Geburtsberichte
Leser*innen-/Geburtsberichte

Leserin-Geburtsbericht: Maya erzählt

Mein Mann und ich haben uns von Anfang an zwei Kinder gewünscht. Unsere Zaubermaus wurde im Sommer 2017 geboren und stellte unser Leben auf den Kopf. Unser Leben zu dritt war anders, als wir es uns ausgemalt hatten. Schön, aber anders. Sie war durch und durch ein Schmuse- Trage- Mama- Kind.
Zuerst wollten wir gleich ein zweites Wunder „hinterher schieben“, doch das legten wir dann doch schnell ad Acta.
Letztes Jahr im Mai erfuhr ich bei meiner Frauenärztin zufällig, dass ich schwanger war. Wir übten schon etwas länger, aber Baby Nummer zwei lies sich ein wenig Zeit.
Die Schwangerschaft verlief Komplikationslos. Die zweite und letzte Schwangerschaft zu genießen stellte sich mit quirligem Kleinkind als fast unmöglich dar.
Doch im Nachhinein war sie trotz dessen schön. Unser kleiner Spatz war sehr lebendig und es zeichnete sich ab, dass wir einen kleinen Brocken bekommen sollten.

Das er letzten Endes noch schwerer war, konnte keiner ahnen.
Ich wurde nach 7 Tagen über den Termin ins Krankenhaus eingewiesen, weil unser Kleiner sich noch nicht auf den Weg machen wollte.
Ich ging mit dem Gedanken ins Krankenhaus, dass wir nicht herum experimentieren werden. Am 8. Tag „drüber“ kam erst die Einleitung mit dem Nelken Öl Tampon. Ich hatte ehrlich gesagt ein wenig Schiss, weil mir Freunde berichteten, dass das sehr schmerzvoll wäre. Ich kam jedoch gut damit klar und es löste auch Wehen aus, doch die gingen wieder weg. Dieses Gefühl des „hey es geht bald los“, hatte ich bereits schon drei mal zu Hause erlebt, doch nach ein paar Stunden, gingen die Wehen jedesmal weg. So also auch diesmal.
Am 9. Tag wurde mir dann empfohlen mit Cytotec einzuleiten. Wir wurden zwar aufgeklärt, jedoch nicht im vollen Umfang, sonst hätten wir nicht eingewilligt. Ob das Medikament etwas mit den späteren Komplikationen zu tun hatte- wir wissen es nicht und ehrlich gesagt, spielt das für uns auch keine Rolle.

Im Krankenhaus wurde unser Kleiner auf 4.500 Gramm geschätzt und wir wurden über Risiken einer spontanen Geburt aufgeklärt. Kinder mit einem Gewicht über 4.200 Gramm können in u.a. mit der Schulter stecken bleiben. Sie erwähnten das dies nur in 1% der Fälle Auftritt und sie uns dies mitteilen müssen, das sie uns einen Kaiserschnitt anbieten können, wenn wir dies wollten. Sie uns aber jedoch nicht von einer spontanen Geburt abraten wollen würden.

Am 9. Tag über Termin war es dann soweit. Eine Freundin besuchte mich am Nachmittag und ging mit mir gegen halb sechs in den Kreißsaal, da die Wehen doch nun alle 3 Minuten kamen und rief auch meinen Mann an.
Die Geburt verlief entspannt. Zuerst war ich in der Wanne und ging dann zusammen mit meinem Mann, mit anfänglichen Presswehen gegen acht in den Kreissaal. Auch da verlief alles nach Bilderbuch. Ich konnte für mich gute Positionen auswählen. Ich hatte Wehenpausen und konnte die Wehen sehr gut veratmen. Wir waren entspannt, konnten witzeln und waren ein spitzen Team.

Was dann geschah, raubte uns den Atmen. Ungefähr eine halbe Stunde vor der Geburt, wurde auf einmal ein zweites Gerät reingerollt und mir wurde geraten die Unterstützung eines Wehentropfes zu nehmen.
Ich hatte gute Presswehen, nur leider waren sie zu kurz. Das Köpfchen stecke plötzlich fest und wir warteten auf die nächste Presswehe. Doch die blieb aus. So langsam merkte mein Mann, dass etwas nicht stimmt. Ich wurde am Bein vom Bett gezogen und die Beine wurden hochgerissen und hin und her gedreht. Ich fühlte mich ausgeliefert und bekam Angst. Die Hebamme wies mich an zu pressen, doch die Wehe blieb immer noch aus. Dann fuhr sie mit einer Hand in mich und tastete nach dem Baby. Ab dem Zeitpunkt war klar, er steckte fest. Mit der zweiten Hand versuchte die Hebamme ihn zu drehen, doch es war nicht genügend Platz. Also sollte ein Dammschnitt gemacht werden. Ich bereitete mich auf den Schmerz des Schnittes vor, als wir hörten „Da ist kein Platz! Meine Hände und die Nabelschnur sind im Weg.“
Dann kam die erlösende letzte Presswehe. Ich gebar zwei Hände und ein kleines Baby mit 4730 Gramm mit einer umschlungenen Nabelschnur.
Er wurde mir sofort auf die Brust gelegt, doch ich merkte sofort, das etwas komisch war. Die Nabelschnur wurde umgehend durchtrennt und alle drei „Geburtshelfer“ verschwanden mitsamt schlaffem Kind.

Mein Mann und ich standen unter Schock! Die Sekunden und Minuten verstrichen und wir hörten kein Babygeschrei. Es war still- bis auf die entfernten Stimmen im Nebenraum.
Mein Mann hielt mich ganz fest und ich konnte nur schreien „mein Baby. Was ist mit meinem Baby.“ Tausende Gedanken rasten durch meinen Kopf. Ich fing an innerlich zu beten.
Ich lag halb runtergezogen von dem Bett, mit der Nachgeburt noch in mir und wir waren in den ersten Minuten komplett alleine.

Nach ungefähr 10 Minuten kam eine Hebamme zu uns und sagte, „Er atmet! Der Oberarzt kommt gleich zu Ihnen.“
Unser kleiner Matheo kam um 22:15 auf die Welt. Gegen halb drei wurde er für die nächsten 13 Tage mit auf die Bult genommen. Wir durften unser Baby drei Minuten angucken, wie er beatmet und Sediert in dem Inkubator lag. Ich durfte für einen kurzen Moment, seine Hand drücken. Dann war er weg. Die Ärzte und Hebammen haben sich sehr viel Zeit für uns genommen und uns alles erklärt, was Geschehen war und wie es mit unserem Kind jetzt weiter gehen werde. Ich konnte erst Stunden später weinen. Die nächsten Tage wurde sich sehr emphatisch um mich gekümmert. Niemand machte uns oder mir einen Vorwurf. Nur ich selbst tat dies. Doch ich konnte die Schuldgefühle in Gesprächen verarbeiten.

Die Geburt ist nun 8 Wochen her und unserem kleinen Spatz geht es gut. Er entwickelt sich prächtig und wurde überraschend schnell und als gesundes Kind entlassen. Ob es später Entwicklungsverzögerungen gibt, weiß niemand. Doch das kann man auch bei jedem anderen gesundem Kind mit einem guten Start nicht sagen.
Jetzt sind wir ein Vierblättriges Kleeblatt und lernen uns mit jedem Tag besser kennen.

Diesen spannenden Geburtsbericht hat Maya geschrieben :)

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