Geburtsbericht
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Rosalie erzählt

Und dann kam alles anders… Ich war 10 Tage über dem ET als ich einfach keine Lust mehr hatte. Keine Lust mehr zu warten und zu bangen, ob doch alles gut gehen würde. In den letzten Monaten vor der Geburt meiner Tochter hatte man mir ständig Angst gemacht und mich durcheinander gebracht. Ich war zu verschiedenen Ärzten gerannt, hatte mich in zwei verschiedenen Kliniken angemeldet und jeder hatte seine ganz eigene Meinung darüber, was ich zu tun hatte. Ich war es einfach leid.

Meine Tochter lag einfach nur „falschrum“. Sie war eine Beckenendlage. Ständig fragte ich mich, wie die Frauen früher überhaupt in der Lage waren Babys zu bekommen… Da konnte man ja vorher noch nicht einmal sagen, wie genau das Kind im Bauch lag! Da war die Geburt ein einziges Überraschungspaket – manchmal bekam man ja sogar unwissentlich gleich zwei Geschenke überreicht ;) und naja, es ging auch!

Ich hatte wirklich alles versucht: Tees, Baden, Akkupunktur, … mein Kind wollte sich einfach weder drehen, noch raus. Bis zum ET hatte ich mich wacker geschlagen und hatte weder Rückenschmerzen, noch Wassereinlagerungen, noch Dehnungsstreifen. Kaum war ich drüber, war die Madam der Meinung doch noch mal einen gewaltigen Schub zu wachsen und „puff“ jetzt bin ich auch ein Zebra -.- Herzlichen Dank!

Na gut, zurück zur Beckenendlage: Ich kämpfte einen riesigen Kampf! Nicht nur mit mir – ich wollte partout keinen Kaiserschnitt – sondern auch mit den meisten Ärzten, die mir einreden wollten eine OP wäre ein MUSS. Die Klinik in die ich eigentlich im Fall der Fälle gehen wollte (einfach weil sie einen weniger weiten Fahrtweg bedeutete), gab mir bei meinem Geburtsmodusgespräch (ja, ich dachte auch es wäre ein Gespräch über verschiedene Optionen für die Geburt…) erstmal gleich einen Kaiserschnitt-Termin und den dazugehörigen Anästhesie-Termin. Da war ich erstmal bedient!

Ich schaffte es dann doch, zumindest eine Untersuchung bzgl. äussere Wendung zu bekommen. Die Möglichkeit bestünde aber bei meinem Kind nicht, da es laut dem wahnsinnig „freundlichen“ und mit dem unverständlichsten Akzent der Welt nuschelndem Oberarzt angeblich zum damaligen Zeitpunkt zu klein und schwach für die Wendung gewesen sei und man sie notfalls sogar eher holen müsse. AHA! (Mit meiner Tochter war laut Frauenärztin und Hebamme alles im Normalbereich.) Wieder mal neue Angst gemacht bekommen – man macht sich ja nicht schon genug Sorgen!

Da ich nun schon so Spaß an meinen täglichen Arztbesuchen hatte und ich ja auch sonst nichts zu tun hatte (wozu ist man denn auch sonst in Mutterschutz?) organisierte ich mir doch noch ein Gespräch in einer anderen (natürlich viel weiter weg gelegenen) Klinik. Hier war bei der Untersuchung plötzlich alles super mit meinem Baby und es stand laut dem (diesmal wirklich) netten Oberarzt, einer natürlichen Geburt nichts im Wege! Ich solle einfach kommen, wenn ich Wehen bekäme. YES!

So, und jetzt zurück zur eigentlichen Geburt:

Ich bekam keine Wehen! 10 Tage über dem ET und es tat sich einfach NICHTS!

Nachdem meine Frauenärztin (die auch ständig für einen Kaiserschnitt plädierte) dann der Meinung war, meine Tochter solle lieber eingeleitet werden – und ganz ehrlich ich hatte sowieso keinen Bock mehr – rief ich in der netten Klinik an um mich anzukündigen.

Man teilte mir mit ich solle am Nachmittag des nächsten Tages kommen um einen Wehencocktail zu trinken und danach „dürfe“ ich wieder nach Hause. NEIN, sorry, ich wollte mein Kind JETZT! Also diskutierte ich am Telefon so lange, bis ich gleich früh um 9 einen Termin bekam und mit Tabletten die Einleitung beginnen durfte. (Man hatte dann wohl gemerkt, dass es wahrscheinlich war, dass meine Tochter meinen Dickkopf geerbt hatte und sich durch ein bisschen Öl nicht beeindrucken lassen würde ;) )

Ich stand also am nächsten Tag um 9 mit meiner Schwiegermami (mein Mann musste arbeiten – so wie der komplette Rest meiner Familie) in der Klinik und bekam die erste Tablette. Danach hing ich am Wehenschreiber und es tat sich NICHTS.

Ich hatte den Tipp bekommen, viel zu laufen – was wir auch taten! Ich glaube wir beide kennen das Klinikgelände jetzt besser als jeder Mitarbeiter dort. Mittags hatte ich einen Kontrolltermin und bekam die zweite Tablette… WIEDER NICHTS! Abends nochmal das gleiche Spiel – TADDAAAA… WIEDER NICHTS! (Ja, meine Tochter hat meinen Dickkopf!)

Um 22:00 ca. kam mein Mann dann mit zum Kontrolltermin und löste die tapfere Schwiegermami ab. Ich hatte mittlerweile ein unangenehmes Ziehen im Bauch, das sich aber gut wegatmen ließ – von meinen Tagen war ich schlimmeres gewöhnt. Auf dem Wehenschreiber tat sich jedenfalls nicht genug. Eine Hebamme sagte mir, ich solle schlafen gehen, es würde sich nichts mehr tun. Eine andere gab mir ein Gel auf den Muttermund (das hat vllt. gebrannt MIMIMI…) und meinte sie glaube sehr wohl es könne noch was werden. Na gut…

Ich war müde, genervt und hatte keine Ambitionen die Nacht alleine (mein Mann sollte und wollte nach Hause) in der Klinik zu verbringen – mit Bauchschmerzen wohlgemerkt, bei denen eh keiner mehr schlafen kann. Ich ließ mich dann doch überreden, bekam eine Spritze zur Entspannung und mein Mann machte sich auf den Heimweg.

Kaum hatte ich eine bequeme Schlafposition gefunden und mein Mann zu Hause den Schlüssel ins Türschloss gesteckt, platzte mit einem lauten Knall meine Fruchtblase! Nein, ich hatte mich keinen Millimeter bewegt! Es knallte und das Fruchtwasser schoss nur so aus mir heraus (im Liegen wohlgemerkt).

Wer sich ein bisschen mit Beckenendlage beschäftigt hat weiss, man soll nicht aufstehen! HAHA! Mein erster Reflex war, auf die Toilette zu sprinten und dabei natürlich noch mehr Fruchtwasser zu verlieren. Ich watschelte also klatschnass schleunigst wieder zum Bett zurück und rief meinen Mann an, er solle sofort wieder in die Klinik kommen. (Im Nachhinein tat er mir sehr leid! Er hatte ja schließlich den ganzen Tag arbeiten müssen und war mindestens genauso müde wie ich.) Erst danach klingelte ich einen Pfleger an – Gott sei Dank, denn da ging es auch schon los!

Da alle Kreissäle belegt waren musste ich eine viertel Stunde warten. Eigentlich ist das ja eine relativ kurze Wartezeit, allerdings nicht, wenn das Kind dann doch unbedingt raus will! Ich hatte seit dem Blasensprung sehr heftige Wehen in kürzesten Abständen und bekam auch den Weg in den Kreissaal kaum mit. Der Wechsel vom Bett auf die Liege gelang mir noch irgendwie, aber als die Ärztin dann sagte, ich solle mich umdrehen und an der Lehne hochziehen, dachte ich sie will mich veräppeln! Ich versuchte meine ganze Kraft und Konzentration in die Wehen zu stecken, dementsprechend wenig Kraft hatte ich, meinen dicken, runden Körper rumzuwuchten. Ich sollte die Wehenpausen nutzen, von denen es meiner Ansicht nach aber irgendwie keine gab.

Kaum hatte irgendjemand meinen Mann in den Kreissaal gebracht, begannen bei mir die Presswehen. (Der Arme kam natürlich erst, als Alles schon aussah wie auf einem Schlachtfeld – inkl. Kindspech ÜBERALL J )Ich dachte mich zerreißt es! Ich war von der Wucht der Wehen so überwältigt, dass ich schrie wie am Spieß. Es half mir wirklich!  Da ja alles dann doch so unerwartet schnell ging, gab es keine Möglichkeit mehr, mir eine PDA zu setzen oder mich sonst irgendwie zu beruhigen. Atemübungen für den A… Ich war froh, dass ich dank der tollen Hebamme nicht ständig in Schnappatmung verfiel.

Ich habe sicher nicht alles mitbekommen, was mir gesagt wurde, aber das was bei mir ankam half mir sehr! Das Kind raus schieben z.B.! Ich hatte tatsächlich das Gefühl meine Tochter runterschieben zu können, obwohl ich eher schlecht als recht über der Bettlehne hing und versuchte meinen Kopf irgendwie über die Kante der Lehne zu ziehen (ich fühlte mich 200kg schwer). Hinter dem Bett lehnten drei Ärzte an einem Tisch und unterhielten sich locker während ich verschwitzt und schreiend kämpfte. Na gut, helfen hätten sie mir auch nicht können… Sie wurden ja nur sicherheitshalber in meinen Kreissaal gesteckt, da eine Beckenendlage ja als Risikogeburt zählt… Man weiss ja nie.

Irgendwann versuchte meine Ärztin wohl mit ihrer Hand mitzuhelfen, woraufhin ich die Arme dermaßen anschnauzte, dass sie es gleich wieder ließ. (Es tat aber auch verdammt weh, da brauch ich nicht noch den stechenden Schmerz einer fremden Hand, die versucht sich da noch mit reinzuquetschen wo eh kein Platz ist.) Kurz darauf flutschte meine Tochter dann auch schon raus! Mich überkam sofort eine unglaubliche Erleichterung. Die Wehen waren wie weggeblasen und ein kleines, glitschiges Häufchen landete auf meiner Brust und beäugte meinen Mann und mich kritisch. Ich war so sehr damit beschäftigt meine Tochter zu bestaunen, dass mich weder die Nachgeburt, noch das Nähen des Damms groß störten.

59 Minuten hat es ab dem Blasensprung gedauert! Eine bessere Geburt hätte ich mir nicht wünschen können. Liebe Mamis mit Beckenendlage-Kindern: Bitte lasst euch nicht einschüchtern! Es MUSS nicht IMMER der Kaiserschnitt sein. Sucht euch eine Klinik, die euch die Chance auf eine natürliche Geburt gibt und in der die Hebammen dementsprechend gut ausgebildet sind. Wenn laut den vorangehenden Untersuchungen nichts dagegen spricht, dann versucht es einfach. Im Notfall kann man ja dann immer noch einen Kaiserschnitt machen lassen. Dann hat man es aber zumindest versucht und nicht schon vorher aus Angst aufgegeben.

Wer sich natürlich freiwillig für einen Kaiserschnitt entscheidet, der wirft sich ja danach dann auch keine verpasste Chance vor :)

Diesen spannenden Bericht hat Rosalie (29 Jahre) geschrieben :) .

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3 Kommentare für “Rosalie erzählt

  1. Das mit “der Mann ist grade daheim und dann platzt die Fruchtblase” war bei mir exakt genauso ?.
    Toll, dass du auf deinen Körper vertraut hast!