Geburtsbericht
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Geburtsbericht: Leserin Maike erzählt

Bevor ich mit meinem Geburtsbericht anfange, sollte ich erwähnen, dass es meine zweite Geburt war, die erste Geburt meiner Tochter war 20 Monate her und hat damals ca. 40 Minuten gedauert. Aufgrund der sehr schnellen ersten Geburt war es mein absoluter Albtraum ungeplant zu Hause im Beisein meiner Tochter zu entbinden. Schließlich hatte ich bei der ersten Geburt das ganze Krankenhaus zusammen gebrüllt. Richtige Urschreie waren das. Und das wollte ich auf keinen Fall vor meiner Tochter tun. Meine Freundinnen und auch meine Hebamme beruhigten mich und meinten die 15 Minuten würde ich es auf jeden Fall ins Krankenhaus schaffen.

Der Tag vor der Geburt unserer zweiten Tochter war der errechnete Geburtstermin (ET) und zugleich unser dritter Hochzeitstag. Für mich war von Anfang an klar, dann wird sie nicht kommen. Zwar musste ich aufgrund von Konferenzen unseren Hochzeitstag ohne meinen Mann verbringen, aber ich verbrachte den sehr heißen Spätsommertag mit unserer „großen“ Maus. Am Abend bekam ich eine Nachricht von meiner Hebamme, die mir zum Hochzeitstag gratulierte und mir mitteilte wie schön es sei, dass sich die Bauchmaus an meinen Wunsch gehalten hätte. Ich antwortete ihr, dass hier alles ruhig sei und das sicherlich noch dauern würde. Sie wollte sich am nächsten Tag melden, um mit mir über Möglichkeiten zu sprechen Wehen natürlich einzuleiten. Ich ging also wie jeden Abend ins Bett. Und wie jede Nacht, wachte ich mit Blasenschmerzen auf, da die kleine Maus sich immer auf die volle Blase legte. Ich rollte mich also aus dem Bett und watschelte zur Toilette. Dort merkte ich, relativ schnell, dass ich eventuell doch meinen Mann wecken sollte, da ich Blut entdeckte. Gesagt getan.

Um 02.33 Uhr rief mein Mann meine Eltern an, damit sie sich um unsere große Tochter kümmern konnten. Um die Zeit zu überbrücken, die meine Eltern brauchen würden, riefen wir auch unsere Nachbarin an. Die Frage meines Mannes, ob er den Krankenwagen rufen sollte, verneinte ich, schließlich waren die Schmerzen bis dahin absolut auszuhalten. Ich ging ins Wohnzimmer, um das Ladekabel für mein Handy zu holen und legte die Kette, mit den Initialen der großen Maus, die ich unbedingt bei mir haben wollte an.

Meine Nachbarin war mittlerweile bei uns angekommen und mit einem Mal hatte ich starke Wehen, sodass ich mich in unserem Flur auf den Tisch stützen musste und laut brüllte. Im Nachhinein kann ich nicht sagen, ob ich hier bereits gepresst habe, jedenfalls nicht bewusst. Nach der ersten heftigen Wehe sagte ich meinem Mann er solle nun doch den Krankenwagen rufen. Nachdem er beim ersten Mal fälschlicher Weise die 110 wählte und auch beim zweiten Mal, verband ihn der liebe Polizist mit dem Rettungsdienst. Als dieser auch noch wissen wollte, wie man unseren doch etwas längeren Nachnamen schreibt, riss mir der Geduldsfaden und mitten in der nächsten Wehe schrie ich nur noch, dass es doch s****ß egal sei wie man den s****ß Nachnamen schreibt. Die Wehen kamen im Abstand von etwa zwei Minuten. Meine Nachbarin massierte mir während der Wehen immer wieder den unteren Rücken und sprach mir beruhigend zu. Währenddessen holte mein Mann die Krankenhaustasche aus dem Auto. Durch die offene Tür konnte ich das Blaulicht des eintreffenden Krankenwagens sehen und wollte mich auf den Weg nach draußen machen. Mitten im Flur musste ich mich bei meinem Mann festhalten und wieder eine sehr heftige Wehe wegbrüllen. Rückblickend war dies die erste Wehe, bei der ich wohl wirklich gepresst hatte. Nachdem ich wieder laufen konnte, machte ich mich weiter auf den Weg nach draußen. Kurz vor der Haustür (Wir haben eine Haustür und dann folgt ein kleiner mini Flur und dann die Tür zu unserer Wohnung) merkte ich auf einmal einen wahnsinnigen Druck nach unten und schrie nur noch der Kopf, der Kopf, die Hose. Ich riss mir mit Hilfe meines Mannes die Shorts runter und da war der Kopf unserer kleinen Maus schon geboren. Im selben Augenblick kam der Rettungssanitäter um die Ecke und rief nur noch: „Ach du S****ße! Sie müssen sich sofort hinlegen!!!“ Ich wollte mich aber überhaupt nicht hinlegen, da ich von der ersten Geburt noch im Kopf hatte, dass Wehen im Liegen gar nicht auszuhalten waren und schließlich hatte ich unsere große Maus auch stehend bekommen. Der Sanitäter ließ mir aber keine Wahl (was im Nachhinein auch gut so war, sonst wäre die kleine Maus womöglich noch auf den Boden gefallen). Und da lag ich nun mitten auf unserer Eingangsmatte aus Kokosfasern, in den Armen meiner Nachbarin, den Kopf meiner kleinsten Tochter zwischen den Beinen und in den Händen des Sanitäters und fragte mich, warum sie denn nicht schreien würde.

Wie im Film rief der Sanitäter ich solle PRESSEN, da ich aber gerade gar keine Wehe hatte, konnte ich schlicht weg nicht pressen und versuchte das dem ziemlich überforderten, aber unglaublich liebevollen Sanitäter zu erklären.

Mit der nächsten Wehe kam unsere kleine Maus dann endlich ganz zu uns und sie schrie nun auch. Unglaublich erleichtert nahm ich meine Tochter entgegen, legte sie auf meinen Oberkörper und deckte sie mit Handtüchern und Decken zu. Etwas erschöpft fragte ich wie spät es denn sei, schließlich wollte ich festhalten wann die kleine Maus in etwa geboren wurde. Es war 02.49 Uhr. Mit Hilfe der nun auch eingetroffenen Notärztin durfte mein Mann die Nabelschnur durchtrennen. Unsere kleine Maus und ich wurden ins Krankenhaus gebracht, indem sie gründlich untersucht wurde und wo wir zwei (dank Coronabestimmungen) ganz alleine die rasante Ankunft verarbeiteten.

Und wer sich jetzt fragt, was in all den 16 Minuten mit der großen Maus war. Die hat das ganze Spektakel schlichtweg verschlafen. Erst als mein Mann die Tür geschlossen hatte, um uns ins Krankenhaus nachzufahren, stand sie auf einmal in der Zimmertür und fragte Oma und Opa, wo denn Mama und Papa seien.

Diesen spannenden Geburtsbericht hat Maike geschrieben :)

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