Geburtsberichte
Leser*innen-/Geburtsberichte

Juliett erzählt

Wenn man viel Zeit und Fantasie hat und außerdem an Einhörner und Feen glaubt, dann kann einen nichts schlimmes passieren. Soweit die Theorie der werdenden Mutter (ICH). Ich hatte viel Zeit mich moralisch auf eine Schwangerschaft  und die damit verbundenen Geburt vorzubereiten. Ganze 5 Jahre später und zwei Fehlgeburten verlief weder die Schwangerschaft wie in einem Hochglanzmagazin noch halfen mir Feen oder Einhörner bei der Geburt.

Aber dennoch hatte ich meine Vorstellung wie es laufen soll. Hatte ich mir das doch so lange überlegt. Ich presse unser geliebtes Kind heraus, mein Mann steht an meiner Seite, es wird mir auf den Bauch gelegt und wir weinen voller Glück.

Doch hätte ich es besser wissen müssen, 30 kilo Wasereinlagerung und eine Schwangerschaft voller Panik waren doch der vorbote. Also waren wir am Stichtag angekommen. Die Ärztin im KH schaute sich alles ganz genau an.  Also sagte sie, aufgrund ihrer Vorgeschichte, ihrem Befinden und das Gewicht des Kindes geschätzte 3800 gramm würden wir sie gerne morgen früh mittels Tablette einleiten, zum abschied machte sie noch eine Eipollösung und ich dachte ok, die weiß wie man sich keine Freunde macht. Also gingen wir am Montag bei 40+1 ins KH jetzt geht es wirklich los, wir wurden eingeleitet. Die winzigen mini Wehen fingen ab Mittag an. Um 18:30 Uhr wurde wieder ein CTG gemacht. Da zog es schon etwas mehr. Um 19:05 Uhr machte es ein heftigen knall in meinem Bauch. Ich war mir nicht sicher, ob mich mein Sohn getreten hatte oder ist mir gerade tatsächlich die Fruchtblase geplatzt? Ich bin ziemlich zusammen gezuckt davon, sagte dann zu meinen Mann, ich bin mir gerade nicht sicher ob es die Fruchtblase war. Ein paar Minuten später wurde es irgendwie feucht im Slip. Doch die Fruchtblase? Mein Mann lief zur Krankenschwester, ich sollte aus dem Bett aufstehen und in diesem Moment war klar, es war die Fruchtblase. Es lief wie ein Schwall. Ich war glücklich und froh zu gleich. Dachte ich doch in wenigen Stunden werde ich ihn im Arm halten, doch jeder hat ja eine andere Auffassung von wenig. Ab da begannen die schmerzhaftesten und längsten Stunden, die ich je erlebt hatte. Ich wehte kurz nach dem Blasensprung ziemlich heftig vor mir hin. Bis in den späten Nachtstunden. Irgendwann kam die Ärztin und sagte ich soll schlafen, heute passiert hier nichts mehr. Ich dachte ja super ihre Idee nur lässt sich das nicht umsetzen. Also schickte ich mein Mann nach Hause für etwas Schlaf. Am nächsten Morgen oder für mich ein nicht endenwollender Montag kontrollierte die Ärztin dem MUM 1 Cm. Ich sagte für Witze bin ich gerade nicht aufgelegt. Doch sie machte keine Witze. Also legte sie mir die nächste Tablette und ich ging mit meinen Mann jeden Winkel im KH unter Schmerzen erkunden. Ich bin für Laufbänder und Naturfernsehn. Regelmäßig zum CTG zeigte mein Sohn das er auf das alles hier keine Lust hat. Er war so gestresst das seine Herztöne auf und ab gingen. Um 22.30 waren die Herztöne wieder so schlecht, das ich in den Kreissaal mittels wehentropf weiter eingeleitet werden sollte. Ich gab an der Tür zum kreissaal  noch schnell mein Schamgefühl ab und ging bzw. fuhr dort rein. Meine Hebamme Frau Panther stellte sich vor und erklärte mir wie es weiter geht(in der Praxis) Also bekam ich einen Einlauf….Nähre Details bedarf es nicht…. Lief das Vorwehenzimmer auf und ab. Inzwischen hatte ich doch verdammt Angst vor der Geburt, um mein Kind und vor dem Schlafmangel. Endlich ab an den Wehentropf, wir steigern langsam ich machte große Augen und dachte “ämmmm Hallo, Danke, das reicht und tut schon genug weh.”

Meine Vorsätze für die Geburt

Ich will nicht schreien
Ich will nicht weinen
Ich will nicht brechen
Ich will keine PDA
und
Ich will kein KS

Ich musste sie alle aufgeben.

Inzwischen war es 4 Uhr Nachts, ich brach mir die Seele aus dem Leib, der Wehentropf war so stark eingestellt das ich dachte ich überlebe das hier nicht, der MUM war bei 4 CM. Die Hebamme meinte noch, ihr Sohn hat schwarze Haare, das war mir so was von egal, ich wollte ihn endlich in meinen Arm halten. Überall hörte ich die Frauen schreien und kurze Zeit später ihre Babys nur bei uns nicht. Mein Mann war inzwischen auch schon völlig fertig aber er hat es toll gemacht. Es war gegen halb 6 Uhr und die Herztöne von mein Baby so schlecht und der MUM weiterhin bei nur 4 Cm. Also auf zur Notsectio. Ich bin genau mit einer halben Stunde an einer Vollnarkose vorbeigerutscht. Da ich die ganze Ss Blutverdünner spritzen musste. Die Ärztin kam und Spritze mir Wehenhämmer und auf einmal war mir wieder zum lachen zu mute. Doch nur für kurze Zeit. Der Arzt hat die Section toll gemacht und so natürlich wie eine Geburt wirken lassen. Nach 36 Stunden Wehen um 8:48 Uhr, ließ er den Vorhang runter und hob unseren 50 cm kleine  Proper von 3815 Gramm aus meinen Bauch.

Doch es war eben keine natürliche Geburt und mir fehlte ein ganzes Stück des Endes einer Schwangerschaft. Auch 7 Monate danach hab ich noch mit der Geburt zu kämpfen. Mich plagt das Gefühl versagt zu haben und ich bin in Therapie. Ich konnte ihn die erste Zeit einfach nicht annehmen, mein lang gewünschtes Wunschkind wurde mir einfach entraubt. Das Gefühl nicht von Anfang an für mein Wunder voll da sein zu können und all meine Vorsätze aufgeben zu müssen Schmerzen noch immer.

Doch jetzt bin ich einfach nur glücklich ihn zu haben wir stillen ausschließlich seit 7 Monate bauen uns so unsere verlorene Bindung wieder auf. Die Schwangerschaft und die Geburt sind an uns beide scheinbar nicht spurlos vorbei gegangen. Unser Sohn heißt Leonard und bedeutet der Löwenstarke und das ist er.

Diesen sehr ehrlichen Bericht hat Juliett geschrieben :) .

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