(Leser-)Geburtsberichte

Nadja erzählt

Der errechnete Geburtstermin war der 01.01.2018. Bei den letzten Ultraschalluntersuchungen im Dezember hatte mein Frauenarzt ein großes und schweres Kind prophezeit, das sich möglichst früher als später auf den Weg machen sollte. Mein Körper sah das ganz ähnlich und sehnte das Ende der Schwangerschaft herbei. Mein Baby hatte allerdings andere Pläne. Weihnachten kam und es blieb ruhig, Silvester und Neujahr verliefen ebenso ereignislos. Am zweiten Tag über dem Termin entschied ich, Fenster zu putzen um Wehen anzuregen, aber ohne Erfolg. Am dritten Tag beherzigte ich den Rat meiner Hebamme, einen Kinderglühwein mit ganz viel Zimt und Nelken zu trinken und tatsächlich, am nächsten Morgen gegen 6 Uhr merkte ich die ersten leichten Rückenschmerzen. Bei der Geburt meines Sohnes 2,5 Jahre vorher fing es genauso an. Da ich vermutete, dass sich die leichten Schmerzen schnell steigern würden, ging ich noch schnell duschen und weckte meinen Mann, der dann möglichst zeitnah den Sohnemann in die Kita bringen sollte.

Wir frühstückten noch relativ entspannt zusammen, ich konnte die Wehen gut weg atmen, ohne dass mein Großer viel davon bemerkte. Ich wollte ihm keine Angst machen, schließlich hatte er mich in der letzten Zeit genug wegen Rücken-, Becken-, oder Rippenschmerzen leiden gesehen. Um mich abzulenken, wusch ich noch Geschirr ab und erledigte ein paar Sachen im Haushalt. Doch gegen neun Uhr kamen die Wehen bereits im Abstand von 3 Minuten und wir machten uns auf den Weg ins nahegelegene Krankenhaus.

Dort wurde verkündet, dass beide Kreißsäle, das Untersuchungszimmer sowie alle Zimmer auf der Station belegt wären. Rosige Aussichten, dachte ich und sah mich schon mein Kind im Wehenzimmer gebären. Dort wurde erst einmal der Muttermund betastet (nur 1cm, echt jetzt?!) sowie CTG geschrieben und während mein Mann die Formalitäten der Anmeldung regelte, atmete ich meine Wehen fleißig weg. Die Hebamme attestierte häufige und starke Wehen, aber sie dauerten nicht lang genug, um den Muttermund richtig zu öffnen. Doch die Pausen wurden immer kürzer und während ich allein in dem Zimmer umherlief, musste ich mich schon bei jeder Wehe an den Schränken festhalten. Die Worte meiner Hebamme, „den Mund weit und höhlig machen“ im Ohr, ließ ich meinem Schmerz auch schon geräuschvoll freien Lauf.

30 Minuten später bat mich die Hebamme zum Blutnehmen, Flexüle legen und Ultraschall machen. Sie hatte Mitleid mit mir und gab mir schon vorher ein Zäpfchen, das den Schmerz etwas nehmen und entkrampfend wirkend sollte. Während ein junger Assistenzarzt erfolglos versuchte, mir einen Zugang zu legen, wurden auf der Station reihenweise Frauen entlassen um Platz zu schaffen für die Neuankömmlinge. Beim zweiten Arm gelang es dem jungen Mann endlich, Blut zu zapfen und die Hebamme konnte mir ein Schmerzmittel spritzen. Sie warnte mich vor der Wirkung und empfahl mir, mich hinzulegen. Da ich auch nichtschwanger kaum bis kein Alkohol trinke, kann ich nur vermuten, dass man sich mit einem richtigen Schwipps ganz ähnlich fühlen muss, irgendwie benebelt und schwindelig. Immerhin betäubte es den Schmerz ein wenig und ich konnte etwas Kraft tanken für die nächste Runde.

Jetzt waren auch beide Kreißsäle frei und ich durfte ein Entspannungsbad nehmen. Ich plauderte währenddessen noch recht entspannt mit meinem Mann über alltägliches und ob unser Sohn vielleicht schon am Nachmittag seine kleine Schwester kennenlernen würde. Mittlerweile war es Mittag und ich sollte aus der Wanne raus. Auf dem Weg zum Bett überfielen mich plötzlich fünf starke Wehen hintereinander. Ich konnte mich nicht mehr alleine aufrechthalten oder gehen. Mit Mühe schaffte ich es aufs Bett und die Hebamme stellte erfreut fest, dass der Muttermund nun 7cm geöffnet war. Die Gute spendierte mir noch eine zweite Runde Schmerzmittel, die ich gern annahm. Die nächste Stunde spürte ich die Wehen kaum noch und ich fragte mich, ob es überhaupt vorwärts ging in Sachen Muttermundöffnung.

Während der ganzen Zeit plagte mich zudem schlimmes Sodbrennen und bevor mir die Hebamme etwas dagegen geben konnte, erbrach ich schon schwallartig. Mein Mann reichte mir geistesgegenwärtig eine Bettpfanne (etwas anderes hatte er so schnell nicht gefunden), aber das Fassungsvermögen reichte bei weitem nicht aus. Das bildete dann auch den Auftakt für den Endspurt, wie die Hebamme zuversichtlich beim anstehenden Schichtwechsel verkündete. Sie legte eine CD von Nora Jones auf und ich konnte noch scherzen, dass das ein guter Geburtszeitpunkt wäre; schließlich sollte unser Baby auch Nora heißen.

Die Wehenschmerzen veränderten sich zunehmend. Aus dem Rückenschmerz wurden Bauchkrämpfe, das Baby drehte sich endlich ins Becken und drückte immer mehr nach unten. Mein Bauch wurde ganz unförmig und ich kam bald ans Ende meiner Kräfte.

Die neue Hebamme wollte die Geburt nun vorantreiben und ich probierte verschiedene Positionen auf dem Bett und dem Gebärhocker aus, um das Baby nach unten zu schieben. Ich wurde weinerlich und dachte, dass ich das nicht mehr lange durchhalte. Gegen halb drei Uhr nachmittags kam eine Ärztin und verkündete, dass sie Blut aus dem Kopf meines Babys entnehmen will, um zu überprüfen, ob es ihr gut ginge. Das hatte ich noch von meiner ersten Geburt als sehr unangenehm und langwierig in Erinnerung und freute mich alles andere darauf. Doch als hätte meine Kleine gemerkt, dass es jetzt ernst wird, setzten kurz darauf die Presswehen ein.

Von der Geburt meines Sohnes her kannte ich diesen Wehenschmerz nicht. Trotz Wehentropf waren die Wehen damals nicht stark genug um ihn rauszuschieben, sodass er letztlich per Saugglocke geboren wurde. Doch diesmal hatte ich eindeutig das Gefühl, sie jetzt endlich rauspressen zu müssen. Der Schmerz, als der Kopf durchtrat, war brutal. Und dann hörten kurzzeitig die Wehen auf. Noch nie hatte ich die nächste Wehe so herbeigesehnt, wusste ich doch, dass es dann fast geschafft war. Zwei Wehen später um 15.16 Uhr machte es „platsch“ und mit einem Riesenschwall Fruchtwasser war meine Tochter endlich geboren. Mein Mann beschrieb die Szene später mit den Worten: „wie ein Fisch auf dem Trockenen“. Das Fruchtwasser flutete nahezu den Kreißsaal (mein Frauenarzt hatte mir immer wieder gesagt, dass ich noch sehr viel Fruchtwasser habe für dieses Schwangerschaftsstadium) und die Hebamme und die Ärztin hatten Mühe, das Baby zu fassen. Doch es lief alles gut und wenig später hatte ich meine Tochter Nora das erste Mal im Arm.

Die Hebamme staunte nicht schlecht beim Blick auf die Waage. Mit einer Größe von 54cm und einem Geburtsgewicht von 4450g war sie tatsächlich ein großes und schweres Neugeborenes. Die nette Ärztin versorgte meinen Dammriss, der mir ganz entgegen meiner Erwartung und Erfahrung von der ersten Geburt, in den Tagen danach kaum Schmerzen bereitete. Ich hatte ein tolles Entbindungsteam an meiner Seite: meinen Mann, zwei Hebammen und eine Ärztin, und trotz aller Schmerzen und einer Dauer von neun Stunden, empfand ich diese Geburt als wesentlich schöner und leichter als die erste. Auf uns wartete dann sogar ein schönes Einzelzimmer. Ihren großen Bruder lernte Nora allerdings erst am nächsten Tag kennen. Der jubelte lauthals, als er hörte, dass das Baby endlich da ist und liebt sie seitdem innig.

Diesen schönen Geburtsbericht über die Geburt ihres zweiten Kindes hat Nadja (30 Jahre) geschrieben :)

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