Geburtsbericht
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Geburtsbericht: Leserin Simone M. erzählt

27.06.2018 – Ich fühle mich wie ein Walross und wünsche mir nur, dass es bei diesen abartigen Temperaturen endlich angenehmer wird. Zwei Tage noch bis zum ET – ich habe geschummelt und Ingwertee getrunken, ganz viel, soll ja wehenfördernd sein. Na ich bin gespannt. Nach einer komplikationslosen Schwangerschaft hätte ich gerne jetzt auch eine komplikationslose Geburt – JETZT bitte. Naja, wie auch immer, die Kleinen kommen, wenn sie soweit sind.. kriegste von allen Seiten zu hören, willste aber nicht hören, weil sie soll jetzt raus. Egal. Es ist WM und Deutschland spielt heute abend (gegen wen habe ich bis heute leider vergessen – glaub Spanien wars) und plötzlich geht es los in der ersten Halbzeit. Wehen. GANZ KLASSE. Jetzt auch wieder nicht Baby M – lass mich noch das WM Spiel anschauen. Ich veratme also durch die zwei Halbzeiten meine Wehen, denke mir, wenn das Spiel aus ist fahren wir mal ins Krankenhaus. Grossartig, jetzt hat die Deutsche Mannschaft in der VORRUNDE der WM also verloren und JETZ fahren wir ins Krankenhaus? Na die werden sich dort auch was denken so „Aha, also fürs Fussballspiel hatten se noch Zeit“
Wir wurden in ein Badezimmer geführt und ich ans CTG angeschlossen. Wehen ja, aber noch keine starken. Was bitte? Noch keine starken? Das tut aber schon dolle weh meine Freunde…. aber bitte, ihr seid die Experten. Nach zwei Stunden also wieder auf nach Hause. Schlafen, nochmal ausruhen – MIST. Dachte es geht los. Und es ist so heiss, ich will den Bauch los haben, und meine dicken Beine – ich seh aus wie eine Seekuh. Die Wehen haben sich dann zu Hause auch wieder beruhigt bis zum nächsten Tag. Beinahe selbe Zeit – nur einen Tag später – am 28.06. rückten wir also wieder ein weil ich wieder Wehen hatte. Wieder das gleiche, ab ins Bad, CTG… Dann hatte eine Hebamme eine grandiose Idee – machen wir doch einen Einlauf. Das ist eh ratsam, wenn es dann auf die Geburt zugeht. Dann ist der Darm wenigstens leer. Igitt – kann ich das nochmal rückgängig machen bitte? Wie auch immer, aber einem Punkt lässt man alles mit sich machen. Also Einlauf. „Bewegen Sie sich, aber gehen Sie nicht zu weit von der Toilette weg“ war der gutgemeinte Ratschlag der Hebamme. Und sie ließ mich allein. Mein Mann musste ja auch raus während ich den Einlauf bekam – nur kam er nicht wieder rein. Und Handyempfang war da auch nicht. Naja, so watschelte ich halt im fünf Meter Radius immer schön um die Toilette rum.. nur tat sich nichts. Nicht nach zehn Minuten, nicht nach einer halben Stunde und später auch nicht. Nach einer Stunde sah die Hebamme nach mir und wunderte sich. Scheinbar hatte mein Körper durch die Hitze alles an Flüssigkeit absorbiert. Also, Projekt Einlauf fehlgeschlagen. Inzwischen tauchte auch mein Mann wieder auf. Es hatte ihm keiner Bescheid gesagt, dass er wieder rein kann und so saß er die ganze Zeit frieldich vor der Tür.
Spät Nachts ließen die Wehen dann wieder nach. Muttermund verkürzt aber noch zu. Klasse, wie lange soll das denn bitte so weiter gehen? ICH MAG NICHT MEHR.
Immerhin durfte ich im Krankenhaus bleiben, bekam ein Bett für ein paar Stunden Schlaf und ein Frühstück. Am nächsten Vormittag, 29.06. wurde ich dann laufen geschickt. Ich kenne das Treppenhaus der Krankenhauses seit diesem Tag in und auswendig. Mittags sollte ich im Kreißsaal nochmal erscheinen zum ertasten. 2 cm – WAAAAAS 2 fucking cm – wollt ihr mich verarschein? Naja hilft ja nichts – also weiter wandern. Um 14 Uhr wieder Kontrolle – 4 cm. Sehr schön. Jetzt durfte ich da bleiben. Wehen hatte ich mittlerweile auch wieder. Wir wurden also in einen Kreißsaal geführt und ich durfte mich hinlegen. Ich weiß noch, wie heiss und stickig das war. Wir hatten ja immerhin seit Wochen an die 30 Grad. Tolle Zeit um Schwanger zu sein und zu gebären. Kann man sich ja aber nicht aussuchen.
Wieder CTG, wieder untersuchen – mittlerweile war es dann glaub ich so 15:30 Uhr rum – immernoch 4 cm. Geht ja grossartig voran – NICHT. Was auch der Hebamme nicht ganz so gefiel. Wir entschieden gemeinsam, eine PDA legen zu lassen und einen Wehentropf anzulegen. Gesagt getan – endlich werden die Schmerzen besser! Dachte ich so in meiner Erstgebärenden- Naivität. Also rückten in der nächsten halben Stunde der Anästhesist und seine Assistentin an. Hinsetzen, Rücken frei machen und ach ja „Haben Sie was dagegen, wenn meine Assistentin an Ihnen übt?“ WAS? Auch noch Versuchskaninchen spielen? Na gut, meinetwegen. Also Assistentin war redlich bemüht. Wir warteten immer brav auf eine Wehe, nicht bewegen (Hach die machen Witze die Kollegen da im Krankenhaus)…tja, lange Rede kurzer Sinn…nach einer weiteren halben Stunde haben sie es aufgegeben mir eine PDA legen zu wollen. Was? He…nein bleibt da, probierts nochmal. Ich hab zwar schon sieben Einstiche im Rücken, aber bitte versucht es! ICH WILL EINE PDA! Half alles nichts, man verließ mich mit den Worten „Sorry, schaffen wir nicht, Ihnen eine PDA zu legen“. Da wurde ich das erste Mal nervös. Denn das hieß auch, im schlimmsten Fall – Kaiserschnitt – dann eine Vollnarkose. Ich hatte etwas Angst. Aber konnte in dem Moment ja eh nichts machen. Auch gegen den Wehentropf nicht, den mir die Hebamme mittlerweile angeschlossen hatte. Wehentropf OHNE PDA – Leute das ist kein Spaziergang! Wenigstens hab ich Buscopan bekommen. Hach ich lache heute noch. So gegen 18:30 Uhr rum hatte der Wehentropf dann seine gewünschte Wirkung erzielt und der Muttermund war bei 10 cm – Alter Falter – ich bin ja echt schmerzresistent, aber Wehentropf ohne PDA – da bin ich schon ein bisschen stolz auf mich.
Die Fruchtblase war immernoch geschlossen. Die Zeit kann ich nicht mehr einschätzen, aber irgendwann machte die Hebamme die Fruchtblase auf und es setzte augeblicklich und SOFORT ein Drang zum Pressen ein. Und ab da wurde es unfreundlich im Kreißsaal. Ich sagte, dass ich Pressen müsse, die Hebamme sagte nein. Hey Fräulein, schonmal versucht gegen Deinen Körper zu arbeiten? Die ist vielleicht lustig. Ganz konnte ich es nicht verhindern zu Pressen. Als sie mich dann irgendwan anschnauzte „Hören Sie das? Das sind die Herztöne Ihrer Tochter, die gehen runter. Wenn sie so weiter machen, gefährend Sie sie.“ Ah danke, hilft mir jetzt unglaublich weiter angeschnauzt zu werden. Aber ich tat mein Bestes. Als ich den Kopf ertasten durfte meinte sie zu mir, dass sie jetzt einen Dammschnitt machen muss, weil das Gewebe zu fest ist und nicht reissen wird. Anmerkung: Hätte doch mal regelmäßig die Damm-Massage machen sollen. Ah was solls, jetzt ists eh zu spät. Also bei nächsten Wehe – Schnipp Schnapp und zack war der Kopf von Baby M auch schon da. Eine Wehe noch, eine Wehe noch .. mein Mantra für die letzten Minuten. Und da flutsche meine große Liebe aus mir raus, einfach so, um 19:22 am 29.06.2018 – genau am errechneten Termin. Ich war unendlich glücklich, erleichtert und froh, dass es vorbei war und meine kleine Maus endlich da war.
Vorbei war es aber noch nicht wirklich, wie sich herausstellen sollte. Nach den ersten Kennenlernminuten wurde mir Baby M weggenommen und mit dem Papa zum wiegen, anziehen, saubermachen etc gebracht. Und man begann an mir rumzuwerkeln. Was los war? Meine Plazenta hatte sich nur zum Teil gelöst und hing immernoch in mir fest das Mistding. Ich kann mich erinnern, dass eine Hebamme auf meinem Bauch rumgedrückt hat und eine andere an der Nabelschnur gezogen hat. Herrliches Gefühl. Blieb aber leider erfolglos.
Lange rede kurzer Sinn – ich wurde dann noch unter Vollnarkose operiert bzw. ausgeschabt bzw. die Plazenta entfernt. Verlief aber alles normal und genäht haben sie mich dabei auch – leider nicht gut, aber das verwächst sich. Nachdem ich aus dem Aufwachraum wieder im Kreißsaal war, bekam ich mein kleines Bündel Tochter auf den Arm. Es war eines der unbeschreiblichsten Gefühle und alle Schmerzen, Qualen und Unwegsamkeiten gerieten in den Hintergrund. Meine Tochter war gesund, 52 cm groß und 3.590 Gramm schwer. Heute ist sie schon bald drei Jahre alt und ich frage mich vor verdammt die Zeit geblieben ist. Sie geht so schnell vorbei, Baby M ist kein Baby mehr, aber immernoch meine große Liebe und ich denke so gerne an unsere ersten Nächte als Mama und Tochter zurück.
Diesen spannenden Geburtsbericht halt Simone M. geschrieben. :)
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