Geburtsbericht
Geburtsberichte

Sarah erzählt

Die Geburt unseres ersten Kindes war toll. Wir hatten uns bewusst und, trotz vieler skeptischer Stimmen um uns herum, für ein Geburtenhaus entschieden und es war genau das Richtige für uns. Nach vielen (erträglichen) und wenigen (unfassbar schmerzhaften) Stunden Eröffnungswehen und einer kurzen, intensiven Pressphase kam unser Würmchen kerngesund zur Welt. Das erste Mekonium landete auf meinem Bauch, wir beschnupperten uns und fuhren kurze Zeit später nach Hause.
Nun, nicht einmal zwei Jahre später, sollte ein Geschwisterchen folgen. 
Dass es auch diesmal eine außenklinische Geburt sein sollte, stand außer Frage. Doch im Laufe der Schwangerschaft lief uns immer wieder der Begriff „Hausgeburt“ über den Weg. Warum eigentlich nicht? Ins Geburtenhaus können wir ja immer noch. Auch ganz spontan. Ich bekam das Ok vom Arzt, die Hebamme, die auch beim ersten Kind tolle Arbeit geleistet hatte, wusste Bescheid, wir hatten alles vorbereitet, also musste der Knopf sich nur noch auf den Weg machen.
Beim ersten Mal hatten wir den errechneten Termin überschritten, also rechnete ich diesmal auch damit.
Am Tag des errechneten Termins hatten wir Gäste. Natürlich wurden ständig Witze gemacht, dass es noch heute sein könnte und ob ich schon etwas merke. Nein, das dauert noch. Mindestens eine Woche. Dachte ich …
Ich bin mit dem großen Knödel schon einige Zeit im Bett, mein Mann nach dem Aufräumen gerade eingeschlafen. Ich spüre ein regelmäßiges Ziehen im Bauch. Mh, wer weiß. Kann ja alles sein. Erstmal aufs Klo. Wie spät ist es? 1 Uhr nachts. Wieder ins Bett.
Nach etwas einer Stunde muss ich immer lauter pusten und verlasse das Schlafzimmer, um keinen zu wecken. Beim ersten Mal hatte es so lange gedauert und man weiß ja nie, ob die Wehen wieder weg gehen. Ich bin absolut tiefenentspannt. Auf dem Sofa ist es gemütlich, ich atme fröhlich vor mich hin und schaue irgendwem beim Renovieren irgendeines Hauses im Fernseher zu.
3 Uhr. Wieder aufs Klo. Oh ha, blutiger Schleim. Na dann gibt es wohl kein Zurück mehr. Interessiert halt keinen, ob das Mama jetzt in den Kram passt oder nicht. Wobei, die letzten schwangeren Wochen mit Kleinkind sind kein Spaß. Feuer frei.
Mann wecken. „Schatz? Schatz. Schatz! Schaaaatz!!!!“ Ein verschlafenes „Mh? Hä? Was?“ – „Unser Kind kommt.“ – „Was ist denn?“ – „Unser Kind kommt.“ Und da sitzt er im Bett. „Waaaas???“ 
„Hast du die Hebamme schon angerufen?“ – „Nein, mach ich gleich.“
Die fragt verschlafen, ob sie schon kommen müsse oder noch Zeit sei. Was ich denke. Ich denke, dass es beim großen Kind ewig gedauert hat und wir noch alle Zeit der Welt haben. Es fühlt sich einfach noch nicht schlimm an.
Mein Mann ruft meine Eltern an, damit sie das große Kind holen und ich gehe in die Wanne. Herrlich. Hier lässt es sich aushalten. Die Wehen sind deutlich, aber nach wie vor gut auszuhalten. Meine Mutti kommt kurz rein, während mein Mann das Kind einpackt. Wir reden. Wehe. Reden weiter. Wehe. „Ruf mal bitte die Hebamme an. Das geht ganz schön schnell.“ – „Quatsch, das dauert noch.“ Naja, meinetwegen. Kann ja nicht schaden.
5.30 Uhr. Das große Kind ist bei Oma, die Hebamme trudelt ein. Ich bin noch in der Wanne, verarmte die Wehen und rede dazwischen über alles mögliche. Kurze Untersuchung, Herztöne in Ordnung. Am liebsten möchte ich nicht angefasst werden. Sie lässt mich, ohne dass ich etwas sagen muss. Es würde keine Stunde mehr dauern. Kann ich mir nicht vorstellen. So schnell geht das nicht. Außerdem ist es immer noch nicht so schlimm. Ich bin ganz bei mir während der Wehen und die Gesellschaft, Vertrautheit und die lockere Stimmung helfen mir. Mein Mann hat wunderbar eingeheizt, es ist mollig warm. Er ist da und hält mich. Massiert mir den Rücken.
Ich muss aufs Klo. Dort bleibe ich auch. Die Fruchtblase platzt. Was für ein super Zufall. Minimale Sauerei. Jetzt möchte ich auf den Boden. Plötzlich passiert alles auf ein Mal. Der Druck nach unten, mir wird schlecht, heiß, kalt, heiß, kalt. Für wenige Minuten ist es schlimm. Sehr schlimm. Nachdem ich mich übergeben habe, wird es wieder besser.
6.30 Uhr. Knieend, beide Arme um meinen sitzenden Mann gelegt, geht es los. Unser Baby möchte raus. Also los. Wenige anstrengende Presswehen später lässt der Druck endlich nach. Die Hebamme fängt das Würmchen auf, legt es auf den Boden und schiebt es zu mir nach vorn. Ich bin absolut überwältigt. Beim letzten Mal hatte ich dazu keine Kraft, aber jetzt darf ich mein Baby selbst aufheben und auf den Arm nehmen. Der Moment ist absolut vollkommen und der wahrscheinlich schönste meines bisherige Lebens. Wir liegen beieinander. In unserem Bad. Zu Hause.
Diesen wunderschönen Geburtsbericht hat Sarah geschrieben :)
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2 Kommentare für “Sarah erzählt

  1. hatte Gänsehaut zum Schluß … so schön!
    wenn ich nicht so schiss hätte vor der Aussicht auf KEINE schmerzmittel (pda) wenn man zuhause bleibt …