Geburtsbericht
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Geburtsbericht: Leserin Britta erzählt

Mitternacht. Ich liege im Bett und spüre das Wasser zwischen meinen Beinen.
Das darf nicht wahr sein! Nicht jetzt. Ich bin nicht bereit.
Mechanisch stehe ich auf, es platscht. Ich gehe ins Bad, es platscht nochmal. Ich gehe zu meinem Mann und rufe ihm zu: „Die Fruchtblase ist geplatzt! Ich rufe jetzt im Kreißsaal an“ und gehe wieder hinaus. Im Bad und Schlafzimmer wische ich das Fruchtwasser auf und gehe zum Telefon.
Ich sage der Hebamme, dass ich einen Blasensprung hatte, dass morgen der errechnete Termin ist und dass ich noch keine Wehen habe. Sie sagt, ich soll mal hoch kommen, damit geschaut wird, aber ich muss mich nicht beeilen.
Als nächstes rufe ich den Nachbarn an und sage ihm das selbe. Er kommt rüber und übernimmt unsere große Tochter.
Im Bad kämme ich mich und creme mein Gesicht ein.
Ich bin wie in Trance. Ich funktioniere und habe wahnsinnige Angst. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Diese Geburt nimmt ihren Lauf, und zwar jetzt.
Im Auto bekomme ich leichte Wehen, wie Menstruationsschmerzen. Ich bin froh darüber, so muss ich nicht den ganzen Tag nach Blasensprung warten und laufen und werde wieder weggeschickt, bis es losgeht.
Mein Mann fährt unglaublich langsam und vorsichtig. Am liebsten möchte ich ihn packen und schütteln, ich habe Wehen, die ich mittlerweile deutlich spüre, und kann nicht mehr angeschnallt sitzen. Er schleicht über die Schnellstraße. Am Kreißsaal angekommen, werde ich sicherer.
Mit Wehen muss ich die Temperatur unter meiner Achsel messen – gar nicht so leicht.
Dann kommen wir in einen kleinen Kreißsaal. Ich bin entsetzt, wie hässlich er ist. Nur eine Wärmelampe und eine Wickelunterlage deuten darauf hin, dass hier ein Kind geboren werden soll. Es gibt nichts zum Festhalten, kein Seil. Ich soll auf der Liege Platz nehmen und werde ans CTG geschnallt. Die Hebammen stellen sich vor, sie heißen Elke und Nadine. Elke ist sehr locker und lustig, Nadine behutsam und vorsichtig. Ich sehe mich um und hänge am CTG und kann nicht glauben, dass wir hier sind, damit ich unser Kind zur Welt bringe, dass bald mein Bauch leer sein wird und im Raum ein Mensch mehr.
Als die Hebammen draußen sind, kommt eine starke Wehe. Ich kann nicht mehr auf der Seite liegen, richte mich auf und gehe auf alle Viere. Es ist mir egal, dass das CTG dabei abrutscht. Ich versuche es wieder drauf zu basteln, es klappt nicht, auch egal. Hauptsache ich bin nicht im Liegen gefesselt.
Die Hebammen kommen wieder, sie haben die Wehe auf dem Monitor bemerkt. Elke fragt, ob ich dieses Gefühl kenne. Ich sage ihr, dass ich die Wehe deutlich als Wehe bemerkt habe, aber dass sie noch nicht so stark war, wie sie sein kann.
Elke untersucht meinen Muttermund, danach tastet Nadine. Mein Muttermund ist schon 4cm offen! Ich bin erleichtert, so viel ist schon geschafft. Elke sagt, dass das Kind sicher noch in ihrer Schicht geboren wird, dass ich es nicht mehr lange aushalten muss. Es ist halb 2.
Ich bewege mich und schwinge die Hüften im Takt meiner Wehen. Elke und Nadine loben mich, wie gut die Bewegungen sind und dass ich es sehr gut mache. Ich bin froh und zuversichtlich.
Wir müssen im Untersuchungszimmer einen Corona-Test machen und ich werde per Ultraschall untersucht. Alle sind sehr nett und geduldig, als Nadine die Test-Zutaten nicht gleich findet. Ich fühle mich wohl, alle hier sind so nett und menschlich. Ich denke, dass es ein guter Ort ist, um geboren zu werden.
Der Test ist fies, ich schreie vor Schmerz und meine Augen tränen. Die Ärztin weiß schon Bescheid, dass ich das Geschlecht nicht wissen will, und dreht den Bildschirm darum weg von mir. Sie schätzt das Kind auf 3,2kg, so wie Elke mit ihren „magischen Hebammenhänden“. Ich frage noch, wie viele Beine das Kind hat, und erzähle von diesem komischen Dritttrimester-Screening. Alle müssen lachen und die Ärztin kann mich beruhigen. Den Test und die Untersuchung mit starken Wehen empfinde ich als Zumutung, beiße die Zähne zusammen, mache Witze und lasse mir nicht anmerken, wie mich das stresst, um mich nicht reinzusteigern. Es sind auch alle sehr verständnisvoll, die Ärztin wartet eine Wehenpause ab, um den Zugang zu legen und die Untersuchung zu machen.
Dann gehen wir wieder in den kleinen Kreißsaal.
Ich werde wieder untersucht und Elke verändert ihre Voraussage auf halb 5.
Elke macht mir wegen der Wassergeburt einen Einlauf und ich lasse es über mich ergehen. Es ist erniedrigend und ein ekliges Gefühl, das Wasser in den Po gepumpt zu bekommen. Ich scherze mit Elke, um dieses Gefühl auf Abstand zu halten. Danach bekomme ich super starke Wehen. Ich laufe auf und ab in diesem winzigen Zimmer und versuche, das Wasser zu halten. Ich stütze mich auf dem Gebärbett ab, was anderes gibt es dort nicht, und gehe mit den Wehen und entspanne in den Wehenpausen. Unterhalb der Brust lasse ich komplett los. Ich spüre, wie ich meinen Unterleib entspanne und zulasse, was dort passiert, zulasse, dass das Baby tiefer sackt. Durch das Fenster sehe ich den fast vollen Mond.
Mit einem Mal sind die Rippenschmerzen, die mich seit 3 Monaten geplagt haben, weg. Ich bin verblüfft und erleichtert.
Ich gehe häufig zum Klo und entleere mich. Es fühlt sich grausig an, die Wehen sind unheimlich stark, ich kann kaum auf dem Klo sitzen. Das verfluchte Klopapier kommt nur in Fitzeln aus dem Spender.
Die Wehen kommen immer häufiger. Ich klingel und sage Bescheid.
Die Hebammen bringen mich in einen größeren Kreißsaal. Alle legen Wert darauf, dass ich dafür Schuhe anziehe, und so kramt mein Mann langsam meine Schlappen heraus und fummelt sie ungeschickt weiter, damit ich ohne Bücken reinschlüpfen kann. Die Hebammen sagen nichts, aber ich bin sehr ungeduldig und verlegen, weil das so lange dauert.
Im großen Kreißsaal ist die Wanne, ansonsten ist er genauso hässlich wie der andere. Es gibt kein Seil, an dem ich mich festhalten kann. Nadine fummelt mir das CTG dran, es gelingt nicht richtig, ich kann nicht stillhalten, dann lassen wir es. Ich laufe weiter auf und ab und frage mich, worauf alle warten. Die Wehen werden unglaublich stark. Ich halte mich an dem Gebärbett fest und bin inzwischen nur noch in Unterwäsche.
Ich rufe meinem Mann zu, dass er klingeln soll. Die Hebammen kommen sofort. Sie sehen, wie weit ich schon bin, und beeilen sich. Sie sammeln sehr viel Zeug zusammen, Elke schleppt Handtücher heran. Ich stehe am Gebärbett, halte mich fest und veratme die Wehen, gehe mit den Wellen, tauche ein und unter ihnen hinweg, habe die Augen geschlossen und spüre in mich hinein.
Dann spüre ich den Kopf im Geburtsgang.
Ich schreie „ich glaub es kommt jetzt!!“, dabei ist das untertrieben, ich bin mir sicher dass es jetzt kommt.
Elke sagt „Ja dann hopphopp, ab in die Wanne!“
Ich stürze mich ins Abenteuer. So schnell ich kann, überwinde ich die 2m zur Wanne, strampel im Laufen die Unterhose weg. Elke fragt „BH an oder aus?“ und ich sage „aus, auf jeden Fall aus!“, denn das war ja eins der großen Probleme bei Maditas Geburt, dass ich den BH an hatte.
Mein Mann fummelt ungeschickt am Verschluss herum. Endlich ist der BH offen. Ich hechte in die Wanne und nehme Platz. Ich bin die stärkste Frau der Welt.
Die Wehen sind so stark. Ich schreie. Sie kommen alle paar Sekunden.
Elke ruft von der Tür „noch nicht drücken!“, ich schreie zurück „ich kann aber nicht anders!“. Sie weist mich zurecht: „Doch, Sie können anders, auf keinen Fall drücken!“.
Ich gehorche und veratme die Wehen, schreie. Das Wasser rauscht wahnsinnig laut und schnell in die Wanne. Elke prüft das Wasser und erklärt: „Noch nicht drücken. Ich brauche noch eine halbe Handbreit Wasser.“ Ich weiß, dass das Baby nicht geboren werden darf, wenn zu wenig Wasser in der Wanne ist, damit es nicht zu früh atmet. Ich will diese Wassergeburt unbedingt. Ich veratme die Wehen und lasse unterhalb der Brust los, distanziere mich von dem Drang zu pressen. Währenddessen richten Elke und Nadine hektisch alle Instrumente und Materialien für Notfälle.

Dann ist genug Wasser drin. Ich darf pressen. Aber ich will nicht. Ich habe große Angst, mich wieder so zu verletzen wie bei Maditas Geburt. Die Wehen sind eine unglaubliche Gewalt in meinem Inneren, unglaublich stark. Ich schreie, weil ich sonst Angst bekommen würde. Mein Mann fotografiert mich, und ich schreie erst recht. Mir ist klar, dass ich mich nie wieder so gehen lassen kann, und ich will davon Fotos haben.
Elke sagt, ich soll drücken und nicht schreien, ich soll den Mund zu machen, um mehr Druck aufzubauen. Ich sage ihr, dass ich Angst vor Verletzungen habe, und sie spricht mir gut zu. Ich schreie weniger, aber höre nicht ganz auf, mache den Mund zu, aber presse mit Gefühl, nicht mit aller Kraft. Ich habe Zeit, ich habe es nicht eilig. Es dauert so lange, wie es dauert. Ich schiebe mit meiner Atmung ohne Gewalt das Kind weiter hinunter. Dabei gehe ich immer wieder ins Hochkreuz, weiche von dem Schmerz zurück. Elke weist mich zurecht, ich soll mich rund machen und nicht ins Hohlkreuz gehen. Ich versuche es, aber folge meinem Instinkt, immer wieder zurück zu weichen und die Richtung zu ändern. Ich merke, dass es auch so funktioniert, und es fühlt sich richtig an.
An meinem Schambein merke ich einen Widerstand. Ich halte inne, mache eine Pause und sage kläglich: „Es tut so weh“. Elke nickt mir tröstend und zuversichtlich zu. „Es ist gleich geschafft.“ Weiter gehts. Elke meldet, dass der Kopf zu sehen ist, und dass das Kind entweder kahl oder blond ist. Ich denke mal wieder, wen so etwas schon interessiert.
Ich drücke so stark und so behutsam wie ich kann, wie ich es mir und meinem Kind zutraue und zumute. Mein Po tut weh, er spreizt sich genau wie die Vagina.
Elke leitet mich zur Atmung und zum Pressen an, aber das brauche ich gar nicht. Ich bin in meinem eigenen Film und bringe mein Baby zur Welt. Schließlich verkündet sie, dass der Kopf geboren ist. Sie fragt, ob ich nach dem Kopf tasten will. Ich will unbedingt, ich will wissen, wohin meine Energie geht, was ich geschafft habe, ich will dieses einmalige Erlebnis endlich spüren. Mein halb geborenes Kind streicheln und begrüßen.
Ich lasse die rechte Hand los und taste nach unten. Es ist umständlich. Das Kind ist zum großen Teil immer noch im Bauch, daran muss ich vorbei tasten, ich komme kaum dran. Ich spüre kurz den harten Kopf und muss mich gleich wieder festhalten.
Ich habe eine Wehenpause. Elke sagt, ich soll weiter pressen, um das Kind ganz zu gebären, aber sieht selber sofort, dass es gerade nicht geht: „Wir brauchen eine Wehe.“
Ich nicke und ruhe mich aus.
Dann kommen die Wehen wieder. Ich atme und drücke. Zwischendurch wird es hektisch, Nadine leitet mich an zum Hyperventilieren. Ich wundere mich, dachte, das sei nicht mehr üblich, aber gehorche.
Der Rest der Geburt tut kaum weniger weh als die Geburt des Kopfes. Ich beeile mich nicht. Ich atme und drücke und schiebe mein Kind heraus. Es ist 03:12.
Als es geboren ist, hält Elke es unter Wasser. Ich lehne mich zurück, lasse die Griffe los, entspanne und bin erschöpft. Sie fragt, ob ich es heraus nehmen möchte. Ich möchte unbedingt!
Ich greife nach unten nach dem Kind, das sie in ihren behandschuhten Händen hält. Ich packe es an den Armen, ungeschickt, aber am Rumpf sind schon ihre Hände, es ist mir egal, es wird es überstehen, die Hebammen sind ja dabei.
Ich hebe mein Kind hoch und blicke es an, es schaut mir mit seinen riesigen dunklen Augen direkt in die Augen. Die Augen sind so unglaublich wissend. Die Weisheit des ganzen Universums liegt darin.
„Hallo, du kleines Kind“, sage ich gerührt zu meinem Baby, bin so unendlich dankbar, dass es endlich zu mir gekommen ist. Ich lege es auf meine Brust, so, dass ich sein Gesicht sehen kann, und schließe es in die Arme. Ich bin unfassbar glücklich.
„Was bist du denn eigentlich?“, frage ich – ich habe es so schnell heraus gehoben, dass ich das Geschlecht nicht sehen konnte. „Es ist ein Junge“, sagt Nadine.

„Das habe ich mir schon gedacht“, sage ich. „Und wie heißt du nun?“, frage ich ihn. Aber mein Mann und ich haben uns schon vorhin darauf geeinigt, dass Gabriel ein guter Name ist.
Die Hebammen staunen und fragen, ob wir immer noch keinen Namen haben.
Wir sagen, doch, Gabriel.
„Ein Sternengucker“, sagt Elke.
Ich habe mir das schon die ganze Schwangerschaft gedacht, es überrascht mich überhaupt nicht. „Er wollte noch seinem Geschwisterchen winken“, sage ich. Niemand antwortet.
Ich darf Gabriel, zugedeckt mit einem warmen Handtuch, ein Weilchen auf meiner Brust halten. Ich schaue zu Elke auf, suche ihren Blick und laufe über vor Erleichterung und Dankbarkeit. „Danke“, sage ich. Mehr kann ich nicht sagen. Sie antwortet irgendwas, wahrscheinlich sagt sie, dass ich alles selber gemacht habe.
Dann wird Gabriel mir weggenommen, bevor ihm zu kalt wird, gewogen und gemessen und untersucht. Er wiegt 3730g.
Ich bleibe im Wasser; wenn ich mein Baby nicht halten kann, bleibe ich lieber im Wasser. „Jetzt kommt die Plazenta“, sagt Elke und weist mich an zu drücken.
Ich bekomme wieder leichte Wehen und drücke. Die Plazenta fühlt sich groß und sehr fest an im Geburtsgang. Sie wird geboren und Elke entnimmt sie, legt sie auf einen Tisch und untersucht sie. „Und hier haben wir eine weitere Besonderheit“, sagt sie und zeigt Nadine etwas. „Weißt du was das ist?“
Nadine schaut und sagt verblüfft: „Eine Insertio Velamentosa?“ und Elke stimmt ihr zu: „Aber was für eine! So eine habe ich noch nie gesehen.“
Nadine stößt die Luft aus und schaut mich fassungslos an und sagt „Da haben Sie aber Glück gehabt!!“
Ich habe keine Ahnung, wovon die beiden reden; Elke fragt mich, ob ich es sehen will. Sie zeigt mir die Plazenta, aber ich kann nichts recht erkennen, mein Blickfeld ist etwas unterhalb dieses Tisches. Elke sagt, dass die Nabelschnur nicht in der Mitte ansetzt, sondern über die Eihäute läuft. „Aha“, denke ich. Das ist mir egal. Elke sagt nicht, wie gefährlich Gabriels Geburt dadurch war. Sie tritt wieder neben mich und spricht mit mir, erklärt die Anomalie nochmal und sagt: „Da haben wir drei Besonderheiten bei dieser Geburt: Sternengucker, Nabelschnur um den Hals und diese Plazenta!“.
Ich fand diese Geburt auch sehr besonders und freue mich, dass sie für die Hebammen auch besonders war.
Da jetzt die Blutung einsetzt, muss ich aus der Wanne. Das Wasser wird abgelassen und rauscht im Nu durch den Abfluss. Ich gehe durch die Tür der Wanne und zum Gebärbett und habe keine Ahnung, wie ich da drauf kommen soll. Es wird ganz herunter gefahren und ich krabbel irgendwie vorwärts und über die Seite darauf, ich will mich auf keinen Fall hinsetzen, und irgendwann liege ich auf dem Rücken und werde von den Hebammen und der Ärztin untersucht. Die Ärztin stellt fest, dass ich keinerlei Verletzungen habe und sie somit nicht mehr gebraucht wird, freut sich und geht raus. Gegen das Frieren und die Erschöpfung werde ich warm zugedeckt und ein Gebläse wird herangeschafft, das zusätzlich warme Luft unter meine Decke bläst.
Ich bekomme Gabriel wieder und lege ihn an und um mich herum ist ein reges Treiben, viele kommen und fotografieren die Plazenta, der Kreißsaal wird aufgeräumt, mein Mann macht Fotos und ich bin mit Gabriel in einer Blase, die uns umhüllt und abschirmt von allem anderen. Ich schaue ihn an und staune.
Später weist Nadine mich an, zu probieren, mich aufzusetzen. Ich probiere es so behutsam ich kann und spüre trotzdem das Blut zwischen meinen Beinen sprudeln. „Oh“, sagt Nadine, drückt mich schnell wieder zurück und die Kompressen auf meine Vagina und klingelt.

Elke kommt schnell herein, kurze Zeit sind alle sehr aufgeregt. Mein Mann hält Gabriel im Arm und fragt, ob er eine Mütze für das Baby bekommt.
„Erstmal verarzten wir Ihre Frau und dann bekommen Sie die Mütze“, weist Elke ihn zurecht. Er zieht kleinlaut den Kopf ein und ich lache innerlich.
Dann wird mir ein Katheter gelegt, um die Blase zu entleeren, falls es an ihr liegt, dass die Gebärmutter sich nicht zusammen ziehen kann. Das tut unglaublich weh. Ich weine, es ist wieder wie bei Maditas Geburt, dass die Schmerzen nicht aufhören. Das sage ich zu Elke auch: „Das ist das schlimmste! Dass es nach der Geburt einfach nicht aufhört, weh zu tun!“. Elke tröstet mich und sagt, dass es gleich vorbei ist, und das ist es auch. Leider führt es nicht zum Erfolg, die Blutung lässt nicht nach.
Ich bekomme Oxytocin und soll mich auf den Bauch legen. Es ist ein Kraftakt. Ich will mich eigentlich gar nicht bewegen, ich will meine Vagina und Vulva und meinen Beckenboden durch nichts belasten. Elke lässt nicht locker und so bugsiere ich mich mühsam auf den Bauch. Dort einmal angekommen, bin ich erleichtert. Nach 12 Wochen endlich mal wieder auf dem Bauch liegen! Und auch meinen Gebär-Bereich entlastet es. Gegen die nun wieder einsetzenden Wehen bekomme ich eine Tablette Paracetamol. „Was soll das, wollt ihr mich verarschen? Orales Paracetamol gegen Wehen?“ denke ich und frage mich, warum ich das nicht wenigstens über den Tropf bekomme. Ich spüre meine Gebärmutter sich rhytmisch zusammen ziehen.
So liege ich eine Weile, eine Stunde, zwei Stunden. Mein Mann hält Gabriel und versichert, dass er ihm nicht zu schwer wird, aber irgendwann sieht er es ein, und wir fragen nach einem Bettchen.
Beim nächsten Versuch, aufzustehen, komme ich etwas weiter, sitze auf dem Toilettenstuhl und merke, wie mir schwindelig wird. Schnell geht es zurück aufs Bett.
Beim nächsten Versuch schaffe ich es nicht bei Bewusstsein zurück aufs Bett und platsche mit dem Gesicht voran darauf.
Alle sind unheimlich nett, mein Mann bekommt Kaffee und ich Tee, ich bekomme ein Frühstück im Kreißsaal und er wird losgeschickt, denn „Das Frühstück hier ist Krankenhausfraß. Holen Sie Ihrer Frau mal was Leckeres“, und er kauft mir Schokocroissants und Cola.
Alle sind so nett und fürsorglich. Mit etwas Bitterkeit und Wehmut denke ich daran, wie ich in einer anderen Stadt nach Maditas Geburt schlotternd vor Kälte, Sternchen sehend und eine Blutspur hinterlassend über den Gang aufs Klo getrieben wurde.
Elke und Nadine erkundigen sich danach, ob diese Geburt Wiedergutmachung war, und sagen, dass die Geburt aus ihrer Perspektive wunderschön und sehr, sehr selbstbestimmt war. Ich stimme ihnen zu und sage, dass es das schönste war, was ich je erlebt habe – dank ihnen.
Inzwischen ist es nach 8 Uhr und Gabriel ist schon 5 Stunden alt. Endlich kann ich aufstehen, den Raum verlassen und auf mein Bett, das vor der Tür steht, klettern. Ich mache es mir da bequem, immer noch verblüfft, dass ich tatsächlich einigermaßen sitzen kann und schmerzfrei liegen. Ich fühle mich müde, aber aufgekratzt und fit, wie nach einem Marathon, den ich sehr gut geschafft habe. Nur weniger Schmerzen. Gabriel wird neben mir im Bettchen geschoben, wir kommen auf die Station, wo auch alle nett sind, es ist heller Tag, die Sonne scheint und ich fühle mich, als gäbe es keine Probleme auf der Welt, als hätte ich nie Kummer gehabt.

Diesen spannenden Geburtsbericht hat Britta geschrieben :)

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