(Leser-)Geburtsberichte

Kati M. erzählt

Es ist Montag, der 17.07.2017. Wie in den letzten Tagen auch, hatte ich am Morgen seit halb acht leichte Wehen. Unsere Wohnung ist nach einem Umzug von Stuttgart in meinen Heimatort nahe Berlin fast fertig eingerichtet, die Kliniktasche schon seit Wochen gepackt. Mein Mann ist seit 2 Tagen nun auch endlich in Berlin, heute ist der erste Tag seines dreiwöchigen Babyurlaubs, danach muss er erstmal wieder nach Stuttgart. Er montiert noch einige Lampen in der Wohnung

Ich stehe auf, mache mich fertig, fahre zum Bäcker. Wir frühstücken ausgiebig auf der Terrasse in der Morgensonne. Ich habe nach wie vor leichte Wehen und langsam wird mir bewusst, dass ich sie jetzt schon deutlich länger habe als in den vergangenen Tagen. Das sage ich auch meinem Mann, der mich zunächst etwas schockiert anguckt, dabei haben wir noch am Vorabend rumgescherzt, dass dies unser letztes Wochenende zu zweit gewesen sein könnte.

Wir räumen noch ein bisschen die Wohnung auf und sind 13 Uhr mit meinen Eltern verabredet, die heute aus dem Urlaub zurückkommen. Bei meinen Eltern sind die Wehen schon so heftig, dass ich sie veratmen muss. Ich versuche aber, mir nichts anmerken zu lassen und gehe jedes Mal in den Garten spazieren, wenn es wieder soweit ist. Gegen 14 Uhr fahren wir noch schnell etwas Obst und Knabberzeug einkaufen, weil wir beschlossen haben, dass wir zu Hause noch kurz meine Kliniktasche holen und dann direkt ins Krankenhaus fahren. Ein Anruf im Kreißsaal bringt Ernüchterung. Ja, alle Kreißsäle sind derzeit frei, aber es klingt, als sei ich die „typische Erstgebärende mit leichter Panik“ und ich sollte es doch erstmal mit einem heißen Bad oder einem Kirschkernkissen probieren. Gesagt getan, aber trotz warmem Kissen im Rücken tritt keine Besserung ein, d.h. es sind tatsächlich echte Wehen. Ich rufe ein zweites Mal in der Klinik an und sage, dass wir jetzt definitiv kommen, weil die Wehen alle 5 Minuten kommen und schon sehr heftig sind. Die Hebamme sagt nur, dass wir dann auch damit rechnen müssen, dass wir wieder nach Hause geschickt werden. Mit diesen schrecklichen Gedanken und immer schlimmeren Wehen fahren wir los. Gegen 15 Uhr sind wir in der Klinik und ich werde direkt ans CTG angeschlossen. Die Wehen sind sehr regelmäßig und mein Mann hilft fleißig beim Veratmen.

Nach einer Stunde allein im Kreißsaal kommt die Hebamme herein, um den Muttermund zu untersuchen. Der Befund: 5 – 6cm. Dann die erlösenden Worte: Sie dürfen bleiben! Offenbar habe ich bei der Anmeldung vergessen zu erwähnen, dass schnelle Geburten bei uns in der Familie liegen.

Ich laufe im Kreißsaal auf und ab, die Wehen sind schrecklich. Eine Ärztin legt mir einen Zugang, sodass ich leichte Schmerzmittel bekommen kann. Irgendwann kommt zu den Wehen das Gefühl, dass ich anfangen will zu pressen. Die Übergangsphase hat begonnen. Es hat also nur eine Stunde gedauert, dass mein Muttermund sich weitere 3 – 4cm geöffnet hat. Ab jetzt wird gehechelt und es gibt kaum noch Wehenpausen. Kurze Zeit später sagt die Hebamme, ich könnte mich schon einmal hinlegen, denn es würde sicherlich bald mit den Presswehen losgehen.

Ich probiere verschiedene Positionen aus, die Rückenlage ist allerdings am entspanntesten für mich. Nach einigen Presswehen sagt die Hebamme plötzlich: „Oh blonde Haare!“, das Köpfchen ist also schon sichtbar und ich kann es sogar schon fühlen, das gibt nochmal einen gehörigen Motivationsschub. Plötzlich angespannte Minen, die Herztöne unseres Sohnes werden schlechter. Man entschließt sich, einen Dammschnitt vorzunehmen, das Baby müsse jetzt raus. Ich hatte gehofft, dass es mich nicht erwischt, aber auch das haben bislang alle Frauen in meiner Familie leider durchmachen müssen.

Kurze Zeit später ist bereits der Kopf geboren. Dann ein kurzer Schreckensmoment: die Nabelschnur ist um den Hals gewickelt! Es klingt aber wohl dramatischer als es tatsächlich ist, da Babys im Mutterleib ja nicht atmen. Nach einer weiteren Wehe ist auch der Körper geboren. Unser kleiner Schatz ist endlich da und wird mir sofort auf die Brust gelegt. Es ist 17:49. Ich zittere am ganzen Körper vor lauter Erschöpfung. Mein Mann hat Tränen in den Augen, ich bin mit der Situation noch etwas überfordert und muss erst einmal realisieren, dass ich tatsächlich soeben Mutter geworden bin. Jetzt beschnuppern wir uns erst einmal zu dritt und sind überglücklich, dass alles so schnell und unkompliziert geklappt hat. Ich werde genäht und anschließend in ein kleines Zimmer nebenan geschoben. Dann wird über zwei Stunden ausgiebig gekuschelt und erste Stillversuche gestartet. Ich war in meinem Leben noch nie so glückselig wie in diesem Augenblick und beim Anblick unseres kleinen Wunders!

Diesen schönen Geburtsbericht hat Kati M. geschrieben :)

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