Einschulung
Rabenmutter 2.0

Gedanken zur Einschulung

Vor wenigen Wochen habe ich mein zweites Kind eingeschult und wie schon beim ersten Spross ist es auch diesmal wieder ein großer Schritt. Für den kleinen Floh, der einfach immer ein Baby für mich bleiben wird, weil er nun mal mein Jüngster ist und deshalb MEIN BABY IST! ;) Und auch für uns Eltern, denn wir sind nun keine Kitakind-Eltern mehr … wir haben zwei Schulkinder! Damit einher geht – neben vielen Formularen, veränderten zeitlichen Abläufen und vielen frischen Gesichtern – natürlich wie bei jedem neuen Lebensabschnitt der Kinder auch ganz viel loslassen! Zugeben: Das ist nicht meine größte Stärke, ABER es ist definitiv leichter beim zweiten Kind als beim ersten. Aus verschiedenen Gründen.

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Meine Gedanken zur Einschulung

Die Große haben wir eingeschult, als gerade die Pandemie Fahrt aufnahm. Wir einschulenden Eltern gaben unsere Kinder ab in fremde Hände, ohne je die Gesichter komplett gesehen zu haben. Wir konnten vorher nicht in den Klassenraum „schnuppern“ und auch nicht mal eben bis zur Tür gehen mit unseren aufgeregten I-Dötzchen. Zumindest bei uns war es so … wir gaben unsere – gefühlt gerade aus der Kita abgeholten – Kinder am Tor ab und ließen sie auf unbekanntem Terrain zurück, bei ebenso unbekannten Menschen. Klar, ein Stückweit ganz normal; aber wie ich nun aus der neusten Erfahrung „Einschulen OHNE Pandemie-Background“ weiß, doch gar nicht SO „normal“. Und da ist jetzt noch nicht mal mit eingerechnet, dass der Einschulung damals monatelanges Homeschooling folgte, was wiederrum einen echt ätzenden Rattenschwanz nach sich zog. Aber das ist eine andere Geschichte. ;)

Das Loslassen ansich gehört jedoch dazu. Wie schon bei der Kita-Eingewöhnung, geben wir unsere Kinder mit der Einschulung ab in die Obhut anderer Menschen, die wir oftmals noch gar nicht kennen. Diesmal nur eben OHNE Eingewöhnung. Weil die Kinder (und Eltern) nun erfahren genug sind, um diesen Schritt „einfach“ zu gehen. Zumindest ist es so vorgesehen. Für viele Kinder funktioniert das voll gut, für andere nicht. Doch für diese emotionale Individualität ist in unserem Schulsystem kein Platz. Und keine Zeit. Und obwohl MEIN zweites Kind das bisher sehr gut wegsteckt, kenne ich eben auch die anderen. Wie sie morgens weinend von den Eltern durchs Schultor geschoben werden müssen, weil sie eben MÜSSEN. Ob sie schon KÖNNEN oder nicht. Diese Kids tun mir so unsagbar leid. Genauso wie ihre Eltern. Ganz besonders, wenn es dauert und dauert und einfach nicht leichter wird, weil die Kleinen nicht so „ankommen“ wie es erwartet wird. Es tut mir so leid. Daran denke ich sehr oft im Moment und wünsche den Familien, die es damit schwer haben, von Herzen ganz viel Kraft und ein Umfeld, dass mit ihnen fühlt.

Und noch mehr Gedanken

Wir haben in dem Punkt mehr Glück. Und ich bin dankbar, dass es bei uns gut läuft. Dass mein KLEINER Floh seine große Schwester an der Schule hat und bereits schlicht unzählige Kinder in super vielen Klassen kennt, weil sie irgendwie alle gemeinsam auf demselben Spielplatz groß geworden sind. Er wurde sozusagen „mit Netz“ eingeschult und fühlt sich nur sehr selten etwas alleine dort. Dass macht auch das Loslassen für mich viel leichter. Ich weiß, er ist schon ziemlich gut eingebunden in ein soziales Gefüge, das ihn schon lange begleitet. Nur die Lehrer*innen und Betreuungspersonen, die nun Teil seines Alltages sind, kennen weder er noch ich bisher richtig gut. Immerhin haben wir „Großen“ uns schon getroffen und bei einem ersten Elternabend miteinander gesprochen, aber KENNEN und VERTRAUEN aufbauen (was ich schon auch wichtig finde für die Lehrer*innen-/Eltern-Beziehung), braucht ja mehr Zeit als das. Voll ok. Wir haben die Zeit. Und unsere „Beziehung“ ist natürlich bei Weitem nicht so wichtig wie die der Kinder zu den Lehrer*innen und umgekehrt.

Nur … während ich so DARÜBER nachdachte, wie logisch es für uns Erwachsene ist, dass man sich erstmal vorsichtig beschnuppert, vielleicht nicht mit jeder Sorgen-Tür direkt ins Haus fällt, weil man ja noch nicht weiß, wie das Gegenüber so gestrickt ist und reagieren wird, fiel mir auf, dass von den Kindern wie so oft was ganz anderes erwartet wird: Nämlich volles Vertrauen in die Lehr- und Betreuungskräfte von Tag eins an. So zumindest mein Gefühl. Sie sollen mit allen Ängsten, die diese neue Welt vielleicht auslöst und die Zwerge vor Hürden stellt, EINFACH sofort zu diesen doch eigentlich noch ganz fremden Menschen kommen. Nicht zur Mama, denn die ist halt nicht da. NICHT die Smart-Watch benutzen (die zumindest bei uns fast alle Kinder haben), um Mama anzurufen, wenn die Tränen unkontrollierbar laufen, weil etwas passiert ist, dass alles ins Wanken bringt, sondern zu den (noch so fremden) Lehrer*innen gehen. Ich bin (fast) sicher, die meisten Pädagogen meinen es wirklich absolut und von Herzen kommend ernst, wenn sie den kleinen Neu-Schülern sagen, dass sie mit JEDEM Problem zu ihnen kommen können, ja sogar SOLLEN … aber braucht das nicht auch bei Kindern Zeit, dieses Vertrauen aufzubauen?

Ich möchte auf keinen Fall mit diesem Gedanken jemandem auf den Schlips treten. Ich habe absolute Hochachtung vor all unseren Lehrkräften, die so sehr ihr Bestes geben in diesem Schulsystem, dass so dringend einmal abgerissen und neu aufgebaut werden müsste. Ich sehe und fühle ihren täglichen Struggel, wenn sie mir ihre Sicht der Dinge in persönlichen Nachrichten auf FB oder Instagram schreiben und bin krass dankbar, dass sie jeden Morgen aufstehen und wieder in die Tretmühle steigen, um gemeinsam mit unseren Kindern zu schaffen, was (alternativlos) geschafft werden muss. Es ist einfach nur dieser Gedanke, dass wir Erwachsenen auch in Sachen Einschulungssituation wieder Verhaltensweisen von unseren Kindern erwarten, die wir selber sicher nicht abliefern würden. Und das schmerzt … irgendwie.

Vielleicht liegt es an mir, an meiner aktuellen emotionalen Phase, vielleicht an der Erkenntnis, was meinem großen Kind durch die Pandemie alles durch die Lappen gegangen ist, oder vielleicht Helikopter ich auch bloß doof rum, weil ICH nicht so der Typ „schnelles Vertrauen“ bin und diese Skepsis auch meinen Kindern zugestehen möchte … obwohl SIE die vielleicht gar nicht brauchen. Viele vielleichts. ;) Ich wollte diese Gedanken trotzdem einfach mal aufschreiben und teilen. Mit euch. Danke fürs lesen/zuhören. :-*

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