Rabenmutter 2.0

Best of Standard-Sätze

Ich vermute fast, es ist etwas überflüssig folgendes zu „offenbaren“: Wir sind eine Familie von Quasselstrippen. ICH rede im Prinzip ohne Punkt und Komma, sobald jemand den Fehler macht, mit mir Blickkontakt herzustellen (Ich übertreibe natürlich! Echt! Nein, doch nicht :D ). Die Mausemaus hat sich das natürlich nicht nur längst von mir abgeguckt, sondern toppt mich mittlerweile sogar, denn sie unterhält sich zusätzlich zu tatsächlich anwesenden Gesprächspartnern, auch noch – und das nicht einmal weniger intensiv – mit all ihren imaginären Freunden (aktuell sind das zwei kleine Jungen, ein Mädchen, ein Pferd, ein Drache, ein Tiger und ein Bär). Das Krümelchen streut hier und da dann noch sein höchst ambitioniertes „Dadadadada“ ein oder gröhlt einfach rum wie ein Nachwuchs-Fußball-Hooligan. Und der Mann „krönt“ diese eh schon ETWAS anstrengende Sound-Mischung sehr gerne mit endlos langen und schrecklich spannenden (behauptet ER zumindest ;) ) Geschichten zum Thema Radsport. Ob es hier laut ist? Naja, gemessen an einem durchschnittlichen Presslufthammer nicht :D .

Jetzt würde ich natürlich schrecklich gerne behaupten, dass wir alle nicht nur viel reden, sondern dabei auch noch mit Eloquenz brillieren. Tun wir aber nicht. Im Gegenteil sogar. Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir den Großteil der Zeit nur dummes, oftmals sogar völlig unzusammenhängendes Zeug daherlabern (die Radfahr-Geschichten des Mannes selbstverständlich ausgenommen; aber ICH bin da ganz weit vorn, denn ich führe leider erschreckend oft Selbstgespräche, die (wie sollte es sein) recht einseitig und wenig abwechslungsreich sind!). Und wenn nicht das, dann wiederholen wir uns. Als Mutter wiederholt man sich ja eh ständig, weil Kleinkinder so gut wie nie beim ersten Versuch zuhören (wollen oder können … wer weiß das schon … ist ja auch wurscht, da das Ergebnis immer das Gleiche ist: Mutti wiederholt sich :D ) Aber neben diesen notgedrungenen Wiederholungen, hat jeder von uns auch noch seine Lieblingssätze bzw. Standardfloskeln, die so oft gesagt werden, dass wir uns schon überlegt haben, für jeden sein persönliches Top-5-T-Shirt drucken zu lassen. Sollten wir vielleicht echt machen … würde schlagartig ruhiger hier :D :D :D .

Die Mausemaus sagt am häufigsten:  

  1. „Nein, die Mama macht das!!!“
    ICH finde, wenn der Papa mal zuhause ist, dann DARF der auch was machen: das Kind in den Schlafanzug stecken, ihr die Zähne putzen oder den Popo abwischen. Die Mausemaus hingegen ist da ganz anderer Meinung und brüllt sofort: „Nein, die Mama macht das!!!“. Ob sie damit nun mich oder den Mann bestraft, ist unklar. Vielleicht ist sie auch einfach ein Punk und aus Prinzip dagegen. ;)
  2. „Ich will aber!“ 
    Dieser kurze Knallersatz wird uns wohl noch sehr viele Jahre begleiten und weiterhin STÄNDIG als Schlusspunkt (zumindest in den Augen der Mausemaus) eine Diskussion mit der Mama über die Pros und Contras der ach so glänzenden Kleinkind-Ideen (dem Brüderchen Wasser über den Kopf schütten, kleine Boote im Klo schwimmen lassen, die Wände anmalen, mit Schuhen auf der Couch rumspringen … die Liste lässt sich endlos fortführen) beenden. Natürlich mit einem fröhlichem und TOTAL überzeugenden Fußstampfer garniert :D .
  3. „Ich bin noch zu klein / schon zu groß!“ 
    Einer der größten Vorteile am Kleinkind-Dasein ist offenbar, dass man seine Meinung bzw. seine ganz persönliche Sicht der Dinge schneller ändern kann, als Mutti aufgrund von Verwirrung „Wat denn jetzt?!“ rufen kann. Die Mausemaus ändert ihren Groß/Klein-Status am liebsten, wenn ich ihn ursprünglich „nutzen“ wollte, um MIR einen Weg oder Arbeit zu ersparen. Also wenn ich sage: „Süße, hol du mir doch bitte ein sauberes Spucktuch aus dem Schlafzimmer“, antwortet sie: „Ich bin doch noch zu klein, um die Tür dann wieder zu zumachen.“ (Stimmt leider, liegt aber an der Tür, nicht am Kind). Wenn ich aber dann anschließe: „Na gut, dann hol ich es und danach helfe ich dir auf dem Klo.“ Schreit sie mir entgegen: „Nein, ich kann das alleine. GANZ alleine! Ich bin doch schon groß!“ Oh man, es ist so verwirrend! ;)
  4. „Ich bin nicht mehr dein Freund – ich lade dich nicht zu meinem Geburtstag ein!“
    Bäm, da sind sie, die beiden heftigsten Konsequenzen, die für ein Kleinkind existieren. NICHTS ist schlimmer, als nicht mehr zum Geburtstag eingeladen zu sein. Zu wessen, ist eigentlich wurscht. Ob der erst in einem Jahr ist, genauso. Und ob die Mama den ausrichtet und daher wohl mit absoluter Sicherheit zugegen sein wird … ist auch kein Argument! :D Wichtig: Bekommt man diese Drohung entgegengeschmettert, darf man nicht lachen! DAT IS SCHLIEßLICH ERNST! ;)
  5. „Du bist die Beste, Mama!“ 
    GOTSEIDANK! Jeden Tag höre ich auch diesen Satz und werde damit für meine Mama-Mühen reich entlohnt. Das empfinde ich tatsächlich so, selbst wenn die kleine Madam noch ein mittelmäßig „kreatives“ WEIL dranhängt. Zum Beispiel: „Du bist die Beste, Mama, WEIL du so tolle Marmeladen-Brote machst!“ oder „Du bist die Beste, Mama, WEIL du mir heute keine Nasentropfen gibst!“ oder „Du bist die Beste, Mama, WEIL ich diesmal nicht die Hände waschen muss!“ Ach, wer würde da nicht dahinschmelzen vor Liebe <3 .

Aus mir blubbern gefühlt in Schleife jene Highlights heraus: 

  1. „Gib mir nur 5 Minuten!“
    Mein allerliebster und zugleich absolut wertlosester Satz, den ich gefühlt 1.000 mal am Tag verlauten lasse … z.B. wenn ich aufs Klo muss, duschen will, gerade das Bett beziehe, Pupu aus Babybodys wasche, sehr früh morgens aus dem Tiefschlaf gegröhlt wurde oder den Krümel aus Bedarfsgründen mit Gummihandschuhen bis zum Ellenbogen wickle. Ich könnte es aber auch lassen und stattdessen singen: „Ich hab die Haare schön, ich hab die Haare schön, ich hab, ich hab, ich hab die Haare schön!“ Das mangelnde Interesse wäre das selbe ;) .
  2. „Sekunde, Süße, ich muss nur noch kurz … !“
    Wenn man die Mausemaus dazu befragen würde, dann käme sicher heraus, dass sie es voll nervig findet, dass die Mama immer irgendwas zu tun hat und das noch „eben kurz fertig machen will“, bevor es an die Bauklötze geht. Und ich muss zugeben: Sie hat nicht ganz unrecht – das ist nervig! Für uns beide. Vielleicht versuche ich in Zukunft, meine to-do’s etwas besser zu priorisieren und eher unwichtige Aufgaben einfach mal auf später zu verschieben.
  3. „Ich kann doch nicht hexen! /Ich habe nur zwei Hände!“
    Eigentlich sollte ich es wohl als Kompliment betrachten, dass die Mausemaus der felsenfesten Überzeugung ist, dass ihre Mama mindestens 5 Dinge gleichzeitig machen kann. Und das auch noch superschnell! Deshalb fällt es mir auch immer ein bisschen schwer, zugeben zu müssen, dass dem nicht so ist. Ich kann NICHT parallel ein Brot schmieren, ein Buch kleben, einen Zopf flechten, einen kleinen Popo abputzen und das Baby auf den Arm nehmen. Ich kann es einfach nicht! Die Frage ist allerdings: WIESO ZUM TEUFEL NICHT? WIESO KÖNNEN MÜTTER NICHT HEXEN? ES WÄRE SOOOO PRAKTISCH!!!
  4. „Nein!“ 
    Ich weiß, ich weiß, DAS sollte man Kindern (oder Männern ;) ) nicht so oft an die Rübe knallen. Aber manchmal fehlt es mir einfach an Zeit und Geduld, mir „schönere“ Formulierungen für ein schnelles NEIN zu überlegen. Natürlich klingt es besser und ist pädagogisch sicher ungemein viel sinnvoller, wenn ich am Tag 30 mal sage: „Ich möchte lieber, dass du noch ein Stück Apfel isst, als etwas Süßes.“ Allerdings muss ich gestehen: Spätestens bei der 10. Frage nach Gummibärchen in unter 4 Minuten platzt mir der Kragen und ich presse nur noch ein klares „NEIN!“ hervor, ohne weitere Erläuterungen oder Erklärungen. Und ich schäme mich null dafür ;) .
  5. „Ich hab dich sooo lieb!“
    Ja, die Mausemaus ist gerade in einer wirklich sehr, sehr anstrengenden Phase und raubt mir mehrfach am Tag den sprichwörtlich letzten Nerv, trampelt noch ein bisschen drauf rum und entsorgt ihn dann im Bio-Müll ;) . Aber: Ich habe sie soooooo lieb – ich kann es kaum in Worte fassen. Und DAS sage ich ihr so oft ich kann. Dem Krümelchen natürlich auch, der aktuell tatsächlich ausschließlich zuckersüß ist. Zumindest tagsüber. Wenn er nicht gerade zahnt. Oder erkältet ist. Also FAST ausschließlich zuckersüß :D . Sogar der Mann hört ab und zu von mir, wie sehr ich ihn liebe, OBWOHL er sich am Wochenende in wenig attraktivem Lycra aufs Rennrad schwingt. Aber irgendwas ist ja immer :D .

Und das sind die Top 5 des Mannes an mich: 

  1. „Schaaaaaatz, wo ist … ?“
    Der Klassiker :D . Ich vermute, spätestens wenn ein Mann heiratet, wird dieser Satz im Gehirn aktiv geschaltet und ersetzt von da an den eigenen Antrieb, selbst etwas zu suchen. Das höchste der Gefühle ist, dass zumindest schon mal die Schranktür geöffnet wird, bevor der Ruf ertönt:
    „Schatz, weißt du wo mein blaues Hemd ist?“
    „Ich vermute im Schrank.“
    „Ich finde es nicht!“
    „Hast du denn wirklich schon danach gesucht oder stehst du nur davor?“
    Stille.
    ERWISCHT! :D
  2. „Oh, sorry, hab ich vergessen!“
    Das höre ich unglaublich oft! Außer natürlich es handelt sich um das Thema Fahrrad – da merkt sich der Mann sogar, was welcher „Star“ am Morgen des Rennens zum Frühstück hatte. Ansonsten beweist er leider die Merkfähigkeit eines Siebes und macht mir damit aktuell große Konkurrenz, da mein Gedächtnis dank Stilldemenz und Schlafentzug natürlich ebenfalls öfter mal schwarze Löcher aufweist. Ich denke, wir können uns sehr glücklich schätzen, dass wir bisher noch keins unser Kinder irgendwo VERGESSEN haben ;) .
  3. „Ok, mach ich gleich!“
    Da gibt’s doch diesen Witz, dass Männer das Regal schon aufhängen, wenn sie es gesagt haben und dass man sie da nicht ständig (alle sechs Monate) dran erinnern muss :D . GANZ so schlimm ist es bei meinem Göttergatten nicht, aber da er nun leider oft vergisst (siehe Punkt 2) was er für mich erledigen wollte, kommt es im Prinzip aufs selbe heraus. Soll heißen: Ich wiederhole mich nicht nur fürs Kind so oft ;) .
  4. „Du machst das alles ganz toll!“
    Warum ich meinen Mann nicht mal bei dem blauen Hemd im Schrank vergesse? Weil er eben nicht nur langweilige Rad-Geschichten erzählt und sich kaum was bis um die nächste Ecke merken kann, sondern auch sehr oft ganz großartige Sachen sagt. Wie zum Beispiel, dass ich die Familien-Nummer ganz wunderbar hinbekomme, er sich immer wohlfühlt zuhause und es ehrlich zu schätzen weiß, was ich jeden Tag für alle großen und kleinen Mitglieder unseres Neckar-Clubs leiste. DAS könnte ich natürlich 50 mal am Tag hören!
  5. „Ich bin so froh, dich geheiratet zu haben!“
    Genau wie das hier. Das höre ich tatsächlich auch sehr, sehr oft. Und es stört mich gar nicht, dass er es so häufig wiederholt ;) Ich bin nämlich auch froh darüber <3

Fazit: Manche Sätze (oder Worte) braucht man eben mehrmals am Tag. Was soll’s. Ist einfach so. Eloquenz gehört doch sowieso eher an eine Theke zu einem Glas Bier und nicht in den Familien-Alltag ;) . Und jetzt lass ich uns mal diese T-Shirts drucken :D .

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6 Kommentare für “Best of Standard-Sätze

  1. Ich mag deinen Blog echt gerne und lese ihn seit Monaten. Die typischen Mama -, Kind- und Papa -Sätze sind wirklich zutreffend formuliert! Ich musste ein paar Mal schmunzeln. Aber Standard wird echt nicht mit T am Ende geschrieben… ? Liebe Grüße von Alex

  2. Hm , bei uns ganz vorne ist zweifellos “Mama, male?/kusseln?/lala?” – hat alles dieselbe Priorität. Dicht gefolgt von “Nein!” in allen Klangnuancen. Bei der Maus zumindest.
    Bei mir steht “Ich muss mal schnell noch…” ganz oben im Kurs….und beim Gatten “Na, Maus, warst du heute lieb?”

  3. Oh mein Gott, ich kann den Text gar nicht zu Ende lesen, ich jubele nur noch! Ich dachte, es ist nur bei uns so!! Es gibt noch mindestens eine andere Mutti, die “ich kann nicht hexen” und “ich muss nur noch kurz…” sagt!!!!Hurraaaaa!!!
    Sogar mein Mann unterschreibt die Männersätze!
    Und wo ist unser Kind auf dessen T-Shirt “die Mama macht das” steht???