Geburtsberichte
Leser*innen-/Geburtsberichte

Leser-Geburtsbericht: Steffi D. erzählt

Unwissend, was da jetzt auf mich zukommt und unglaublich aufgeregt wurde ich von meinem Frauenarzt ins Uni Klinikum eingewiesen; mittlerweile hatte ich fast 30kg zugenommen und war 8 Tage über dem ET. Er meinte, dem Kind geht es hervorragend, aber mein Zustand sei langsam “bemitleidenswert”…Es war wahnsinnig heiß und die Stadt anlässlich der ‘Kieler Woche’ laut, voll und eine einzige Party. Mein Mann war schon vor Eintreffen in der Klinik fix und fertig, es gab keinen Parkplatz, wir wurden von A nach B geschickt und er hatte Hunger (mimimi). Nachdem wir dann gegen 9 Uhr endlich eingecheckt waren, folgte ein CTG, ein Ultraschall und eine Untersuchung durch eine Hebamme fortgeschrittenen Alters, die mir dann erklärte, dass mir nun steriler Urin durch einen Katheder abgenommen werden müsste-ok, dachte ich, bis sie mit einem Katheder, der wie eine Stecknadel aussah, ziemlich grob versucht hat meine Blase zu treffen und meinte, ich solle husten, dann tut es nicht so weh! Ich heulte und sie brach es genervt ab. Beim Gang zum Klo stellte ich Blut fest, heulte noch mehr und wurde in den Kreißsaal gebraucht. Dort waren sowohl Ärzte als auch Hebammen glücklicherweise super lieb und total entsetzt über das, was gerade passiert war. Nachdem ich dann nochmal weinen musste und ein sehr lieber Arzt mich dafür in den Arm genommen hat und mir nach der Untersuchung sagte, es sei alles in Ordnung, hatte ich mich wieder etwas gefangen.
Mittlerweile war es später Nachmittag, mein Mann ist kurz was essen gefahren und ich bekam, aufgrund der ET Überschreitung, das Gel zur Einleitung gelegt. Und es passierte:Nichts. Gar nichts. Ein paar Stunden später wurde mir das gleiche Gel nochmal gelegt und innerhalb von einer halben Stunde wurde es wild. Ich bekam sofort starke schmerzhafte Wehen. So stark, dass mir ein Wehenhemmer gegeben wurde. Der wirkte dann zu gut, also wieder ab damit. Als Universitätskrankenhaus war der Kreißsaal mittlerweile voll mit 4 Studenten, zwei Hebammen und einer Frauenärztin. Es wurde Nacht und ich dachte ernsthaft, dass ich das nicht aushalte und es mich zerreißt. Ich bettelte nach einer PDA, völlig egal wie groß die Spritze ist oder wie weh das tut, schlimmer kann es nicht werden. Eine der Hebammen versuchte auf mich einzureden, gleich kommt der Anästhesist, wir haben ihm Bescheid gesagt, er ist auf dem Weg…5 Minuten kamen mir wie eine Ewigkeit vor. Plötzlich kommt ein frisch geduschter und ziemlich gut gelaunter junger Mann in Begleitung eines riiiiesigen Mannes, der sich nur mit ‘Igor’ vorstellt in den Raum. Das PDA Team ist da, juhu. Mir wird empfohlen, noch mal pinkeln zu gehen, solange noch nicht alles taub ist und ich schleppe mich zusammen mit einer Hebamme in einer Wehenpause zur Toilette. Die Tür ist offen, Dr. McDreamy und Igor können mir direkt beim Pullern zugucken, aber es gibt nichts, was mir gerade mehr egal ist. Igor hilft dem Arzt beim Vorbereiten und schnappt sich dann meinen Mann, mit den Worten “komm Zigarette rauchen, ist nicht schön zu gucken jetzt”… Und weg sind sie. Hilfe! Wir müssen eine Wehe abwarten, ich schwitze vor Schmerzen und muss mich übergeben. McDreamy und die Hebamme plaudern übers Schnorcheln in der Ostsee, von draußen schallt die Party der Kieler Woche durch die offenen Fenster und es ist immer noch brüllend heiß. Die Wehe ist endlich vorbei, es geht los. Er hat mir jeden Schritt genau erklärt und während ich nackt mit Katzenbuckel da saß und dachte, dass das gerade schon alles ganz schön freaky ist, war er auch schon fertig. Doch dann: es dauert ca 10min, dann wirst du merken, dass der Schmerz nachlässt. 10 Minuten? Das sind 2 Wehen, das überlebe ich nicht! Wieder großes Geheule, McDreamy verabschiedet sich, mein Mann kommt wieder. Riecht nach Bifi und Kaffee. Ich muss mich direkt nochmal übergeben. Tatsächlich beginnt die Wirkung der PDA nach einer fiesen Wehe und ich kann knapp 2 Stunden schlafen und wache mit dem Sonnenaufgang auf. Es ist so wunderschön und ruhig, die Klinik liegt direkt am Wasser und es hat alles etwas so friedliches. Ich bekomme Frühstück, mein Mann fährt kurz nach Hause um zu duschen und sich umzuziehen. Ich merke die Wehen, aber nur sehr abgeschwächt. Als ich mit dem Gedanken spiele, vielleicht nochmal duschen zu gehen, wenn mir jemand hilft (gefühlt drölftausend Nadeln und Zugänge ÜBERALL) merke ich langsam, dass es doch wieder etwas unangenehmer wird. Immer unangenehmer. Ich drücke verzweifelt auf den Knopf, der die PDA weiter freisetzt. Kommt nicht mehr bei mir an, es wird Zeit zu schreien. Mein Mann ist wieder da und plötzlich wird es hektisch:das CTG zeigt, dass die Herztöne des Kindes abfallen. Waaas? Holt ihn raus! Plötzlich ist der eben noch so friedliche Kreißsaal wieder voll, alle reden durcheinander, plötzlich steht einer mit der Saugglocken Apparatur vor mir, die Hebamme( mittlerweile Schicht Nummer 3)nimmt mir hektisch den Schmuck ab :Liebelein, wenn das jetzt nichts wird, muss es ein schneller Kaiserschnitt werden. Ah! Ich werde leicht ohnmächtig, wache dann wieder auf, weil diese Glocke wieder rausgeschoben wird, gleichzeitig mit meinem Mann, der mittlerweile auch völlig übernächtig und verheult in der Tür steht und mich hilflos anguckt. Ok, das reicht jetzt auch! Dann geht die Tür auf, ein Mann mittleren Alters mit weißem Kittel, weißen Haaren und randloser Brille betritt den Raum. Guckt aufs CTG, jagt alle bis auf den unterdessen eingetroffenen Kinderarzt raus. Dann stellt er sich mir vor, er ist Prof. Xy und leitet die Frauenklinik. Das was er jetzt macht, wird schnell gehen und weh tun aber er verspricht mir, dass ich in höchstens 4 Minuten meinen Sohn in den Armen habe. Mir kam nur ein ‘Versprochen?’ über die Lippen und er lächelt und sagt ‘Hoch und Heilig Versprochen’. Im nächsten Moment liegt er auf mir und drückt mit seinem Unterarm mit ganzer Kraft meinen Bauch nach unten. Ich kneife ihm in den Rücken und denke in diesem (!) Moment :Wow, so ein gestärkter, schneeweisser Kittel…
Wenige Augenblicke später, nach nicht zu beschreibenden Schmerzen, eine Erleichterung… Mein Baby ist da! Er schreit! Er liegt auf meiner Brust! Ich weine vor Glück, der Chef freut sich, gratuliert und sagt: ‘versprochen ist versprochen, ich hol mal ihren Mann.’ Und weg war er. Der Kinderarzt versorgt nun erstmal meinen Sohn und kann schnell sagen, dass alles in bester Ordnung ist. Die Tür geht auf, alle Hebammen, Ärzte, Studenten kommen wieder rein, die Nachgeburt kommt, ich werde wieder zusammen genäht, das Baby wird mir angelegt, ich heule… Aber wo ist mein Mann? Der kommt völlig verheult rein gestürzt, der Professor hat ihn gesucht, weil er ihm persönlich gratulieren wollte. Nun hält er seinen Sohn in den Armen und durfte vorher noch ein kleines Stück Nabelschnur abschneiden,sie haben es extra lang für ihn gelassen. Es gab dann noch Mittagessen im Kreißsaal und am nächsten Tag durften wir schon nach Hause. Überglücklich und mit der festen Überzeugung, dass wir das NIE NIE NIE wieder machen. Ich konnte ihn stillen und er ist mittlerweile ein kerngesunder und glücklicher 2.Klässler :) .. Und ein großer Bruder, denn als er 4 war, dachte ich, ach so schlimm war es ja nun auch nicht… Seine Schwester wird nun 2, sehr aufgeweckt und nun sind wir wirklich komplett; obwohl ihre Geburt mit knapp 4 Stunden und ohne Schmerzmittel tatsächlich ein Spaziergang war-übrigens in der selben Klinik 😅. Ich kann nur sagen, es kann mörderisch weh tun und zwischendurch denkt man auch vielleicht auch, dass man sich jetzt lieber erhängen möchte. Das ist alles ok, finde ich. Denn es ist jede einzelne, schmerzliche Sekunde wert, meine Kinder sind das Beste und Schönste, was mir je passiert ist und ich würde alles nochmal auf mich nehmen. 💜

Diesen schönen Geburtsbericht hat Steffi D. geschrieben :)

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