Geburtsberichte
Leser*innen-/Geburtsberichte

Leserin-Geburtsbericht: Stefanie S.

Mein Mann und ich wünschten uns, frisch verheiratet ein Kind. Es klappte schnell, aber war auch leider schnell wieder vorbei. Die Oberärztin bei der Ausschabung sagte zu mir: „Warten Sie ab, es dauert kein Jahr dann sehen wir uns zur Entbindung wieder!“ Recht hatte sie. Nachdem wir uns entschieden hatten, unseren Verlust erst einmal zu verarbeiten und es nicht weiter zu versuchen war ich – zack – wieder schwanger. Die Schwangerschaft verlief zunächst unkompliziert. In der 25. SSW sind wir noch nach Teneriffa geflogen. Nach dem Urlaub dann der Schreck, GbmH bei 3cm. Sofort ins Krankenhaus, Dauer CTG, Wehenhemmer, Lungenreifespritze. Nach 5 Tagen durfte ich wieder nach Hause. GbmH zwar kurz, aber stabil. Zu Hause sollte ich mich schonen, was ich auch tat. Am 04.05., in der 30. SSW hatte ich den ganzen Tag Rückenschmerzen (es hatte mir aber auch wirklich niemand gesagt, dass man Wehen auch als Rückenschmerzen empfinden könnte). Abends hat mein Mann mich dann zu meiner Gynäkologin genötigt. Nach kurzer Untersuchung ging es sofort, im Liegen ins Krankenhaus. Dort wurde mir ein Blasenkatheder gelegt, wieder erneut der Wehenhemmer angeschlossen. GbmH nicht mehr messbar, Muttermund 3cm auf. Nach einigen Stunden schickten die Ärzte meinen Mann nach Hause, ich sei stabil und würde jetzt wohl erst einmal ein paar Wochen liegen. Ich lag die ganze Nacht in einer winzigen Kammer und hatte Schmerzen. Nach mehrfachem Klingeln bekam ich eine Paracetamol angehängt. Sonst bekam ich keine Hebamme mehr zu Gesicht. Geschlafen habe ich nicht in dieser Nacht. Morgens um 07:00 Uhr kam dann die nette Oberärztin, sah mich, erschrak, machten eine Untersuchung und sagte: „ Dann rufen Sie mal ihren Mann an, der Muttermund steht bei 9cm, ihre Tochter kommt jetzt!“ Mein Mann hat die Strecke zum Krankenhaus in Rekordzeit zurückgelegt. Mir wurde eine PDA gelegt, um es für unsere Tochter leichter zu machen. In so einer frühen Woche, wurde mir erklärt, muss der Weg möglichst weich und weit gemacht werden, damit sich die Winzlinge nicht überanstrengen müssen. Leider lag die PDA nicht richtig und hatte so keine Wirkung (zwei Stunden nach Entbindung wurde mein rechtes Bein taub, so dass ich den restlichen Tag im Rollstuhl saß). Mein Mann und die Hebamme haben mich super durch die Geburt begleitet. Die Schmerzen waren schon beeindruckend, aber ich habe die ganze Situation in einer Art Nebel erlebt. Einzelne Wehen konnte ich gar nicht ausmachen. Unserer Tochter ging es die ganze Zeit gut. Sie sei „Gechillt“ wie die Oberärztin sagte. Doch dann musste es auf einmal schnell gehen, das sie nicht mehr gechillt sondern gestresst war. Die Oberärztin legte sich auf mich drauf und drückte von oben, der Damm wurde eingeschnitten und die Saugglocke genutzt. Und unsere Maus war dann auf einmal wahnsinnig schnell da. Um 09.13 Uhr wurde Leonie geboren. Ganz blau, viel zu klein und ohne einen Ton. Sie wurde sofort auf die Neonatologie gebracht und Erstversorgt. Ich selbst musste noch die Plazenta gebären (war schwierig, weil die Plazenta sich so früh ja im Normalfall noch nicht ablöst). Ich war völlig Hormongeflutet und richtig gut drauf. Scherze mit der Oberärztin gemacht und im Anschluss erst einmal Kuchen mit meinem Mann gegessen. Unserer Tochter Leonie ging es den Umständen entsprechend gut. Sie bekam eine leichte Atemunterstützung und lag im Inkubator. Als ich dann die Daten gehört habe – 1290g und 33cm lang- kam die emotionale Breitseite. Leonie ist hervorragend durch diese schweren Wochen durchgekommen. Sie brauchte nicht lange die Atemunterstützung, ich konnte sie früh stillen (Am Anfang hat sie pro Mahlzeit 2ml getrunken) und lediglich die Gelbsucht machte ihr zu schaffen. Für meinen Mann und mich war die Zeit eine emotionale Achterbahnfahrt. Aber das Team der Neonatologie hat uns hervorragend betreut. Und nach 7 (langen) Wochen, durften wir vor dem eigentlichen Entbindungstermin mit unserer 2010g zarten aber völlig gesunden Tochter nach Hause. Ich hatte leider keine „normale Entbindung“ und ich hatte auch kein richtiges „Wochenbett“. Aber ich habe in der Zeit auf der Neonatologie viel gelernt, ich war bei Entlassung völlig souverän im Umgang mit unseren Winzling. Und wir waren unglaublich dankbar. Dankbar für die gute Betreuung vor Ort und die vielen medizinischen Möglichkeiten die es mittlerweile gibt. Und heute haben wir eine völlig altersgemäß entwickelte und eine (natürlich absolut objektiv bewertet) wunderhübsche Tochter, welche sogar große Schwester ist. Ich beneide manchmal Hochschwangere Frauen, und auch von einer normalen Geburt oder so etwas wie Bonding im Anschluss kann ich nur träumen. Aber ich denke, auf das Endergebnis kommt es an ;)

Diesen spannenden Geburtsbericht hat Stefanie geschrieben :)

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