Geburtsberichte
Leser*innen-/Geburtsberichte

Leserin-Geburtsbericht: Anna G. erzählt

Eine Geburt im Geburtshaus, so natürlich wie möglich, mit Sam unserer Hebamme, Markus, mir und unserem Kind. So viel zum Plan. So naiv zu glauben dass Geburten gänzlich wie geplant verlaufen, war ich natürlich nicht. Dass aber so rein gar nichts klappen wollte, darauf hatte ich mich nicht eingestellt.
Ich mache bis zuletzt Yoga, gehe auch im bergigen Auckland ausgedehnt spazieren, bin fit und voller Motivation. Meine Einstellung: Tschakaaa, komm nur ran Geburt! Ich freue mich auf diesen Tag, auf unser neues Menschlein, bin so neugierig, wissen wir ja das Geschlecht noch nicht. Entbindungstermin ist der 09.06.20, am Nachmittag des 04.06 fangen die ersten Wehen an. Mit Sam ist Folgendes ausgemacht: Wir treffen uns im Geburtshaus, wenn die Wehen alle 3 Minuten kommen, für 1 Minute anhalten und dieser Zustand für mindestens 1 bis 2 Stunden anhielt.
Noch Zeit, denken wir uns, gehen 22 Uhr raus für einen Spaziergang, holen uns am Take-away noch ein Stück Pizza. Zurück in unserem Zimmer legen wir uns ins Bett und schlafen noch mal eine Nacht, versuchen noch mal Kraft zu tanken. Das funktionierte sogar recht gut, ich wache circa alle 30 Minuten auf, bemerkte eine Wehe, gehe auf die Toilette und legte mich wieder hin. So die ganze Nacht. Am Freitag, den 05.06.20 nimmt die ganze Sache dann Fahrt auf, die Abstände zwischen den Wehen werden kürzer und zunehmend länger. Ich informiere Samantha, alles sieht so aus, als ob wir die nächste Nacht im Geburtshaus verbringen.
22 Uhr ist es dann endlich soweit, Wehen alle 3 Minuten, 1 Minute lang und so weiter, ihr kennt das Spiel :). Zu dieser Zeit ist es mir auch fast egal was der Wehentracker sagt. Die Wehen sind bereits so schmerzhaft das ich mich langsam nach Betreuung unserer Hebamme sehne.
Exakt 23 Uhr sind wir im Geburtshaus. Sam kontrolliert zu Beginn meinen Muttermund, 4 cm. Wir sind alle stolz :). Sie bemerkt aber auch sofort, dass unser Kind noch nicht ganz richtig liegt. Mit dem Köpfchen nach unten, aber der Kopf ist nicht auf der Brust, sondern im Nacken und der Körper nach oben wie eine Schraube gedreht. Wir versuchen mit verschiedensten Techniken das Kind in die richtige Position zu bringen. Ich stehe abwechselnd mit dem Rücken an einer Wand, sitze auf einem Ball, stütze mich kopfüber von einer Couch ab, während Markus oder Sam mit Tüchern an mir rütteln, um uns näher ans Ziel zu bringen. Die Herztöne sahen zu jeder Zeit prächtig aus. Ich habe Wehen, teilweise drei Stück in fünf Minuten, allerdings total unregelmäßig. Sie werden immer stärker und mir fällt es zunehmend schwer mich zu konzentrieren, jede Wehe fühlt sich schmerzhafter, und ich, verkrampfter an. Ein neuer Tag beginnt, es ist der 06.06.20, 4 Uhr kontrollieren wir nochmals den Muttermund, immer noch 4 cm. Puh, na gut weiter! Ins Krankenhaus will ich nicht, habe ich doch schon allerhand Gruselgeschichten aus deutschen Kreißsälen gelesen. Um 6 Uhr befinde ich mich in der Wanne, ich zittere, fühle mich kraftlos und sage leise zu Markus: ,,Ich glaub, ich schaff das nicht mehr.”
Halb 7 kontrollieren wir noch mal und hoffen auf Fortschritt. Nichts da, 4 cm. Ich will ins Krankenhaus, Sam sieht es genau so, wir organisieren den Transport. Das Geburtshaus liegt keine 5 Autominuten vom Krankenhaus entfernt. Der Transport kommt mir dennoch ewig vor, ich verliere zwischenzeitlich völlig die Kontrolle über mich, ich weine, ich bettele nach einer PDA, einem Kaiserschnitt, zwischendurch darum zu sterben. Eine Dramaqueen bin ich eigentlich nicht :)
Im Krankenhaus bekommen wir schnell eine ,,Birthing Unit” für uns. Sam begleitet uns weiter, bereitet uns aber schon darauf vor, dass sie verständlicherweise nicht ewig da bleiben kann und uns irgendwann an eine Hebamme des Krankenhauses übergeben wird.
9 Uhr bekomme ich die PDA und kann mich endlich wieder sammeln. Danach öffnet Sam meine Fruchtblase, wir erhoffen uns, dass die Geburt dadurch endlich schneller vorangeht. Leider brachte dies nicht den gewünschten Effekt.
Wir versuchen nun die Wehen künstlich mit Oxytocin zu kontrollieren und unser Kind weiterhin, mit allerhand Bewegung und Gerüttel, in die gewünschte Position zu bringen.
Und ab jetzt können wir es kurz machen, 20:30 Uhr wer hätte es gedacht, 4 cm! Difficult labor progress, nannten sie es.
Um 21:34 Uhr wurde unser Kind per Kaiserschnitt geholt, ein Junge.
Abschließend kann ich das Auckland City Hospital nur loben. Meine Angst war völlig unbegründet! Durch die recht lange Geburt habe ich 3 Hebammen kennenlernen dürfen. Eine herzlicher als die andere. Die Anästhesistin, welche mir die PDA verabreichte, streichelte mir den Rücken und sagte: ,,Almost done, Darling.”
Das Team im OP Saal hat es geschafft, unsere mehr als holprige Geburt, zu einem trotzdem wunderschönen und emotionalen Ereignis zu machen. Ich war die gesamte Zeit wach und ansprechbar. Eine der OP Schwestern stand immer neben mir, erklärte mir jeden Schritt, wie es sich gleich anfühlen wird, was als nächstes passiert. Sie erkundigte sich immer wieder nach meinem Befinden. Zu meiner anderen Seite stand Markus. Noch bevor ich in den OP geschoben wurde, hörte ich jemanden fragen ob wir eine Kamera dabei hätten. Klar haben wir! Selbst hätten wir wahrscheinlich keine Fotos gemacht, aber sogar dafür wurde im OP gesorgt.

Ein dickes Danke!

Diesen spannenden Geburtsbericht hat Anna vom Reiseblog timetogo geschrieben :)

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