(WhatsApp-)Interviews Corona

Wenn die Vorschule (so gut wie) ausfällt: Tipps & Infos für den Wechsel von Kita zu Schule.

Die Corona-Krise hat in so ziemlich allen Lebensbereichen ihre Spuren hinterlassen. Und die „Nebenwirkungen“ der Pandemie sind vielfältig – verschont bleibt kaum jemand. Dennoch kann man wohl durchaus behaupten, dass Kinder besonders betroffen waren und weiterhin sind, denn ihnen mangelt es aufgrund ihres Alters schlicht an der Möglichkeit, die Zusammenhänge zu begreifen, den Grund zu verstehen, WARUM ihr komplettes Leben monatelang auf Eis lag und auch jetzt noch anders ist, als früher. So viele neue Regeln, so viele Einschränkungen, so viel Verzicht. Zum Beispiel darauf, sich wie eigentlich immer von den Erwachsenen angekündigt von der Kindergarten-Zeit zu verabschieden und gleichzeitig darauf vorzubereiten, ein Schulkind zu werden. Da war noch vor wenigen Monaten die Rede von einem „Vorschulprogramm“ in der Kita und von exklusiven Veranstaltungen für die Großen, von Feierlichkeiten und Zusammenkünften, von zelebrierter VORFREUDE … doch dann kam dieser komische Virus und alles wurde abgesagt. Dass daraufhin bei unzähligen Kindern viele Tränen flossen und auch Eltern plötzlich vor Fragen standen, die sie nicht beantworten konnten – weder für sich, noch für ihre Kleinen – ist mehr als nachvollziehbar. Gerade Mütter und Väter, die zum ersten Mal ein Kind auf dem Weg vom Kita- zum Schulkind begleiten, fühlen sich aktuell oft überfordert, denn sie müssen ihren Flöhen nicht nur emotional zur Seite stehen, sondern auch intellektuell … oder?

Wie ist das eigentlich wirklich? Sind wir Eltern nun tatsächlich in der Pflicht, unsere Kleinen vorbereiten, womöglich selbst ein Vorschulprogramm zu erstellen und durchzuziehen, und das, obwohl wir oft keine Ahnung haben, was da überhaupt reingehört? Und leider meist auch keine Anleitung durch unsere Betreuungseinrichtungen erfahren, weil diese gerade mit anderen Sorgen zu kämpfen haben?! WAS brauchen unsere Kinder tatsächlich, um in dieser absolut schrägen und bisher recht einmaligen Lage den Wechsel von der Kita in die Schule so zu meistern, ohne Defizite zu erleiden? Da ICH da echt wie Ochs vorm Berg stand und schon langsam etwas Gaga wurde, weil meine Freundinnen alle anders an das Thema rangingen, habe ich mir einfach Interview-Partnerinnen vom Fach gesucht – übrigens beide langjährige LÄCHELN UND WINKEN-Leserinnen, die sich ganz freiwillig dafür gemeldet haben ;) – und ihnen Löcher in den Bauch gefragt. Zu allem, was mich beim Thema Vorschule beschäftigt und auch zu den Ängsten, die mir vorab in Form von Nachrichten oder Kommentaren auf Facebook und Instagram sowie via Mails zugetragen wurden. Herausgekommen ist ein Artikel voller spannender Informationen und handfester Tipps, der mich aufatmen lässt und sehr beruhigt. Und ich hoffe sehr, dass er diese Wirkung auch auf viele andere besorgten Eltern hat! <3

Tipps & Infos zum Thema Vorschule von einer Erzieherin

Sandra Drewel-Hesse kenne ich schon ewig, aus Jugendzeiten in meiner Heimatstadt noch. Und als ich damit begann, mich mit dem Thema Vorschule auseinanderzusetzen, fragte ich sie (aufgrund eines toll umfangreichen Kommentars unter einem meiner Posts), ob sie mir vielleicht helfen wolle. Als Kinderkrankenschwester, Erzieherin, Familylab Seminarleiterin (Jesper Juul), Kinderschutzfachkraft und Psychomotorikerin wäre sie schließlich eine super Gesprächspartnerin. Glücklicherweise hatte die Mama von zwei großen Jungs (19 & 12) Bock und nahm sich neben all ihren anderen To do’s auch noch die Zeit, meine Fragen zu beantworten. <3

1. Was gehört normalerweise zum Vorschulprogramm in der Kita? Ich persönlich habe da tatsächlich keine Ahnung, denn die Mausemaus ist ja mein erstes Vorschulkind und diese Phase ist nun beinahe komplett für uns ausgefallen. Also: Wie werden die Kids EIGENTLICH auf den Wechsel in die Schule vorbereitet?

Sandra: Das ist eine gute Frage. Und ehrlicherweise nicht pauschal und je nach pädagogischer Richtung unterschiedlich zu beantworten. Um einen Leitfaden zu haben, richten sich einige nach dem Schulfähigkeitsprofil.

Aber dies dient nicht als Checkliste, sondern hat eher einen empfehlenden Charakter. Es gibt in vielen Einrichtungen jedes Jahr die typischen Ausflüge zur Feuerwehr, Mundhygieneraum, Polizei und Verkehrserziehung. Manche haben heute auch noch veraltete Vorstellung von Schleife binden bis zum Stift „richtig“ halten. Aber, um ehrlich zu sein, ist dies sehr individuell. Und für ein gesundes Lernen ist eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung nicht unerheblich. Lernen passiert, so auch die Erkenntnisse und Ergebnisse der Hirnforschung, nicht nur auf der Basis des Wissens, was man auswendig lernt oder eingetrichtert bekommt. Lernen geschieht auf mehreren Ebenen, beim Spiel, beim sozialen Miteinander, bei Naturerfahrungen und der Auseinandersetzung mit der Umwelt. Für Kinder ist ihre ganze Umgebung Lernwelt. Wichtig ist, dass wir sie dort mit einbeziehen, uns für Dinge Zeit nehmen und vor allem den Kindern Zeit geben, mit ihnen im Gespräch sind, ihnen zuhören, bei dem was sie interessiert und bewegt. Und wenn es zwei Jahre Legobau ist 😉 (Lego ist übrigens vieles was man auf den ersten Blick nicht sieht: Mengenlehre, Farben, Raumlageverständnis, Mathematik, Feinmotorik, Augen-Hand-Kopfkoordination, räumliches Denken usw.). Es ist wichtig, dass wir den Kindern nicht alles sofort aus der Hand nehmen, weil es schneller geht, oder wir es besser machen oder schon besser wissen. Wir sollten ihnen die Möglichkeit geben, eigene Handlungs- und Lösungsstrategien zu entwickeln, auch bei Misserfolgen. Und wir als Eltern sollten auch immer wieder unsere Erwartungen hinterfragen, die vielleicht manches Mal mit unserer eigenen Geschichte zu tun haben.

Anders als früher geht man heute davon aus, dass ein Kind alles in sich trägt, was es zum Lernen braucht. Wir Erzieher*innen verstehen uns als Prozessbegleiter. Wir gehen nicht davon aus, was ein Kind nicht kann, sondern setzen bei seinen Fähigkeiten an. Da ist zum einen die Neugier der Kinder und das generelle Interesse der Kinder zu lernen. Dazu gehört auch die Fähigkeit, sich Wissen anzueignen und neue Erfahrungen zu machen. Außerdem ist es wichtig für ein Kind, dass es lernt, Probleme zu lösen, mit anderen Kindern zusammen etwas anzupacken und sich mit ihnen auszutauschen. Es werden zudem Werte vermittelt, die wichtig sind: Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, aber auch soziales Verhalten oder Rücksichtnahme auf andere. Kinder haben so die Möglichkeit ein positives Selbstbild aufzubauen, sodass sie mehr und mehr in die Lage sind, Verantwortung zu übernehmen, für sich selbst und für andere. In unserer Einrichtung zum Beispiel entscheiden und gestalten unsere Vorschulkinder, wie im Bildungsauftrag verankert, partizipiert mit uns gemeinsam, wie ihr letztes Jahr im Kinderhaus aussieht. In Versammlungen werden Vorschläge gemacht und es wird abgestimmt. Wichtig ist es auch, den Kindern die Umgebung so zu gestalten, dass sie sich zum Beispiel an verschiedenen Dingen erproben und ausprobieren können. Es entstehen Projekte und spezielle Angebote für die Kinder, die sich an ihren Interessen orientieren. Neben diesen Grundlagen werden mehr und mehr auch Inhalte vermittelt. Das Interesse für Natur und Umwelt wird geweckt, die Kreativität der Kinder gefördert. Es hat sich auch gezeigt, dass es immer mehr Kindern schwerfällt, korrekt und in ganzen Sätzen zu sprechen, deshalb wird auch die Sprachförderung zunehmend wichtiger.

2. Die wahrscheinlich größte Veränderung für die Kleinen ist ja, dass sie nicht mehr den ganzen Tag mehr oder minder selbstbestimmt durch die Gegend düsen, sondern gewisse Zeitspannen sitzen und sich konzentrieren sollen. Wie kann man Kinder auf diese Umstellung vorbereiten? Wie können wir Eltern das am besten üben?

Sandra: Wichtig ist, dass Kinder das nicht erst jetzt lernen, sondern von Anfang an. Das Gehirn ist wie ein Muskel und kann trainiert werden. Ob beim Spiel eines Gesellschaftsspieles, beim Ritual, dass alle während des Essens am Tisch sitzen bleiben oder dem zu Ende bringen von Aufgaben, z.B. beim gemeinsamen Aufräumen. Häufig gelingt es Kindern, sich lange auf eine Sache zu fokussieren, wenn die Sache auf ihr Interesse ausgerichtet ist, dann können sie sich richtig vertiefen. Konzentration ist ein großes Thema. Und was vielen nicht bewusst ist: 5- bis 7-jährige Kinder können sich im Durchschnitt 15 bis 20 Minuten konzentrieren. Das bedeutet leider, die meisten Beschwerden über mangelnde Konzentration erwachsen aus unrealistischen Erwartungen.

3. Hast du darüber hinaus noch Tipps, wie wir Eltern aktiv werden können und vielleicht sogar sollten? Kannst du Übungshefte, Apps oder Internet-Seiten empfehlen?

Sandra: Ich rate davon ehrlicherweise ab, außer die Kinder äußern von sich aus Interesse daran. Ich kann nur empfehlen, lest mit euren Kindern Bücher und geht mit ihnen darüber in den Dialog. Lest nicht einfach runter, sondern beginnt Gespräche zum Beispiel zu den Bildern. Lasst euch Phantasiegeschichten erzählen, denkt euch mit ihnen gemeinsam Geschichten aus. Geht mit ihnen raus in den Wald und beschreibt mit ihnen gemeinsam, was ihr seht. Entdeckt mit Euren Kindern die Welt. Lasst sie ihre Hosen dreckig machen. Holt alte Reime aus der Kiste, spielt gemeinsam Gesellschaftsspiele wie „Mensch ärgere dich nicht“ und lasst ihnen Zeit die Würfelaugen selber abzuzählen. Kocht gemeinsam mit euren Kindern, dabei lernen sie so viel! Manche Kinder mögen die guten alten Ausmalbücher. Greift es auf, wenn sie Interessen an Buchstaben und Zahlen zeigen. Schaut genau hin, wo das Interesse eurer Kinder liegt und stärkt sie darin.

Wenn euch auffällt, dass euer Kind sich nicht gut konzentrieren kann, keine Ausdauer zeigt, soziale Kontakte vermeidet, immer nur Konflikte hat, kein Interesse an Dingen zeigt, Vermeidungsstrategien entwickelt, ihr irgendwie kein gutes Gefühl habt, hört darauf und wendet euch an eure Erzieher*innen oder gegebenenfalls auch an den Kinderarzt. Es gibt wunderbare Kinder, die einfach ein wenig mehr Unterstützung benötigen…

4. Und zum Schluss: Was möchtest du uns Vorschulkinder-Eltern noch mit auf den Weg geben?

Sandra: Was ich wichtig finde ist, dass sie Abschied von ihrer Kita oder dieser Zeit nehmen können. Dies kann auf vielfältige Weise passieren und ich hoffe, die Einrichtungen lassen sich etwas einfallen. Ansonsten überlegt euch bitte etwas mit euren Kindern und wenn es nur ein Foto von ihnen vor der Kita stehend ist.

Kinder, die in einem gesunden und unterstützenden Umfeld aufwachsen, sein dürfen, wie sie sind und so auch gut sind, werden gut dadurch kommen. Unsere Kinder lernen jetzt an uns, wir sind ihre Vorbilder, wie man mit Krisen umgeht und nehmen dies für ihr Leben mit. Mit reflektierten Eltern an ihrer Seite, die keinen Einstein wollen, sondern glückliche, gesunde Kinder, werden sie genau das sein können. Und bitte, liebe Mamas und Papas, es geht nicht darum, alles immer richtig zu machen. Das ist NICHT möglich und nicht nötig. Wir sind dafür da, den Kindern Wurzeln zu geben und Flügel wachsen zu lassen, wie man so schön sagt, damit sie fliegen können.

 

Tipps & Infos zum Thema Vorschule einer (Grundschul-)Lehrerin

Julia Misterek habe ich über die LÄCHELN UND WINKEN-Facebookseite kennengelernt und mich sofort mega gefreut, als sie anbat, mir bei diesem Artikel als „Frau vom Fach“ zur Seite zu stehen. Denn sie arbeitete nach ihrem Studium (Grundschulpädagogik, Mathematik und Textillehre) nicht nur viele Jahre an einer kleinen Dorfschule in der Eifel, sondern ließ sich in ihrer Elternzeit (die Kids sind 3 & 4) an die Uni Koblenz abordnen, um dort als Projektkoordinatorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Grundschulbildung und Sachunterricht zu fungieren. In einem weiteren Projekt biete sie (gemeinsam mit einer Kollegin) Experimentieren für Kinder im Vorschul- und Grundschulalter an, die jetzt zu Corona-Zeiten als spannendes, digitales Angebot zur Verfügung stehen. Sie ist also definitiv eine echt perfekte Ansprechpartnerin, für all meine Fragen rund um den Start ins Schulleben:

1. Die Herangehensweisen an den Wechsel vom Kindergarten in die Schule sind auf allen Ebenen unglaublich unterschiedlich. Einige Kitas haben ein richtiges Vorschulprogramm, andere nicht. Einige Eltern starten schon ein Jahr vorher damit, ihrem Nachwuchs ein bisschen Schreiben und Rechnen beizubringen, andere nicht. Einige Kinder können es kaum erwarten, endlich loszulegen und fordern es regelrecht ein, vorab etwas zu lernen, andere nicht. Wie sieht es da aus der Schul- bzw. Lehrer-Perspektive aus? Was sollen Kinder im besten Fall mitbringen, wenn sie in die Schule kommen? Außer einem schicken Schulranzen ;)

Julia: Aus Lehrerperspektive müssen die Kinder zumindest hinsichtlich Lesen, Schreiben und Rechnen nichts mitbringen. Allerdings gibt es Grundfertigkeiten, die den Schulstart ungemein erleichtern können. Die Kinder sollten z.B. Formen und Farben können (nein, das ist nicht selbstverständlich), die sollten alleine eine Toilette aufsuchen können, sich halbwegs selbstständig an- und ausziehen können (wichtig, gerade beim Sportunterricht mit 30 Kindern). Ich finde, es gibt eine tolle Übersicht, die diese Basiskompetenzen gut aufzeigt: das Zaubereinmaleins. Dieses Blatt habe ich den Vorschulkindern mitgegeben und sie durften mit grün anmalen, was sie schon alles können und mit orange, was noch nicht so gut klappt.

2. Wo siehst du die Eltern in Sachen Vorbereitung? Was sollten wir wirklich mit unseren Kindern vorab „üben“? Und wie?

Julia: Ich finde, dass man nicht extra Dinge kaufen muss, sondern einfach das nutzen kann, was im Alltag eh da ist. So muss täglich der Tisch gedeckt werden. Hier kann ein Kind abzählen, ob Teller, Besteck, usw. reichen. Man kann „provozieren“, indem man einen Teller zu viel oder zu wenig hinstellt und fragt, was und wie viel noch fehlt, usw. Man kann das Kind versuchen lassen, ein oder zwei Wünsche auf einen Einkaufszettel zu notieren (muss ja nicht schreiben sein, kann ja auch gemalt werden). Wenn man die Kinder einbindet und erklärt, reicht das völlig. In der Küche nebenbei die Waage und die Zahlen erklären, mit Kinderkochbüchern einfache Anleitungen nachvollziehen und ausführen, beim Spielen selbst die Würfelzahlen lesen und gehen lassen, usw. Vielleicht auf einfach mal schauen, was sich so ergibt. In unserer Tageszeitung ist samstags immer eine Kinderseite mit Rätsel drin. Machen lassen!

Und ansonsten: Viel lesen und zuhören lassen! Gereimte Bilderbücher sind toll! Hörspiele, Kinderlieder. All dies erweitert den Wortschatz! Was interessant ist, dass Kinder alles sprechen und nachahmen, aber die Bedeutung nicht kennen. Lieder oder Geschichten aufmerksam hören und lesen! Bei Wörtern einfach mal nachfragen, was das bedeuten könnte. In vielen Büchern gibt es das Wort „Waldlichtung“. Weiß ein Kind, was es ist? Erklären, Beispiele zeigen …

Und der Schulweg sollte geübt werden. Eventuell auch mal „Hindernisse“ nutzen, wie ein falsch geparktes Auto, eine gesperrte Straße usw. Nur so kann das Kind sicher werden!

3. Einige Eltern machen sich Sorgen, wie ihre Kinder die Umstellung verkraften werden, haben Angst – gerade in dieser sehr unsicheren Zeit und nach der sehr langen Betreuungspause – „die Kurve“ von nur (zuhause) Kind sein zu Schüler mit klaren Strukturen und Anforderungen nicht so recht zu kriegen. Und sie fürchten sich auch für sich selbst vor der Veränderung, den neuen Ansprüchen, die ja auch an sie gestellt werden. Kannst du da Mut mache und ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern, wie Kinder dem Abenteuer Schule deiner Erfahrung nach meist entgegentreten? Klar, jedes Kind ist anders … aber vielleicht kannst du da trotzdem etwas zu sagen :D Und vielleicht sogar Tipps geben, wie man diesen Schritt für Groß und Klein leichter gestalten kann?

Julia: Die Kinder verkraften das oft besser als die Eltern (und Großeltern) und freuen sich auf den Start! Und, so die Erfahrung, wird aus kleinen, rumturnenden Rabauken ein Kind, das plötzlich gespannt und erwartungsvoll abwartend auf seinem Stühlchen sitzen kann.  Aus der Erfahrung: Am besten in den ersten Wochen viel Zeit und nicht so viel vornehmen! Das ist echt anstrengend für die Kinder, vielleicht wollen sie mittags erst einmal ihre Ruhe, bevor es an die Hausaufgaben geht. Da muss jedes Kind seinen eigenen Rhythmus finden und nicht immer ist Mamas Weg der passende …

Ich habe mal auf einer Tagung einen ganz tollen Vergleich gehört, der im Hinterkopf bleiben sollte. Eltern sollen an die ersten zwei Jahre mit ihrem Kind zurückdenken. In den zwei Jahren wurde alles Elementare gelernt (laufen, sprechen, stehen, krabbeln, essen, trinken). Ähnlich sind auch die ersten zwei Jahre in der Schule (und später im Beruf). Nie mehr wird ein Kind solch viele neuen Dinge lernen wie in den ersten zwei Schuljahren: lesen, schreiben, rechnen … All das ist (für viele Kinder) komplett neu!

Mathe zum Beispiel: In den ersten zwei Jahren kommen alle Zahlen bis 100, Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division. In so kurzer Zeit!!!

Und zuletzt: Eltern können und sollten den Lehrern und Lehrerinnen vertrauen. Die wissen, was sie tun!
Ein schönes Buch für Eltern, Großeltern und Kinder ist das Buch: Der Ernst des Lebens.

4. Einige Eltern fragen sich, ob eine Einschulung unter den aktuell gegebenen Umständen überhaupt Sinn macht, denn einen ganz normalen Schulalltag – so wie wir ihn normalerweise kennen – werden sie ja höchstwahrscheinlich in der ersten Zeit nicht erleben. Was denkst du – ganz subjektiv – darüber?

Julia: Natürlich macht es Sinn! Die Kinder haben sich schon im Kindergarten gefreut, Maxikinder zu sein. Warum sollte man ihnen diese Vorfreude jetzt nehmen. Die Lehrer*innen der zukünftigen ersten Klassen wissen auch um die Situation und werden sich darauf einstellen. Klar, wird es organisatorisch ein wenig anders ablaufen und auch ich als Lehrerin kann mir eine Einschulungsfeier in der Schule kaum vorstellen. Aber auch dort wird es Lösungen geben. Ich kenne viele Lehrer*innen, die sich jetzt schon Gedanken machen!

5. Und wahrscheinlich auch ganz wichtig für Eltern: An wen sollten und können wir uns wenden, wenn wir überfordert sind – zum Beispiel das auf uns alle wartende Homeschooling nicht schaffen (aus welchen Gründen auch immer) und wir die Kinder vielleicht nicht so fördern können, wie sie es bräuchten?

Julia: Die erste Anlaufstelle ist natürlich die Schule! Aus diesem Grund gibt es die Notgruppen. Man kann sich auch im Bekanntenkreis oder der Nachbarschaft umhören. Gibt es Studierende, die toll erklären können? Gibt es Großeltern (okay, keine Risikogruppe!), die sich gerne nachmittags kümmern würden? Ich weiß selbst, dass es schwieriger ist, denn eigenen Kindern etwas zu erklären als fremden Kindern. 31 Kinder in der Klasse zum Aufräumen zu bringen ist um einiges einfacher als 2 Kinder daheim …

Wenn man merkt, dass es in einem bestimmten Fach große Probleme gibt (geben wird), so ist auch hier die Schule erster Ansprechpartner. Aber auch der Kinderarzt kann tolle Ratschläge geben, wo man Hilfe bekommt.

Und aus der Erfahrung: Hat ein Kind Schwierigkeiten, muss es nicht unbedingt eine Lernschwäche, LRS oder Dyskalkulie sein. Immer erst einmal Ohren und Augen checken lassen (Winkelfehlsichtigkeit, …), evtl. auch mal die Blutwerte. Oft sind es Kleinigkeiten, die das Kind hindern, erfolgreich zu lernen.

6. Und zum Schluss: Was möchtest du uns Vorschulkinder-Eltern noch mit auf den Weg geben?

Julia: Ruhe bewahren. Oft kommen die Kinder erst an den Herbstferien so richtig in der Schule an, manche erst an Weihnachten. Oftmals sieht man bei Kindern einen regelrechten Sprung nach den Herbstferien, wenn alles mal sacken konnte.

Bitte keinen Stress machen und die Kinder unter Druck setzen. Wenn die Kinder kommen und etwas lernen wollen, aufgreifen! Aber nicht zwingen, Vorschulbücher in Dauerschleife zu bearbeiten, dass kann schnell ins Gegenteil umschlagen. Viel vorlesen und dem Kind zuhören! Und Oma und Opa nicht zu viele Geschichten vom Ernst des Lebens erzählen lassen. Lieber von lustigen Gegebenheiten der eigenen Schulzeit (Streiche, Ausflüge, …) berichten und diese Erinnerungen weitergeben.

Und machen Sie bitte kein Fach „madig“. Oft führe ich Gespräche wie:

Ich: Oh, Ihr Kind hat Schwierigkeiten in Deutsch / Sachunterricht / …

Eltern: Wie kann ich helfen? Wie kann ich üben?

Ich: Oh, Ihr Kind hat Schwierigkeiten in Mathe.
Eltern: Ist so. Konnte ich auch nicht.

Und auch darauf achten, wenn Bücher eingebunden werden. Ich habe das schon oft gesehen: Alle Bücher eingebunden in bunte Klarsichtfolie. Nur das Mathebuch nicht. Damit man das blöde Buch nicht immer direkt sieht. All das nehmen die Kinder unbewusst wahr und verknüpfen auch schnell eine Abneigung gegen die Fächer (bevorzugt Mathe).

 

Wow, ich habe wirklich eine Menge gelernt und schaue nun viel entspannter auf die nächsten Wochen und Monate, den Wechsel von Kita zu Schule und sogar auf die nächsten Jahre. Also: VIELEN, VIELEN DANK an meine beiden Interviewpartnerinnen und die Zeit, die sie in die Beantwortung all dieser Fragen investiert haben. :-*

PS: Wie immer freue ich mich, wenn ihr diesen Artikel teilt! <3

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