(Leser-)Geburtsberichte

Judith erzählt

Ich habe zwei unterschiedliche Geburten gehabt und möchte von meiner 2. Geburt berichten, um manchen Müttern auch Mut zu machen:

Am 13.05.2017 stellte man aus heiterem Himmel bei meinem Sohn in der 38.ssw fest, dass sein Herz aufgehört hatte zu schlagen! Einfach so – ohne Vorankündigung! Geschockt von der Diagnose hat mir die Ärztin direkt zur Einleitung und natürlichen Geburt geraten, da dies sowohl für meinen Körper als auch die Seele das Beste wäre ! Quatsch , dachte ich da noch! Ich möchte einfach nur, dass man totes Baby aus meinem Körper kommt und ich nicht noch mehr unter einer normalen Geburt leiden muss, habe mich aber auch nach Rücksprache mit meiner Hebamme überzeugen lassen . Tag 1. der Einleitung und nichts passierte außer viele tolle Gespräche mit den Hebammen und Ärzten, die alles taten, damit wir uns so wohl wie es nur irgendwie ging fühlen! Tag 2 und zack die Wehen gingen in Form eines Wehensturmes los inkl Blutungen die erstmal lokalisiert werden mussten! Ohne CTG und den üblichen Kabeln ging es nun in den Kreissaal, da ja kein Herzschlag da war ! Wir bekamen einen Kreißsaal außerhalb der üblichen Räume, um etwas vom Babygeschrei abgeschirmt zu werden.

Mir wurde direkt angeboten, dass ich Beruhigungsmittel bekommen kann und auch alles andere an Schmerzmitteln und das ich keine falsche Scheu haben soll alles in Anspruch zu nehmen, da der Schmerz des Verlustes doch schon groß genug wäre ! Ich wollte aber nicht, ich wollte meinen kleinen Krümelkeks bei klarem Kopf zur Welt bringen …. die Wehen waren schmerzhaft und stark, aber nicht stark genug, um den Muttermund weit genug zu öffnen! Viele Tränen und wichtige Gespräche später bekam ich nach 18h Wehen eine PDA und konnte etwas ausruhen ! Die Schwierigkeit einer Totgeburt ist einfach, dass das Baby nicht mitarbeitet … während der Wehen sollte ich den Oberkörper möglichst gerade halten ../ puh leichter gesagt als getan! Aber sooft und viel wie möglich war eine Hebamme dabei und uns, sowohl bei den Wehen als auch seelisch! Die Motivation einer normalen Geburt, danach sein Kind glücklich im Arm halten zu können, fehlte uns einfach! Immer wieder wurde alles per Ultraschall kontrolliert und mir gesagt, wie toll wir das als Ehepaar machen und wie stark wir wären! Aber durch meinen Kopf schossen oft die Gedanken, dass ich das alles nicht schaffe , dass ich das alles nicht mehr will und einfach zu meiner grossen Tochter nach Hause will und das hier alles vergessen ! Aber vergessen ging nicht. Zu keiner Zeit kam ich mir alleine gelassen vor , weder von meinem Mann , noch vom Hebammen- und Ärzteteam! Meine betreuenden Hebammen haben immer auf mein Bauchgefühl gehört und ein offenes Ohr gehabt! Als es auf die Presswehen losging war bei uns allen die Anspannung groß . Ich hatte meine Tochter per Kaiserschnitt zur Welt gebracht und nun war die Frage was kommt auf mich zu. Angst. Angst vor den Schmerzen und Angst davor wie mein Sohn aussehen würde ! Meine Hebamme nahm mich an die Hand und sagte : Zusammen schaffen wir das ! Und mach bei den Presswehen wie du meinst und zur Not korrigiere ich dich. Und scheiss einen drauf , ob dich alle schreien hören, dass ist dein absolutes Recht… und sie behielt recht! Die Presswehen dauerten fast 30min, aber ich bin „heile“ daraus und das weil wir uns keinen Stress gemacht haben und alles in Ruhe auf uns haben zukommen lassen… ich hatte danach meinen wunderschönen Sohn auf dem Arm! Sekundenspäter realisierte ich, dass er tot war ! Er sah einfach so süß und normal aus mit seinen 50cm und 3100g!!! Wir mussten alle weinen und keiner konnte es in Worte fassen ! Die Hebamme unterhielt sich ganz liebevoll mit ihm während sie ihn anzog…Meinen Joona Bennet auf natürliche Weise zur Welt gebracht zu haben hat mir ungemein viel Kraft gegeben, dass man alles schafft, was man sich vornimmt ! Mein Ärzte- und Hebammenteam war unglaublich toll und mit viel Liebe und Herzblut dabei!

Diesen ergreifenden Geburtsbericht über die Stille Geburt ihres zweiten Kindes schrieb Judith.

One thought on “Judith erzählt

  1. Liebe Judith,
    danke dass du deine 2.Geburt geteilt hast.
    Ich war mir erst nicht sicher ob ich deinen Bericht wirklich komplett lesen sollte… bin aber froh es gemacht zu haben.
    Dein Bericht macht Mut,auch wenn man sich nicht wirklich vorstellen kann wie schrecklich traurig sich eine stille Geburt anfühlt.
    Danke und viel Glück und Liebe für Dich und Deine Familie

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