Geburtsbericht
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Geburtsbericht: Leserin Larissa G. erzählt von ihrer 3. Geburt

Diesmal warteten wir bis zum ersten Arzttermin und bis das kleine Herzchen schlug und erzählten den beiden Jungs erst dann davon. Das war in der 8. Woche. Da ich sehr zeitig getestet hatte, fühlten sich diese 3-4 Wochen wie eine Ewigkeit an…Auch bei der Arbeit gab ich dann erst Bescheid. Es war der 11.3. 2022. Sofort wurde ich, Pandemiebedingt aus dem Job genommen (Lehrerin) und ins Beschäftigungsverbot geschickt. Aufgrund von Personalmangel leistete ich weiterhin Zuarbeit, weil ich mich für meine Klasse verantwortlich fühlte.

Die beiden Jungs waren total begeistert als wir ihnen beim Abendessen vom baldigen Zuwachs berichteten und freuten sich tierisch. Aber eine Schwester sollte es sein. Da waren sich beide einig. :-) Als wir nach einem passenden Namen fragten, waren sie sich auch sofort einig. Ihre Lieblingswurst sollte es sein: Mortadella. Von nun an trug ich unsere/n kleine/n Mortadella im Bauch. Der Name etablierte sich in der kompletten Familie! :-) Sehr besonders.

 Auch wir beiden großen freuten uns tierisch, egal ob Junge oder Mädchen. Insgeheim bestand aber schon die Hoffnung diesmal vllt ein Mädchen zu bekommen. Ich wünscht mir sehr eine kleine Waage, da ich selbst eine Waage war und meine drei Jungs alle Zwillinge.

Die Schwangerschaft verlief wieder ohne Nennenswerte Vorkommnisse. Ich merkte nur, dass ich irgendwie ängstlicher war, als bei de beiden anderen Schwangerschaften. Man hört und liest ja so viel… Bei jeder Untersuchung freute ich mich darüber, dass alles in bester Ordnung war. In der 17. Woche erfuhren wir, dass es ein Mädchen werden sollte. Der Wunsch der Jungs wurde also wahr. Ich glaubte es erst, als es bei der Feindiagnostik in der 23. Woche nochmals bestätigt wurde.;-) Natürlich kam es, wie es kommen musste: Ich bekam im Sommer Corona. Natürlich trug das nicht unbedingt zu einem besseren Gefühl bei, auch wenn ich kaum krank war. Gott sei dank, war ich die einzige die sich infiziert hatte (der Rest der Familie hatte es schon im Januar hinter sich gebracht, wo ich mich nicht infizierte) Aufgrund der Infektion riet meine FA dazu mir vorsorglich Heparin zu spritzen. Also tat ich das auch. Weil ich mich aber sorgte, machte das Krankenhaus bei der Anmeldung nochmals ein Ultraschall und bestätigte, dass es der kleinen Maus gut ging.

Wenn ich ehrlich bin, wusste ich das auch. Aber weil es mir schwer fiel zu glauben, dass wir wirklich mit noch eine weiteren Wunder beschenkt werden sollten, hatte ich einfach die Sorge, dass irgendwas „passieren“ könnte. Die Sorge war vollkommen unbegründet. Es ging ihr prima.

Lange lag sie im Bauch immer wie in einer Hängematte. Aber das ist beim 3. Kind wohl kein Problem. Die haben so viel platz und drehen sich kurz vorher. Sie fand es unheimlich lustig sich bei jeder Ultraschalluntersuchung in Schädellage zu bringen, um sich danach dann wieder zurück zu drehen. Mich beschlich die ganze Zeit das Gefühl, dass diesmal etwas anders sein würde als bei den letzten beiden Malen. Ich dachte immer es würde ander Kindlage liegen und am Ende auf einen Kaiserschnitt hinauslaufen oder ähnliches. Eins war mir wichtig: ich wollte dieses Mal sehr aktiv die Geburt gestalten. Bei der ersten Entbindung waren viele Interventionen notwendig, was für mich ok war, da es um die Gesundheit meines Kindes ging. Beim zweiten Mal habe ich die Wehen und den Schmerz einfach über mich ergehen lassen. Ich lag beide Male wie ein Käfer auf dem Rücken und lies es geschehen. Nun sollte es anders werden: Beim dritten Mal war es mir wichtig den Schmerz anzunehmen, ihn zu nutzen und die Kraft meines Körpers zu spüren und alles ganz genau wahrzunehmen. Ich sprach sehr viel darüber: Mit meinem Mann, mit meiner Hebamme und mit einer Freundin. Ich las mir alles zu Geburtspositionen usw durch und bereitete mich so vor.

Während dieser Schwangerschaft verspürte ich viele Übungs- und Senkwehen. So auch immer wieder im Oktober.

Oft gab es Montage oder die Nacht von Sonntag auf Montag, wo ich mich nicht gut fühlte. Kopfschmerzen und Müdigkeit oder auch mal Übelkeit und Magendarmbeschwerden quälten mich dann.

Beginn der Geburt:

So auch am Sonntag, den 16.10. Als ich abends auf dem Sofa lag und dann ins Bett ging quälte mich Unwohlsein und wehen. Ich merkte auf einmal Sorge, es könnte der Geburtsbeginn sein. Ich geriet leicht in Panik: Denn ich fühlte mich keineswegs bereit und sorgte mich um die beiden Jungs. Der Große ging seit dem Sommer in die Schule und ich war mir unsicher ob Oma und Opa das hinbekommen würden alles… Nein dachte ich, dass darf jetzt nicht losgehen. Ab 21. sind Ferien, das wäre besser.

Und so vergingen nachts um 3 die Wehen wieder. Ich fühlte mich am nächsten Tag schrecklich. Oma und Opa sprangen ein und kümmerten sich um die Abholung der Jungs und beschäftigten sich mit ihnen bis mein Mann sie abholte. Dienstag fühlte ich mich etwas besser. Aber der Durchfall blieb. Schrecklich die Vorstellung so kraftlos in die Geburt starten zu müssen. Denn irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es bald losgehen würde. Mein Körper reinigte sich komplett. Mittwoch blieb es ruhig. Die Erschöpfung blieb. Am Donnerstag stand ich morgens auf. Fuhr die Kinder weg und fühlte mich als könnte ich Bäume ausreißen! Verrückt dieser Wandel. Ich putzte, räumte auf, kümmerte mich um die Wäsche, packte die Kliniktasche noch mal komplett neu, bezog das Bett neu usw. Mein Mann lachte nur als er mich so werkeln sah. Mittwoch hatte ich schon einen Großeinkauf gemacht, damit alle versorgt sind.

Donnerstagmittag als ich zum ausruhen auf dem Sofa lag merkte ich wieder vereinzelt Wehen. Och, nicht schon wieder dachte ich. Aber ich akzeptierte es einfach. Ich holte den großen von der Schule ab. Mein Mann fuhr dann mit ihm zum Sport und ich lief zur Kita und holte den kleinen ab. Da war es 15:30 Uhr. Da merkte ich beim laufen: ups, die Wehen sind ja wirklich noch da und ich blieb kurz stehen wenn eine kam. Man merkte mir aber nichts an. Ich unterhielt mich noch ganz normal. Die Wehen waren auch unregelmäßig. Während der Abwesenheit meines Mannes telefonierte ich mit meiner Hebamme und sie meinte, dass es sich so anhört als ginge es los, aber noch dauern würde. Als mein Mann zurück war erzählte ich ihm von meinen Wehen und er strahlte über das ganze Gesicht voller Freude: Bekommen wir heute unser kleines Mädchen?, sagte er. Ich merkte wie auch ich voller Freude war. Im Gegensatz zu den letzten Tage fühlte ich mich unheimlich bereit und stark! Einfach fantastisch. Es war mittlerweile 17:30. Den Kindern sagten wir nichts. Was beim Abendessen gegen 19:00 echt schwerer wurde, weil die Wehen stärker wurden und auch regelmäßiger und schmerzhafter. Aber sie merkte nichts. Ich wollte sie nicht beunruhigen.

Die Geburt:

Während mein Mann die Jungs ins Bett brachte und ich im Wohnzimmer/Küche war, wurden die Wehen weiterhin intensiver. Ich meine das ungefähr als Geburtsbeginn wahrzunehmen. Sprich die Wehen gingen mit Muttermundsöffnung einher. Ich musste die Wehen stark veratmen und stehen bleiben. Denn ich wollte nicht liegen sondern bewegte mich. Und weil es mir als Verschwendung erschien machte ich nebenbei den Haushalt: Tisch abdecken, abwischen und Geschirrspüler ein- und ausräumen, Küche aufräumen, Wäsche abhängen, Brotdose für den großen vorbereiten, Schultasche packen, Kleidung der Kinder rauslegen usw. Beim gehen und Bewegen machte ich kreisende Bewegungen mit der Hüfte und bei den Wehen stützte ich mich ab und veratmete sie ganz konzentriert und intensiv. Während der ganzen zeit verspürte ich keinerlei Sorge oder Angst. Ich verspürte Vorfreude und das Gefühl von „Ich kann alles schaffen“…. Ich rief meine Eltern an, meine Mama war verabredet und saß im Restaurant. Es tat mir sehr leid sie stören und ums kommen bitten zu müssen. Da war es 20:50. Mein Papa informierte sie und um kurz nach 21:00 war meine Mama bei uns. Da hatte ich schon sehr intensive Wehen und musste Tönen. Um 21:20 rief die Hebamme an um zu fragen wie der Stand der Dinge ist. Als sie mich im Hintergrund hörte schluckte sie stark. Auch meine Mama war besorgt und dachte an einen Krankenwagen. Wir fuhren ins Krankenhaus. Beim Einsteigen ins Auto platzte die Fruchtblase  (gut, dass wir etwas untergelegt hatten) bei jeder Wehe kam ein neuer Schwapp von Fruchtwasser. Es war 21:40. Ich merkte wie sich die Wehen veränderten, Bei der Geburt des zweiten platzte die Fruchtblase bei 6 cm. Ich ahnte, dass das ne sehr knappe Kiste wird. Mein Mann fuhr viel zu schnell. Zwischen den Wehen ging es mir fabelhaft und wir konnten uns kurz Unterhalten. Am Krankenhaus angekommen, merkte ich, das ich nicht mehr laufen konnte und bat meinen Mann um einen Rollstuhl. Er wollte loslaufen einen holen. Da konnte ich ihn unter Schmerzen nur noch anmotzen dass er gefälligst hier bleibt und anrufen soll, damit sie mit einem Rollstuhl runter kommen. (Er hatte uns vorher schon angekündigt) Und so lief ich langsam dem Rollstuhl mit den Hebammen entgegen. Sie bedienten den Fahrstuhl falsch und wir fuhren erst noch durch mehrere Stockwerke. Aber das amüsierte mich nur, denn ich fühlte mich unheimlich sicher und gut aufgehoben. Um 21:55 betraten wir den Kreißsaal. Ich stand auf, bat darum mir die Hose auszuziehen, Sagte mehrfach: Es drückt so sehr. In Windeseile legten sie mir ein mobiles CTG an und ich kroch auf das Kreißbett und stützte mich an der Lehne des Bettes auf und gebar meine erste Tochter im Vierfüßlerstand ohne jegliche Intervention oder Untersuchung. Nach ein paar Presswehen war sie da. Selbst noch etwas blau, weil alles so schnell ging. Es war 22:09 als sie aus mir rausflutschte.

Es war eine tolle sehr intensive Geburt: Ich habe auf mich und meinen Körper gehört und bin unendlich stolz wie ich das ganze gemeistert habe. Es war mir eine große Freude dies zu erleben.

PS: Diesen spannenden Geburtsbericht hat Larissa geschrieben. Den Bericht zu ihrem zweiten Geburtserlebnis könnt ihr hier lesen. :)

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