampel stehen und warten. Darauf, dass die Ampel auf Grün springt … und darauf, dass diese ganze Eltern-Baby-Sache endlich einfach wird.

Ich bin nicht gemein, ich bin nur schon ein paar Schrittchen weiter

Diese Momente, in denen ich diese jungen Eltern sehe, genieße ich sehr. Nicht weil ich ein gemeiner Mensch bin, der andere gerne leiden sieht, sondern weil ich heute lächelnd und voller Liebe auf diese Zeit zurückblicke.

Denn so verrückt es heute klingt: RÜCKBLICKEND war vor allem das erste Jahr als Mama eines der besten Jahre meines Lebens. OBWOHL wir als Paar bzw. frisch gebackene Eltern viel gestritten haben. OBWOHL ich so gut wie gar nicht geschlafen habe – und das im Endeffekt beinahe 6 Jahre lang. OBWOHL ich ständig so verdammt unsicher war, weil ich ständig ungebetene Ratschläge von selbsternannten Profis bekommen habe und noch nicht stark genug als Mama war, sie von mir zu weisen und schlicht auf mein Bauchgefühl zu hören. Und OBWOHL ich an einem Stück irre Angst hatte, irgendetwas falsch zu machen oder als Mutter komplett zu verkacken, weil ich einfach nicht wusste, dass verkacken zur Elternschaft dazu gehört wie die dunklen Ringe unter den Augen und die Flecken auf der Kleidung. Heute kann ich trotz alldem sagen, dass es eines der besten Jahre meines Lebens war, denn in diesem Jahr wurde ich zur Mutter. Ich wurde nicht im Moment der Geburt der Mausemaus, meines ersten Kindes, zur Mutter, sondern in diesem einen, diesem ganzen ersten Jahr mit ihr. Ich konnte es damals nur noch nicht sehen. Ich sehe es erst jetzt, wenn ich in die Gesichter der Eltern blicke, die nun gerade an diesem Punkt stehen. Und dann kann ich es gar nicht aufhalten: Ich lächle und mir wird wirklich warm ums Herz. Am liebsten würde ich diese fremden Menschen (trotz Corona) einfach mal kurz fest in den Arm nehmen und sagen: Alles wird gut. Ganz ehrlich! Schon bald könnt ihr darüber schmunzeln. Ihr werdet euch umsehen, so wie ich gerade, alles Revue passieren lassen und feststellen, dass diese Zeit zwar sehr anstrengend war und euch mega verändert hat, aber dass sie tatsächlich alles nur besser gemacht hat. Sie hat euch besser gemacht, als Individuen, ja, sogar als Paar. Ihr werdet erkennen, dass ihr zwar echt oft am Rand eines Abgrundes gestanden, aber dass ihr da GEMEINSAM gestanden habt. Ihr werdet euch an die durchwachten Nächte erinnern, aber dadurch wissen, dass ihr viel mehr schafft, als ihr euch selbst je zugetraut hättet. Ihr werdet an euch heruntersehen und fast etwas melancholisch feststellen, dass ihr KEINE Flecken mehr auf der Kleidung habt und dass das bedeutet, dass euer Floh sich schon ein ganzes Stück von euch entfernt hat und nicht mehr die ganze Zeit an euch klebt … und ihr werdet es vermissen. DANN werdet ihr frischgebackene Elternpaare an der Ampel anlächeln, weil ihr wisst, wie sie sich gerade fühlen und weil ihr ihnen mit eurem Lächeln Verständnis zeigen und ein bisschen Mut machen möchtet. Weil ihr wie ich gerade spürt, dass dieses erste Jahr als Eltern zwar wirklich krass anstrengend ist, aber dann eben doch auch eines der schönsten in eurem Leben war.

Und wisst ihr was? So geht es weiter. Jedes Jahr mit Kindern IST krass anstrengend, lässt uns oft ratlos dastehen und bringt uns an unsere Grenzen, aber wenn wir irgendwann zurückblicken, werden wir lächeln. Ganz bestimmt. Weil Elternschaft genau SO funktioniert. Und das ist doch einfach fantastisch. <3

PS: Wie immer freue ich mich, wenn ihr diesen Artikel teilt. :-*

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Ein Kommentar für “Das erste Jahr … das erste Jahr als Eltern.

  1. Ich musste schmunzeln bei diesem Artikel. Allerdings ein wehmütiges Schmunzeln,weil das erste Jahr mit unseren Zwillingen das entspannteste überhaupt war! Ganz ehrlich! Die beiden waren Traumbabys,stillen klappte problemlos, die Nächte und der Schlafentzug waren bei weitem nicht so schlimm,wie ich befürchtet hatte,sie waren nie krank und selbst die Zähne kamen quasi unbemerkt.
    Würde ich sofort wieder machen!

    Danach wurde es definitiv anstrengender,als sie mobil wurden, lernten,Widerworte zu geben,sich zu zanken und dabei gern auch handgreiflich zu werden… Momentan -mit knapp 4 -schmeißen sie sich bei jeder Kleinigkeit hin,um einen Filmreifen Tränenausbruch zu bekommen… All das ist so viel anstrengender als das erste Jahr!
    Aber etwas,was man als Eltern ja mit als erstes lernt: es sind alles nur Phasen. 😉