Geburtsberichte
(Leser-)Geburtsberichte

Jenny erzählt

Ich hatte eigentlich mit dem Kinderwunsch schon abgeschlossen, die Begleitumstände waren einfach überhaupt nicht gegeben. Aber es kam doch alles anders und der Wunsch nach einem Kind siegte doch und nach fast einem Jahr der Ü-Zyklen begann meine traumhaft unkomplizierte Schwangerschaft. Es war wie im Bilderbuch, kaum Schwierigkeiten, keine gesundheitlichen Probleme, es war perfekt.

Bis zur 37ten Woche. Ich habe mir ne Erkältung eingefangen, im Herbst kein Wunder und die bekam ich einfach nicht weg. Als ob das nicht reicht folgte eine derbe Magenverstimmung. Aber auch das, so heftig es auch war, war rasch überstanden. Mir dämmerte zu diesem Zeitpunkt, dass mir ein schwieriger Weg bevorstehen würde. Und ich sollte mit dieser Ahnung Recht behalten.

Der ET rückte in Siebenmeilenstiefeln immer näher und nix passierte. AM ET begannen die nervigen täglichen Besuche beim Arzt und den Hebammen, aber nix weiter passierte. Sonntags, 3 Tage nach ET waren wir mit Freunden lange spazieren und ich dachte noch so bei mir, als ich eine Art knacken spürte, „na, war das endlich die Fruchtblase?“ aber nix passierte.

In der Nacht sind mein Mann und ich dann in die Klinik, ich hatte Wehen aber dennoch passierte nichts. Nach der Untersuchung hieß es, wir können wieder heimwärts, es geht noch nicht los. Also sind wir wieder Heim und auch wenn die Wehen stärker wurden, waren sie nicht stark genug.

Mein Mann hat auf Arbeit alles geregelt damit er bei mir sein kann. Wir sind morgens zur Hebamme, alles OK, keine Wehen, kein Blasensprung, aber Schmerzen. Wieder nach Hause, an Essen war nicht zu denken vor Schmerzen.

Am Nachmittag sind wir wieder zu den Hebammen in die Praxis und ich habe vor Pine die ganze Hütte zusammen gebrüllt. Unter anderem auch „Wir holen das Kind jetzt ich halte es nicht mehr aus.“ Soweit so gut. Es war eine Aussage. Es wurde gehandelt. Sicherheitshalber sind wir dann wieder in die Klinik, ab in den Kreissaal, CTG, und auf einmal brach Unruhe aus. Die Herztöne meiner Tochter waren miserabel bis nicht messbar. Narkosearzt, Unterschriften, Belehrungen und das alles verging binnen Minuten.

Um 16.30Uhr sind wir im Kreissaal angekommen; um 16.40Uhr lag ich im OP, voller Panik, es ist ja schließlich mein erstes Kind. Einer der Anwesenden versuchte mich durch ein Gespräch auf anderem Gedanken zu bringen, aber er hatte wenig Erfolg. „Atmen, tief atmen, atmen sie für ihr Kind ganz tief ein.“ Dieser Satz war die Parole des Nachmittags. Heulend lag ich da und alle anwesenden warteten darauf, dass mein Mann im OP auftauchte. Bevor er nicht da war ließ ich mich nicht in Narkose legen. Dann wurde es schnell dunkel und still – die Narkose wirkte. Wie lange ich weg war weiß ich nicht.

Gedächnisswiedergabe meines Mannes aus dem OP: 55 Narkose wirkt 56 offen 58 Kind ist da

Ich bin wach geworden und rang nach Orientierung. Meine Hebamme war da als ich zu mir kam, mein Mann kam 5Minuten später dann auch. Meine wunderschöne kleine Tochter war quitschfiedel. Wir hatten es alle wohlbehalten überstanden.

Mir wurde berichtet, dass mein Fruchtwasser wohl gekippt sei, dickflüssig und zäh. Ich hatte am Vortag also doch einen Blasensprung, es war nur nicht bemerkt worden. Nach einem Zeitraum, den ich kaum bewusst in Stunden oder Minuten bemessen kann, ging es dann auf die Station. Der Marathon, der nach einem Kaiserschnitt üblich war, konnte beginnen.

Der erste Abend mit meiner Kleinen und mit meinem Mann war entspannt. Nach der ganzen Hektik des Tages tat das alles richtig gut. Auch die Nacht verlief ohne Zwischenfälle. Früh morgens kam mein Mann zu uns ins Krankenhaus. Ich fühlte mich gut.

Meine Tochter wurde gegen ca.9.40Uhr morgens aus meinen Armen zur Untersuchung abgeholt und kam direkt auf die Neo. Blutwerte waren nicht okay, direkt Antibiotika. Meine Welt brach zusammen. Ich war ja immer noch erkältet, ich durfte da kaum hin. Ich bekam zwar jetzt Antibiotika aber ich könnte mein Kind anstecken. Abgesehen davon, dass ich mich nach dem KS eh kaum bewegen konnte. Nach und nach ging es uns beiden besser, die Erkältung war so gut wie auskuriert, ich wollte nach Hause, durfte nach einer Diskussion mit meiner Ärztin auch, trotz eines Fieberschubs heimwärts, aber mein Kind musste noch dableiben. Da Antibiotika muss 7Tage durchgegeben werden. Wir waren erst bei Tag. Nach langem hin und her bin ich doch nach Hause, mein Mann ist mehrmals täglich, mal mit mir, mal allein zu unserer Tochter. Ich hatte manchmal einfach keine Kraft in eine anständige Hose zu schlüpfen und dann war er da.

Der Entlassungstag unserer kleinen Maus, wir waren unendlich glücklich und erleichtert. `Happy End ́ könnte man jetzt denken aber Pustekuchen. Meine Narbe oder besser gesagt Wunde hat sich entzündet. 2Tage nachdem meine Tochter nach Hause durfte musste ich wieder ins Krankenhaus. 5Tage. Wunde spülen, Verband wechseln. Ohne mein Kind, ich hätte sie anstecken können. Also war sie beim Papa.

Es war echt nicht angenehm, auch als ich nach Hause durfte musste ich trotzdem alle 2 Tage in die Ambulanz, damit die Wundheilung überprüft werden konnte. Es war hart, es waren anstrengende zerreißende Wochen.

Ich habe sehr lange gebraucht, um alles zu verarbeiten. Ich war kurz davor in diese Abwärtsspirale zu fallen, diese Depression. Ich habe es wie einen Abgrund vor mir gesehen, aber ich habe es geschafft.

Wir sind alle daran gewachsen und heute, 16Monate später ist es kein Thema mehr und mit jedem lachen meiner Tochter, wird diese harte Zeit immer kleiner.

Diesen schönen Geburtsbericht hat Jenny geschrieben :)

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