Geburtsbericht
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Geburtsbericht: Leserin Mareike* erzählt

Meine Schwangerschaft war im Allgemeinen schon vom Anfang an problematisch. Ich habe Anfang Januar einen Test gemacht, der natürlich positiv war. Eigentlich war der kleine Wurm erst in 4-5 Jahren geplant… Entbindungstermin war der 07. September 2010.

Es war mein 3. Kind, aber die Schwangerschaft fing schon ganz anders an. Mir war ständig übel, ich war nur am Erbrechen, und ich habe nichts zugenommen. Bei jedem Vorsorgetermin hat mein Frauenarzt mit mir geschimpft, weil das Gewicht konstant runterging. Anfangs fand ich das nicht so schlimm, weil ich vor der SS nicht grade ein Leichtgewicht war, aber dann fing ich auch an, mir Sorgen zu machen.

Am 1. Mai konnte ich auf einmal morgens nicht mehr aufstehen vor Schmerzen, jede Bewegung tat so weh, dass mir echt die Tränen kamen. Abends sind wir dann zum KH gefahren (es war Samstag, kein Arzt hatte offen), es wurde Ultraschall gemacht. Diagnose: 3. gradiger Nierenstau, schwere Blasenentzündung und Fieber mit Schüttelfrost und Hitzewallungen. Ich kam mir vor, als wenn ich in den Wechseljahren wäre… 1 Woche lag ich im KH, durch Antibiotika und Schmerzmittel ging es mir so gut, dass ich entlassen wurde.

10 Tage ging es dann gut, bis die Schmerzen wieder extrem wurden. Wir fuhren wieder ins KH, wieder die gleiche Diagnose… Ich war total erledigt vor Schmerzen…  Wieder 1 Woche gelegen, wieder entlassen worden. Dann gings 1 Woche lang gut, bis ich ständig über 40° Fieber und Blasenentzündungen hatte. Ich musste durchgehend Antibiotika nehmen, und das bis Ende Juni. Meine Mutter war dann bei mir, um im Haushalt und mit den Kids zu helfen, weil ich absolute Bettruhe halten musste.

1. Juli sind wir dann umgezogen. Nur einige Straßen weiter, aber ein Umzug ist trotzdem Stress pur. Ich durfte nur die leichten Sachen heben und machen, und das war auch schon zuviel.

Jetzt zur Geburt:

Am 15. Juli steh ich ganz normal morgens auf, hab zwischendurch Bauchschmerzen. Denke mir nur: Toll, jetzt haste Bauchschmerzen wegen ner Verstopfung. War bis dahin schon einige Tage nicht “groß” auf Toilette gewesen. Die Bauchschmerzen wurden immer schlimmer, und aufs Toilette gehen hat auch nichts gebracht.

Mittags hab ich mich aufs Sofa gelegt, um ein wenig zu schlafen. Mein Mann und meine Schwiegermutter haben an unserem Garten gearbeitet, die Kinder waren am Schlafen.

Nachmittags um 15 Uhr wollte Schwiegermama fahren, und ich musste noch was mit ihr besprechen. Mittendrin wieder diese Schmerzen, und mir kamen echt die Tränen. Da fragte sie so: Was ist los, gehts los mit Baby oder was? Ich: Nee, ich hab nur Bauchschmerzen, die immer heftiger werden. Baby kann es noch nicht sein, ist doch 8 Wochen zu früh.

Ich hab ihr versprochen, zum Arzt zu fahren, wenn er um 16 Uhr wieder auf hat.
Um 16 Uhr ziehen wir die Kinder an, und mein Mann bringt mich zum Arzt. Aber was fürn Pech: Grad ab dem 15.07. hat der natürlich Urlaub!!

Mein Mann hat dann nicht lange gefackelt und ist ins nächste Krankenhaus gefahren, in dem ich auch schon vorher lag. Unterwegs ist mir dank unserer Digitaluhr im Auto aufgefallen, dass meine “Bauchschmerzen” alle 3 Minuten kamen!!! Da erst kam mir der Gedanke: Das sind wohl doch Wehen….

Im KH wurde ich ans CTG angeschlossen, um zu schauen, was los ist. DASS ich Wehen hatte, hat die Ärztin mir von Anfang an gesagt. Beim CTG kam raus, alle 2 Minuten Wehen. Dann eine Untersuchung, die ergab, dass mein Muttermund 3 cm offen stand. Die Ärztin sagte dann: Fest steht, dass der Kleine raus will. Und fest steht auch, dass er HEUTE raus will!!

Für mich war das ein Schock!! Ich hatte nur die Gedanken im Kopf: Es ist noch viel zu früh!! Der Kleine muss noch 8 Wochen drinbleiben!!

Die Ärztin hat dann mit der nächsten großen Klinik telefoniert, in der auch eine Frühchenstation ist, damit ein Krankentransport kommt und mich mit Baby im Bauch in die Klinik bringt.

Nach dem Anruf untersucht sie mich nochmal, und kriegt selber nen Schrecken: Muttermund 7 cm offen!! Zwischen den beiden Untersuchungen vergingen grade mal 5 Minuten!!

Dann der nächste Schreck: Auf dem CTG war zu sehen, dass die Herztöne von dem Kleinen bei jeder Wehe schwächer wurden… Ich war schon voll in Panik! Auf einmal waren die Herztöne ganz weg!

Dann ging alles ganz schnell. Die Ärztin sagte nur noch: Wenn wir auf den Transport warten, kriegst du das Kind im Krankenwagen.

Bevor ich richtig verstanden hatte, was Sache ist, musste ich schon Formulare für Narkose und Kaiserschnitt unterschreiben. Erst da hab ich richtig verstanden: Ich kriege heute mein Kind, und das auch noch per Kaiserschnitt!! In der Zeit hat mich eine Hebamme schon vorbereitet für die OP, und meine eigene Hebamme war auch unterwegs. Dann Trombosestrümpfe und OP-Kittel an, Haube auf den Kopf, und ab gings vom Kreissaal aus in den OP, und das im Eiltempo!! Ich wusste schon da, dass mein Sohn direkt von der OP aus in die Kinderklinik gebracht wird und ich ihn nicht mal sehen konnte, weil ich Vollnarkose kriegen musste.

Mein Mann und meine Kinder saßen die ganze Zeit mit im Kreissaal, nur durch einen Vorhang von mir getrennt. Er hat alles mitbekommen, was passieren wird, aber hatte es da noch nicht wirklich realisiert. Ich hab ihm dann nur noch zugerufen: Ruf meine Mutter an, damit sie die Kinder abholt!! Hinterher erfuhr ich, dass meine Mutter einen Schock hatte, als sie hörte, was passiert ist.

Als ich dann im OP war, ging alles echt extrem schnell: Ich wurde desinfiziert und abgedeckt mit Tüchern. Die Ärztin und ihr Assistent saßen schon mit den Skalpellen in der Hand neben meinem Bauch, das war das Letzte, was ich sehen konnte, bevor ein Tuch vor meinen Bauch gehängt wurde. Der Narkosearzt sagte dann: Gleich wird Ihnen ein bisschen schwummrig…. Und weg war ich !!

Das Erste, woran ich mich nur verschwommen erinnern kann, ist: Ich sehe etwas Hellblaues, und eine Stimme sagt: Herr Müller, das bringt doch eh nix, sie ist noch komplett weggetreten.

Als ich wieder bei Bewusstsein war, saßen mein Mann und meine Hebamme bei mir. Die Hebamme zeigte mir dann die Bilder, und da kamen mir einfach nur noch die Tränen. Der Kleine war so niedlich, und sooooo KLEIN!!! Zu dem Zeitpunkt war er schon in der Kinderklinik, und deshalb hab ich dann geweint. Auf einem Bild aber war ich mit dem Kleinen zu sehen, und da wusste ich auf einmal auch, was das Blaue war, das ich gesehen hatte!! Er hatte nämlich ein blaues Mützchen auf direkt nach der Geburt. Der Narkosearzt hatte mich halb aus der Narkose geholt, um mir den Kleinen zu zeigen, weil ich jedesmal bei dem Gedanken, meinen Kleinen nicht sehen zu dürfen, anfing zu weinen vor der OP.

Wir haben uns dann noch für einen Namen entschieden: Pascal*. Was wir da noch nicht wussten: Er wog bei der Geburt 1720 Gramm und war 42 cm groß.

Die Hebamme erzählte mir dann auch, warum der Kleine keinen Sauerstoff mehr bekommen konnte. Er hatte in der Nabelschnur 2 Knoten gehabt, was sehr selten vorkommt. Am Anfang der SS hatte er wohl zu viele Purzelbäume geschlagen… Und als er größer wurde und tiefer ins Becken gerutscht ist, war die Nabelschnur auf Spannung, und durch die Knoten darin konnte er nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden. Eine normale Entbindung hätte er nicht überlebt…

Ihm ging es nach der Geburt aber so gut, dass meine Eltern, mein Mann und meine Kinder ihn noch kurz sehen durften, bevor er in die Kinderklinik gebracht wurde. Die Hebamme sagte mir, dass er auch direkt geschrieen hat nach der Geburt

Am nächsten Tag wurde ich auch in die Klinik verlegt, in der Pascal* war. Er hat anfangs abgenommen, aber nach 4 oder 5 Tagen hat er sich gefangen. Er war auch nur 1 Tag auf der Frühchen-Intensiv und wurde dann auf die normale Frühchen-Station verlegt. Am 22.07. wurde ich entlassen und musste meinen Kleinen im KH lassen…

Das ist aber noch nicht das Ende…

Am 23.07. steh ich morgens um 7 auf und gehe aufs Klo. Irgendwann merke ich, dass ich am Bluten bin, erst in Klumpen, und dann lief das Blut wie Wasser raus. Ich wollte dann Telefon holen, um meine Hebamme anzurufen und zu fragen, ob das normal ist. Ich stehe auf, mir wird schwindlig. Ich halte mich an der Fensterbank fest, bis das Schwindelgefühl vorbei ist. Naja, ich WOLLTE warten. Auf einmal spüre ich meine Arme und Hände nicht mehr, und stürze auf den Boden. Hatte noch Glück im Unglück: Mein Kopf landete 10 cm vom Badewannenrand entfernt!

Ich hab es dann geschafft, meinen Mann zu rufen, der natürlich noch am Schlafen war. Er hat mich dann flach auf den Rücken gelegt, weil ich mich selber nicht bewegen konnte. Ich lag dann da in Unterwäsche auf den kalten Badezimmer-Fliesen und konnte mich nicht bewegen… Zwischendurch habe ich hyperventiliert und hatte da überhaupt keine Kontrolle mehr über meinen Körper. Mein Mann rief dann die Hebamme an, die ihm sagte, wir sollen ins KH fahren.

Nachdem ein Babysitter für die beiden Mädels organisiert war, hat mein Mann mir hochgeholfen. Naja, hats auf jeden Fall versucht, weil ich wieder komplett bewusstlos wurde, sobald ich auf den Beinen stand. Rettungswagen wurde gerufen und ich ins KH eingeliefert. Im KH hab ich erstmal eine Blutkonserve bekommen und 3 l Kochsalz-infusion… 3 Tage später würde ich entlassen, es war ein Sonntag.

Montag und Dienstag bin ich dann auch alleine zu meinem Kleinen in die Klinik gefahren, um die Muttermilch zu bringen. Am Mittwoch hab ich mich schlecht gefühlt und meinen Mann deshalb gebeten, mitzufahren. Als wir am Mittwoch wieder zuhause waren, musste ich auf Toilette. Und da fing es wieder an zu bluten……. Ich war total in Tränen aufgelöst, weil ich einfach keine Kraft mehr für das Alles hatte. Ich hatte einfach nur noch die Schnauze voll vom KH und den Schmerzen und Allem… Aus Angst davor, wieder zusammenzuklappen, blieb ich letzten Endes 1 Stunde auf der Toilette sitzen. Mein Mann hatte dann schon die Kids ins Auto gebracht und alles vorbereitet, damit wir sofort ins KH fahren können, sobald ich aufstehe. Dann steh ich mithilfe meines Mannes auf… Und klappe wieder zusammen.

Rettungswagen und Notarzt kommen, ich hab noch im Wagen die erste Infusion bekommen. Im KH werde ich untersucht, weil keiner wusste, wovon die Blutungen kommen. Mittwoch Nacht dann bekam ich noch eine Vollnarkose und eine Ausschabung. Während der OP hab ich noch 4 Blutkonserven bekommen, weil ich bei der Blutung davor mehr als 2 l Blut verloren hatte. Blutdruck stand bei 70/40 und Puls kaum noch messbar… Mir wurde hinterher gesagt, dass ich eigentlich hätte im Koma liegen müssen bei dem Blutverlust. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir nicht bewusst, wie kritisch es wirklich um mich stand!!

Am Samstag war ich dann wieder am Bluten und wurde dann wieder verlegt in die Klinik meines Sohnes. Keiner wusste, was los war mit mir… Tatsache war: Ich habe bei der Not-OP viel Blut verloren, durch den Wochenfluss auch eine Menge, durch die ständigen Blutungen… Ich habe 7 Blutkonserven bekommen… Am Ende habe ich eine Hormontherapie machen müssen, die letzte Woche beendet war, und nun warte ich schon fast panisch seit 1 Woche auf meine Regel, die eigentlich 2-3 Tage nach Ende der Therapie hätte kommen müssen. Ich habe Angst, dass sich das Blut eventuell wieder staut und dann alles auf einmal wieder rauskommt…

Es gibt an der gesamten SS und Entbindung 3 positive Sachen:

1. Mein Sohn ist kerngesund und durfte 3 Wochen nach der Entbindung mit mir zusammen entlassen werden.

2. Ich habe insgesamt 20 kg abgenommen durch die Schmerzen und den Stress.

3. Ich habe alle Krankenhauskosten erstattet bekommen!

Pascal* wiegt jetzt schon 2620 Gramm und ist 47 cm groß, und nächste Woche wäre eigentlich sein Entbindungstermin gewesen. Da ist er dann aber schon 7 Wochen und 5 Tage alt… Und ich werde definitiv keine Kinder mehr bekommen. Eine weitere Entbindung MÜSSTE per Kaiserschnitt gemacht werden, weil sonst die Naht wieder reißt, und das will ich auf keinen Fall. Ich habe nun schon 3 wunderschöne Kinder… das reicht auch

Update über 10 Jahre später: Mein Sohn ist ein kerngesunder Junge, der die 5. Klasse einer Oberschule besucht, in einem Monat 11 Jahre alt wird und viele Freunde hat. Er ist etwas kleiner als andere Jungs in seinem Alter, aber das macht mir nichts aus, weil er einfach nur gesund ist und aus den Kinderkrankheiten rausgewachsen ist :D

Diesen sehr spannenden Geburtsbericht hat Mareike* geschrieben. :)

PS: Die Namen von Mutter und Kind wurden auf Wunsch der Mama geändert. 

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