Rabenmutter 2.0 Top 15

Wie Kinder die Beziehungen verändert und warum das völlig ok ist.

Es klingt immer so ein bisschen pathetisch und übertrieben, wenn man sagt: „Mit der Geburt eines Kindes beginnt ein neuer Lebensabschnitt!“, aber es ist halt echt so. Sogar dann, wenn man sich vorher fest vornimmt, dass sich nichts ändert… Zum Beispiel, dass man dieselbe Person bleibt, die man gerade ist! Oder dass man sich als PAAR treu bleibt! Und dass man definitiv NICHT seinen Freundeskreis vernachlässigen oder gar ändern wird! Es ändert sich dennoch. Nicht alles, doch sehr viel! Macht aber nichts – denn es wird ganz oft einfach nur besser … also irgendwann! ;)

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Die Beziehung zu den eigenen Eltern

Ich glaube, jeder erinnert sich an Momente, in denen er sich als Kind gefragt hat, was da gerade mit der Mama abgeht. Warum sie nun schon wieder schimpft oder so ungerecht oder einfach nur wahnsinnig langweilig und müde ist. Was ist denn bloß ihr Problem, dachte man in solchen Situationen als Zwerg und nahm sich direkt vor, SELBST ganz anders als Mutter (oder Vater) zu werden. Ich persönlich habe mir als Mini-Anke mehrfach GESCHWOREN, meine eigenen Kinder niemals anzuschreien, sie so viel fernsehen zu lassen, wie sie wollen und wirklich immer mit ihnen zu spielen … im Prinzip rund um die Uhr! Unordnung würde mich definitiv null stören, da war ich mir sicher. Und das mich die Elternschaft möglicherweise in irgendeiner Form anstrengen würde, kam in meiner Vorstellung gar nicht erst vor. Warum auch?! Ich war damals ein Kind und hatte keine Ahnung, wie es sein würde, erwachsen und Mama zu sein. Ganz normal und richtig so. Und so wundervoll! ;) Genau so muss es eben sein. Das ist durchaus manchmal doof für Mama und Papa, weil die lieben Kleinen ganz schön unfair und gemein werden können in ihrer berechtigten Unwissenheit, aber es gehört dazu … zu dieser Eltern-Kind-Nummer, dass man sich hier und da NICHT versteht, weil die einen vergessen haben, wie es früher war und die anderen noch nicht wissen, wie es später sein wird. Großartig ist aber, dass sich alles irgendwann aufklärt … man muss nur Geduld haben bis die Kinder selbst Eltern werden ;) . Es ist verrückt, wie oft ich seit der Geburt der Mausemaus diese ganz besonderen Aha- Momente „genieße“, in denen es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen fällt, warum meine Mama mich als Kind so genervt hat. Nämlich dann, wenn ich meinen Blick von damals im Gesichtchen meiner Tochter sehe. Oder wenn ich dieselben Sätze zu meinen Kindern sage, die vor 35 Jahren meine Mutter zu mir sagte, damit aber auf völliges Unverständnis traf. Oft telefoniere ich anschließend mit meiner Mama und berichte ihr, dass ich sie JETZT besser verstehe – und höre dann, wie sie sich freut. Schön finde ich das. Und wichtig. Und toll, denn durch meine eigene Mutterschaft ist die Beziehung zu meiner Mama nochmal eine andere geworden, eine bessere sogar vielleicht, weil wir nun – Jahrzehnte später – Erfahrungen nochmal neu teilen können – auf einem anderen Level. <3

Die Beziehung zu (noch) kinderlosen Freunden

Bevor man Kinder hat, stellt man sich ja gerne mal vor, wie es wäre, welche zu haben. Meist blickt man sich dazu im Bekanntenkreis um, schaut sich jene an, die den Schritt bereits gewagt haben, schüttelt dann den Kopf und denkt sich: „Neeee, SO werden wir nicht!“ Oft geht es dann darum, dass sich die Neu-Eltern offenbar ein stückweit selbst aufgegeben haben, sich zugunsten der Kinder stark zurücknehmen, sich ganz offensichtlich verändern UND im Prinzip gar nichts interessantes mehr unternehmen, sondern nur noch Windeln wechseln und Babykotze wischen. Ergebnis: Sie reden auch nur noch über Kinderkram. Wie ätzend! Wie öde! Wie absolut NICHT erstrebenswert!
Mein Mann und ich haben genauso gedacht und Pläne geschmiedet, wie wir es machen werden. ANDERS war dabei das priorisierte Wort … und natürlich BESSER. Logo ;) . Schließlich wollten wir unser altes Leben nicht aufgeben, sondern durch ein Kind bereichern. Und keinesfalls sollten darunter unsere Freundschaften leiden!

Tja, dann kam die Mausemaus und tatsächlich wurde alles anders und sogar besser – nur eben nicht so, wie wir es uns vorher gedacht hatten. In der ersten Zeit mit Kind beschäftigte uns nichts anderes als dieses kleine Würmchen, denn Eltern zu werden, war ein verdammtes Wunder, das unser gesamtes Leben auf den Kopf stellte. Nichts von dem, was uns vorher so ungemein wichtig erschienen war, konnte es jetzt noch mit dem ersten, zauberhaften Lächeln unseres gemeinsamen Töchterchens aufnehmen. Wir WOLLTEN nicht auf die „Flitze“ gehen, wir wollten zusammen sein … und (wenn ich mal ganz ehrlich bin) lieber schlafen, als feiern. Dennoch bemühten wir uns zu Anfang krampfhaft darum, nicht den Kontakt zu unseren Freunden und Bekannten zu verlieren, die weiterhin um 23 Uhr abends in die Bar gingen und wenigstens einen von uns neben sich an der Theke stehen haben wollten. Schafften wir aber nicht. Und SIE schafften es nicht, zu unseren neuen „Ausgeh-Zeiten“ auf der Matte zu stehen … Sonntagsmittags zum Beispiel ;) . Da schliefen unsere coolen Freunde nämlich noch.
Nach und nach veränderte die Elternschaft unser Umfeld. Wir „verloren“ Menschen, die gerade einfach einen so anderen Weg gingen als wir, dass es nicht mehr passte, gewannen aber auch neue dazu. Eine Familie zu gründen ist eben ein bisschen wie die Schule zu wechseln. Man nimmt sich fest vor, mit den alten Kumpels befreundet zu bleiben, sitzt aber dann eben doch auf lange Sicht (hauptsächlich) mit anderen Kindern auf dem Spielplatz. So ist das Leben. Und das ist doch eigentlich völlig ok!

Die Beziehung zum Partner

„Also WIR werden definitiv sehr darauf achten, viel PAARZEIT zu haben … also ohne Kind etwas unternehmen. Das ist uns sehr wichtig!“ gelobten wir uns noch in der ersten Schwangerschaft, lächelten uns verliebt an und träumten von der Zukunft, in der wir zwar Eltern, aber eben nicht NUR Eltern sein würden. Genauso steht es ja auch überall … und wird aufs innigste empfohlen: Unbedingt Paar bleiben, sonst leidet die Beziehung! Regelmäßig Sex haben, sonst lebt man sich auseinander! Nicht so viel streiten, sonst bekommt man es nicht mehr gekittet! Ich liebe derlei Ratschläge ja wirklich sehr … weil sie fast keinen Druck aufbauen und so herrlich positiv sind! Noch dazu lassen sie echt viel Raum für Individualität bzw. verschiedene Lebenssituationen! Nicht! Jetzt mal Ironie beiseite: Ich hasse diese Sprüche! Fakt ist nämlich: Kinder verändern die Beziehung zum Partner enorm, denn sie verändern nicht nur unser Leben, unsere Prioritäten und Gefühle … sie verändern schlichtweg UNS SELBST! Das macht aber nichts, denn meist gilt das ja nun mal für beide Elternteile, so dass wir diese ganze wilde Nummer gemeinsam durchziehen (im besten Fall ;) ) . Trotzdem bleiben bei sehr vielen Paaren die grandios klingenden Vorsätze in Sachen alleinige Zweisamkeit, körperliche Nähe und Verständnis füreinander gerne mal auf der Strecke – zum Teil für Monate, manchmal sogar für Jahre. Natürlich nicht alles gleichzeitig, aber jetzt mal ehrlich: Wer nie schlafen darf und sich daher fühlt wie ein abgetragener Schlüpper, dem ist vielleicht nicht REGELMÄßIG nach Sex! Dem ist nach pennen … allein … und zwar ohne dabei angefasst oder gar angeatmet zu werden!!! Und wer den ganzen Tag Baby-Kacke und –Kotze wischt, möglicherweise kaum Kontakt zu anderen Erwachsenen hat und sich zeitweise dem „neuen“ Leben etwas ausgeliefert fühlt, weil es doch viel anstrengender ist, als erwartet, der hat eventuell abends keine Nerven übrig, um auch noch dem Partner den Arsch hinterher zu tragen oder sich lahme Büro-Storys anzuhören. Genauso schwer fällt es dem Gegenüber hin und wieder, so ganz wirklich nachzuvollziehen, warum zum Teufel die Stimmung oft so mies ist, wo das Baby doch ein Wunschkind ist … und Mütter auf Plakaten immer strahlend glücklich sind! ;) On top kommt, dass nicht jede Familie den passenden Background, sprich Verwandtschafts-Babysitter hat, um sich Auszeiten vom Nachwuchs zu gönnen, sich aber gleichzeitig schwer tut, dass Würmchen jemand Fremden für Geld zu überlassen. All das ist eben individuell zu betrachten. Manche Eltern streiten super wenig, weil sie irres Verständnis füreinander haben … oder Drogen nehmen ;), während sich andere schon verbal die Köpfe einschlagen, nur weil der Windeleimer nicht geschlossen wurde?! :D Manche Mamis haben schon wenige Wochen nach einer Geburt wieder Bock, Zeit und Kraft für Sex, während andere den Gynäkologen heftig auslachen und auf das ewig schreiende, nie schlafende Kind zeigen, wenn dieser gerne über Verhütung sprechen möchte. Manche Paare schaffen sich tatsächlich von Beginn an Freiräume und brauchen das auch zum Glücklich sein, während andere sich schon dankbar in die Arme fallen, wenn sie es schaffen, sich abends kurz für einen kleinen Plausch am Küchentisch zu treffen, bevor der „Nachwuchs-Alarm“ wieder losgeht und die Nacht sabotiert.

Klar, ist es super-toll, wenn man schafft, was man sich vornimmt und von überall geraten bekommt … aber es ist auch kein Beinbruch, wenn es eben nicht klappt. Wichtig ist doch nur, dass man GEMEINSAM am Abgrund steht, knietief in Windeln versunken und darüber lachen kann, dass man zu müde für alles ist. Schließlich weiß man doch eigentlich: Diese Zeiten, diese ganz besonders stressigen Phasen, gehen schneller vorüber als man denkt! Ratzfatz sind die Kinder aus dem Gröbsten raus und wir gewinnen einen Großteil unsere Zweisamkeit als Paar zurück – in der wir höchstwahrscheinlich etwas wehmütig in den wundervollen Erinnerungen an die ersten Jahre als völlig verpeilte Eltern schwelgen; nach einem schönen Essen ohne Kinder im Restaurant und mit Sex im NICHT-mehr-Familienbett als Nachtisch ;) .

Fazit: Kinder verändern alle unsere Beziehungen und das ist gut so. Dank ihnen entwickeln wir uns weiter, gehen den nächsten Schritt in unserem Leben und gewinnen so viel dazu … selbst dann noch, wenn wir im ersten Moment befürchten etwas zu verlieren. Hach, Elternschaft ist toll! Also meistens ;) . <3

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